Die Volksschule in Weißenbach im Wandel der Zeit

von OSR Friedrich Schadauer, Thaya

Bildung durch Schulunterricht kam seit 1774 (Schulreformen Kaiserin Maria Theresias) jedermann zugute und erreichte mit dem Reichsvolksschulgesetz (1869) eine echte Breitenwirkung im gesamten Staatsgebiete, da nunmehr alle Bevölkerungsschichten daran Anteil hatten.

Um sicherzustellen, daß alle Kinder tatsächlich ihre Schulpflicht durch den Besuch der Volksschule erfüllen konnten, kam es auch im Bezirk Waidhofen/Thaya zur Errichtung einer Reihe einklassiger Schulen.

Der Ort Weißenbach war nach Gastern eingeschult. Als aber Gastern verhalten wurde, wegen arger Mängel am bestehenden Schulhause eine neue Schule zu bauen, fassten die Einwohner von Weißenbach am g. März 1890 den Beschluss, um Errichtung einer einklassigen Schule im Orte anzusuchen und finanzielle Beiträge zum Schulbau in Gastern nicht zu leisten.

Der Bezirksschulrat Waidhofen/Thaya lehnte dieses Ansuchen ab und empfahl die Einschulung der Kinder von Weißenbach in die bereits bestehende Volksschule in Ruders. Das wurde in Weißenbach aber abgelehnt und ein neuerliches Ansuchen dem k.k. Landesschulrat vorgelegt unter Hinweis, daß "... die Vermögenheit des Ortes zur Erbauung und Erhaltung einer eigenen Schule gegeben sei."

Im Mai 1890 fand ein Lokalaugenschein in Weißenbach statt; die Kommission erklärte den Bauplatz für die Schule als geeignet. Da die behördliche Genehmigung aber ausblieb, fuhr im Mai 1891 eine Delegation aus Weißenbach nach Wien, hatte Erfolg und erwirkte die Bewilligung zum Schulbau.

Am 17. Oktober 1891 fand die Baukommission im Sinne der NÖ. Bauordnung statt, worauf die Baubewilligung ausgefertigt wurde. Im Frühjahr 1892 begannen die Bauarbeiten, die dem Maurermeister Ferdinand Deutschmann in Wiesmaden übertragen und deren Kosten auf 4.300 Gulden geschätzt wurden.

Seitens der Gemeinde wurden Baumaterialien und Bauholz zur Verfügung gestellt, die Ortseinwohner leisteten Hilfsdienste und spendeten 1.100 Gulden. Zusammen mit anderen Spenden und Beihilfen ergab sich aber trotzdem ein Abgang von 2.200 Gulden, die bei der Raiffeisenkasse Gastern als Darlehen aufgenommen wurden, wofür die Grundbesitzer von Weißenbach bürgten, die Zinsen allerdings aus Gemeindemitteln bezahlt wurden.

Anfangs Oktober 1892 war das Schulhaus fertig. Bei der Wahl des Ortsschulrates wurde der Webwarenfabrikant Eduard Erhart, der sich um den Schulbau größte Verdienste erworben hatte, zum ersten Ortsschulratsobmann in Weißenbach gewählt.

Nach der Kollaudierung des Baues im November 1892, bei der es keine Mängel gab, wurde die Benützungsbewilligung erteilt.

Zum ersten definitiven Schulleiter für die einklassige ungeteilte Volksschule in Weißenbach ernannte der k.k. Landesschulrat den bisher in Kautzen tätigen Volksschullehrer Josef Cerny, der am 2. Jänner 1893 übersiedelte und am 7. Jänner 1893 den regelmäßigen Unterricht mit 29 Knaben und 23 Mädchen aufnahm.

Die für 4. Juni 1893 angesetzte Weihe des neuen Schulhauses wurde zu einem Festtag für den Ort. Alle Häuser, besonders aber das neue Schulhaus, waren mit Blumen, Tannenreisig und Fahnen geschmückt. Am Vormittag fand in der Kirche ein Festgottesdienst statt. Bei der Weihe am Nachmittag, die Propst Josef Wiesinger aus Eisgarn unter Assistenz der Geistlichen aus den Nachbarpfarren vornahm, waren auch Bezirksschulinspektor Franz Scheirl aus Waidhofen an der Thaya, viele Lehrer aus den Schulen der Umgebung und eine große Volksmenge anwesend.

In den folgenden Jahren wurden verschiedene Subventionen aus Landesmitteln gewährt; damit konnte das Baudarlehen Zug um Zug zurückgezahlt werden.

Am 1. Dezember 1911 wurde Josef Cerny zum Oberlehrer der Volksschule in Dobersberg bestellt. Weißenbach verlor einen ausgezeichneten Pädagogen, einen gewissenhaften Chronisten, aber auch einen im Dienste der Öffentlichkeit überaus aktiven Bürger. Er war Gründungsmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Weißenbach, durch viele Jahre deren Kommandant und leitete als 1. Gemeinderat (Anm.: heute Vizebürgermeister) die umfangreiche Renovierung der örtlichen Kirche.

Neuer Schulleiter wurde Adolf Grün (aus Kautzen gebürtig), der als Kadett d.R. im Inf. Reg. Nr. 49 zu Beginn des Ersten Weltkrieges sofort eingezogen wurde und bereits am 20. September 1914 im 30. Lebensjahre den Heldentod fand. Grün war Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille.

Während des Ersten Weltkrieges leisteten Theodor Binder, Anna Waltz, Franz Theurer und Johann Lebersorger Schuldienst in Weißenbach. Ab Beginn des Schuljahres 1917/18 gab es vorerst keinen Lehrer, bis am 1. November 1917 Pius Markowetz, der nach einer schweren Kriegsverwundung wieder in den Schuldienst überstellt worden war, seinen Dienst in Weißenbach antrat und 23 Knaben und 27 Mädchen unterrichtete. Markowetz setzte die gewissenhafte Führung der Schulchronik fort und machte auch viele Anmerkungen zum Alltagsleben, zum Wetter, zu durchgeführten Kommunalprojekten und zu den Ergebnissen der verschiedenen Wahlen, sodass fundiertes Quellenmaterial für die Ortsgeschichte im Zeitraum 1917 bis 1940 zur Verfügung steht.

Im Jänner 1920 plante man in Weißenbach die Einleitung des elektrischen Stromes. Das Projekt kam aber wegen der hohen Anschlusskosten nicht zur Durchführung.

In den 20iger Jahren schwankte die Schülerzahl zwischen 40 und 50.

Ab 1925 trat der neue Landschullehrplan in Kraft. Der Realienunterricht konnte in den Oberstufen der Volksschulen in dreijährigen Wechselfolgen erteilt werden.

1926 konnte die Wasserversorgung der Schule durch Errichtung einer Wasserleitung mit eiserner Saugpumpe vom Nachbarhaus verbessert werden.

Als 1927 die Hauptschule in Kautzen eröffnet wurde, traten vier Schüler aus Weißenbach über.

Im Mai 1928 gab es den ersten Radioapparat im Ort, desgleichen wurde ein Benzinmotor in Betrieb genommen.

Der Winter 1928/29 war besonders streng (3. Feber - 32°C, im Feber immer unter - 20°C, am 4. April - 7°C); es folgte ein sehr heißer Sommer mit vielen Unwettern und Hagelschlägen.

1931 kam eine Gehaltskürzung der Beamten um 6 % zur Einführung, desgleichen war eine Krisensteuer (2,4 S pro Monat) zu entrichten.

1932 nahm der Schulfunk in Österreich seine Tätigkeit auf, in der Schule zu Weißenbach gab es aber kein Radiogerät.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Staates waren Grund für eine geteilte Gehaltsauszahlung. Ab 1. Juli 1932 wurden zu Monatsbeginn 70 %, zur Monatsmitte 30 % des Gehaltes angewiesen. Die Arbeitslosigkeit nahm überall zu; in Weißenbach waren die Hausweber betroffen, vor allem als die örtliche Webfaktorei Heiderich im Mai 1932 den Betrieb einstellte.

Für die Lehrer gab es 1933 die Möglichkeit der freiwilligen Außerdienststellung. Um die vielen stellenlosen Junglehrer unterzubringen, wurden "Lehrerabbau"- Maßnahmen erwogen und dazu Bezirkslisten erstellt.

Nach Einführung des "Ständestaates" (Dollfuß) in Österreich wurden der Beitritt der Lehrer (Beamten) zur "Vaterländischen Front" gefordert und den Lehrern die Teilnahme an vaterländischen Feiern und Versammlungen der VF zur Pflicht gemacht.

Im Jahre 1938 war auch in Weißenbach das "Hakenkreuz" dominant. Oberlehrer Markowetz, ein Gegner des Dollfußregimes, kommentiert den Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland positiv. Sei der Aprilwahl 1938 gab es im Ort nur "Ja-Stimmen". Während der Sudetenkrise waren Einheiten der Deutschen Wehrmacht auch in Weißenbach einquartiert. 

Ab März 1940 befand sich Oberlehrer Markowetz im Krankenstand; er kehrte nicht mehr in den Schuldienst zurück. Nach längerem Aufenthalt im Krankenhaus Waidhofen/Thaya starb er im Oktober 1942 und wurde auf dem Friedhof in Waidhofen/Thaya begraben.

Ab März 1940 bis Kriegsende gab es eine Reihe von Lehrern in Weißenbach: Auf Magdalena Unfried folgte Alfred Winkler, der Wechselunterricht mit der Volksschule Engelbrechts erteilte, es folgte Erich Kratschmann, ab Mai 1941 unterrichtete Franz Loidolt, ab Jänner 1942 Anna Rödl, gefolgt von Theresia Muck, Emma Czizek und Regina Sedlacek. Ab September 1943 war Gertrude Haselmayer tätig, der ab 1. Jänner 1945 Gertrud Nutz nachfolgte.

Nach Kriegsende 1945 war das Schulhaus einige Zeit als Quartier für die Besatzungssoldaten beschlagnahmt.

Der Unterricht konnte zwar am 26. Juni 1945 wieder aufgenommen werden, zu Schulschluss 1945 gab es aber keine Zeugnisse.

In den ersten Nachkriegsjahren musste im Schulwesen viel improvisiert werden. Im April 1946 wurde die Volksschule Kleinmotten stillgelegt und deren 12 Schüler nach Weißenbach eingeschult.

Ende April 1946 mussten wegen Lehrermangels einige Schulen im Bezirk Waidhofen/Thaya - darunter auch die Schule in Weißenbach - vorübergehend geschlossen werden. Die geplante Einschulung nach Ruders konnte dahingehend abgeändert werden, daß die 76 Schüler der Orte Kleinmotten, Ruders, Grünau und Weißenbach im Schulgebäude von Weißenbach unterrichtet wurden. Oberlehrer Josef Thomerl (Ruders) hatte somit drei Schulen zu betreuen und musste am Vor- und Nachmittag Unterricht erteilen.

Zu Schulbeginn 1946/47 war auch Obl. Thomerl vom Schuldienst enthoben, daher gab es vorerst keinen Unterricht, bis Josef Maier (später Hauptschuldirektor in Waidhofen/Thaya) als Lehrer zugewiesen wurde und ab 16. September 1946 wieder Frau Gertrude Haselmayer Dienst in Weißenbach versah und 80 Schulkinder unterrichtete. Die Brennstoffversorgung der Schule war damals sehr schwierig, der geringe Kohlenvorrat (Braunkohle) bereits im Jänner 1947 verbraucht, sodass mittels frisch geschlägertem Holz das Auslangen gefunden werden musste. Im Schuljahr 1948/49 besuchten 31 Schüler die Schule in Weißenbach, deren Leitung weiterhin Frau Haselmayer innehatte. Im Mai 1949 wurde an der Schule erstmals der Schulfilm als Unterrichtsmittel eingesetzt.

Klassenfoto Weißenbach 1947/48
Schuljahr 1947/48. Schüler der Volksschule Weißenbach mit der Schulleiterin Gertrude Haselmayer

Am 1. August 1949 kam Horst Bodenstein als neuer Oberlehrer nach Weißenbach und hatte 31 Schüler zu unterrichten. Er nahm sich sofort der längst fälligen Renovierung des Schulhauses an, vor allem die Leiterwohnung musste von Grund auf saniert werden.

Schulhaus in Weißenbach 1949
Schulhaus in Weißenbach nach der Renovierung 1949

Von 1950 - 1960 ging die Schülerzahl in Weißenbach merklich zurück und lag im Schnitt bei 24 Schülern.

Im April 1960 wurde Volksschuldirektor Horst Bodenstein (dieser Amtstitel war eingeführt worden) zum Bürgermeister der Ortsgemeinde Kleinmotten gewählt und leitete sofort eine Gesamtrenovierung des Schulgebäudes - aufgeteilt auf drei Jahresetappen - ein.

Schulhaus in Weißenbach 1962
Schulhaus in Weißenbach nach der Renovierung 1962

Ab 1960 war die Schülerzahl in Weißenbach vorerst steigend (1 962 ... 40 Schüler), ging sodann zurück (1965 ... 33 Schüler) und fiel 1966 - es gab keine Oberstufe mehr - extrem ab (18 Schüler).

Im Schuljahr 1962/63 errang die Schule Weißenbach im Rahmen des Schulmilchwettbewerbes im Bundesland Niederösterreich in der Gruppe Volksschulen den beachtlichen 2. Preis, womit ein Ausflug zum Neusiedlersee und zum Flughafen Wien-Schwechat finanziert werden konnte.

Im August 1966 übersiedelte Dir. Horst Bodenstein nach Wien, wo er weiterhin bis zu seiner Pensionierung als Schuldirektor tätig war und 1987 im Alter von 65 Jahren starb.

Ab Herbst 1966 war Erich Datler Schulleiter in Weißenbach.

Ab 1. Jänner 1967 wurde die Gemeindezusammenlegung von Kleinmotten und Gastern wirksam. Die Großgemeinde Gastern war damit auch Schulerhalter der Schule in Weißenbach.

Auf Grund des sich abzeichnenden starken Rückganges des Schülerzahlen in Weißenbach und auch des allgemeinen Lehrermangels der damaligen Zeit wurde die Volksschule in Weißenbach mit Ende des Schuljahres 1967/68 aufgelassen und dem Schulsprengel Gastern zugeheilt. Das Schulgebäude ging 1972 durch Verkauf in Privateigentum über.

Quellenverzeichnis:
Chronik der Volksschule Weißenbach, Band 1 und 2
Keil, Geschichte von Gastern, 1981
Archiv des Bezirksschulrates Waidhofen/Thaya

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