Waldviertler Blondvieh

Waldviertler Blondvieh: Kuh mit Kalb

Waldviertler Blondvieh

Syn. Waldviertler Rasse (Waldviertler Landschlag)
Das Waldviertler Blondvieh war die bodenständige Rasse des Waldviertels. Es entstand aus der Vermischung des illyrischen keltischen Rindes mit dem ungarischen Steppenrind. Im 14. Jahrhundert dürften auch Franken - oder einfärbig gelbe Höhenrinder eingekreuzt worden sein.

Engeler (1961) leitet das Waldviertler Blondvieh vom Böhmischen Scheckenvieh und Steppenvieh aus Ungarn, Grauvieh und Simmentaler dürften ebenfalls eine gewisse Rolle gespielt haben. – Gleiches gilt für die Mariahofer und Mürztaler. Einer anderen These nach soll sich ein kleines dunkles Torfrind mit dem aus dem Osten stammenden Steppenvieh vermischt haben. Auch bajuwarisches Rot- und Rotscheckvieh sollen an der Entstehung verschiedener Landschläge beteiligt gewesen sein, aus denen um die Wende zum 20. Jahrhundert das heutige Waldviertler Blondvieh entstand. 
1881 wurden 32 Kühe des Stockerauer- oder Weinlandschlages vermessen:  
Widerristhöhe                    130   cm
Rumpflage                         162   cm
Gestellhöhe                         75   cm
Hüftenbreite                        47,5 cm
Lebendgewicht                   400 - 550 kg
Milchertrag                       1400 - 1600 Liter
 
Er dürfte dem Gföhler oder Zwettler Schlag nicht unähnlich gewesen sein, der im 19. Jahrhundert schon als Waldvieh oder Waldviertler bezeichnet wurde.
Die südliche Verbreitungsgrenze dieses Blondvieh war die Donau. Nördlichere Vertreter  in Böhmen und Mähren wurden als Wallern oder Budweiser Rinder bezeichnet.
Zwischen Gföhlern oder Zwettlern, Raabsern und Stockerauern dürften kaum Unterschiede bestanden haben: In ihrem ganzen Verbreitungsgebiet waren diese Rinder von heller Fellfarbe, von weißlich bis semmelgelb, teilweise besonders im Norden in Richtung Böhmen auch rötlich. Flotzmaul und Zunge zeigten eine bläuliche Färbung, also deutlichere Pigmentierung, die Hörner und Klauen waren dagegen meist hell  (Zoepf 1881). Als Widerristhöhe wurden ca. 112 - 131 cm für Kühe mit einer Körpermasse von 300 - 420 kg angegeben. Die Milchleistung lag bei 1500 - 1700 l.
Um 1900 wurde für die genannten Schläge oft die gemeinsame Bezeichnung Waldviertler oder Waldviertler Rind gebraucht, auch als Arbesbacher wurden sie bezeichnet. Gelobt wurden feinfaseriges, marmoriertes, wohlschmeckendes Fleisch. Die Ochsen wurden als Zugtiere, aber auch als Mastochsen auf den Fleischmärkten, besonders auch von Wien, hoch geschätzt.
1902 wurde in Niederösterreich für den Ankauf von "Subventionstieren" spezielle Unterstützung gezahlt. Von den 190 Stieren waren 18 Waldviertler. Damals waren in Niederösterreich im Herdebuch insgesamt 3600 Kühe, davon 230 Vertreter des Waldviertler Landschlages.
1930 betrug der Anteil des „Waldviertler Schlages“ an Gesamtrinderzahl in Österreich (=2,163.000 Stück) 7,71%.  1933 wurde der Verband Waldviertler Blondvieh gegründet mit Züchterzentren im Stift Zwettl, in der landwirtschaftlichen Schule Edelhof sowie in Oed a.W. und um Martinsberg. Da nicht ausreichend Waldviertler Blondviehstiere zur Verfügung standen, wurden zwischen 1938 und 1945 ca. 50 Stiere des einfarbig gelben  gelben Höhen- oder Frankenrindes und ca. 240 Stiere des Glan-Donnersberger Rindes eingesetzt (Scherfler 1972). Im Gegensatz zu den  Murbodnern, wo das Frankenrind ebenfalls ebenfalls in erheblichem Maße bis hin zur fast vollständigen Verdrängungskreuzung eingesetzt wurde, eigneten sich die Frankenrinder  im Waldviertler Gebiet nicht sonderlich gut. Ihre Ansprüche an Ernährungs- und Umweltbedingungen konnten im Waldviertel nicht gedeckt werden. So wurden die vergleichsweise leichten und anspruchsloseren Glan-Donnersberger,  das seine ursprüngliche Zuchtheimat in der bayrischen Pfalz hat, vermehrt eingesetzt.
Die Farbe dieses Rindes ist einfärbig gelb, und zwar von hellgelb bis hellgelblichbraun. Die Tiere weisen einen kräftigen Körperbau auf. Sie haben einen langen Rücken, eine tiefe aber nicht breite Brust, kräftige Gliedmaßen und eine gute Bemuskelung. Das Lebendgewicht beträgt bei Kühen zwischen 500 und 600 kg. 
Unter den kargen, kalkarmen Boden- und rauhen Witterungsverhältnissen des Waldviertels konnte sich langfristig keine andere Rasse als die Waldviertler, nicht einmal das stammverwandte Blondvieh aus Kärnten, durchsetzen. Durch gezielte Leistungszucht konnte die Milch- und Milchfettleistung innerhalb von 10 Jahren zwischen den 946 und 1956 folgendermaßen gesteigert werden: 
                          Gesamtkühe                       Herdbuchkühe 

Jahr

Milch kg

Fett %

Milch kg

Fett %
1946 1780 4,04 1872 4,03
1956 2378 4,15 2584 4,19


1954 gab es im Zuchtgebiet des Waldviertler Blondvieh insgesamt 173.726 Rinder; davon waren 28,7 % reinrassiges Waldviertler Blondvieh und damit die zahlenmäßig zweitstärkste Rinderrasse in Niederösterreich.
1959 wurde das Waldviertler Blondvieh als einfärbig licht bis blond bis gelb (ziegelrotbraun) charakterisiert (Österreichisches Statistisches Zentralamt). Die ziegelrotbraune Farbe stammt vom eingekreuzten Glan-Donnersberger, aber auch Franken sind hier. Das Rind hat helle, also nicht oder kaum pigmentierte Schleimhäute, Klauen und Hörner. Es ist ein leichtes bis mittelschweres feinwüchsiges Rind, das an die karge Waldviertler Scholle optimal angepaßt ist. Als durchschnittliche Widerristhöhe werden bei Stieren 140 cm und bei Kühen 130 bis 135 cm genannt. Die gute Fleischleistung und Fleischqualität (feinfaserig, marmoriert) wird hervorgehoben. Auf die noch immer teilweise erfolgende Arbeitsleistung wird hingewiesen. Besonders hervorgehoben wird, daß man intensiv bemüht war, die Milchleistung bei sehr gutem Milchfettgehalt zu steigern (bis zu 2400 kg Milch bei 4 % Fett). Das gelang nicht zuletzt durch die Einwirkung von Glan-Donnersberger. Dabei ist zu beachten, daß die Leistungen bei allenfalls geringhaften Futtergaben auf dem nährstoffarmen Boden des Waldviertels erbracht werden mußten.
Nach Engeler (1961) stellt sich der Vergleich Waldviertler mit Kärntner und Steirischem Blondvieh wie folgt dar: 
                                                Kühe     Milchkg     Fettkg    Fett %
Kärntner Blondvieh (1955)       2499     2963           118       3,98
Steirisches Blondvieh                  410     3328           133       3,99
Waldviertler Blondvieh (1955)  1707     2466           103       4,12
 
Die deutliche geringere Milchmenge des Waldviertler Blondviehs wird auf die die vergleichsweise ungünstigen Fütterungs- und Haltungsverhältnisse auf den dortigen Urgesteinsböden zurückgeführt. als sehr ungünstig zu bezeichnen. Es konnte sich daher auch in diesem Gebiet trotz wiederholter Versuche keine andere Kulturrasse durchsetzen. Das Waldviertler  Blondvieh stimmt in den Körpermaßen, mit Ausnahme der Knochenstärke, mit dem Blondvieh von Kärnten und Steiermark gut überein. Die bei dieser Varietät früher stärker betonte Mastfähigkeit mit Fleischleistung wird heute im Zuchtrind durch eine vermehrte Milchmengenleistung ergänzt.
Der Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft der niederösterreichischen Tierzuchtverbände aus dem Jahr 1960 "vermittelt namens der vier nö. Rinderzuchtverbände eine Übersicht über den Stand und die Ergebnisse der Milchleistungskontrolle in Niederösterreich". Daraus geht hervor, daß neben dem Waldviertler Blondvieh auch Grau-, Braun-, Fleckvieh und Murbodner gehalten wurden.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg war man um Intensivierung und Leistungssteigerung in der Rinderwirtschaft besonders bemüht. Dabei gerieten die Züchter von Waldviertler Blondvieh mit ihrem zwar anspruchsosen, aber auch leistungsschwächeren Rind allmählich ins Hintertreffen. Einkreuzungen von Glan-Donerberger Rindern zwischen 1951 bis 1959 brachten zwar Verbesserungen in der Mast- und Fleischleistung sowie im Exterieur, die Milchleistungsergebnisse blieben jedoch unbefriedigend. Der verhältnismäßig kleine Zuchtviehbestand behinderte zudem den züchterischen Fortschritt. Auch fehlten Exportmöglichkeiten, sodaß eine Weiterzucht des Waldviertler Blondvieh als nicht aussichtsreich erschien. Der vom damaligen Tierzuchtdirektor Dr. Hans Bertl gemachte Vorschlag, das Waldviertel auf Fleckvieh umzustellen, wurde deshalb rasch und auf breiter Basis angenommen. Ab 1960 erfolgte die nachhaltige Umstellung auf Fleckvieh.
Diese Rasseumstellung konnte aber nur gelingen mit einer Betriebsverbesserungsaktion: besonders die Düngung, die Grün- und Futterwirtschaft (u. a. verstärkter Bau von Silos), die Stalleinrichtung und die Fütterungsberatung wurden gezielt verbessert, um die höheren Ansprüche des wesentlich leistungsstärkeren Fleckviehs auch berfriedigen zu können. – Die hier dargelegten Förderungsmaßnahmen hätten auch zu einer Leistungssteigerung beim Waldviertler Blondvieh führen können, wenn auch vielleicht nicht so rasch!
Erst 1982 besann man sich wieder der autochthonen Waldviertler Rinderrasse und begann mit der Erhaltungsarbeit. Es war kaum noch reinrassiges Waldviertler Blondvieh zu finden. Eine "Enklave" mit ca. 20 bis 30 noch rassetypischen Tieren befand sich bei Josef Weizenböck in Hoheneich bei Schrems. Der Nebenerwerbslandwirt hatte sich jahrzehntelang allen Weisungen, auf das Waldviertler Blondvieh zu verzichten, widersetzt und hielt auch einige Stiere dieser Rasse. Sein kleiner Bauernhof war inzwischen von neuerbauten Einfamilienhäusern umgeben, denen die dort früher vorhandenen Bauernhöfe hatten weichen müssen. –  Solche Bedingungen sind es manchmal, unter denen unsere alten heimischen Haustierrassen die modernen Verdrängungsmechanismen überdauern.
In den Folgejahren konnten weitere Züchter dieser alten Rasse gefunden und politisch Verantwortliche für die Erhaltungsbemühungen gewonnen werden. Die erste neue Funktion des Waldviertel lag im Offenhalten von Wiesen durch Zurückdrängen des Waldes, also Pflege der traditionellen Kulturlandschaft. Bald wurde auch sein hochwertiges, feinfasriges, marmoriertes Fleisch zum begehrten Produkt.
Für die züchterische Arbeit ist der Verband Waldviertler Fleckviehzüchter mit Sitz in Zwettl verantwortlich. In das Projekt "Erhaltungsprogramm des Waldviertler Blondviehs" sind weiters integriert: ÖNGENE, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Veterinärmedizinische Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien, Landeslandwirtschaftskammer für Niederösterreich, Amt der NÖ. Landesregierung, Landwirtschaftliche Berufs- und Fachschule Edelhof/Zwettl, Landeskontrollverband Niederösterreich, Besamungsstation Wieselburg.
 
Rassemerkmale heute:
Dreinutzungsrind
Farbe und Pigmente
- einfärbig von nahezu weiß über hellbraun (gelb) bis hellrotbraun
- helle Schleimhäute und Hornpigmente
Körperbau und Typen
- langer Rumpf
- Kreuzbein relativ hoch, häufig ein hoher Schwanzansatz
- feingliedriger Knochenbau
- ausgewachsene Kuh 550 - 600 kg
- ausgewachsener Stier 900  knapp 1000 kg
Nutzleistungen
- langlebig, spätreif (insbesondere in der Milchleistung)
- gute Fruchtbarkeit, problemlose Abkalbungen
- sehr gutes Fundament, harte Klauen
- sehr feinfaseriges Fleisch
- Milchleistung bei heutiger Fütterung etwa bei ca. 3500 - 4000 kg
   (derzeit keine Milchleistungskontrollen).
 
Das Waldviertler Blondvieh ist eine ideale Rasse für Mutterkuhhaltung (eventuell Gebrauchskreuzung mit fleischbetonten Rassen), zur Erzeugung von Qualitätsfleisch.
Zur Zeit werden 46 Betriebe mit insgesamt 150 Tieren im Waldviertel betreut.
 
Die dritte Komponente des Begriffes „Dreinutzungsrind“ ist die Arbeitsleistung, die zwar heute nicht mehr gefordert ist. Aber wenn man diese Rasse in möglichst ursprünglicher Form erhalten will, ist diese Funktion auch weiterhin zumindest in ihren organischen Voraussetzungen zu berücksichtigen.