Leserbriefe Franz Frühwirth und Bgm. Ing. Alois Österreicher - 14. Mai 2003

Zu unserem Bild über den "besonderen Maibaum" in Gastern erhielten wir folgenden Leserbrief:

Jetzt haben sie sich gar schon ein Denkmal gesetzt, die Gasterner Witzbolde. Damit weisen sie öffentlich auf die Armseligkeit hin, wie in Gastern eine Kanalisation geplant und gebaut wird. Gleichsam zum Beweis meiner Behauptung brachte nämlich schon des erste schwere Gewitter in diesem Jahr überflutete Keller.

Dieses Problem aber verdrängt man, da schaut man weg. Genauso wie man nicht einmal hinschaut, wenn der erste Gasterner Bademeister nun schon seit neun Monaten täglich 2500 bis 3000 Liter Jauche-ähnlicher Flüssigkeit aus seinem Keller abpumpen muss, um sein Trinkwasser im angrenzenden Brunnen nicht zu gefährden. Die NÖ-Umweltschutzanstalt, die über Auftrag der Volksanwaltschaft ein Gutachten erstellte, nannte diese Flüssigkeit in diesem Gutachten "Sehr keimreiches Wasser, in dem typische Darmkeime auftraten." Trotzdem schaute der Bürgermeister einmal mehr weg, weil Grundwasser sein und auch bleiben muss, was er unbesehen für ein solches hält.

Für jedermann leicht zu erkennen ist also, dass man Humor haben muss, um in Gastern, dort wo die Ahnungslosigkeit zu Hause ist, leben zu können. Zum Ausgleich für diese offensichtlichen Unzulänglichkeiten gibt es dagegen in Gastern einen geschäftsführenden Gemeinderat für Infrastruktur ohne Infrastruktur, einen anderen, der sich um die Umwelt sorgen müsste, die jedoch total versaut zu sein scheint. Einen Klarwart haben wir auch schon, wenn auch die Kläranlage noch fehlt. Schilda lässt grüßen.

Nicht einmal überraschen würde es mich, wenn die Gasterner Humorkanonen ein total zertrümmertes Auto ablichten und daneben ein Schild mit der Aufschrift: Ein Hoch der Müllabfuhr! aufstellen ließen. Doch leider ist nicht immer Humor, was man in Gastern darunter versteht.

Franz Frühwirth, 3852 Gastern

Bgm. Ing. Alois Österreicher übermittelte uns auf das Schreiben von Franz Frühwirth folgende Antwort :

Beim "Denkmal", das sich die "Gasterner Witzbolde" gesetzt haben, handelt es sich um einen Maischerz, der offensichtlich eine Reaktion auf einen Artikel in einer Gratiszeitung, in dem Herr Frühwirth ach so humorvoll seinen Keller der Gemeinde als Hallenbad zur Verfügung stellen wollte. Die Gemeindevertretung hat mit diesem Maischerz nichts zu tun.

Zur Situation: Weil Wasser im Ortsbach in Gastern nicht die für öffentliche Gewässer vorgeschriebene Güte aufweist, hat die Gemeinde im Vorjahr einen Schmutzwasserkanal errichtet und mit dem Bau einer vollbiologischen Kläranlage begonnen, die nun vor der Fertigstellung steht. Voraussichtlich Ende Mail Anfang Juni des heurigen Jahres wird diese Kläranlage in Betrieb gehen und die nunmehr in den Schmutzwasserkanal einzuleitenden Abwässer umweltgerecht reinigen. Dass für den Betrieb der Klaranlage ein Klärwärter mit der entsprechenden Ausbildung für diesen Beruf notwendig ist, dürfte doch für jedermann klar sein. Die Gemeinde hat daher mit 1. Februar einen Installateur aufgenommen und in der Zwischenzeit diesem die für die Berufsausübung erforderliche Ausbildung zum Klärwärter absolvieren lassen.

Die Errichtung der ordnungsgemäßen Schmutzwasserkanalisation, der Kläranlage und der Trinkwasserleitung, die derzeit vorgenommen werden, verursachen Kosten von über zwei Mio. €, ein gut informierter und aufmerksamer Beobachter würde daher kaum sagen, dass in Gastern für Infrastruktur und Umwelt nichts getan wird.

Hier liegt der große Unterschied zwischen dem, was Herr Frühwirth schreibt und dem, was die Verantwortlichen in der Gemeinde Gastern tun: Während er zuhause in seinen vier Wänden sitzt oder in seinem Domizil auf "Rhodos" weilt und über etwas schreibt, wovon er anscheinend keine Ahnung hat, haben wir als Verantwortliche in der Gemeinde dafür gesorgt, dass die Abwässer schon in kurzer Zeit in der neuen Abwasserbeseitigungsanlage umweltfreundlich gereinigt werden.

Neu errichtet wurde in Gastern nur der Schmutzwasserkanal. Beim seit rund 50 Jahren verrohrten Ortsbach und in der Regen- und Oberflächenwasserableitung trat keine Änderung ein, die Wasserqualität des Baches wird sich nach der Inbetriebnahme des Schmutzwasserkanales und der KIäranlage voraussichtlich jedoch deutlich verbessern.

Beim Wasser im Keller der Familie Frühwirth dürfte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Grundwasser handeln, das laut Befund stark verunreinigt ist.

Der von Herrn Frühwirth verantwortlich gemachte verrohrte Ortsbach verläuft in einem Abstand von 13 m, wobei dessen Sohle tiefer als, die Kellersohle liegt. Woher diese Verunreinigung tatsächlich stammt, wird hoffentlich in der nächsten Zeit von der Wasserrechtsbehörde festgestellt werden.

"Maischerz"
Dieser "besondere" Maibaum in Gastern veranlasste zwei NÖN-Leser dazu, ihre Meinung in recht gegensätzliche Leserbriefen kundzutun.