Schulwesen um 1850

Heimatkundliche Nachrichten

Beiblatt zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Waidhofen
6. Jahrgang 1. Jänner 1979

Folge 59

Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Bezirkes Waidhofen a. d. Thaya

von Dir. Herbert Loskott

1850, als das Schulwesen noch ganz unter der Aufsicht der Geistlichkeit stand, waren in den einzelnen Schulorten die Pfarrherrn Vorgesetzte der Schullehrer, die nächsthöhere Instanz bildete der sog. "Schuldistrict", ident mit dem Dekanat. Der jeweilige Dechant fungierte als "Schuldistrictsaufseher", hatte also etwa die Agenden des heutigen Bezirksschulinspektors zu erfüllen.

Während nun die Pfarrsprengel seit Joseph II. fast unverändert blieben, war dies bei den Dekanaten nicht der Fall. Deren Zusammensetzung wechselte öfter. So finden wir im genannten Jahr 1850 folgende Pfarrorte im Dekanat Waidhofen a. d. Thaya: Brand, Puch, Buchbach, Eggern, Eisgarn, Gastern, Göpfritz, Haugschlag, Heidenreichstein, Kirchberg a. d. Wild, Langegg, Litschau, Pfaffenschlag, Scheideldorf, Schrems, Schwarza, Seifrieds, Siegharts, Thaya, Vitis, Waidhofen, Windigsteig.

In diesem Bereich gab es im Berichtsjahr 5.159 Wochenschüler und 1.931 Sonntagsschüler, die Wiederholungsunterricht hatten. 22 Priester, 32 Katecheten, 39 Lehrer und 22 Schulgehilfen standen im Einsatz - eine recht geringe Zahl, sodass in einer Klasse oft 80 und mehr Schüler saßen.

26 Schulgebäude wurden als "gut" bezeichnet, 9 "mittelmäßig" - Grünau (Filialschule von Windigsteig), Schrems, Schandachen (Filialschule von Litschau), Langegg, Puch, Amaliendorf, Heidenreichstein Edelprinz (Filiale von Buchbach) und Nagelberg (Filiale von Brand). "Schlecht" war der Bauzustand folgender Schulen: Windigsteig, Siegharts, Steinbach (Filiale zu Schrems), Pfaffenschlag, Hörmanns (Filialschule von Litschau), Göpfritz und Hollenbach (zu Puch gehörig).

Schuldistriktsaufseher war Mathias Peter, Ehren-Domherr, Dechant in Heidenreichstein.

Nun einige Angaben zu jenen Schulen, die heute im Bezirk Waidhofen a. d. Thaya ihren Standort haben.

(Anmerkung: Hier wird nur der Schulsprengel Gastern angeführt)

Einen großen Schulsprengel gab es in Gastern: Immenschlag, Klein-Zwettl, Wiesmaden, Ruders, Weißenbach, Motten, Garolden und Reichharts (Anmerkung: ?). Daher auch die hohe Schüleranzahl: 236. Religionsunterricht erteilte Pfarrer Johann Grübel; viel Arbeit, aber relativ gutes Einkommen hatte Schulmeister Johann Quereser, nur viel Arbeit aber Schulgehilfe Mathias Böhm: Quereser erhielt stolze 332 fl. 24 kr., Böhm ganze 16fl. Simon Popp hieß der Ortsschulaufseher.

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