Klein Motten

Klein Motten ist eine ausgedehnte Streusiedlung am Reinberg. Es besteht aus dem Ort Klein Motten und den Rotten Grünau, Alm und Steinwand. Grünau hat an der Straße eigene Ortstafeln und wird auch eigens beschrieben. Ostwärts von Klein Motten befindet sich die Wurzmühle, früher Weißmühle genannt. Sie ist heute nicht mehr in Betrieb. In dieser Gegend gibt es in neuerer Zeit viele Wochenendhäuser von Wienern. Um Klein Motten sind auch einige Fischteiche. Steinwand und Alm sind die von Gastern am weitesten entfernten Gebiete der Pfarre. Aus der Steinwand wurden 1905 für den Kirchenbau in Gastern die Granitsteine gebrochen.

Landgericht und Grundobrigkeit von Klein Motten waren Dobersberg, vorher Illmau. Der Ort führte auch den Namen St. Pankraz, dann Otten, später Mottenhöfen, heute Klein Motten.

Schon 1112 besaß hier das Stift St. Georgen Lehensrechte. Etwas später werden in Klein Motten 3 Lehen und 3 Hofstätten genannt. 1584 gab es in Klein Motten 17 Untertanen. Im Jahre 1630 sind Klein Motten und Ruders in unserer Pfarre allein noch lutherisch. 1642 bestand Klein Motten aus nur 8 Häusern; alle anderen sind im Kriege zerstört worden. Graf Ferdinand Ernst von Herberstein, Herr zu Illmau, siedelte auch die noch verbliebenen Untertanen in andere Orte um; die Leute klagten ohnedies "über das alljährliche Erfrieren des Getreides". Der Graf ließ nun an der Stelle der aufgelassenen Häuser einen Schäferhof errichten. Dieser bestand noch im Jahre 1704. Ein Vorfahre des Alexander Österreicher, namens Thomas Kienast, war um 1700 Schafmeister. Der Hof wurde später in drei Bauernhäuser aufgeteilt: heute die Häuser Gruber, Österreicher Alexander und Österreicher Johann. Die Siedlung hieß dann noch um 1800 die Mottenhöfe. 1842 hatte Klein Motten (mit Grünau) 331 Einwohner; 1920 waren es 327, 1934 nur mehr 258. Im Jahre 1976 hatte Klein Motten 230 Einwohner.

1895 wurde in Klein Motten eine Schule eröffnet. Schulleiter Viktor Mandl unterrichtete 35 Kinder. Die Schule mußte 1946 geschlossen werden. Das Gebäude kaufte 1954 der Fabrikant Homolka. Im Jahre 1955 kam es zum Bau einer Wasserleitung, die 1960 in Betrieb genommen wurde. 1966 schloß sich die Gemeinde Klein Motten (sie bestand aus den Orten Ruders, Weißenbach, Klein Motten mit Grünau) mit Gastern zu einer Großgemeinde zusammen.


Die Pankrazkirche in Klein Motten

Auf einem 600 m hohen Hügel am Rande des Dorfes Klein Motten stand einst die Filialkirche zum Hl. Pankratius. Heute findet man noch auf dem Kirchenberg den mit Steinen überhäuften Platz des ehemaligen Gotteshauses. Die Kirche St. Pankraz war ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Am Ostersonntag nachmittags wurde dort die sogenannte "Ostermärchenpredigt" gehalten. 1628 kamen zu dieser Feier Prozessionen von Gastern, Klein Zwettl und Weißenbach. Um 1645 wurde die Kirche von schwedischen Soldaten verwüstet, später wieder aufgebaut. Neben dem Ostergottesdienst gab es dann nur noch zum Patrozinium (12. Mai) eine Hl. Messe in der Kirche. 1708 werden Gottesdienste am Ostermontag und am Sonntag nach St. Pankraz erwähnt. Nach der Renovierung des Gotteshauses 1765 war wieder am Ostersonntag nachmittags die Ostermärchenpredigt und zu Pankraz eine Messe.

Die Kirche soll im Laufe der Zeit durch Spenden der Wallfahrer ein Vermögen von 6.000 fl. in Silbermünzen gehabt haben. Das Vermögen verwaltete die Herrschaft Dobersberg. Als die Kirche 1780 wegen Baufälligkeit gesperrt wurde, kamen die Glocken nach Kautzen. Das vorhandene Geld soll zur Anstellung eines Lokalkaplans in Reibers verwendet worden sein. 1810 wurde das Gotteshaus abgetragen. Das Material kaufte Matthias Osterreicher, Klein Motten Nr. 28, um 50 fl. von der Gutsherrschaft Dobersberg. Aus einer Urkunde aus 1810 im Diözesanarchiv geht hervor, daß die Kirche Klein Motten von den Besitzern der Herrschaft Illmau (später Dobersberg) aus eigenen Mitteln erbaut worden ist. Daher hielt sich die Herrschaft Dobersberg auch für berechtigt, die zusammengefallene Kirche mit dem Grund zu verkaufen.


Klein Motten Kapelle

1882 gab es in Klein Motten einen Großbrand. Dabei wurde auch ein Kleinhaus eingeäschert, das auf der Stelle stand, wo sich heute die Kapelle befindet. Was den Besitzern des Hauses blieb, konnten sie mit einem Schubkarren wegführen. Unter diesen Sachen war auch eine Muttergottesstatue mit dem Jesuskind. Die Abbrändler schenkten diese Statue für eine Kapelle, die auf ihrem Hausgrund erbaut werden sollte. Schon 1885 hat man in Klein Motten ein Gesuch zum Neubau einer Kapelle gemacht. Im Jahre 1891 wurde dann die Kapelle gebaut und vom Propst aus Eisgarn geweiht. Auf dem Altar stand dann bis 1941 dieMarienstatue Klein Motten Muttergottesstatue (siehe Bild). In diesem Jahr erhielt die Kapelle einen Altar aus dem Schloß Soos, Pfarre Hürm. Auf den Altarbildern sind die Unbefleckte Empfängnis und der Hl. Georg dargestellt. Die kleine Marienstatue befindet sich jetzt links an der Seitenwand. Rechts und links vom Altar sind Statuen des Hl. Stefanus und des Hl. Laurentius. Sie dürften aus der Pfarrkirche Gastern stammen, wo sie noch 1840 erwähnt werden. Für die Kapelle spendete 1893 Leopold Pany von Garolden eine Glocke mit dem Gewicht von 125 kg. Gegossen wurde sie von der Firma Hilzer, Wr. Neustadt und geweiht vom Propst von Eisgarn. Im Jahre 1910 wurde von Budweis eine Glocke dazugekauft. Sie hat ein Gewicht von 65 kg und kostete 1048 Kr. 1917 mußten beide Glocken abgeliefert werden. Seit 1921 hängt nun eine Stahlglocke im Gewicht von 107 kg auf dem Turm der Kapelle.

Auf der Alm hat im Jahre 1970 der Polizeiinspektor Walter Gradwohl aus Wien eine moderne Kapelle erbauen lassen, die am letzten Oktobersonntag vom Propst Stefan Biedermann aus Eisgarn geweiht wurde, Dechant Heßle aus Wien feierte dann hier das erste Meßopfer. Die Kapelle ist der Hl. Dreifaltigkeit geweiht und enthält einige Ikonen. Die Einrichtung dieser ökumenischen Kapelle ist zu reichhaltig. Erwähnenswert ist jedenfalls die schöne Madonna.

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Ökumenische Kapelle, Alm - 1970

Volksaltar für die Kapelle Klein Motten

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