Postamt Gastern

Errichtet: 15.7.1869
Aufgelassen: 31.7.1877
Wiedererrichtet: 19.10.1893

Am 20. März 1869 stellte der Kaufmann Anton Dimmel an die Postdirektion Wien das Ansuchen um Aufnahme als Postmeister für das neu zu errichtende Postamt in Gastern. Er erhält am 19. Mai 1869 einen Dienstvertrag und wird beauftragt nach der Einschulung und Beeidigung in Thaya am 15. Juli 1869 die Postgeschäfte aufzunehmen. Die Unterbringung war im Hause Nr. 31 (heute Brückenstraße 4).

Die Postverbindung mit Thaya erfolgte durch täglich einmalige Fußbotengänge mit Anschluss an die Fahrbotenpost Zlabings-Thaya-Waidhofen. Nachdem im Dienstvertrag von 1869 eine Besoldung von jährlich 80 Gulden und eine Amtspauschale von 20 Gulden vereinbart wurde, erfolgte am 1. Jänner 1872 eine Erhöhung auf 120 Gulden bzw. 24 Gulden Pauschale. Im Jänner 1873 wurde die Einführung der Kuralpost vom Handelsministerium beschlossen. Dadurch wurde auch in Gastern ein Landbriefträger eingestellt. Am 1. April 1873 trat Christian Schandl für ein Jahresgehalt von 240 Gulden den Dienst an. Sein Arbeitsbereich erstreckte sich auf die Orte Gastern, Garolden, Frühwärts, Klein Zwettl, Immenschlag, Wiesmaden, Grünau, Ruders, Klein Motten und Weißenbach. Gleichzeitig wurden in den Orten Frühwärts, Garolden, Klein Zwettl und Ruders Briefkästen aufgestellt.

Im Jahre 1876 erfolgte der Beschluss des Handelsministeriums, das PA Gastern aufzulassen. Nach Protesten aus Gastern wurde am 16.2.1877 begründet: Dem Ministerium würden durch die Auflassung einige hundert Gulden erspart werden und der Vorteil für die Orte wäre, die eingesammelten Briefe würden noch am gleichen Tage weiterbefördert und nicht erst am nächsten Tag. In Gastern wäre da der Vorteil, der Landbriefträger wird sich eine Stunde im Orte aufhalten, dadurch können Briefe sofort beantwortet werden und die Post wird gleich wieder mitgenommen.

Die Auflassung den PA erfolgte am 31. Juli 1877. Die Ortschaften Gastern mit Holzmühle, Garolden, Immenschlag, Wiesmaden, Klein Zwettl und Frühwärts gingen in den Bestellungsbereich des PA Thaya mit gleichzeitiger Anstellung eines zweiten Landbriefträgers mit täglicher Zustellung und die Ortschaften Klein Motten, Weißenbach, Grünau und Ruders in den Briefträgerrayon II in Kautzen über.

Anton Dimmel erhielt für sein Geschäft am 28. Juli 1877 die Postwertzeichen-Verkaufs-Lizenz mit Anweisung, Verschleißmaterial vom PA Krems zu beziehen.

In einem Schreiben vom 27. Februar 1893 wird der Gemeindevorstehung mitgeteilt, dass das hohe K&K Handelsministerium mit Erlas vom Feb. d. J. gewillt sei ein K&K Postamt in Gastern für die Orte Gastern mit Holzmühle, Garolden, Immenschlag, Wiesmaden, Klein Zwettl, Klein Motten mit Alm und Steinwand ferner Weißenbach, Grünau, Ruders und Triglas unter gleichzeitiger Einführung des Landbriefträgerdiensten zu errichten. Es soll sich mit der Brief und Fahrpost-Manipulation und dem Postsparkassendienste befassen und seine Verbindung mit Thaya durch täglich zweimalige Fußbotenpost erhalten.

Das PA wird am 20. Oktober 1893 wieder aktiviert. Es erfolgte ein neuer Dienstvertrag mit Anton Dimmel, zugesicherte Bezüge jährlich 150 Gulden und 40 Gulden Amtspauschale. Für den neuen Landbriefträger Leopold Böhm gab es ein Pauschale von 250 Gulden.

Am 15.März 1901 wurde die Fußbotenpost durch eine Fahrpost mit Pferdegespann ersetzt. 1910 wurde die Konzession auch auf Personen und private Gütertransporte erweitert.

Im Februar1909 verstarb der Postmeister Anton Dimmel und sein Sohn Alois übernahm am 16. März die Leitung des PA im Hause Nr. 1 (heute Hauptstraße 6). Er war schon vorher an einigen Postämtern tätig. Sein Bruder Eduard wurde gleichzeitig als Postgehilfe angestellt.

Die Witwe Viktoria Dimmel erhielt am 14. Mai 1909 einen Dienstvertrag über die Postbotenfahrt Gastern - Thaya.

Die Postmeistersgattin Rosa wurde am 7. Mai 1911 als Postgehilfin angestellt.

Am 30. April 1912 erfolgte die Zuweisung des Hauses Reinberg-Litschau Nr. 22 (Weberei Strohmeier) zum PA Gastern.

Die Botenfahrt wurde am 30. September 1912 bis zum Bahnhof Thaya ausgedehnt.

1913 wurden vereinzelte Häuser von Reinberg-Litschau und Reinberg-Heidenreichstein dem PA zugeordnet.

Während und nach dem ersten Weltkrieg erfolgte die Amtsführung durch Administrator Pany und Röckl.

Der Rundfunkdienst wurde 1924 eingeführt.

Am 17. April 1928 wird eine Postkraftwagenlinie Waidhofen - Gastern - Kautzen - Reingers eröffnet.

Fernsprechdienst gab es ab 28. August 1929.

Alois Dimmel übergab am 22. Mai 1962, nach 46 Jahren Postdienst, das PA an seinen Sohn Franz.

Im Juni1965 erfolgte die Zuweisung der Postleitzahl 3852.

Der Selbstwählverkehr wurde am 14. September 1971 eröffnet.

Der Umzug des PA in das neu erbaute Gemeindehaus Hauptstraße 19 erfolgte am 28. Dezember1971.

Im März 1972 verstarb der Postmeister i. R. Alois Dimmel im Alter von 88 Jahren.

Ein Sonderpostamt gab es 1983 anlässlich 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gastern in den Räumen der Volksschule.

Mit Ende 1987 tritt Franz Dimmel nach 44 Jahren Postdienst in den Ruhestand. Somit endet vorläufig die Ära Dimmel als Postmeister von Gastern, einige seiner Söhne sind im Postdienst  tätig sind.

 

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