Frühwirth Franz: Artikel in "Der Waldviertler" vom 4.9.2002

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Der Waldviertler
 
Artikel auf Seite 2 und 3
 

Aus der Gratiszeitung "Der Waldviertler" Waidhofen/Th. Nr. 36 - 4.9.2002

"Eine tickende Umweltbombe" vermutet der Pensionist Franz Frühwirth hinter seinem Haus

Gastern: Kontroverse um die Sanierung des Abwasserkanals

"Es stinkt und das schon seit Jahrzehnten", mein Franz Frühwirth aus Gastern. Der rüstige Pensionist hat jetzt endgültig genug.

GASTERN. Der brüchige und damit undichte Abwasserkanal, der sich hinter dem Haus der Familie Frühwirth im Zentrum Gasterns befindet, wäre nicht nur mehr eine Geruchsbelästigung, sondern, wie Frühwirth meint "eine tickende Umweltbombe".

Als nämlich wie in vielen anderen Waldviertler Gemeinden die heftigen Niederschläge der letzten Wochen auch in Gastern für ein rasantes Ansteigen des Grundwasserspiegels sorgte, stand auch Frühwirths Keller bald unter Wasser. Grundwasser, wie Frühwirth betont, das stank und zwar enorm. Das Ergebnis einer Wasseruntersuchung brachte dann auch recht schnell die Ursache für die unangenehme und übel riechende Überraschung ans Tageslicht: einen 30fache Überschreitung des Höchstwertes an Verkeimung.

Sorge ums Brunnenwasser

Frühwirth: "Für mich ist klar, dass das auf den undichten Abwasserkanal zurückzuführen ist. Das Problem ist aber, dass sich unmittelbar neben dem Keller der Hausbrunnen befindet. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der Brunnen verseucht ist und damit für lange Zeit unbrauchbar wird." Seine Intervention bei der Gemeinde, den Abwasserkanal zu sanieren stieß bis jetzt dort auf taube Ohren. In Gastern würde sowieso zur Zeit eine Kanalisation errichtet und zukünftig würde der bestehende Abwasserkanal nur mehr als Regenwasserkanal genutzt.

Keine tröstlichen Aussichten für Frühwirth: "Selbst wenn nur mehr Regenwasser eingeleitet wird, entschärft das die Situation nur wenig. Der Kanal ist seit Jahrzehnten undicht und das gesamte Erdreich ist kontaminiert." Am Geld würde es nicht liegen, ließ Bürgermeister Ing. Alois Österreich den streitbaren Pensionisten wissen, als dieser nach dem Grund für die Nichtsanierung nachfragte. Andere Gründe wollte Gasterns Gemeindeoberhaupt, laut Frühwirth, nicht nennen. "Stimmt nicht", kontert Österreicher auf Anfrage des "Waldviertlers"."Natürlich können wir uns eine Sanierung des verrohrten Baches nicht leisten".

Den Verdacht Frühwirths, dass eine Sanierung nur deshalb nicht erfolgt, um auch weiterhin illegale Kanalanschlüsse zu ermöglichen, weist Bürgermeister Osterreicher entschieden zurück. "Dafür gibt es keine Verdachtsmomente. Alle Häuser müssen ordnungsgemäß an den neuen Kanal angeschlossen werden." Für Frühwirth ist damit die Sache allerdings noch nicht vom Tisch: "Sollte es tatsächlich am Geld liegen, so stellt sich für mich die Frage, warum die Mittel für eine Sanierung und Neumöblierung des Gemeindeamtes vorhanden waren? Außerdem wurde um teures Geld ein Haus angekauft, von dem man nicht weiß, wozu es gebraucht wird."

Volksanwalt soll eingeschaltet werden

Frühwirth denkt jedenfalls nicht daran, die Sache so auf sich beruhen zu lassen: "Ein Beweisfeststellungsverfahren kann ich mir nicht leisten. Aber sollte die Gemeinde nicht einlenken, werde ich mich an den Volksanwalt wenden."

Frühwirth Franz
Meinung von Sepp Temper ("Der Waldviertler")

Prioritäten setzen

Die zwingend vom Land Niederösterreich vorgeschriebenen Kanalbauten kosten die Gemeinden viel Geld. Eine notwendige Investition im Dienste der Umwelt, denn die bestehenden Anlagen - so überhaupt vorhanden - sind hoffnungslos veraltet. Dass, wie im Fall des Abwasserkanals von Gastern, auch manchmal Altlasten beseitigt werden müssen, ist klar. Eine Weiterbenützung der Anlage, wenn auch nur als Regenwasserkanal, würde möglicherweise auf Jahre hinaus noch für Verunreinigung von Brunnenwasser sorgen und damit die Lebensqualität der betroffenen Bürger enorm einschränken. Hier müssten die Gemeindevertreter eben entsprechende Prioritäten setzen.

"Der Waldviertler"Karikatur in "Der Waldviertler"
 

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