1985 - aus der Pfarrchronik (Gedenkbuch)

Während der Dezember 1984 mild war - zu Weihnachten wenig Schnee, begab das neue Jahr mit ergiebigen Schneefällen und einer Kältewelle. Auch in Gastern soll es am 7.1.1985 -30o gehabt haben.
Wasserleitungen sind eingefroren in im Pfarrhof am 7. - 8.1. auch der Warmwasserspeicher.

Die Arbeiten an den Kirchenbänken begannen am 7.1. An diesen Tagen wurden die Bänke an der Frauenseite abgetragen und am 8.1. wurde der Boden neu verlegt. Herr Engelbert Schandl erweist sich als guter Organisator. Er besorgt die Arbeiter - es kommen viele. Herr Tischlermeister Johann Kases führt die Arbeiten durch.

Die Kälte nahm um dem 12.1. etwas ab, es gab aber immerhin noch -10o bis -16o. Auch bei uns das es jetzt einen "Kältetoten". Siehe Zeitungsausschnitt:

Volksblatt

Noch immer keine Ende der Kältewelle in Sicht

Wien (Volksblatt, APA) - Die klirrende Kälte in Europa hat bereits 200 Menschenleben gefordert. Die tiefen Temperaturen wurden zum Wochenende durch ausgiebige Schnellfälle vor allem in Ost "aufgelockert". Ein Ende der Kältewelle ist nach Angaben der Meteorologen vorerst nicht in Sicht.

In Österreich hat der Frost gestern das vierzehnte Menschenleben gefordert: In Gastern im Bezirk Waidhofen an der Thaya wurde in den Morgenstunden die 82 Jahre alte alleinstehende Pensionistin Julie Dangl von ihre Nichte neben ihrem Bett liegend tot aufgefunden. Die Frau war gestürzt, konnte offenbar nicht mehr aufstehen und erfror in ihrer Wohnung.

Sonntag, 13.1.1985 - Die Frau lebte allein in ihrem Hause!

Umgesaltung der Kirchenbänke - 1985
Umgestaltung der Kirchenbänke (Anmerkung: Die ersten Bankreihen wurden speziell an die Bedürfnisse der Kinder angepasst und um Platz vor dem Altarraum zu schaffen - besonders bei Begräbnissen - wurden diese Bänke gekürzt - daher breiterer Mittelgang)

Die Arbeiten an der Kirchensitzumgestaltung dauerten 2 1/2 Wochen und gingen am 23.1. zu Ende. Die Planung und Leitung hatte Johann Kases; mit ihm arbeiteten die Tischler Popp und Schandl Alfred. Traun Karl gestaltete den Volksaltar, der um eine Stufe gehoben wurde. Alle Handwerker arbeiteten Stunden umsonst, auch der der Schlosser Reininger, der die Gelenke für die aufklappbarem Knieschemmel lieferte. Herr Wenisch Friedrich, Mesner, und Herr Schandl Engelbert, Obmann des Pfarrkirchenrates, war ständig von früh bis abends anwesend - der Mesner mit dem Besen , Herr Schandl organisierte die Arbeiter. Der ganze Pfarrkirchenrat arbeitete fleißig mit und auch viele andere Männer. Außer einer Jause erhielten diese Leute nichts. Wir ersparten uns rund 40.000,- S/800 Stunden.
Das Holz für den Unterbau, Schemel und Wandverkleidung lieferte das Sägewerk Longin, Dobersberg. Dafür bezahtlen wir bereits 53.000,- S. Die Tischler bekamen rund 25.000,- S, der Schlosser 5.000,- S, für Farben (Imprägnierung) rund 5.000,- S, ist auuch bereits bezahlt. Für Jausen bekommt das Gasthof Müllner 6.000,- S. Die Schulden von ca. 35.000,- S hoffen wir durch Spenden hereinzubekommen.

Am 2. Februar gab es bischöfliche Auszeichnungen. Herr Erich Datler bekam ein Dankschreiben, die Herren Schandl und Wenisch erhielten den Hippolytusorden. Beide haben viel für die Kirche geleistet und feiern heuer ihren 60. Geburtstag, Herr Wenisch eben am 2. Februar.

Bericht aus der Kirchenzeitung

GASTERN - Nach zweiwöchiger Dauer konnten die am 7. Jänner begonnene Renovierung der Kirchenbänke und die Umgestaltung des Volksaltares der Pfarrkirche abgeschlossen werden. Durch Beteiligung vieler freiwilliger Helfer sparte man von den Gesamtkosten, die ca. 100.000 S betragen, 40.000 S ein. Der Hauptanteil von 60.000 S wird durch Spenden der Pfarrangehörigen aufgebracht. Organisatoren der gut gelungenen Renovierung waren mit Pfarrer Josef Keil, Engelbert Schandl, Obmannstellvertreter des Pfarrkirchenrates und der Tischlermeister Johann Kases. - Im Rahmen einer Meßfeier überreichte am 2. Februar Pfarrer GR Josef Keil bischöfliche Auszeichnungen und Ehrungen. Friedrich Wenisch, seit 40 Jahren Mesner an der Pfarrkirche Gastern, wurde mit dem Ehrenzeichen des heiligen Hippolyt ausgezeichnet. Dieselbe Auszeichnung erhielt auch der Obmannstellvertreter des Pfarrkirchenrates, Engelbert Schandl, für Verdienste um die Pfarrkirche Gastern und die Filialkirche von Kleinzwettl. Mit einem bischöflichen Dank- und Anerkennungsdekret wurde der Obmannstellvertreter des Pfarrgemeinderates und Regens chori, Volksschuldirektor Erich Datler, ausgezeichnet.

 

NÖN - ("Waidhofner Zeitung")

Pfarrangehörige halfen fleißig bei Renovierung

GASTERN - Umfangreiche Arbeiten wurden heuer bereits in der Pfarrkirche durchgeführt.
Der Holzfußboden unter den Bänken und die Wandverkleidung wurden erneuert, die Bänke wurden umgestaltet, der Abstand teilweise verbreitert und die Sitze selbst bequemer gemacht. Der Altarraum wurde um eine Stufe angehoben.
Die Kosten für dieses bereits im Vorjahr geplanten und nun ausgeführten Vorhabens betragen fast 100.000 Schilling. Dazu kommen noch rund 800 kostenlose Arbeitsstunden, die unter Organisation des Pfarrkirchenrates von diesem und anderen freiwilligen Helfern geleistet wurden. Die Tischlerfacharbeiten wurden von den Tischlermeistern aus dem Gemeindebereich mit großem Entgegenkommen geleitet und durchgeführt.
Zur finanziellen Seite ist zu bemerken, daß zwar ein großer Teil bereits bezahlt ist, zur Ausfinanzierung jedoch weiterhin die Unterstützung der Pfarrgemeindemitglieder erbeten wird, die den Belangen ihrer Pfarrkirche immer Verständnis entgegenbringen. Das nun bereits abgeschlossene und als sehr gut gelungen zu bezeichnende Vorhaben stellt ein weiteres in der Reihe der beachtlichen und eindrucksvollen Vorhaben dar, die während der rund zehnjährigen Amtszeit von Pfarrer Geistl. Rat Josef Keil in Gastern in Angriff genommen und ausgeführt wurden.

Winterlicher Kälteeinbruch am 11.2. Einige Tage gab es bei uns wieder - 25o. Zu "Matthias" (Anmerkung: 24.2.) kamen Temperaturen über 0o - Regen. Es begann die Schneeschmelze.

Am 23. Februar gab es eine besondere Taufe. Frau Lehrer Christine Mödlagl erhielt endlich nach 16 Jahren das langersehnte und jetzt nicht mehr erwartete Kind, das "Gnadenkind" erhielt den Namen Angelika.

Am 24. Februar hatten wir eine Doppel-Goldene Hochzeit. Pischinger aus Garolden und Pieringer aus Ruders. Pischinger haben 3 Kinder und 9 Enkel. Pieringer haben 8 verheiratete Kinder, 25 Enkel, 8 Urenkel. Nach der Festmesse, bei der die Singgemeinschaft mitwirkte, hatten die Jubelpaare getrennt in den beiden Gasthöfen ein Mittagessen.

Der Winter dauerte heuer ziemlich lange. Im März hab es nachts Temperaturen einige Grad unter Null, dann wieder darüber. Die Sonne schien wenig. Vom Sonntag (17.) auf Montag (18. März) schneite es wieder viel (35 cm), dann begann es wärmer zu werden und am 21.3. kam wirklich der Frühling. Die Sonne zeigte sich, am 27.3. war es schon sehr warm (bis 20o), nachmittags kam ein heftiges Gewitter.

Vom 16. April bis 6. Mi war der Pfarrer im Krankenhaus mit Magengeschwüren. Messen gab es mit ihm am 28.4. und am 5.5. Sonst gab es Wortgottesdienste.

Osterbeichten: 400!

Die Krankheit des Pfarrer hält an (Magen, Verstopfung, Kreislauf) - 24.6.1985.

Das Wetter war im ganzen Juni miserabel, viel Regen, wenig Sonne, kalt. Das Heu kann nicht eingebracht werden. In der 2. Juliwoche wurde es schöner, am 14. Juli war es sehr heiß (mittags 35o in der Sonne).

Am 25. Juni kam der Pfarrer wieder in das Krankenhaus, diesmal nach Allentsteig. Der dortige Primar Dr. Kurt Kstner sagte: Ihnen fehlt es überall. 11 Infusionen, schließlich röntgen es Dickdarms, eine Lungenentzündung wurde festgestellt. Der Dickdarm wurde bisher nicht untersucht. 3 Injektionen sollen das Leiden lindern und Tabletten   schließlich  die Genesung herbeiführen herbeiführen. Nach 18 Tagen konnte der Pfarrer am 12.7. gestärkt und fast wieder gesund heimgehen und am 14.7. sonntags eine Hl. Messe feiern. Dem Primar und dem Pflegepersonal vom Spital im Krankenhaus alles Lob und Anerkennung.

Ende Juli sehr heiß, 40o in der Sonne. Heftige Gewitter in ganz Österreich verursachen großen Schaden.

Am 6. August kam der Pfarrer wieder in das Krankenhaus (zum dritten Mal) Allentsteig. Heftige Magenschmerzen. Am 19.8. wurde er am Magen operiert; eine schwere Operation, abgeblich schon Krebs, jedenfalls Geschwüre. Am 16.9.1985 konnt er nach Hause gehen, ziemlich schwach. Langsam geht es wieder aufwärts. Während der Abwesenheit des Pfarrers führte als Vikar subistutus (?) der Pfarrer von Thaya die Pfarre Gastern. Die meisten Gottesdienste hielt der Pfarrer von Kautzen.

Im Amtsblatt der BH Waidhofen vom 5.10.1985

DANKSAGUNG

"Für die schwere, aber gut gelungene Magenoperation und die liebevolle Betreuung durch Herrn Oberarzt Dr. Harald Pecina, Allentsteig, dankt auch auf diesem Weg herzlich Josef Keil, Pfarrer von Gastern"

Am 7. August geschah im Heidenreichsteiner Wald (Anmerkung: Bundesstraße Ruders - Heidenreichstein) ein furchtbares Unglück. Bernhard Eggenberger fuhr mit seinem Auto in einem Tümpel neben der Straße. Der Wagen kippte um, und Vater und seine Kinder Christine (14 Jahre) und Petra (9 Jahre) ertranken. Bernhard jun. konnte sich retten; er bliebt seiner Mutter, die nicht im Auto war, erhalten. (Anmerkung: Der Freund von Christine, der auch im Auto war, konnte sich ebenfalls retten)

Am Allerheiligentag wurde der neue Friedhof - Erweiterung des alten Friedhofes - vom Pfarrer geweiht.

Mit November kam der Winter mit viel Schnee und Kälte (-10o). Anfangs Dezember ging der Schnee wieder weg. Es gab zeitweise Regen und grüne Weihnachten. Erst Ende Dezember kam der Winter wieder.

In der Welt gab es viele Konflikte, Bürgerkriege und zahlreiche Terroranschläge. Nach Weihnachten kam es zu wüsten Schießerei auf den Flughäfen Wien und Rom, wobei es zu 18 Toten (vor allem in Rom) und zahlreichen Verletzten kam. Attentäter waren Araber, getroffen sollten die Israelis werden.

Statistik zum Jahreschluß: Taufen gab es 18 (Vorjahr 21), davon 12 Knaben, 6 Mädchen. Geboren in Waidhofen 12, in Gmünd 3, je 1 in Horn, Wien, daheim. 3 uneheliche Kinder. Trauungen: 6 (Vorjahr 5) - 1 Paar von auswärts. 28 Begräbnisse (Vorjahr 23)! 18 Verstorbene waren über 70, davon 10 über 80, davon 1 85 und 2 89 Jahre. 10 starben im Krankenhaus Waidhofen, 3 in Wien, 3 bei Unfall, 3 im Wald (einer Selbstmord). 3 Tote wurden zum Begräbnis hergebracht. Frau Frank, Frühwärts, nach Scheideldorf. Die Einwohneranzahl von 1500 blieb konstant. Kommunionen: 18.000. 

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