Postamt Gastern

 
DAS POSTAMT GASTERN

EIN GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK

Am 20.Marz 1869 stellte der Kaufmann Anton DIMMEL an die Postdirektion Wien das Ansuchen um Aufnahme als Postmeister für das neu zu errichtende Postamt in Gastern. Er erhielt am 19.Mai 1869 einen Dienstvertrag und wird beauftragt nach der Einschulung und Beeidigung in Thaya am 15. Juli 1869 die Postgeschäfte aufzunehmen. Untergebracht war das Postamt in seinem Hause Nr. 31. Die Postverbindung zu THAYA erfolgte durch täglich einmalige Fußbotengänge. Dieser Botengang konnte auch von einer, vom Postmeister bestimmten Vertrauensperson erfolgen. Die Posttasche wurde dem Boten verschlossen übergeben. Beide Postämter hatten je einen Schlüssel.

Nachdem im Dienstvertrag von 1869 eine Besoldung von jährlich 80 Gulden und eine Amtspauschale von 20 Gulden vereinbart wurde, erfolgte am 1.Jänner 1872 eine Erhöhung auf 120 Gulden bzw. 24 Gulden Pauschale.

Im Jänner 1873 wurde die Einführung der Kuralpost vom Handelsministerium beschlossen, dadurch wurde auch in Gastern ein Landbriefrtäger eingestellt. Am 1.April 1873 trat Christian SCHANDL für einen Jahresgehalt von 240 Gulden den Dienst an. Sein Arbeitsbereich erstreckte sich auf die Orte GASTERN, GAROLDEN, FRÜHWÄRTS, KLEIN ZWETTL, IMMENSCHLAG, WIESMADEN, GRÜNAU, RUDERS, KLEIN MOTTEN und WEISSENBACH. Gleichzeitig werden in den Orten Frühwärts, Garolden, Kleinzwettl und Ruders Briefkästen aufgestellt. Im Jahre 1876 erfolgt der Beschluss des Handelsministeriums das Postamt Gastern aufzulassen. Nach einem Protestbrief, der von den Bürgermeistern der betroffenen Orte sowie vom Pfarrer und den Fabrikanten unterschrieben war, wurde am 16.2.1877 begründet: " Dem Ministerium würden durch die Auflassung einige hundert Gulden erspart werden und der Vorteil für die Orte wäre, die eingesammelten Briefe würden noch am gleichen Tage weiterbefördert und nicht erst am nächsten Tag. In Gastern wäre der Vorteil, der Landbriefträger wird sich eine Stunde im Orte aufhalten, dadurch können die Briefe sofort beantwortet werden und die Post wird gleich wieder mitgenommen."

Alle Proteste nützen nichts, die Auflassung des Postamtes erfolgt am 31. Juli 1877. Die Ortschaften Gastern mit Holzmühle, Garolden, Frühwärts, Kleinzwettl, Immenschlag und Wiesmaden gingen in den Bestellungsbereich THAYA über, wo gleichzeitig ein zweiter Landbrieftrager für die tägliche Zustellung dieser Orte eingestellt wurde. Die Orte Grünau, Ruders, Kleinmotten und Weißenbach werden dem Briefträgerrayon II. in KAUTZEN zugeteilt. Anton Dimmel erhielt für sein Geschäft am 28.Juli 1877 die Postwertzeichen-Verkaufs-Lizenz mit Anweisung, Verschleißmaterial vom Postamt Krems zu beziehen.

In einem Schreiben vom 27.Febmar 1893 wird der Gemeindevorstehung mitgeteilt, dass das hohe K&K Handelsministerium mit Erlass vom Februar des Jahres gewillt sei, ein K&K Postamt in Gastern für die Orte Gastern mit Holzmühle, Garolden, Immenschlag, Kleinzwettl, Wiesmaden, Kleinmotten mit Alm und Steinwand ferner Weißenbach, Grünau, Ruders und Triglas unter gleichzeitiger Einführung des Briefträgerdienstes zu errichten. Es soll sich mit der Brief- und Fahrpostmanipulation und dem Postsparkassendienst befassen und seine Verbindung mit Thaya durch täglich zweimalige Fußbotenpost erhalten.

Das Postamt wird am 20.Oktober 1893 wieder aktiviert. Es folgt ein neuer Dienstvertrag mit Anton DIMMEL, zugesicherte Bezüge jährlich 150 Gulden und

 
40 Gulden Amtspauschale. Für den neuen Landbriefträger Leopold BÖHM gab es eine Pauschale von 250 Gulden.

Der Ort FRÜHWÄRTS blieb weiterhin im Postrayon Thaya und erhielt am 1.August 1901 eine eigene POSTABLAGE.

Am 15.März 1901 wurde die Fußbotenpost durch eine Fahrpost mit Pferdegespann ersetzt. 1910 wurde die Konzession auch auf Personen und private Gütertransporte erweitert.

Am 20.Juni 1903 wird die Bahnlinie WAIDHOFEN - ZLABINGS eröffnet, dadurch erfolgte nun die Postbeförderung mit der BAHNPOST mit direktem Anschluss an die FRANZ-JOSEFS-BAHN.

Im Februar 1909 verstarb der Postmeister Anton Dimmel und sein Sohn Alois DIMMEL übernahm am 16. März die Leitung des Postamtes im Hause Nr. 6. Er war schon vorher an einigen Postämtern tätig. Sein Bruder Eduard wurde gleichzeitig als Postgehilfe angestellt. Eine Anstellung als Postgehilfin bekam die Postmeistersgattin Rosa am 7.Mai 1911.

Die Witwe Viktoria Dimmel erhielt am 14. Mai 1909 einen Dienstvertrag über die Postbotenfahrt GASTERN - THAYA. Die Botenfahrt wurde am 30. September 1912 bis zum Bahnhof Thaya ausgedehnt. Aus dieser Mitteilung ergeht, dass nun die Post nicht mehr über das Postamt Thaya abgewickelt wurde, sondern Gastern konnte die Poststücke direkt beim Bahnpostwaggon abholen, bzw. zur Weiterbeförderung übergeben.

Am 30. April 1912 erfolgt die Zuweisung einiger Häuser von Reinberg-Litschau und Reinberg-Heidenreichstein zum Postamt Gastern. Es war vor allem die Weberei Strohmeier die zum Zustellungsbereich des Postamtes Eisgarn gehörte und vom Anschluss von Gastern an die Bahnpost große Vorteile durch zeitgerechte Zustellung hatte.

Während und nach dem ersten Weltkrieg erfolgte die Amtsführung durch die Administratoren PANY und RÖCKL.

Der Rundfunkdienst wurde 1924 eingeführt.

Am 17.April 1928 wird die erste Postkraftwagenlinie im Bezirk von WAIDHOFEN über GASTERN nach KAUTZEN eröffnet. Damit wird die gesamte Post für die an der Strecke liegenden Postämter transportiert.

Einen öffentlichen Fernsprechdienst gibt es seit dem 28.August 1929.

Alois Dimmel ging Ende 1950 in Pension und übergab das Postamt an seinen Sohn Franz DIMMEL, der sich als Postmeister beworben hatte.

Im Juni 1965 erfolgt die Zuweisung der Postleitzahl 3852. Die Umstellung auf Selbstwählverkehr war in Gastern am 14. September 1971.

Der Umzug des Postamtes in das neuerbaute Gemeindehaus in der Hauptstraße 19 war am 28. Dezember 1971.

Im März 1972 verstarb der Postmeister i. R. Alois Dimmel im Alter von 88 Jahren. Ein Sonderpostamt anlässlich 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr gab es am 18. und 19. Juli 1983 in den Räumen der Volksschule.

Mit Ende 1987 tritt Franz Dimmel in den Ruhestand. Somit endet die Ära DIMMEL als Postmeister von GASTERN, obwohl noch einige Söhne im Postdienst tätig sind. Wenn auch Gastern kein ärarisches Postamt war, wo die Erblichkeit gesichert war, ist es doch möglich gewesen, das Postamt über drei Generationen in Familienbesitz zu halten.

Provisorische Leiter werden in Folge Werner CIZEK und ab 1990 Franz WAGNER. Ab 1993 wird Lambert FREI neuer Amtsleiter.

Die Vernetzung mit der Postzentrale mittels Computer erfolgt um die Jahrtausendwende. Im März 2001 wird auch in Gastern das neue Opal-System eingeführt. Es soll

 
die Annahme von Briefen, Paketen und Recosendungen durch die automatische Abwaage und gleichzeitigen Ausdruck von Aufklebern vereinfachen.

Beitrag verfasst von:
Franz Freitag, Frühwärts 36 Post Thaya
Mitglied der ARBEITSGEMEINSCHAFT
POSTGESCFHCHTE NIEDERÖSTERRE1C1f
2001

DIE POSTVERBINDUNG INS WALDVIERTEL.

Bis ins Jahr 1833 war für unser Gebiet die Poststationen in ZLABINGS bzw. SCHWARZENAU zuständig.

Zlabings wurde schon 1532 als Poststation genannt. Sie lag an der alten Poststraße die von WIEN über HOLLABRUNN - PULKAU - FRATTING - ZLABINGS - NEUHAUS und TABOR nach PRAG führte. Noch 1720 wird diese Straßenverbindung DER KÖNIGSWEG genannt. Um 1750 wurde diese Postlinie verlegt und führte nun über die besser ausgebaute Strecke ZNAIM - IGLAU nach PRAG. Zlabings war jetzt durch die zweimal wöchentlich verkehrende Botenfahrt nach HR. BUDWITZ mit der Hauptstrecke verbunden.

Unter der Kaiserin Maria Theresia wurde der Bau der kaiserlichen Postlinie WIEN - HORN - BUDWEIS - PRAG beschlossen. 1768 war die neue HORNER STRASSE fertiggestellt. Sie war für die Postbeförderung im Waldviertel sehr wichtig.

Von 1826 bis 1829 wurde eine Abzweigung, der sogenannte Böhmsteig, der von GÖPFRITZ über WAIDHOFEN und HEIDENREICHSTEIN nach NEUBISTRITZ führte zur neuen BÖHMISCHEN STRASSE ausgebaut und 1833 in diesen Orten Poststationen mit Pferdewechsel errichtet. Nun wurden auch in unserem Bezirk nach und nach Poststationen mit Anschluss an diese Postlinie eröffnet. 1850 begann die tägliche Botenfahrt zwischen WAIDHOFEN und ZLABINGS, gleichzeitig werden auf dieser Strecke die Postämter in THAYA und DOBERSBERG gegründet.

 

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