Die Einrichtung der Filialkirche in Weißenbach (ein Überblick)

von Friedrich Schadauer

Der Hochaltar steht frei im Chorraum, der Holzaufbau (marmoriert) ist in zwei Geschoße gegliedert, wobei das obere Geschoß eine verkleinerte Form des unteren Altaraufbaues darstellt.

Hochaltar Weißenbach

Die Altarmensa ist gemauert, darüber steht in einer von korinthischen Säulen frankierten Rundnische die Statue des Kirchenpatrones Andreas (Holz, polychromiert, etwa Mitte 17. Jahrhundert), während außerhalb der Säulen auf auskragenden Konsolen die qualitätsvollen spätgotischen Statuen der hll. Paulus (links) und Petrus (beide Holz, polychromiert) postiert sind.

Hl. Paulus und Hl. Petrus

In der Rundbogennische des Altaraufsatzes (zweites Geschoß) steht eine barocke Skulptur "Maria mit Kind". Hinter den Giebelschenkein des Altaraufbaues sind Statuetten der hl. Katharina (links) und der hl. Barbara postiert. Eine Kartusche mit Knorpelrahmen zeigt die Wappen der Truckmiller.

An der Langhausstirnwand gab es lange Zeit links und rechts ja einen Seitenaltar. Um die Jahrhundertwende war jedoch der Holzaufbau durch Holzwurmbefall bereits schwerstens beschädigt. Da eine Restaurierung nicht möglich war, wurden diese Seitenaltäre bei der Kirchenrenovierung im Jahre 1904 entfernt, wie in der Chronik der Schule in Weißenbach vermerkt ist. Der rechte Seitenaltar wies ein Gemälde des hl. Antonius von Padua (mit Inschrift, 1687) auf, das damals in die Pfarrkirche Gastern kam. An der Stelle dieses Seitenaltares befindet sich heute ein Ölbild "Maria mit dem Kind' (um 1700) in einem reichgeschnitzten Holzrahmen mit Blattrankenwerk.

Ölbild "Maria mit dem Kind"

Vom ehemaligen linken Seitenaltar ist nur mehr der Mittelteil (140 cm breit und 110 cm hoch) erhalten. Es handelt sich dabei um einen wertvollen Flügelaltar mit einem breiten Mittelbild und zwei schmaleren, an beiden Seiten bemalten, beweglichen Außenflügeln. Dieser künstlerisch überaus bemerkenswerte "Mariakrönungsaltar" weist durchwegs Temperabilder auf Holz mit Goldgrund auf, dazu je einen frühbarocken Knorpelwerkauf- und -untersatz (mit nicht mehr zu entzifferndem Monogramm) und zeigt im Mittelbild die Krönung der Gottesmutter. Gottvater und Christus sitzen auf einer Steinbank, im Hintergrund von Engeln umgeben. Zwischen den Sitzenden kniet Maria, während darüber (im Goldgrund) der Hl. Geist in Form einer Taube schwebt. In den unteren Ecken sind die Wappen des Sigmund Truckmiller und seiner Gemahlin, geb. Haunoldin, zu sehen, die aber nachträglich auf diesem viel älteren Altarbild (eindeutige gotische Stilelemente) angebracht wurden.

"Mariakrönungsaltar", Flügel offen

Die Innenseiten der Flügel dieses Triptychons zeigen links den hl. Matthäus (mit Buch, Hellebarde und weißer Mütze), rechts die hl. Elisabeth, die einen knieenden Bettler labt.

An den Außenseiten der Flügel (bei geschlossenem Zustand) sind der hl. Andreas (links) und der hl. Franziskus von Assisi (rechts) dargestellt.

"Maria Krönungsaltar", Flügel geschlossen

Über dem Nordportal der Kirche hängt ein als Grabtafel gestaltetes frühbarockes Ölbild, die "Grablegung Christi" darstellend, mit folgender Inschrift: "Allhie liegt Begraben der Wohledle Gestrenge Herr Sigmund Truckenmiller von Müllpurgk zu Weissenbach auf Schöndachen, Röm.Kay.Mai. Hoff-Kellermeister undt Perkhoff Verwalter zu Gumpoltskirchen sambt mit seiner Ehegemaehlin, geborene Haunoldin, erzeugten zwei Söhnen undt drei Töchtern, welcher den 9. Januari 1653 seines Alters 55 Jahr in Gott Seilig entschlaffen, dem Gott gnedig sein wolle. Amen. 1659. Non mervi, ut morerer, sed quia visci, debui." (Ich verdiene nicht, dass ich sterbe, aber weil ich gelebt, muss ich sterben). In den beiden Ecken sieht man die gleichen Wappen wie am Mariakrönungsaltar.

Grabtafeln der Truckmiller

An der Südwand neben dem Choraufgang hängt eine weitere Grabtafel (frühbarockes Votivbild), die eine von Engelsköpfen umgebene, in den Wolken schwebende Gottesmutter mit Kind auf dem Schoß darstellt, darunter zwei eingefaschte tote Kinder, ein knieendes Mädchen und zwei Knaben, was auf den Tod der fünf früh verstorbenen Kinder des Sigmund Truckmiller (1653) hinweist. Die lateinische Inschrift lautet: "Ex Sinu Domini Sigismundi Truckmiller de Millpurpo, Domini in Weissenbach, patris sui dilectissimi, pie decesserunt Filioli duo Georgius Andreas et Jonas Christianus una cum sorroribus nomine Juliana Rosina, Isabella Mariana et Anna Sophia, quibus Ter Maximus..." (nicht mehr lesbar, vielleicht: Deus benignus sit). Übersetzung: Aus der Nachkommenschaft des Sigismund Truckmiller von Millburg, des Herrn in Weissenbach, Ihres geliebten Vaters, sind fromm vorausgegangen zwei Söhnchen Georg Andreas und Jonas Christianus zugleich mit den Schwestern namens Juliana Rosina, Isabella Mariana und Anna Sophia, denen der dreimal große ... (Gott gnädig sei).

In der Schulchronik von Weißenbach ist vermerkt, dass es auch eine dritte Grabtafel gegeben hätte, die allerdings unkenntlich geworden war und sodann "verschwunden" sei. Ferner sollen auch anders schwerstens beschädigte Gegenstände und Paramente aus dieser Kirche anfangs der Dreißigerjahre unseres Jahrhunderts einem Antiquitätenhändler verkauft worden sein.

Die einfache spätgotische Steinkanzel mit Steinstiege ruht auf einem achtseitigen Fuß mit einer verbreiterten Konsole. Zwischen zwei Gesimsen ist die mit drei ungleich großen Seiten ausgebildete polygonale Brüstung hergestellt worden (16. Jahrhundert).

An der rechten Chorwand über der Tür zur Sakristei befindet sich auf einer geschnitzten Konsole die hochbarocke Statue des hl. Erasmus (Holz, polychromiert) im Bischofsornat und mit einer Spindel in der linken Hand (um 1700).

Statue des hl. Erasmus

Eine Orgel mit vier Registern ist um 1850 erwähnt. Laut einer Anmerkung in der Schulchronik von Weißenbach wurde dieses Instrument wegen arger Schäden bei der Kirchenrenovierung 1904 abgetragen und dafür ein Orgelharmonium angekauft.

Literatur:
Österreichische Kunsttopographie, Band 6
(Bezirk Waidhofen/Thaya), Wien 1911
Chronik der Schule in Weißenbach, Band 1
Beiträge zur Heimatkunde des Bezirkes Waidhofen/Thaya, 1970
Zotti, Kirchliche Kunst in Niederösterreich, Band 2, St. Pölten,1986
Keil, Geschichte von Gastern, 1981

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