Der Innenraum

Er wurde indirekt bereits vorgestellt. Kunstgeschichtlich ist er im wesentlichen ein vereinfachtes Derivat der Einstützen-Kirchen. Liturgisch und soziologisch ist er die Aneinanderreihung von Westempore, Musik- oder Herrschaftsempore, von Versammlungsraum, Presbyterium (mit dem glockentragenden Dachreiter) bzw. Sanctuarium. Im Chor fehlen z. B. die liturgischen Nischen, das Sakramentshäuschen, die möglicherweise vermauert sind (vgl. Kleinzwettl) [103], wie auch überhaupt Wandmalereien. Abgesehen von den Wanddiensten, die im Langhaus polygonal, im Chor rund sind, sind die von der Westempore östlich verbleibenden zwei Joche an der Wandhülle des Raumes stark gegliedert - was eine qualifizierende Leistung des Architekten ist. Weitere Gliederungselemente sind die beiden gegenüberliegenden Seitenportale (wohl für Prozessionen von außen), sowie die beiden großen rundbogigen Blendnischen der beiden östlichen Wände. Die Seichtheit der Nischen lässt kaum eine praktische Nutzung (wie bei den Spitalskirchen) zu; sie können auch zu den Seitenaltären gerechnet werden. Die Wand wird graphisch-zeichenhaft gegliedert, die Seitenportale und Blendnischen vermitteln keinen ästhetischen oder räumlichen, dafür aber einen ideellen oder architektonisch monumentalen Eindruck.

Die Spitze der Freipfeiler

Verfolgt man mit den Augen die Silhouette der Freipfeiler inmitten der Halle nach oben zu, so wird man bemerken, dass genau an der gleichen Stelle, wo sich die Gewölberippen astförmig abzweigend nach vorne neigen, der Pfeilerschaft selbst, nach innen zu, in einer pyramidenförmigen Spitze verjüngt. Diese geht dann in die Gewölbeschale über.

Diese Ausprägung ist entwicklungsgeschichtlich alarmierend, weil die Achteck-Pfeiler in der Gotik bis ins 14. Jahrhundert immer ihren Querschnitt und ihre Körperform beibehielten, um dann verschiedentlich in die Gewölbeschale überzugehen. Das Wechseln des Pfeilerquerschnitts ist im Mittelalter ebenso selten wie in der Neuzeit häufig. Nicht die Sockel bzw. Kapitelle können damit gemeint sein, denn in Renaissance und Barock schwillt der Schaft selbst neben krassen Einschnürungen oft bauchförmig an.

Anmerkungen:

103) AB Thaya (wie Anm. 1), Plan 4, Abb. 12.

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