Die Schule von Weißenbach

Bis zur Errichtung einer eigenen Schule gingen die Kinder von Weißenbach in Gastern zur Schule. Erst als sich die Gemeinde Gastern weigerte, eine neue Schule zu bauen, beantragte Weißenbach den Bau einer eigenen Schule. Der Schulbau wurde mit Bescheid vom 30. Mai 1891 genehmigt. Zu dieser Zeit war Eduard Erhart, ein Webwarenfabrikant, Ortsbesorger in Weißenbach.

Der Maurermeister Ferdinand Deutschmann aus Wiesmaden errichtete im Jahre 1892 das Schulgebäude. Es war zu Ende des Jahres soweit fertiggestellt, daß am 6. Jänner 1893 der Unterricht aufgenommen werden konnte. Mit 29 Knaben und 23 Mädchen begann Josef Cerny, der vorher Lehrer in Kautzen war, in der einklassigen Volksschule zu unterrichten. Von Josef Cerny, dem ersten Schulleiter in Weißenbach, wird ausdrücklich berichtet, daß er auch bei kirchlichen Veranstaltungen eifrig mitarbeitete.

Propst Josef Wiesinger aus Eisgarn segnete die Schule am 4. 6. 1893. Der Bezirkshauptmann, der Bezirksschulinspektor, die Pfarrgeistlichkeit und auch Priester aus der Umgebung kamen zu dieser Feier.

Josef Cerny wechselte die Schule 1911 und kam als Oberlehrer nach Dobersberg. Ihm folgte als neuer Schulleiter in Weißenbach Adolf Grün, der jedoch schon am 20. September 1914 in Serbien den Heldentod fand. Nun löste in rascher Folge ein Lehrer den anderen ab, bis dann 1917/1918 die Schule wegen Lehrermangels überhaupt geschlossen werden musste.

In den Jahren von 1918 bis 1940 war Pius Markowetz, ein Kriegsinvalide des Ersten Weltkrieges, Schulleiter in Weißenbach. Er suchte zweimal um Beförderung an, wurde aber jedes Mal abgewiesen. Der Grund dafür könnte sein, daß er damals bereits heimlicher Nationalsozialist war oder dies wegen der Ablehnung seiner Beförderung wurde. Beim Anschluß im Jahre 1939 bezeichneten sich Markowetz und seine Gattin jedenfalls als illegale Nationalsozialisten. Markowetz wurde dann auch Ortsgruppenleiter. Er ging 1940 auf Krankenurlaub und starb 1942 in Waidhofen an der Thaya, wo er auch begraben liegt.

Während des Zweiten Weltkrieges hatte Weißenbach keinen eigenen Schulleiter. Zu Kriegsende wurde die Schule in ein Flüchtlingslager umfunktioniert.

Das Jahr 1946 brachte die Zusammenlegung der Schulen Klein Motten, Ruders und Weißenbach. Das bedeutete, daß die Kinder von Weißenbach vorübergehend nach Ruders in die Schule gehen mußten. Weil aber die meisten Kinder aus Weißenbach stammten, wurde dann doch wieder in Weißenbach unterrichtet.

1947 hatten die Schulen Ruders und Weißenbach gemeinsam eine Lehrerin. Frau Haselmayer unterrichtete abwechselnd drei Tage in Ruders und drei Tage in Weißenbach.

1949 wurde die Schule, die damals 29 Kinder besuchten, renoviert und 1960/1961 umgebaut.

Von 1949 bis 1966 war in Weißenbach Horst Bodenstein Schulleiter. Er hat sich große Verdienste um Weißenbach (Bodenstein war auch Bürgermeister) und besonders um die Schule erworben, die zu seiner Zeit umgebaut wurde, wozu auch die Gemeinde einen Beitrag von 170.000 S leistete.

Der letzte Schulleiter von Weißenbach war in den Jahren 1966 bis 1968 Erich Datler, der jetzige Volksschuldirektor in Gastern.

1968 kam es zur Schulzusammenlegung mit der Volksschule Gastern. Seither besuchen die Kinder von Weißenbach wieder die Schule in Gastern. Das Schulgebäude wurde 1972 an die Firma Koch verkauft, die dort eine Näherei einrichtete. Seit 1977 ist die ehemalige Schule im Besitz einer Wiener Firma, die Vogelfutter herstellt.

nach oben