Glockenturm - 1991

Rarität: Hölzerne Glockentürme

Das Waldviertel hat nicht nur alte Städte und Märkte, sowie Burgen und Ruinen aufzuweisen, sondern auch so manch andere Besonderheit. Dazu zählen unter anderem steinerne Hochkreuze, viele Vinzenzstatuen und zahlreiche hölzerne Glockentürme.

Letztere findet man gehäuft im Bezirk Waidhofen an der Thaya und seiner Umgebung.

Schriftliche Aufzeichnungen über die Errichtung von Glockentürmen sind sehr selten. Vorn Dorf Stölzles hei Hirschbach wird berichtet: 1735 schenkte Franz Sigmund Graf von Herberstein dem Dorf Stölzles eine kleine Glocke, die bei einer alten Statue im Dorf aufgerichtet wurde und bei welcher man mit Bewilligung des Pfarrers von Weissenalbern den Rosenkranz betete.

In Klein Göpfritz durften im Jahre 1720 de Bewohner als Übergangslösung ein "Glöckl" in der Martersäule aufhängen. Franz Kießling weist in seinem Buch "Altertümliche Kreuz- und Querzüge" auf die Befestigung von Glocken auf hölzernen Balken im Geäst eines Baumes hin. Einen solchen "Glockenbaum" hat es bis zum Jahre 1898 in Karlstein an der Thaya gegeben. Auf diese Art hatte jedes Dorf seinen "Glockenturm".

Die einfachste Form war in späterer Zeit der unverkleidete Turm. In Klein Eberharts, Drösiedl, Eisenreichs und Alt Waidhofen sind die nach oben hin sich verjüngenden Ständer des Glockenstuhles mit Brettern verschalt. Unterhalb des Daches befinden sich Schallfenster. Der durch die Verkleidung entstandene Raum bietet Schutz vor den Unbillen des Wetters und zugleich Platz für die Ausschmückung. Als besonders geräumig wird das "Glockenhäusl" von Wiesmaden, das in der Literatur als "hölzerne Betkapelle mit Glocke" auf scheint, beschrieben.

Erstmals erwähnt wurde sie 1893 im Zusammenhang mit der Glocke, die 192 kg wog. Sie mußte 1917 abgeliefert werden. An ihrer Stelle wurde 1920 eine 100 kg schwere Stahlglocke aufgezogen. 1977 (Bild) wurde der Glockenturm erneuert.

In Josefsthal bei Litschau wurde der Glockenstuhl mit einem Holzbau umgeben und erhiefl so das Aussehen einer Kapelle. In Liebenberg wiederum gibt es eine Kombination zwischen Glockenhaus und Schlauchturm der Feuerwehr.

Vereinzelt wurden anstelle der hölzernen Glockentürme solche aus Ziegel errichtet, wie in Oberndorf-Weikertschlag, Wetzles und Schlagles. In der Mehrzahl wurden die Türme jedoch durch gemauerte Betkapellen ersetzt.

Erfreulicherweise gibt es noch Dorfgemeinschaften, die morsch gewordene Glockenstühle erneuern. So geschehen in Kollmitzgraben, Klein-Eberharts, Limpfings und Arnolz bei Pfaffenschlag. Der hölzerne Glockenstuhl in Wohlfahrts mußte wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Der Museumsverein Waidhofen an der Thaya hat zur Erinnerung 1982 eine Nachbildung dieses Glockenturms im Schadekpark beim Heimatmuseum aufgestellt. Die Glocke, sie stammt aus Gastern, wurde von GR Pfarrer Keil dem Verein überlassen. Der Verein Heimatmuseum Waidhofen an der Thaya hat bereits vor Jahren begonnen, sämtliche hölzernen Glockentürme in der Umgebung fotografisch zu erfassen. Vielleicht gelingt es erstmal, sie auch zu vermessen. Jedenfalls weist das Waldviertel mit seinen Glockentürmen eine Rarität auf, die viel zu wenig bekannt ist. Denn kaum in einem anderen Gebiet wird es so viele hölzerne Kulturdenkmäler wie im Gebiet von Waidhofen an der Thaya geben.

(Auszug aus einem Aufsatz von Eduard Führer.)

 
Glockenturm
Aufnahme wahrscheinlich aus dem Jahr 1990 (tif-Datei)