140 FF Waidhofen/Thaya - August 2011

Aus einer Postwurfsendung der FF Waidhofen/Thaya anlässlich des Bezirkswasserdienst-Leistungsbewerb vom 19. bis 20. August 2011, der Feuerwehrfesttage und des 55. NÖ Landeswasserdienst-Leistungsbewerb vom 25. bis 28. August 2011 auf der Thaya im Thayapark
140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Waidhofen an der Thaya

Der Sommer 1871 kann als Beginn der freiwilligen Feuerwehr der Stadtgemeinde Waidhofen/Thaya angesehen werden, als eine Gruppe junger Männer erste Vorarbeiten leisten. Die Satzungen des "Feuerwehr-Vereines zu Waidhofen/Thaya" werden im Sinne des § 37 des entsprechenden Landesgesetzes am 9. November 1871 von der Gemeinde-Vorstehung genehmigt. Unterzeichner sind Bürgermeister Liebl, Laurenz Hamernik als Gemeinderat und ein Fl. Martinek, am 18. November genehmigt die Statthalterei des Erzherzogtums unter der Enns (heute Bundesland NÖ) diese Statuten. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in NÖ bereits 90 Wehren, im Jahre 1900 sind es deren bereits 1.211. Erster Hauptmann ist Schuldirektor Josef Merth, sein Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. Gustav Aigner, für die Kasse ist k.k.-Notar und Reichsratsabgeordneter Theodor Dobler zuständig. Anton Mayerhofer ist Obmann der Steigermannschaft, Alois Gartner steht der Spritzenmannschaft vor, Franz Kroppus leitet die Wassermannschaft und Laurenz Hamernik führt die Schutzmannschaft an, damit ist auch eine Aussage über die Gliederung der Aktiven gemacht. Sowohl personell wie auch finanziell steht der "Sparkassenverein" in wichtigen Punkten am Beginn der Feuerwehr der Stadt. Sammlungen von Haus zu Haus, die Stadtgemeinde und einige "Assekuranz-Gesellschaften" sind weitere Geldquellen. 1872 werden 104 Mann aus allen Berufen und sozialen Schichten als Mitglieder gezählt. Der vernichtende Stadtbrand vom 7. August 1873, bei dem die Kirche, 178 Häuser und 8 Scheunen zerstört werden, ist die erste große Bewährungsprobe für die junge Wehr, auch eine heutige moderne Feuerwehr hätte bei diesem Ausmaß an Katastrophe massive Probleme gehabt. Die Anschaffung einer Feuerspritze samt Mannschaftswagen durch finanzielle Hilfe der Sparkasse im Jahr 1874 ist der erste Sprung in die Technik. Der erste Standort der Feuerwehr von 1871 bis 1923 ist ein Raum im Rathaus an der Ostseite in Richtung Apotheke. Da viele Aufzeichnungen der FF in der NS-Zeit verloren gingen, sind einige Jahrzehnte der Geschichte nur zu rekonstruieren. Am 8. September 1896 wird Anton Mayerhofer als Kommandant angeführt, im Jahr 1906 Johann Niederleuthner, weitere Kommandanten in der Folge sind Adolf Nader und Georg Posch. In dessen Periode fällt der dringende Bau eines längst fälligen Feuerwehrhauses, der am 6. September 1922 in der Gymnasiumstraße beginnt. Baumeister Beck liefert kostenlos den Plan, Baumeister Haberl übernimmt die Maurerarbeit, Zimmermeister Rainer errichtet den von der Gemeinde bereitgestellten Dachstuhl. Im Oktober 1923 übergibt der damalige Bürgermeister Schulrat Franz Neuwirth das neue Zeughaus an den Kommandanten Georg Posch. Das inzwischen ehemalige Zeughaus, das heute die "Schule für Technik und Wirtschaft", vormals die "Polytechnische Schule", beherbergt, erhält in den 50er Jahren statt der 6 schmalen Tore drei breite. Am 27. Oktober 1924 übernimmt Spenglermeister Hermann Schwetz das Kommando, in seiner Zeit wird das erste Feuerwehrauto angeschafft und die Kinderfeuerwehr gegründet. In dieser Zeit ersetzen Motorpumpen die händische Arbeit. Ab dem 31. Jänner 1933 steht Ing. Karl Hamernik an der Spitze der Wehr, ab dem 28. April 1934 tritt Dir. Karl Zlabinger sein Amt als Kommandant an, das er bis Mai 1945 ausüben wird, sowohl bis zum März 1 938 noch als Repräsentant der österreichischen Feuerwehr als auch ab dem "Anschluss", als mit den Bezeichnungen "Ostmark" und "Niederdonau" neue Herren im Lande sind. Der bisherige Gruß "Gut Wehr" muss dem deutschen Gruß "Heil Hitler" weichen, der Vereinsstatus geht verloren, die Wehren werden zu Einrichtungen der politischen Gemeinden. Ab nun müssen die Feuerwehren in allen Belangen dem Apparat der NSDAP und dann den Erfordernissen des Krieges dienen. Ganz bitter für alle Lokalhistoriker und am Feuerwehrwesen Interessierten ist die Vernichtung von Protokollen, Registern und Fotos in den letzten Kriegstagen.

Der Neubeginn im Mai 1945 ist untrennbar mit dem Fahrradhändler Karl Mann als neuen Kommandanten verbunden, der als Verbindungsmann zu den sowjetischen Besatzern in oft schwieriger Lage und für die Ortssicherheit zuständig ist. Der Umbau von 2 geschenkten amerikanischen Armeefahrzeugen, die Aktivierung der Feuerwehr und des Bezirksverbandes sowie die Lösung der prekären (sommerlichen) Wasserverhältnisse in der Stadt bei problematischen Schlauchbeständen sind nur einige seiner Aufgaben. Mit dem Erwerb eines Ford G 3981A im Jahr 1955 als erstes Tanklöschfahrzeug im Bezirk ist ein großer Schritt dahin getan. Am 1. April 1955 übernimmt Rauchfangkehrermeister Adolf Walter das Kommando. Mitgliederwerbung und Schulungswesen an der Landesfeuerwehrschule TulIn sind neue Bereiche der Arbeit. 1960 wird Waidhofen neben Tulln und Wr. Neustadt Standort einer Funkstation. 1962 erfolgt die allgemeine Anerkennung der Aufbauarbeit: Vom 29. Juni bis zum 1. Juli ist Waidhofen Schauplatz des 45. NÖ - Landesfeuerwehrtages zugleich mit den 12. Landesfeuerwehrleistungsbewerben, was gewaltige Organisationsarbeit (Quartierfrage!) bedeutet, zumal auch ausländische Delegationen zu Gast sind. Mit den folgenden Kommandanten Ernst Leidenfrost (1977 bis 1981), Erich Gugelsberger (1981-1998), Franz Böhm (1998-2006), Herbert Peiffer (2006-2009) und Karl Oberbauer (ab 2009) ist der weitere Ausbau der FF der Stadt verbunden. Am 20. Dezember 1997 zieht um 14 Uhr die geschlossene Kolonne der Feuerwehr durch die Stadt, um das neue Zeughaus in der Südtiroler Straße zu beziehen, am 15. August 1998 wird es im Rahmen des Stadtkirtages, der ab nun jährlich dort abgehalten wird, feierlich eingesegnet und dient seither als neues Zuhause der Florianijünger. Damit sind auch die Kirtage im Stadtpark Geschichte.

Autor: Prof. Mag. Erwin Pöppl