Das ehemalige Schloß in Weißenbach

von Friedrich Schadauer

Wer mit dem Reise- bzw. Kunstführer in der Hand nach Weißenbach kommt, weiß, dass es in diesem Ort die spätgotische Filialkirche als bedeutsames Kulturgut gibt und auch ein ehemaliges Schloß erwähnt wird. Ohne Schwierigkeiten findet man in der Ortsmitte die Filialkirche zum hl. Andreas, von einem Schloß ist aber nichts zu sehen, und auf Fragen danach werden eher unverbindliche Auskünfte zu bekommen sein. Selbst wann man an der Stelle steht, wo früher das Schloß stand, erinnert eigentlich nur mehr ganz wenig an dieses einst mächtige Gebäude.

Der Ort Weißenbach - zur besseren Unterscheidung von einigen Ortschaften gleichen Namens früher auch Weißenbach "am Reinberg" oder "am Heidenreichsteiner Walde" genannt - liegt am Fuße des als "Reinberg" bezeichneten Höhenrückens und wird von einem Bach durchflossen.

Das Schloß Weißenbach stand auf einer Anhöhe am Westende des Ortes. Es war eine stattliche Feste mit zinnengekrönten Mauern, die Hauptfront sah nach Westen, die beiden Flügel erstreckten sich in nördliche und südliche Richtung. In der Mitte des Schlosses erhob sich ein hoher, spitzer Turm. Am Fuße des Schlossfelsens befanden sich ein Teich und der Meierhof. Ferner gab es auch eine Schäferei, ein herrschaftliches Brauhaus mit Hopfengarten und eine Mühle.

Lageplan des ehemaligen Schloßareals

So jedenfalls stellt sich die Anlage auf jener Ansicht dar, die G. M. Vischer im Jahre 1672 mit dem Namen "Weissenpach" gezeichnet hatte.

Diese Ansicht des Schlosses Weißenbach entspricht sicherlich nicht jener früheren Schlossanlage, denn Chronikvermerke sagen aus, dass während der Hussitenkriege und vor allem anfangs des 30jährigen Krieges der Ort, die Filialkirche und auch das Schloß Weißenbach durch Kriegseinwirkungen schwerste Schäden erlitten haben. G. M. Vischer konnte daher 1672 das bereits wieder aufgebaute Schloß zeichnen.

Der oftmalige Besitzerwechsel gereichte aber dem Schloß sehr zum Nachteil, ferner waren die häufigen Militäreinquartierungen, sowie eine Reihe von Krankheitsepidemien und Missernten im 18. Jahrhundert Schuld am wirtschaftlichen Niedergang des Schlosses und dessen jeweiligen Inhabers.

Letzter Herrschaftsbesitzer von Weißenbach war Graf Nikolaus von Palffy (Heidenreichstein), der das Gut Weißenbach 1747 um 25.000 Gulden erwarb.

1787 kam dann das endgültige Aus für das Schloß und die Herrschaft Weißenbach. Das Schloß wurde an zwei Bauern verkauft, der gesamte Grundbesitz auf zwölf Bauernhäuser aufgeteilt und auch die herrschaftliche Mühle und Taverne veräußert. Das Schloß selbst verfiel sehr rasch, heute sieht man nur mehr einige Reste einer Umfriedungsmauer aus Bruchsteinen und einige kleine Mauerpfeiler, alles aber von Gras überwuchert.

Die Schloßmühle besteht noch; man erkennt an der Ostmauer das Radlager für das einstige oberschlächtige Mühlrad bzw. Reste der Wasserzuleitungsrinne vom nördlich erhöht gelegenen Teich.

ehemalige Schloßmühle in Weißenbach (Ansicht ost)
Abb. 10: Weißenbach, ehemalige Schloßmühle (Ansicht Ost)

An das Schloß erinnert heute noch die ortsübliche Bezeichnung "Schloß"-Winkelbauer, als Besitzer des Hauses Nr. 35, das auf dem ehemaligen Schloßareal errichtet worden war.

Literatur:
Österreichische Kunsttopographie, Band 6 (Bezirk Waidhofen/Thaya), Wien 1911
Keil, Geschichte von Gastern, 1981
Chronik der Volksschule in Weißenbach, Band 1
Waidhofner Heimatbuch, 1929

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