Die Filialkirche

Auf dem ursprünglich freien Anger der hochmittelalterlichen Dorfanlage aus dem 12. Jahrhundert wurde erst im frühen 16. Jahrhundert ein Kirchenbau errichtet. Die Mutterpfarre war Thaya [14].

Ein bestehendes Benefizium brachte im Jahre 1521 Jakob Peuger von Puige, Herr von Weissenbach, an sich [15]. 1544 bestand hier eine protestantische Pfarre. Die geschichtlichen Quellen zum Kirchenbau schweigen also - als Zeuge sagt daher dieser selbst aus, ebenso wie seine gleichzeitige Ausstattung mit Malereien, Standbildern und ehemaligen Altären. Allerdings ist eine befähigte Stilkritik anzuwenden, um die ein- schneidenden Fehldatierungen richtig zustellen [16], welche heute noch publizistische Verbreitung finden.

Die Stilformen der Kunstwerke selbst geben über die älteste "Pfarrgeschichte", über das religiöse Leben und ihre Ikonographie Bescheid; auch liturgisch, denn der Marienkrönungsaltar müsste am "Vorabend" des Protestantismus, wohl vom Bauherrn der Kirche selbst, beauftragt worden sein. Es sind allerdings nur die "Gegensätze" des kunstliebenden Katholizismus in den konfessionellen - und zuletzt militärischen Auseinandersetzungen überliefert worden. Sie werden auch in den Denkmälern der Gegenreformation des 17. Jahrhunderts sichtbar.

Lageplan der Filialkirche Weißenbach

Anmerkungen:

14) Schweitzer Florian: Kirchenführer Thaya, 1977, S. 8.
15) Man müsste den Kirchenneubau, ja die Gründung einer Filialkirche um 1520 ansetzen (ein Vorgängerbau ist derzeit nicht nachweisbar). Im Protestantismus war die Aneignung der Kirchen als Herrschaftskirchen und Mausoleen bzw. ihrer Einkünfte allgemein. Dass das bedeutende Mariakrönungsaltärchen knapp zuvor entstanden war und wohl schon immer in Weißenbach gestanden hatte, dürfte die Kontinuität der Peuger als Herrschaftsinhaber nahe legen, die in der Folge bis zum Verkauf im Jahre 1622 reicht, sicher als Folge des militärischen Aufstandes der Protestanten Niederösterreichs. 1628 erwarben die Truckmiller die Herrschaft Weissenbach und haben ihr Wappen damals auf das Mariakrönungsaltärchen malen lassen (in der Gegenreformation, bzw. während oder nach dem 30jährigen Krieg oder ganz genau nach der Heirat des Sigmund Truckmiller mit einer geborenen Haunold, deren Wappen gleichfalls aufgemalt wurde). Das Mariakrönungsaltärchen kann damals unmittelbar übernommen worden sein, nicht nur im katholischen, sondern auch im herrschaftsgeschichtlichen Sinne.
16) J. Merz hatte in MZK (Mitteilungen der Zentral-Kommission für Kunst und historische Denkmale, Wien) im Jahre 1901 den Kirchenbau "Ende 15. Jh." datiert, und "gleichzeitig oder doch wenig später dürfte auch ein Altar für die Kirche geschaffen worden sein."

Eine eigene Geschichte stellen die Fehldatierungen des Mariakrönungsaltärchens dar: 1911 (ÖKT cit. 33) gibt 1. Hälfte 17. Jh. an, was offensichtlich immer unkritisch abgeschrieben wurde: Bei Riesenhuber P. Martin: Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten (1923) bes. S. 80 "um 1630"; bei Zak Alfons im Waidhofner Heimatbuch (1929) bes. S 305 "1 7. Jh."; bei Eppel Franz: Das Waldviertel (1966) S. 230: "alles um 1600/1620 noch in ganz gotischen Formen (!) gemalt"; schließlich noch 1986: Zotti Wilhelm: Kirchliche Kunst in Niederösterreich. Diözese St. Pölten. Bd. 11, bes. S. 99:"um 1600 - 1620."

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