Beschreibung von Kirchen und Kapellen

 

GASTERN

24) Südwestlich von Dobersberg ist der Pfarrsprengel von Gastern vorgeschoben, ein alter, mönchischer Besitz des Stiftes Garsten, welches dem Dorfe Ursprung und Namen gegeben hat und hier auch einen Wirtschaftshof inne hatte. Bis 1342 bestand auch ein adeliges Geschlecht, namens "von Gastern". Eine Kapelle in Gastern wird unter Abt Florian (1396 - 1419) erwähnt, die Pfarre war jedoch in Thaya, bis endlich 1642 die Dörfer Gastern, Weißenbach, Ruders, Klein-Motten, Klein-Zwettl, Immenschlag und Eggern auf Betreiben der Herrschaft Weißenbach einen eigenen Seelsorgerin Gastern dotierten, der abwechselnd in Gastern, Weißenbach und Klein-Zwettl, ab und zu auch in Klein-Motten und Eggern den Gottesdienst hielt. Im Jahre 1783 wurde Gastern eine eigene Pfarre. Die neuromanische Kirche zum hl. Martin wurde modern 1904/5 erbaut und 1907 geweiht; das Hochaltarbild U. L. Frau (um 1740) hängt jetzt beim Eingang. Der neue Hochaltar zeigt Statuen der hl. Martin, Leopold und Florian, der alte Hochaltar wurde Seitenaltar.

 

GAROLDEN

Im Dorfe Garolden steht eine Betkapelle zum hl. Josef (um 1700).

 

KLEIN ZWETTL

In Klein-Zwettl (früher Münichreith, dann bis zu 1780 Zwettlern genannt) steht isoliert auf einem Hügel, von Befestigungsmauer mit zinnenbekrönten Torturm und Graben, der zum Teile aufgeschüttet ist, umgeben; die interessante Filialkirche zum hl. Jakob dem Älteren, eine zweischiffige Halle mit Rautengewölben und 8 Schlußsteinen und ein schmales, gerade abschließendes Chor mit frühgotischem Detail. Der Hochaltar (um 1615) kam daher um 1730 aus dem Stifte Zwettl. Die Kirche hat noch 2 Seitenaltäre, ein hübsches spätgotisches Sakramentshäuschen, eine Steinkanzel (um 1490), einen hölzernen achteckigen Turm mit Schindelpyramidendach und eine anschließende Friedhofsanlage. Die altertümliche Orgel kam 1905 aus Gastern daher.

 

KLEIN ZWETTL

Schon vor 1170 besaß das Stift Zwettl hier Güter, der Ort hieß damals Münichreith. 1242 übertrug Herzog Friedrich alle seine Rechte über das Dorf an das Stift, seither der Name "Zwettlern". Seit etwa 1780 "Kleinzwettl".

Am westlichen Ortsende liegt in bmkw., malerischer Höhenlage die kleine Filialkirche (hl. Jakob d. A.), als Wehranlage von, den Zwettler Zisterziensern wohl M. 13. Jh. errichtet. Äußerer Wall und Ringgraben, dahinter die mittelalterliche Ringmauer aus groben Granitsteinen. Kleiner gemauerter, einst mit Fallbrücke versehener Torbogen mit Zinnen (17. Jh.). Korn. Baukern: Langhauswände bis in die Höhe der ursprünglichen Traufsteine (an der Nordwest- und Südwestecke außen deutlich zu erkennen), darüber got. Aufmauerung 1406. Bei Restaurierung 1961 wurde der rom. Tympanon aus Granit aufgefunden. Außen südseitig Reste rom. Öffnungen am Traufgesims Spuren der rotweißroten Renss.Sgraffitierung. Stimmungsvoller Raum über rom. Grundriß, 1406 got. erhöht und mit Gewölben zweischiffig ausgebaut. Bmkw. Urtümlichkeit des Raumes. Eingebaute got. Empore, Betbänke noch von got. Form, links die primitive Steinkanzel um 1500. Über dem Triumphbogen Inschrift "Anno domini 1406". Vom HA 1615 (einst in der Stiftskirche zu Zwettl aufgestellt, um 1730 hierher) seitlich zwei große, gute Plastiken hll. Johannes Ev. und Jakob d. A., links Sakramentshäuschen aus Granit mit got. Eisentürchen E. 15. Jh. Zwei kleine SA, E. 17. Jh., rechts mit spätgot. Muttergottesfigur E. 15. Jh. In der Mitte des Chorraumes unter Granitplatte Abstieg in die teilweise sogar noch erhaltenen Gänge des Erdstalles. Im Dachreiter eine spätgot. Glocke in "Hutform" mit Aufschrift "jesus-nasarenus-rex-iudaeorum", eine zweite aus dem Jahre 1519 "KIM HEILIGER GEIST HER ....... IGER GOT ERFUEL UNS DEINER GENADEN VOLL 1519".

 

FRÜHWÄRTS / GRÜNAU / RUDERS / IMMENSCHLAG

In Frühwärts steht eine neue romanische Kapelle mit Meßlizenz, dem hl. Anton von Padua geweiht (1906), mit flacher Decke; in Grünau steht einfache Ortskapelle mit Schindelsatteldach und kleinem, hölzernem Dachreiter, in Ruders ebenfalls eine solche, beide am Anfang des XIX. Jahrhunderts, Immenschlag 1924.

 

KLEIN MOTTEN

In Klein-Motten ist auch nur eine Betkapelle; auf einer freien Anhöhe stand ehemals eine Pankraziuskapelle, die besonders am Ostersonntag stark von Wallfahrern besucht wurde. Sie wurde im dreißigjährigen Krieg arg verwüstet und 1785 gesperrt. Ihr Vermögen fiel der neu Lokalie in Reibers zu. Heute ist von der Kapelle gar keine Spur vorhanden. Eine Glocke vom Jahre 1682 wurde vom Grafen Grünne der Pfarrkirche in Kautzen geschenkt.

 

WEISSENBACH

Im Dorfe Weißenbach saß vom XII. bis XIV. Jahrhundert ein gleichnamige adelige Geschlecht. Das Schloß, welches später oft den Besitzer wechselte, wurde erst 1787 aufgelassen. Nur winzige Mauerüberreste, von Gras überwachsen, sind noch vorhanden. Umsomehr muß die hiesige Filialkirche zum hl. Bartholomäus und Andreas, mitten im Dorfe auf dem ehemaligen Friedhofe gelegen, ein Bauwerk des XV. Jahrhunderts, den Besucher interessieren. Man findet darin den Übergang von der Edelgotik zur Spätgotik, eine zweischiffige Hallenkirche und ein schmales, im 3 Seiten des Achtecks gebrochenes Chor. Anfangs des XVII. Jahrhunderts hielt hier kurze Zeit hindurch der Gutsbesitzer eine evangelisches Prediger; alle 3 Altäre (davon ein schöner Flügelaltar, vorne und hinten bemalt) und viele Gemälde sind stilistisch wertvolle Vertreter der Kunst des XVII. Jahrhunderts. Die Steinkanzel ist vom Anfang des XVI. Jahrhunderts. Zwei hölzerne Grabtafeln mit Bildern und Inschriften sind vom Jahr 1653. Der Friedhof um die Kirche, 1621 errichtet, wurde 1787 aufgelassen.

 

WEISSENBACH

Filialkirche (hl. Andreas): Außen unverputzter Steinbau mit gekehrtem Steinsockel. Die Chorfenster mit klarem, einfachem Maßwerk (Kreuz, S, Vierpaß und Vertikalstab). Am Langhaus zwei spitzbogige Türen in profilierter Leibung. Rechteckiger Langhausraum um 1400 als zweischiffige Halle erbaut. Mittlere Achteckpfeiler, breit gespannter Emporeneinbau, rundbogiger Triumphbogen mit Kehle, das Chörlein mit Halbsäulchen und Kreuzrippengewölben; in allen Fenstern bmkw. Maßwerkformen, alle Steinteile aus Granit. Schlichte spätgot. Steinkanzel mit viereckigem Fußteil A. 16. Jh. (vgl. Klein Zwettl). Der HA ist bar., M. 17. Jh., mit guten spätgot. Plastiken hll. Peter und Paul, in der Mittelnische hl. Andreas (bmkw. Kunstwerk aus der Donauschule um 1520). Im Aufbau zwei weibliche Heilige, volkstümliche Kunst 15. Jh., in der Mitte Muttergottes um 1700. Rechts über der Sakristeitüre hl. Erasmus nach 1700. Links seitlich Reste eines got. Flügelaltärchens, Temperäbilder auf Holz gemalt mit Goldgrund: Am Mittelbild Marienkrönung, seitlich und außen diverse Heilige (innen hl. Sigismund mit Buch und Hellebarde, hl. Elisabeth mit Speiseschüssel, Krug und Krüppel; außen hl. Andreas und hl. Antonius Seraphicus), alles um 1600/1620 noch ganz in got. Formen (!) gemalt. Über dem Eingang eine Grabtafel, Öl auf Leinwand gemalt: Grablegung Christi in Landschaft mit Bogen- und Säulchenarchitektur "1659"; gegenüber ein bar. Votivbild um 1650.

Am nordwestlichen Ortsende liegen, etwas erhöht und oberhalb von Geländeterrassen, welche die Reste der ehem. Umwallung darstellen, spärliche Reste der Burgmauern, heute fast ganz überwuchert. Der einstige Burgbrunnen, eine tiefe runde Zisterne, ist noch vorhanden. Diese Burg wird urk. bereits 1142 genannt, sie wurde später zum Schloß ausgebaut; 1672 von G. M. Vischer auf einer Radierung festgehalten. Verfall seit 1787.

 

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