B. Das Pfarrgebiet

Die Pfarre Thaya war im Osten begrenzt von der Thaya und grenzte hier an die Mutterpfarre Raabs. Mit der Besiedlung dehnte sie sich nach Westen aus bis zum Reinberg, wo sie an die Pfarre Litschau grenzte und nach deren Gründung auch an die Pfarre Heidenreichstein. Im Süden verlief die Grenze nahe bei Waidhofen, hatte aber mit Waidhofen keine Beziehung, weil es sich hier um einen anderen Herrschaftsbereich handelte. Die Meinung, daß auch Pfaffenschlag zum Pfarrgebiet gehörte, kann wohl nicht aufrechterhalten werden, weil Pfaffenschlag mit dem Patronat immer zu Heidenreichstein gehörte. Dafür spricht nur, daß es eine Gründung des Klosters Garsten ist, das in der Thayinger Pfarre schon Besitzungen hatte. Das Pfarrgebiet war in verschiedene Grundherrschaften gespalten, worunter die Einheit der Pfarre litt. Zwettlarn (Klein Zwettl) gehörte dem Kloster Zwettl, Gastern dem Kloster Garsten bei Steyr, in Weissenbach und Peigarten saßen Dienstadelige, Motten gehörte den Dienstadeligen von Illmau, und Eggern schließlich unterstand unmittelbar der Grafschaft Litschau. Jede Herrschaft bemühte sich, für ihre Untertanen eine eigene Kirche zu bauen. So entstanden Kirchen zu Klein Zwettl, Gastern, Weissenbach, Klein Motten (heute verödet), Eggern und in Peigarten eine Schloßkapelle. Thaya war somit eine Pfarre mit sieben Kirchen. Das Gebiet der fünf Kirchen: Zwettlarn, Gastern, Weissenbach, Motten und Eggern wurde auch die "obere Thayinger Pfarre" genannt, Thaya mit der Schloßkapelle Peigarten hieß "Niederthaya". Zur oberen Pfarre gehörten auch die Ortschaften Immenschlag, Ruders und das heute verödete Hadmars; Garolden gehörte nach Dobersberg. Niederthaya umfaßte die Orte Klein Eberharts, Groß Gerharts, Schirnes, Ranzles, Oberedlitz, Eggmanns und das 1353 verödete Dorf Frühwärts. (Nach der Wiedererrichtung der Ortschaft Frühwärts sind in den hiesigen Matriken von 1836 bis 1838 sechs Geburten, zwei Trauungen und ein Todesfall verzeichnet; 1838 wurde Frühwärts nach Gastern eingepfarrt).

Östlich der Thaya lag das Pfarrgebiet der Mutterpfarre Raabs, so daß auch Niederedlitz zur Pfarre Raabs gehörte. Allerdings wurde diese Ortschaft immer von Thaya aus seelsorglich betreut, ebenfalls seit Beginn der Matriken sind die Taufen, Trauungen und Beerdigungen von Niederedlitz in Thaya. Zum Zeichen ihrer Zugehörigkeit nach Raabs mußten zu Ostern jährlich zwei Männer aus Niederedlitz zwei dicke Wachskerzen nach Raabs bringen und am dortigen Hochaltar opfern. 1776 erst kam Niederedlitz auch kirchenrechtlich nach Thaya.

Das Dorf Jarolden gehörte zur Tochterpfarre von Raabs Puch. Ein Vermerk im Taufbuch meldet von der Angliederung an Thaya: "Den 1. November 1783 ist das Dorf Jarolden von der Pfarre Puch getrennt und der hochfürstlichen Passauischen Pfarre Thaya einverleibt worden." Zur Pfarre gehörten auch die Sixtmühle und die Stoißmühle. Im Zehentbuch von Herzogenburg werden eine Reihe von Orten aufgezählt, die heute "untergegangen" sind, und zwar im Amt Thaya: Mospach, Sawrlings bei Niedereberharts, Tubeniche (Dimling) bei Mospach, Haniftal und Mayrshoff; und im Amt Pruck: Stoyssen, Netraz (?) und Groß- und Klein-Hart, auch Zweenharten genannt. Flurbezeichnungen erinnern noch an diese Ortschaften, von Hart ist auch noch ein Ruinenrest im Hartwald zu erkennen.

Dieses große Pfarrgebiet drängte zur Gründung von Tochterpfarren. 1308 wird bereits ein Pfarrer in Pfaffenschlag genannt.

In Eggern wird 1455 ein Konrad Morkl als Pfarrer genannt. Auch der "Priester Thomas", nach dem der von ihm beschüttete Thomasteich zwischen Eggern und Eisgarn benannt ist, dürfte ein Seelsorger von Eggern und nicht ein Pfarrer von Thaya gewesen sein. 1574 wurde in Klein Zwettl ein Vikariat errichtet, das auch Gastern zu betreuen hatte. Die Gründung war aber nicht von Dauer. Die Herren von Weissenbach versuchten dort eine lutherische Pfarre zu errichten. 1611 und 1616 wird ein lutherischer Prediger als Pfarrer von Weissenbach genannt. Aber erst am 26. Februar 1642 konnte für die "obere Thayinger Pfarre" eine eigene Pfarre (Vikariat) gegründet werden mit dem Sitz in Gastern. Dazu gehörte auch Eggern, das am 15. Februar 1784 zu einer eigenen Pfarrstelle erhoben wurde. Das Präsentationsrecht (Vorschlag für die Pfarrbesetzung) verblieb bis 1782 den Pfarrern von Thaya. Durch die Gründung der Pfarre Gastern konnte noch während des Dreißigjährigen Krieges eine wesentliche Verbesserung der Seelsorge erreicht werden.

1875 wurde die Sixtmühle nach Waidhofen eingepfarrt, sonst änderte sich an der Pfarrgröße nichts, bis am 1. Oktober 1958 die Ortschaft Klein Göpfritz wegen der geringeren Entfernung und "zur besseren Betreuung der betreffenden Katholiken" nach Pfaffenschlag umgepfarrt wurde und am 1. Jänner 1960 die Ortschaft Klein Eberharts "zur leichteren Betreuung der Gläubigen" nach Waidhofen, wo sie schon bisher zumeist den Gottesdienst besucht hatten. Es verblieb aber der ehemaligen Großpfarre Thaya ein einheitliches und in seiner Ausdehnung und Einwohnerzahl günstiges Pfarrgebiet, das von einem Priester betreut werden kann.

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