Die ehemalige Herrschaft Weißenbach (Übersicht)

Wie bereits Karl Kubes im Kapitel "Zu den geschichtlichen Voraussetzungen" ausführt, war der Ort Weißenbach anfangs Sitz jenes Kleinadelsgeschlechtes, das sich nach diesem Sitz auch "Weissenbacher" (in den Urkunden ist auch Weissenbeckh, Weizzenpach, Weyzzenbekh oder Weissenpech zu lesen) genannt hatte und deren Herrschaftsgebiet ursprünglich die Orte Weißenbach, Ruders, Steinbach, Pertholz, Langegg und einen Teil von Triglas - insgesamt 106 Bauern-, 35 Kleinhäuser, 65 Überländer, 12 Teiche, Waldungen, Jagdrechte und andere Giebigkeiten umfasste.

Dank der umfangreichen Forschungsarbeit von Alois Plesser in den Stiftsarchiven von Altenburg und Herzogenburg sowie in verschiedenen Staats- und Landesarchiven sind eine Reihe von Urkunden erfasst worden, in denen Weissenbacher als Zeugen genannt worden.

1142 ist Hetel von Wizenbach erstmals als Vertreter dieses Rittergeschlechtes als Zeuge in einer Schenkungsurkunde genannt. Der Name Hetel, auch Hertel oder Härtel, erscheint später sehr häufig in einschlägigen Dokumenten auf.

Im 13. Jahrhundert fehlen die Urkunden über das Geschlecht der Weissenbacher, erst im 14. Jahrhundert häufen sich wieder deren Namensnennungen.

Aus der Fülle dieser Urkunden sei hier stellvertretend jene vom 26. März 1366 dokumentiert, bei der es sich um einen Zehentverkauf handelt. Die Transkription der Anfangszeilen lautet: "Ich Hertel der Weizenpech von Weizzenpach und mein Hausfrau und all unsere Erben wissen und tun kund öffentlich in diesem Brief allen die diesen Brief sehend lesen oder hörend lesen, die nun leben oder hernach künftig sind, daß wir verkauft haben und zu kaufen gegeben haben ........". Der Käufer war Georg der Gefeller (aus Waidhofen?), seine Frau und ihre Erben, das Kaufobjekt war ein Zehent und eine Gülte von 5 1/2 Schilling Wiener Münze auf einem Lehen zu "Ulreichslag" auf der obern Lenspach" (Anm.: Ulrichschlag bei Waidhofen/Thaya), und der Kaufpreis ist mit 13 1/2 Pfund Pfennige Wiener Münze vermerkt. Als Siegler der Urkunde sind genannt: Hertel selbst und die ehrbaren "Otto der Mairhover, Burggraf (Verwalter) zu Waydhoven und Weigel der Ochaim". Als Datum ist der Dienstag nach "unserer Frauentag in der Fasten" (Anm.: konkret 26. März 1366) angegeben. Das Original ist im Stiftsarchiv Altenburg verwahrt; ein Siegel ist zur Hälfte zerbrochen, das zweite vorhanden, das dritte (lt. Urkundentext) fehlt zur Gänze.

Vertrag vom 26. März 1366
Abbildung: Vertrag vom 26. März 1366

Eine Urkunde anderer Art ist uns im Grabstein des Weikart erhalten. Der Stein diente lange Zeit als Altartisch in der Pfarrkirche Thaya und wurde im Zuge der Liturgiereformen nach dem 2. Vatikanischen Konzil anlässlich der Errichtung des Volksaltares in der Kirche entdeckt und in seiner Bedeutung erkannt. Pfarrer Florian Schweitzer von Thaya ließ diesen kulturgeschichtlich überaus wertvollen Grabstein an der Westfassade der Pfarrkirche Thaya, für jedermann sichtbar, einmauern.

Dieser Weikart dürfte auch 1345 als einer der Käufer des Schlosses Karlstein/Thaya aufgetreten sein, ein Rechtsgeschäft, das aber in einer Urkunde vom 29. September 1345 revidiert werden musste.

In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts nahmen die finanziellen Transaktionen, die Grundan- und -verkäufe und die Zehentverpfändungen der Weissenbacher zu, was meist Verluste brachte und zu einer laufenden Schwächung der Wirtschaftskraft der Herrschaft führen musste. Die Folge davon war, daß 1380 das Schloß Weissenbach dem Albero III. von Puchheim (Litschau/Heidenreichstein) verkauft wurde. So verschwindet nach rund 250 Jahren das Geschlecht der Weissenbacher aus der Regionalgeschichte, denn 1383 wird ihr Namen letztmalig genannt.

Wie lange die Puchheimer die Geschichte des Schlosses und der Herrschaft Weißenbach bestimmt haben, ist unbekannt; sie dürften aber beides vorerst dem Simon Teindorfer zu Lehen gegeben haben. Urkunden aus 1432 und 1461 bezeichnen Jörg Teindorfer und später Hans Teindorfer als Lehensträger von Weissenbach, von denen diese Herrschaft sodann an die Peuger (auch Poiger) überging. Auch Alois Plesser verweist darauf, daß die historischen Quellen über Weißenbach im 15. Jahrhundert wenig ergiebig sind. Erst 1521 sind die Peuger als neue Besitzer nachweisbar. Jakob Peuger von Puige, bereits der lutherischen Lehre zugetan, zog das dem Pfarrer in Thaya zustehende Benefizium der Kirche in Weissenbach ein, schien aber kinderlos gestorben zu sein, da die vier Söhne seines Bruders um 1540 mit Weissenbach belehnt wurden.

1558 ist Wenzel Peuger genannt, der 1577 das Gut Schandachen kaufte. In weiterer Folge ist 1610 ein Johann Wenzel Peuger genannt, der 1611 einen lutherischen Prediger anstellte - der sich aber nur bis 1616 halten konnte - und seine Untertanen zwang, beim Prädikanten daselbst zu beichten und zu kommunizieren.

Johann Wenzel Peuger hatte 1621 den Friedhof rund um die Kirche in Weissenbach anlegen lassen, auf dem nun die Toten des Dorfes begraben werden mussten, was bisher in Gastern gegen Entrichtung der Stola an den Pfarrer in Thaya geschehen war.

Zu Beginn des 30jährigen Krieges stand Johann Wenzel Peuger auf Seiten der Lutheraner, weshalb es zur Schätzung seiner Güter durch eine kaiserliche Kommission kam, was als Vorstufe einer Güterkonfiskation durch den Kaiser galt. Dorf, Kapelle und Schloß hatten aber durch die kaiserlichen Soldaten bereits schwersten Schaden erlitten, sodass das Schloß nur mit 500 Gulden und die Wirtschaftsgebäude samt dem Grundbesitz mit 1.000 Gulden bewertet wurden. Johann Wenzel Peuger scheint aber begnadigt worden zu sein, denn er konnte 1622 die Güter Weissenbach und Schandachen an Johann Ernst Freiherr von Montrichier, kaiserlicher Oberst und Kämmerer, verkaufen, der seinerseits diesen Besitz 1628 an Alexander Truckmiller veräußerte.

Mit dem Geschlecht der Truckmiller (auch Truckmüller, Truckenmüller, Thrukhenmiller) von Müllpurgk begann ein "goldenes Zeitalter" für Weissenbach. Die Truckmiller sind bereits 1482 als Inhaber von Zehenten bei Schrems nachweisbar und erwarben 1496 Zehente in der Waidhofner Herrschaft. Alexander Truckmiller von Müllpurgk bekam 1612 einen Wappenbrief und 1628 ein Adelsdiplom. Er starb 1635; das Gut Weissenbach mit Schandachen erbte sein Sohn Sigmund Truckmiller, der 1639 Dorf und Schloß Weissenbach als Lehen erhielt. Sigmund war ein konsequenter Vertreter der Gegenreformation und großer Förderer für Weissenbach, vor allem auch für die Filialkirche und erreichte 1642 die Errichtung des Vikariates Gastern, starb aber am 9. Jänner 1653 im Alter von 55 Jahren.

1658 übernahmen Dominik Truckmiller und seine Brüder Franziskus und Tobias gemeinsam die Güter Weissenbach und Schandachen. 1667 erreichte Dominik Truckmiller, daß ihm diese Güter mit Bräuhaus, Mühle, Taz (Bierstauer), 24 Rindern, 100 Schafen u.a. um die Preis von 12.000 Gulden verkauft wurden und er damit im Alleinbesitz war.

Der wirtschaftliche Aufschwung der Herrschaft war trotz häufiger Militäreinquartierungen im Dorf und der Umgebung enorm, was sich auf die Filialkirche überaus positiv auswirkte. 1689 ließ Dominik Truckmiller diese Kirche neu eindecken, renovieren und pflastern, ferner ließ er einen neuen Altar aufstellen, Kirchenfahnen, Messkleider und Kirchenbänke anschaffen und den Bau einer neuen Sakristei planen. Weiters sollte eine Umfriedungsmauer für den Friedhof errichtet werden. Im Dekanatsvisitationsbericht des Jahres 1693 wurde auf den guten Bauzustand der Kirche Bezug genommen. Dominik Truckmiller, der 1691 in den Ritterstand erhoben worden war, starb am 12. Juni 1706 im Alter von 74 Jahren.

Sodann kaufte das Gut Weissenbach Philipp Jakob Ritter von Unkhrechtsberg, der es bis 1740 im Besitz hatte, es aber am 9. April 1740 gemeinsam mit Schandachen um 25.000 Gulden an Nikolaus Graf Palffy von Erdöd auf Heidenreichstein veräußerte. Die Verwaltung der beiden Güter geschah nun von Heidenreichstein aus und dürfte wenig effizient gewesen sein. Verschiedene Truppeneinquartierungen (Winterquartiere), schwere Vorspannverpflichtungen und vor allem arge Missernten in den Jahren 1741 und 1751, besonders aber 1770,1771, 1772 und um 1780 scheinen der Grund dafür gewesen zu sein, daß am 5. Dezember 1787 der Herrschaftsbesitz aufgelöst wurde. Die Gebäude kauften zwei Bauern, den herrschaftlichen Grundbesitz teilte man auf 12 Bauernhäuser auf. Auch der Friedhof wurde auf Anordnung der Regierung 1787 aufgelassen, die Toten des Ortes mussten wieder in Gastern begraben werden.

Quellenverzeichnis:
Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt, Band VIII, St. Pölten 1907
Chronik der Volksschule Weißenbach, Band 1
Keil, Geschichte von Gastern, 1981

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