Kirtag und die "Dorfheiligen" von Garolden

Kirtag wurde in Garolden immer am 1. Sonntag im September gefeiert. Als Dorfheilige wurden Fabian und Sebastian (20. Jänner) und Florian (4. Mai) besonders verehrt.

Am 20. Jänner und am 4. Mai wurde jeweils nur am Vormittag gearbeitet. Sogar die Schulkinder von Garolden bekommen zu Mittags bereits schulfrei. Nachmittags (14.00 Uhr) wurde in der Kapelle ein Rosenkranz gebetet. Danach ging es in das Gasthaus. Diese Tradition dürfte sich in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgehört haben. Als Vorbeter fungierten  Leopold Sam und später Engelbert Bäck. Leopold Sam besorgte auch das Läuten der Glocken, später dann Maria Bäck und dann ihr Ehemann Engelbert Bäck, bis  das elektrische Läutwerk montiert wurde.

 

Sebastian

Gedenktag katholisch: 20. Januar 
nicht gebotener Gedenktag
in Soissons: Übertragung der Gebeine: 9. Dezember
Name bedeutet: der Verehrung Würdige (griech. - latein.)
Märtyrer
* in Mailand (oder Narbonne ?)
+ 288 (?) in Rom

Sebastian war nach dem Zeugnis des Ambrosius Mailänder, möglicherweise aber auch in Narbonne geboren, so eine Legende im Umfeld eines Sebastiangrabes in Rom. Danach war er Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof Diokletians, der dort aber ungeachtet des Verbotes seinen christlichen Glauben weiter bekannte und viele zum Christentum bekehrte. Seine Stellung erlaubte ihm, seinen christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beizustehen, ihnen Mut zuzusprechen und immer weitere Römer zu bekehren.
Der Legende nach ließ der römische Kaiser Diokletian, als er von Sebastians Glauben erfuhr, ihn an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen. Er wurde jedoch von den Pfeilen nicht getötet. Die Witwe des Märtyrers Castulus namens == Irene nahm sich seiner an und pflegte seine Wunden. Als er sich wieder erholt hatte, trat er dem erstaunten Kaiser öffentlich entgegen, um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian ließ ihn daraufhin im Circus von Rom zu Tode peitschen und die Leiche in die "cloaca maxima", die große Kloake, werfen. Sebastian erschien dann der Christin Lucina im Traum und wies ihr den Ort; sie holte den Leichnam heraus und bestattete ihn an der Apostelkirche an der Via Appia, unter der heutigen Kirche San Sebastiano ad Catacumbas.

Diese gehörte zu den sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms. Sebastians Verehrung in Rom ist schon im 4. Jahrhundert nachgewiesen. Eine Pestepidemie in Rom im Jahr 680 sei erloschen, nachdem man seine Reliquien durch die Straßen trug; "Sebastinanspfeile" trug man früher als Schutz gegen die Pest. Das erste Martyrium des heiligen Sebastian wurde zum beliebten Thema in der Kunst der Renaissance, der unbekleidet am Baum stehende Märtyrer beliebtes Thema der Aktmalerei. Seine Reliquien sollen in Hagenau im Elsaß sein.

Pietro Perugino: Heiliger Sebastian, 1495, Hermitage in St. PetersburgPietro Perugino: Heiliger Sebastian, 1495, Hermitage in St. Petersburg
Lorenzo Costa: Heiliger Sebastian, 1490 - 91, Galleria degli Uffizi in FlorenzLorenzo Costa: Heiliger Sebastian, 1490 - 91, Galleria degli Uffizi in Florenz
Attribute: Pfeil, der seine Brust durchbohrt
Patron der Brunnen; der Sterbenden, Schützengilden, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisengießer, Zinngießer, Steinmetze, Gärtner, Gerber, Töpfer, Bürstenbinder und Leichenträger; gegen Pest und Seuchen
 

Fabianus

Gedenktag katholisch: 20. Januar
nicht gebotener Gedenktag

Name bedeutet: aus dem Geschlecht der Fabier (latein.)
römischer Bischof, Märtyrer
* in Rom
+ 250 daselbst

Fabianus wurde 236 römischer Bischof. Bei der anstehenden Wahl sei eine Taube herabgeflogen und habe sich auf seinen Kopf gesetzt - worauf man ihn spontan und einstimmig zum Bischof von Rom gewählt habe. Er hatte zunächst unbeschränkte Möglichkeiten zur Ausübung seines Amtes unter den Kaisern Gordian und Philippus Arabus und wird als außerordentlich tüchtiger Bischof beschrieben. Er förderte die Tendenz zu einer hierarchischen Struktur der Kirche, indem er Rom in sieben Bezirke einteilte, die jeweils von einem Diakon verwaltet wurden. Ferner wird ihm die Erweiterung der Katakomben zugeschrieben. Unter seinem Pontifikat erlebte die Kirche eíne Vermehrung der Kleriker und eine Differenzierung ihrer Aufgaben in die seitdem gültigen verschiedenen Weihegrade.

Während seines Pontifikats begann die Kirche, ihre Aufzeichnungen sorgfältiger und effizienter zu führen. Davon zeugt Fabianus' Ernennung von Notaren, um die Taten von Märtyrern zu erfassen. Er starb dann aber als eines der ersten Opfer der Christenverfolgung unter Kaiser Decius. Cyprian von Karthago schrieb einen Brief an die Gemeinde von Rom, in dem er der Kirche von Rom zum Märtyrertod ihres Bischofs gratuliert: nach einer tadellosen Amtsführung sei ihm nun der ehrenvolle Tod geschenkt worden.

Fabianus' Sarkophag wurde 1915 entdeckt.

Attribute: Schwert und Taube
Patron der Töpfer und Zinngießer
Bauernregeln: "An Fabian und Sebastian / soll der Saft in die Bäume gahn."
"An Fabian und Sebastian / fängt der rechte Winter an."

 

Florian

Gedenktag katholisch: 4. Mai 
Name bedeutet: der Blühende (latein.)
Märtyrer

* in Cannabiaca, dem heutigen Zeiselmauer bei Tulln
+ um 304 in Lauriacum, dem heutigen Lorch an der Enns

Florian war Offizier der zweiten Legion des römischen Heeres in Cetium, dem heutigen St.Pölten. Nach seiner Bekehrung zum Christentum gab er seine glänzende Karriere auf, und kehrte nach Zeiselmauer zurück und lebte längere Zeit dort. Von hier aus eilte er 40 gefangenen Christen in Lauriacum - dem heutigen Lorch - zu Hilfe. Der Statthalter Aquilinus ließ ihn verhaften, da er sich weigerte, dem Christentum abzuschwören. Nach vielen Martern erlitt er zusammen mit den 40 mitgefangenen Christen den Märtyrertod. Mit einem Mühlstein um den Hals wurde Florian in der Enns ertränkt.
Die Überlieferung berichtet, dass seine Leiche, von den Wellen auf einen Felsen geworfen und von einem Adler bewacht, von Valeria, einer frommen Frau, gefunden und von ihr dort bestattet wurde, wo im 8. Jahrhundert das Stift St. Florian entstand.
In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben - aber erst im 15. Jahrhundert setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung begründet. Die Reliquien des Hl. Florian gelangten nach Rom. Im 17. Jahrhundert wurden sie nach Krakau überführt, weitere Reliquien sind in Zeiselmauer und St. Florian an der Enns. Die Kirchen von Zeiselmauer und Lorch gehören zu den ganz wenigen Kirchen Österreichs, die direkt über römischen Heiligtümern errichtet wurden. Die Gebeine der anderen 40 Märtyrer wurden Mitte des 20. Jahrhunderts in Lorch ausgegraben. In Zeiselmauer wurde das römische Fahnenheiligtum in der Unterkiche 1980 freigelegt.
Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige und er ist ist einer der 14 Nothelfer.

Attribute: römischer Soldat, ein Haus löschend, Mühlstein
Patron von Oberösterreich, Bologna und Krakau; der Feuerwehr ("Floriansjünger"), Töpfer, Böttcher, Hafner, Schmiede, Kaminfeger, Seifensieder und Bierbrauer; bei Dürre, Unfruchtbarkeit der Felder, Brandwunden; gegen Feuer- und Wassergefahr, Sturm
  Bauernregel: "Der Florian, der Florian / noch einen Schneehut setzen kann."

: Albrecht Altdorfer (um 1480 - 1538): Das Martyrium des Florian, 1520, Galleria degli Uffizi, FlorenzAlbrecht Altdorfer (um 1480 - 1538): Das Martyrium des Florian, 1520, Galleria degli Uffizi, Florenz
Der Mühlstein, mit dem Florian ertränkt worden sei, heute in der Krypta der Stiftskirche St. Florian bei LinzDer Mühlstein, mit dem Florian ertränkt worden sei, heute in der Krypta der Stiftskirche von St. Florian bei Linz
Francesco del Cossa: Florian, 1473, in der National Gallery of Art in Washington