C. Die seesorgliche Betreuung

Die Seelsorge wurde in der Pfarre Thaya immer von Weltpriestern geleistet, auch in der Zeit, als die Pfarre dem Kloster Aldersbach unterstand, nur wurden die Pfarrer vom Abt des Klosters dem Bischof vorgeschlagen.

Wegen der großen Ausdehnung der Pfarre in der früheren Zeit konnte der Pfarrer von Thaya nicht allein die Seelsorge leisten, da ja auch die Kirchen der "oberen Thayinger Pfarre" zu betreuen waren. Er mußte darum Vikare (Kapläne) halten, die in den Filialen die gottesdienstlichen Verpflichtungen leisteten. Schon um 1311 ist bezeugt, daß der Vikar von Thaya zweimal wöchentlich in Klein Zwettl Gottesdienst zu halten habe. 1379, am 25. November, verpflichtet sich Pfarrer Thomas von Thaya dem Abt von Garsten gegenüber, die Kirche Gastern mit den zugehörigen Dörfern mit Gottesdienst und Seelsorge zu versehen. Diese Urkunde siegelt auch der Markt Thaya, und dieses Marktsiegel ist noch vorhanden. Mit 29. Februar 1412 wurde dieser Vertrag vom Passauer Bischof Georg bestätigt. In einem Schreiben heißt es 1565: "Es sei von altersher in Thaya ein Kaplan gehalten worden, von welchem in den zwo ‚geykirchen' zu Zwettlern und Gastern die Taufen und andere Sakramente gereicht, auch der Kirchengesang, Predigt, Amt und Begräbnis gehalten worden." Der Visitationsbericht von 1519 erwähnt einen Priester in Klein Zwettl: "Christophorus Tuball, versieht fünf Filiall hatt concubinam und Communikanten sub utraque 250, kan trefflich Jauchzen und greinen. An trinken mangelt ihn nichts." Zur Zeit der Kirchenvisitation 1544 wurde die Filiale Gastern von einem "Eremiten" verwaltet, das ist ein Priester aus dem Augustiner-Eremiten-Kloster Fratting.

Auch Benefizien bestanden in der Pfarre. Darunter ist ein mit dem notwendigen Lebensunterhalt ausgestatteter Seelsorgsposten zu verstehen. Zwei an der Pfarrkirche Thaya: Ad S. Catharinam und Corporis Christi; eines zu Weissenbach und eines zu Peigarten, wo schon 1338 ein Schloßkaplan erwähnt wird. 1544 wurde dieses vom Besitzer von Peigarten Joachim Inprucker eingezogen, der die Einkünfte für sich verwendete. Doch hatte Peigarten von 1707-1789 wieder einen Priester, da das Gut Peigarten durch einen Priester des Klosters Lilienfeld verwaltet wurde. Zur seelsorglichen Betreuung scheint Thaya bis zu vier Priester gehabt zu haben, denn im Visitationsbericht von 1544 heißt es: "Der Pfarrer Petrus Larenkopf befand sich allein auf der Pfarre Thaya, obschon ein Pfarrer samt ‚Vierter' sein sollte. Er hielt sich einen Schulmeister und einen Eremiten, der die Filialen versah." (Erstmalige Nennung eines Schulmeisters!) Doch damit sind wir schon in der Reformationszeit.

Die Seelsorge kam in größte Schwierigkeiten. Mancher Pfarrer neigte selbst der neuen Lehre zu, zum Beispiel Pfarrer Laurenz Nägele, der 1561 abgesetzt wurde. Andererseits ging ein starker Druck von den lutherisch gewordenen Grundherren, den Puchheimern, aus, die durch ihre Vögte dem Pfarrer und den Benefiziaten durch Entziehung des Zehents die Existenzgrundlage entzogen.

Die Situation schildert das Visitationsprotokoll von 1590: "Pfarrer Leopold Altschäffel hält's katholisch, hat 16 sub una (katholische Gottesdienstform) und 550 sub utraque (reformierte Gottesdienstform). Kann die Absolutionsformel nicht auswendig. Concubinarius (verheiratet)." Da aber das Tridentiner Konzil die Ehen der Priester als ungültig erklärt, wird er Konkubinarier genannt. "Corvini Postill (Evangelienerklärung eines lutherischen Theologen) hat er, unterdessen die Visitatoren in der Kirche gewesen, wieder vom Wagen nehmen lassen."

1630 ist die Situation bereits wieder viel günstiger. Es heißt da im Visitationsbericht: "Deya: Hier haben sich 94 Personen nicht eingestellt (blieben Protestanten). Auch die zwei herrschaftlichen Pfleger zu Edlitz und Peigarten samt den Ihrigen sind unkatholisch. Die Untertanen ‚lenden' sich auf ihre Obrigkeiten und Pfleger." Einige Monate vorher berichtet der Vizedechant, Pfarrer Tobias Emrich von Litschau: "Pfarre Thaya. haben sich alle accomodiert, außer den zwei Dörfern Olten auf Illmau und Rueders auf Weissenbach gehörig." Und im Visitationsbericht von 1643 heißt es von der nun bereits errichteten Pfarre Gastern: "Auf Gastern sein Pfarrkinder 550 alle Catholische." Und in Thaya heißt es: "Pater Sylvanus Hunger O.S.B. würklicher Pfarrer zu Theya, allda Pfarrkinder 800, bei 12 sein noch lutherische." Allerdings heißt es noch: "Filialen sein St. Catharina Stifft, auch Beigartten ad S. Joannem Baptistam, allda der Gottesdienst zu verrichten nicht bewilligt wird von der Herrschaft Heidenreichstein, von denen auch dass einkommenss Jährlich wirdt abgezwackhet." (Beachte auch die niedrige Einwohnerzahl - Folge des Dreißigjährigen Krieges.)

Hernach erholt sich die seelsorgliche Situation schnell wieder. Ab 1740 war in Thaya ein Kooperator angestellt, zu dessen Unterhalt die Pfarrkinder beisteuern mußten, 12 Kreuzer pro Haus, was ständige Unstimmigkeiten bereitete, bis die Besoldung des Kooperators, um die schon 1827 beim (Religions)Fonds angesucht wurde, durch das Kongruagesetz von 1885 übernommen wurde. 1858 suchte Pfarrer Tham um die Anstellung eines zweiten Kooperators an mit der Begründung, daß drei Filialschulen mit Religionsunterricht zu versehen seien und an Sonn- und Feiertagen bei nur zwei Gottesdiensten Hunderte nicht einmal die heilige Messe anhören können, da 400 - 500 Weber aus der Umgebung am Sonntag ihre Arbeiten ablieferten und so viele katholische Christen auch bei bestem Willen bei nur zwei Gottesdiensten keine Messe besuchen können.

Es wurde tatsächlich 1858 ein zweiter Kooperator angestellt, er wurde aber anfangs 1860 wegen Priestermangels wieder versetzt, so daß die 8-Uhr-Messe wieder abgeschafft wurde. (Der Brauch, daß ein Priester für die Pfarrgemeinde mehrmals an den Sonn- und Feiertagen die heilige Messe feiert, ist erst in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts aufgekommen.)

Mit kürzeren oder längeren Unterbrechungen war in Thaya bis 1972 ein Kooperator (seit 1939 Kaplan genannt). Es waren sehr oft Neupriester, die hier in dieser ruhigen Pfarre sich in die Seelsorge einarbeiten sollten; daraus erklärt sich auch der sehr häufige Wechsel. Seit der Jahrhundertwende waren 48 Kapläne in Thaya tätig, davon unter Pfarrer Franz Bauer 23. Die 9 Kapläne unter dem gegenwärtigen Pfarrer hatten auch Aushilfsverpflichtungen in der Nachbarschaft. Der längstdienende Kaplan in Thaya war Franz Sieberer 1899-1909. Die kürzeste Dienstzeit verbrächte Engelbert Rottenschlager hier: 8. September 1958 bis 18. September 1958. Dr. Alois Tampier, jetzt Generalvikar der Diözese St. Pölten, war zweimal hier Kaplan, 1938/39 und 1942/43. Zu vermerken wäre auch, daß Kooperator Michael Hiebl schon 1896 einen Büchereiverein gründete.

1848 wurde die Zehentherrschaft aufgehoben und für den Unterhalt der Priester die Kongrua (Gehalt) eingeführt.

Ausführlich berichtet wird über die bischöfliche Generalvisitation und Firmung vom 22.-24. Juni 1866 durch Bischof Dr. Josef Feßler von St. Pölten. Der Bischof weihte 9 Glocken, für die Pfarre Puch vier und je eine für die Kapellen Schirnes, Ranzles, Eggmanns, Jarolden und Klein Eberharts.

Pfarrer Wenzel Trost hat 1871 die Maiandacht eingeführt. 1871 wurde der Mesnerdienst vom Schuldienst getrennt. Oberlehrer Franz Wallner behielt aber den Organistendienst. Der Frauenkleidermacher Vinzenz Neuwirth wurde als erster Mesner angestellt. Ein weiterer Bischofsbesuch wird am 22. Juni 1887 gemeldet. Diözesanbischof Dr. Matthäus Binder erteilte 642 Firmlingen die heilige Firmung.

Vom 24. März bis 2. April 1895 wurde durch drei Redemptoristenpriester aus Eggenburg die erste Volksmission abgehalten. Bei der Kreuzfeier war "eine nach Tausenden zählende Volksmenge" anwesend.

1911: Der Katholische Volksbund (105 Mitglieder) und die Herz-Jesu-Bruderschaft (62 Mitglieder) werden eingeführt.

Am 31. Juli 1896 und am 8. Juni 1912 wurde durch Bischof Dr. Johann Rößler Generalvisitation und Firmung abgehalten (1912: 918 Firmlinge). Vom 15. - 22. März 1914 wurde wieder eine Volksmission abgehalten.

Der 1. Weltkrieg brachte neben Siegesfeiern Trauergottesdienste für Gefallene, Dank- und Bittgottesdienste, Aufrufe für Sammlungen, Aktion "Gold gab ich für Eisen", Glockenablieferung und Orgelpfeifenablieferung.

Nach dem Krieg Glockenweihen ab 1920.

Am 18. Juni 1923 ist Bischof Dr. Johann Rößler zum drittenmal zur Generalvisitation und Firmung in Thaya.

Vom 15. - 22. März 1925 Volksmission durch Redemptoristen aus Eggenburg.

11. September 1927: Weihe der Kriegergedächtniskapelle in Peigarten.

1935 Einführung des ersten Diözesangebetbuches "Heiliges Volk".

26. März - l. April 1936: Volksmission.

1938 bringt Erschwernis der Seelsorge: Abschaffung des Schulgebetes, die ersten Kirchenaustritte und eine Vollbeschäftigung der Seelsorger mit Ausstellung von Matrikenscheinen für den "Ariernachweis". Abschaffung von Feiertagen, Verbot kirchlicher Prozessionen. 1. August 1938 für Trauungen und 1. Jänner 1939 für Geburten und Sterbefälle Einführung des Standesamtes, wodurch die Führung der amtlichen Matriken, die in der Pfarre mit 1640 beginnen, vom Staat übernommen wird. Kriegsausbruch, Einrückungen, befohlenes Siegesgeläute und später Glockenablieferung, Predigtüberwachung, Gottesdienste für Ausländer - allerdings unter Schwierigkeiten, Gefallenengottesdienste - diese mußten an Sonntagen gehalten werden, damit keine Arbeitszeit verlorenging.

Beschränkung und Behinderung des Religionsunterrichtes in den Schulen, staatliches Verbot für Lehrer, den Organistendienst auszuüben, Verhaftungen und Verhöre von Priestern. Gehaltsentzug für die Priester und Einführung der Kirchenbeiträge, Einziehung von Priestern zum Militärdienst, daher auch Thaya zeitweise ohne Kaplan. Einführung der Abendmessen mit Erleichterung des eucharistischen Fastens. Bombenflüchtlinge.

16. April 1945 Militäreinquartierung auch im Pfarrhof, Zusammenbruch. 8. Mai Waffenstillstand, 9. Mai russische Soldaten in Thaya, Plünderungen, erschossene Soldaten. 15. Mai 1945 die ersten Vertriebenen aus der CSSR. Der Ort ist überfüllt von Heimatvertriebenen, die zum Großteil ohne jede Habe ankamen. Der Pfarrer nimmt einen Priester auf, der als Kaplan angestellt wird und so der russischen Kriegsgefangenschaft entgeht (Michael Ruf).

31. Mai 1945: Fronleichnam kann wieder mit Umgang gehalten werden, aber überschattet vom Elend der Flüchtlinge, die zu Tausenden aus der Tschechoslowakei buchstäblich hinausgepeitscht werden.

1. Juli 1945: 600 Invalide kommen nach Thaya - 100 wohnen und schlafen im Pfarrhofstadel. Die Bevölkerung hat sich zum Großteil in Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe bewährt, auch kein "Rachenehmen".

21. Oktober 1945: Das Wiener Kirchenblatt (seit 1938 verboten) kann zum erstenmal wieder erscheinen.

Aufblühen des religiösen Lebens. Für die Jugend, die in den letzten Jahren kaum Religionsunterricht erhalten hat, werden Glaubensstunden abgehalten, guter Kirchenbesuch und steigender Sakramentenempfang.

1946 zum erstenmal Sternsingeraktion.

Aufbauarbeit auch in der Kirche, reges Wallfahrtsleben.

1. November 1950: Dogmatisierung "Maria Himmelfahrt" - Auftrieb für die Marienverehrung, gut besuchte Maiandachten.

24. Februar - 4. März 1951: Volksmission in Thaya durch Redemptoristen aus Eggenburg.

20. Mai 1951: Maria-Zell-Lichtstafette.

24. April 1952: Weihe der Pummerin in Wien - Zeichen des fortschreitenden Wiederaufbaues.

15. Mai 1955: Der Staatsvertrag wird von den Gläubigen als ein Wunder der Gnade Gottes empfunden.

Die Kircheninnenrenovierung 1956 ist ein Zeichen der religiösen Wiedergeburt. 1960 Außenrenovierung der Kirche, Bereitstellung von Seelsorgeräumen.

27. November - 8. Dezember 1963: Volksmission durch Patres von Eggenburg.

28. Jänner 1964: Gründung eines Präsidiums der "Legio Mariä".

12. Juli 1964: Weihe der neuen Glocken.

Ab 1964 stufenweise Einführung der Muttersprache in die Liturgie. Die Durchführung der Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962 - 8. Dezember 1965) geht ohne Schwierigkeiten vor sich.

Advent 1965: Umgestaltung der Kirche für die erneuerte Liturgie.

6. Februar 1966: Altarkonsekration durch Bischof Zak.

Ab 1964 jährlicher "Altentag" im Herbst für über 70jährige.

3. November 1968: Wahl des Pfarrseelsorgerates (später Pfarrgemeinderat genannt).

Und schließlich das bewußte Anknüpfen an die christliche Vergangenheit durch die Wiederaufstellung der alten Marienstatue aus der Zeit um 1350, die uns sagen soll: Gott ist uns nahe, auch in unserer Zeit. Die Formen ändern sich, aber der Geist ist ewig.

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