Die Pfarrkirche von Gastern

Die Pfarrkirche von Gastern in ihrer heutigen Form wurde erst in den Jahren 1904/1905 im neuromanischen Stil erbaut. Schon im 13. Jahrhundert soll es in Gastern ein Gotteshaus gegeben haben. Jedenfalls wird in einem Vertrag aus dem Jahre 1379 in Gastern eine Kapelle erwähnt.

Alte_Pfarrkirche.jpg (146656 Byte)
Alte Pfarrkirche

Geschichtliche Entwicklung

1615 steckten aus Böhmen einfallende Krieger, die auch Weißenbach verwüsteten, die damalige Kirche in Brand. Dieses Gotteshaus war im gotischen Stil erbaut. Bei der Erweiterung der Kirche im Jahre 1842 stieß man auf geschwärzte Spitzbogenteile. Auch der Wandtabernakel (Sakramentshäuschen) weist auf den gotischen Baustil hin.

Die nach den Kriegswirren um 1615 errichtete Kirche war einfach. Der Turm erhob sich an der Nordostseite. Er bildete mit seinem Erdgeschoß den Altarraum. Dort stand seit 1690 ein marmorierter Hochaltar mit eingebautem Tabernakel. Daneben sollte um diese Zeit in der barock eingerichteten Kirche noch weitere drei Altäre gestanden sein. Auf dem Turm hingen drei Glocken.

Unter der Kirche befanden sich Höhlen (Erdställe), bestehend aus zwei Nischen und zwei größeren Räumen mit fünf Feuerstellen. Sie dienten der Bevölkerung in Kriegszeiten als Unterschlupf.

1840 schuf Josef Reger aus Waidhofen für die Kirche in Gastern ein
Hochaltarbild, das die Himmelfahrt des heiligen Martin darstellt. Es hing bis zur Installierung der Kirchenheizung auch noch in der neuen Kirche über dem Seiteneingang und wird jetzt im Pfarrhof aufbewahrt.

Hochaltarbild.jpg (122407 Byte)
Altes Hochaltarbild - 1840

Schon ein Jahr vorher wurde ein neuer Tabernakel angeschafft. Der Tabernakel, das neue Altarbild und darunter eine Darstellung Mariens gaben zusammen mit vier Statuen und vier Engelsfiguren dem Hochaltar ein schönes Aussehen.

Von Josef Reger stammte auch der Kreuzweg in der Kirche. Er hat ihn 1842 geschaffen.

Die Zeit um 1840, - damals war Johann Grübel Pfarrer in Gastern - zeichnet sich überhaupt durch große Leistungen für die Pfarrkirche aus. Nach der Erneuerung des Hochaltares und der Anschaffung eines Kreuzweges, wurde 1842 das Gotteshaus um zwei Klafter, das sind 4 Meter, nach Süden verlängert. Dies ermöglichte die Aufstellung einer neuen Orgel mit acht Registern. Im gleichen Jahr erhielt die Kirche ein neues Schindeldach und eine neue Balkendecke. Die Kirche wurde frisch gefärbelt und mit einem Steinpflaster ausgelegt; schließlich wurde in diesem Jahr noch die Kanzel restauriert. Für die sicher nicht unbedeutenden Kosten aller dieser Arbeiten kam die Gemeinde Gastern zur Gänze auf.

Doch schon fünfzig Jahre später war der Bauzustand der Kirche wieder sehr schlecht: die Mauern drohten auseinander zubrechen. Die Pfarre Gastern suchte daher 1887 bei der n. ö. Statthalterei um die Bewilligung zum Bau eines neuen Gotteshauses an. Die Statthalterei lehnte das Ansuchen "wegen der vollständigen Armut der hiesigen Bevölkerung" zunächst ab. Die staatlichen Stellen befürchteten offensichtlich, die Pfarrgemeinde würde zum Bau der Kirche nichts beitragen können. 1890 mußten drei eiserne Schließen in die Kirche eingezogen werden, die die Mauern der Kirche zwar zusammenhielten, ihre Innenansicht jedoch total zerstörten.

In den Jahren 1898 und 1899 kam es wegen des Kirchenneubaues wieder zu Bauverhandlungen. Dabei sprachen sich die Kommissionsmitglieder für den Bau einer einfachen, einschiffigen Landkirche aus, während der Vertreter der Statthalterei auf den Bau einer dreischiffigen Hallenkirche bestand.

Schließlich rückte die Statthalterei von ihrem Standpunkt ab und erteilte im April 1904, also nach 17jähriger Verhandlungsdauer, die Genehmigung zum Neubau der Kirche in ihrer heutigen Form.

Der Kostenvoranschlag für den Bau der einschiffigen Landkirche belief sich auf 72.000 Kronen. Von diesem Betrag stellte der Staat über den Religionsfonds 48.000 Kronen zur Verfügung, 24.000 Kronen mußte die Pfarre selbst aufbringen.

Die Bauleitung wurde dem Architekten k. k. Baurat Richard Jordan aus Wien übertragen, die Bauausführung lag in den Händen des Baumeisters Anton Krejci aus Horn, die Steinmetzarbeiten leistete Karl Helleport aus Zlabings, der dazu Steine verwendete, die in der Steinwand unweit von Gastern gebrochen wurden.

Bevor mit dem Bau begonnen werden konnte, wurde die Pfarrhofscheuer, das heutige Mesnerhaus, als Notkirche eingerichtet und am 26. Juni 1904 geweiht. Am Tag darauf begann man mit dem Abbruch des alten Gotteshauses und schon fünf Wochen später war der Platz für die neue Kirche frei. Während der Abbrucharbeiten fand man in der Mitte der Kirche eine Steinplatte, unter der sich eine Gruft befand. Auch vor dem Hochaltar wurde eine Gruft entdeckt, in der noch ein Sarg stand.

Am 29. September 1904 legte Dechant Leopold Gstettner den Grundstein zur neuen Kirche. Nach 14-monatiger Bauzeit war der Neubau soweit fertig, dass die Kirche am 15. November 1905 das erste Mal benützt werden konnte. Die feierliche Weihe der Kirche nahm Bischof Dr. Johannes Rößler erst am 27. Juni 1906 nach ihrer endgültigen Fertigstellung vor.

Pfarrkirche.jpg (91209 Byte)
Pfarrkirche - 1905


Beschreibung der Kirche

Die Pfarrkirche von Gastern ist im neuromanischen Stil erbaut. Sie ist 32 Meter lang, 8 Meter breit und 9,5 bis 7,5 Meter hoch. Der Kirchturm hat eine Höhe von 27 Metern.

Roh behauene Steine, frei von jedem Verputz, prägen das Bild der Kirche und vermitteln den Eindruck herber Schönheit. Diese granitene Schlichtheit setzt sich in der einfachen Ausgestaltung des Kircheninneren fort. Eine hölzerne Balkendecke schließt den in einem hellen Farbton gehaltenen Innenraum nach oben ab.

Der Hochaltar mit den Reliquien der Heiligen Placidus, Severus und Justina dürfte ebenso wie die Kanzel von Johann Kröll aus Zlabings stammen.

Das Altarbild zeigt den Hl. Martin, wie er seinen Mantel mit einem Bettler teilt, die Statuen rechts und links stellen den Hl. Leopold und den Hl. Florian dar. Wohltäter stifteten diese Statuen und ebenso die Herz Jesu Statue 1898. Eine Marienstatue und die Josefstatue wurden 1901 angeschafft. Eine Darstellung der Hl. Anna, rückwärts am Chor angebracht, stammt auch aus der alten Kirche.

Eduard Wabersich, Maler in Reichenau bei Gablonz, schuf 1911 den Kreuzweg.

Anläßlich des silbernen Priesterjubiläums des Pfarrers Franz Gruber wurde die Kirche 1936 das erstemal innen renoviert. Das Ausmalen des Gotteshauses kostete damals 1.530 Schilling, für die Beistellung des Gerüstes verlangte der Zimmermeister Pichler aus Gastern S 353,-. Im Vergleich dazu fiel die Rechnung der Firma Ketschek & Lunardie, die die Vergoldungsarbeiten an den Altären und der Kanzel ausführte, hoch aus: Die Firma verrechnete dafür S 2.100,-. Die Tischler Dangl und Schandl brachten eine Wandverschalung an. Der Altarraum erhielt um den Preis von S 1.200,- ein Kupferdach. Diese Anschaffungen wurden größtenteils durch Spenden ermöglicht.

1951 wurde die nächste Renovierung notwendig. Die Firma Weidenauer aus Horn malte die Kirche neu aus. Es mußte aber auch das Kupferdach umgedeckt werden. Diese Arbeit führte die Firma Gebrüder Kollmann aus Heidenreichstein durch. Schließlich wurde in diesem Jahr noch die Orgel von Grund auf umgebaut.

In den nächsten Jahren gab es immer wieder neue Anschaffungen für die Kirche. Der wirtschaftliche Aufschwung, den die Pfarre in dieser Zeit erlebte, und die damit verbundene, höhere finanzielle Leistungsfähigkeit der Bevölkerung erlaubte es, solche Vorhaben in Angriff zu nehmen.
Ohne die Opferbereitschaft der Pfarrangehörigen und ohne die Initiative und die hohe Einsatzfreude von Dechant Träxler und des jetzigen Pfarrers wäre sie aber nicht zu verwirklichen gewesen.

1960 installierte die Firma Sachs aus Salzburg eine elektrische Turmuhr und ein elektrisches Läutwerk. Sie stellte dafür einen Betrag von S 76.400,- in Rechnung. Dazu kam noch ein Betrag von S 11.900,- für Elektroinstallationsarbeiten, die die Firma Morscher aus Waidhofen durchführte. Die Gemeinden gaben dazu: Gastern S 29.000,-, Klein Motten S 6.000,- und Frühwärts S 3.000,-.

Kurz vor Weihnachten 1965 konnte Dechant Träxler eine Lautsprecheranlage in der Kirche in Betrieb nehmen, die die Firma Veritas aus Linz um den Preis von S 11.000,- lieferte.

Zwei Jahre später sollte die Kirche eine Heizung bekommen. Die Kirchenheizung war ein echtes Anliegen der Bevölkerung. So konnte daher auch Dechant Träxler, als man mit den Grabarbeiten für den Öltank am 6. Juli 1967 begonnen hatte, in der Chronik vermerken: "Die Leute arbeiten fleißig mit und spenden reichlich."

Die Firma Fior aus Graz installierte die Heizung und verrechnete dafür einen Betrag von S 243.000,-. An den Kosten für die Heizung beteiligten sich die Gemeinde Gastern mit S 20.000,- und die Gemeinde Frühwärts mit S 4.000,-. Die Heizung wurde also zum weitaus größten Teil aus Spenden finanziert. Es darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß durch freiwilligen Arbeitseinsatz ein Betrag von S 50.000,- eingespart werden konnte.
Am 20. September 1967, nach nicht einmal dreimonatiger Bauzeit, waren die Arbeiten abgeschlossen und zwei Monate später, am 20. November 1967 saßen die Kirchenbesucher in Gastern zum ersten Male in einer geheizten Kirche.

Voll Tatkraft, obwohl nicht mehr jung an Jahren, gab der neue Pfarrer von Gastern Josef Keil im Jahre 1975 den Anstoß zur Umgestaltung des Altarraumes. Der Anlaß dazu war die bevorstehende Dekanatsfirmung.

Der Marienaltar, der ein Ostfenster ganz verdeckte, wurde abgetragen und die Kanzel entfernt. Auf ihrem Sockel steht jetzt eine Marienstatue. Der Hauptteil der Kanzel mit drei Evangelisten fand als Vorderwand des Volksaltares Verwendung, der Rest der Kanzel mit dem vierten Evangelisten dient als Verkleidung des Ambos, der links vom Volksaltar aufgestellt wurde. Die Tischlerarbeiten machte Karl Traun, Gastern. Der akademische Bildhauer Karl Gollner restaurierte die Altäre, den Ambo und den Kreuzweg; sie wurden neu gestrichen und Teile davon neu vergoldet. Ein Betrag von S 20.000,- war für diese Arbeiten erforderlich, den Pfarrer Keil selbst aufbrachte. Durch diese Umgestaltung bildet der Altarraum nun eine in sich geschlossene Einheit. Die Entfernung der vordersten drei Kirchenbänke, die den Zugang zum Volksaltar erleichtert, verstärkt diesen Eindruck noch.

Hochaltar.jpg (106692 Byte)
Hochaltar

Am 25. Mai 1975, dem Erstkommuniontag der Pfarre Gastern, konnten die Kirchenbesucher zum ersten Male den neu gestalteten Altarraum bewundern. Die Veränderungen fanden die Zustimmung der Bevölkerung, ebenso wie die des Denkmalamtes und des Kunstrates der Diözese.

Im August des Jahres 1975 wurde auch die Sakristei neu eingerichtet. Die für die Möbel und für Ausbesserungsarbeiten anfallenden Kosten von S 64.000,- brachte die Pfarrbevölkerung durch Spenden auf. Die Sakristeieinrichtung stammt vom Tischlermeister Johann Kases. Hand in Hand mit den Arbeiten in der Kirche ging die Erneuerung der Kirchenstiege. Die Marktgemeinde Gastern, die auch die Kosten von 750.000,- dafür zu tragen hatte, übertrug die Bauausführung der Firma Ing. Herbert Schneider aus Heidenreichstein. Die alten Stufen wurden abgetragen und durch neue Stufen, die die Firma Widy aus Schrems lieferte, ersetzt.

1978 war wieder ein besonderes Jahr für Kirche und Pfarre Gastern: Eine bischöfliche Visitation, verbunden mit einer Firmung war für den 21. Mai angekündigt. Die Kirche mußte auf Hochglanz gebracht werden. Nachdem schon am Palmsonntag Abt Gießauf von Zwettl eine neue Glocke geweiht hatte, malte in den folgenden Wochen die Firma Sommerer aus Waidhofen die Kirche zum Preis von S 45.000,- einfärbig aus. Kleinere Ausbesserungsarbeiten an der Elektroinstallation und sonstige Restaurierungsarbeiten erhöhten diesen Betrag auf S 62.000,-. Dazu kam in diesem Jahr noch eine Reparatur an der Orgel, die die Firma Georg Windtner aus St. Florian durchführte, und die Anschaffung eines Kirchenbankbelages von der Firma Hammerschmied, Wien, zum Preis von S 26.000,-.

Diese Spendenfreudigkeit zeigt, daß die Pfarrkirche den Einwohnern der Pfarre Gastern noch sehr viel bedeutet, daß sie immer dann, wenn der Pfarrer sie darum bittet, bereit sind, ihr Scherflein zur Erhaltung und Verschönerung ihrer Kirche beizutragen.


Kirchenpatron und Schutzheilige

Als Kirchenpatron gilt seit je der Hl. Martin; er wird schon als solcher 1669 erwähnt. Allerdings ist 1672 neben Martin auch Laurentius als Patron genannt. Zwischen den Jahren 1742 bis 1760 scheint nur der Hl. Laurentius als Kirchenpatron auf. 1840 befindet sich neben der Statue des Hl. Stefanus auch die Statue des Hl. Laurentius in der Pfarrkirche. Beide Statuen sind jetzt in der Kapelle in Klein Motten.

Heute noch wird das weltliche Kirchweihfest zu Lorenzi gefeiert (10. August - Laurentius).

Propst Franz Anton Palinger aus Eisgarn weihte 1732 für die Kirche von Gastern ein Kreuz und Statuen des Hl. Florian, des Hl. Koloman, und des Hl. Leopold.

Die Kirche von Gastern ist erst seit 1784 Pfarrkirche. Vorher gab es 5 gleich berechtigte Kirchen: Gastern, Klein Zwettl, Weißenbach, Klein Motten und Eggern. Diese 5 Kirchen waren bis 1642 (Pfarrgründung) Filialen von Thaya. In Eggern und Klein Motten gab es bald nur wenige Messen im Jahr. In den anderen 3 Kirchen: Gastern, Weißenbach und Klein Zwettl wechselte der Gottesdienst am Sonntag.


Die Orgel

Im Jahre 1754 beklagte sich Pfarrer Leopold Mayer, daß der Gottesdienst in Gastern ohne Orgelspiel gefeiert werden müßte. 1828 ist aber schon von einer Orgelreparatur die Rede. Es handelte sich um eine Orgel, die in Böhmen für die Pfarrkirche in Litschau hergestellt worden war, von dort nach Reingers kam und dann in Gastern verwendet wurde; seit 1843 steht diese Orgel in Klein Zwettl.

1842, nach der Verlängerung der Kirche, erhielt Gastern eine neue Orgel mit acht Registern. Sie wurde 1866 vom Orgelbauer Franz Tüstel aus Krumau um 95 Gulden repariert und diente bis 1904 zur Verschönerung der Gottesdienste.

Nach dem Abbruch der alten Kirche 1904, kam es auch zum Ankauf einer neuen Orgel durch Pfarrer Johann Matula beim Orgelbauer Josef Votruba in Pocatek, Böhmen. Im Jahre 1905 wurde sie geliefert und aufgestellt; sie hatte ein Manuale mit 9 Registern, im Pedale 3 Register, war eine Kegelorgel und kostete 3.000 Kronen. Diese Orgel wurde 1927 vom Orgelbauer Hradetzky aus Krems zum Preis von 811 Schilling repariert; im Jahre 1948 reinigte und stimmte sie Orgelbauer Schönhofer aus Heidenreichstein. Bei diesen Arbeiten wurde auch ein elektrischer Orgelmotor eingebaut. Gesamtkosten: S 3.800,-.

Im Jahre 1951 wurde die Orgel in ihrer Gesamtkonstruktion verändert. War sie bisher mechanisch und hatte sie ein Manuale und 12 Register, so ist sie nach dem Umbau pneumatisch, hat zwei Manuale mit 16 Registern. Mit dem Umbau der Orgel wurde die Linzer Firma Gebrüder Mauracher am 23. April 1951 beauftragt, die die Orgel am 15. Mai 1951 abtrug und nach Linz brachte. Propst Stefan Biedermann aus Eisgarn konnte jedoch schon am 19. Juni 1951 die Orgel wieder weihen. (Anmerkung: laut Pfarrchronik am 29. Juni)

Zur Erneuerung der Orgel, die Kosten von S 68.700,- verursachte, trugen die Gemeinde Gastern S 15.000,-, die Gemeinde Klein Motten S 5.000,- und die Gemeinde Frühwärts S 4.000,- bei. Herr Felix Schneider, der frühere Inhaber der Fabrik Zorn, spendete einen Betrag von S 3.000,- und gewährte überdies ein Darlehen von S 15.000,-.

Die nächste Überholung wurde 1971 notwendig. Orgelbaumeister Georg Windtner aus St. Florian führte sie zum Preis von S 14.000,- durch. Er war es auch, der die Orgel bisher zum letzten Male aus Anlaß der bischöflichen Visitation im Jahre 1978 reinigte und stimmte. Dafür mußte wieder ein Betrag von S 19.000,- bezahlt werden.


Die Glocken

Die Geschichte der Glocken der Kirche von Gastern läßt sich bis zum Jahre 1670 zurückverfolgen. Damals, am 3. Juni 1670, weihte Abt Bernhard vom Stift Zwettl, eine Glocke zu Ehren des Hl. Johannes des Täufers. Aus Freude über den Sieg über die Türken ließ der damalige Pfarrvikar von Gastern Johann Franz Bonamicus einige Jahre später in Znaim zwei weitere Glocken gießen. Sie wurden am 5. Jänner 1683 von Abt Kaspar aus Zwettl geweiht.

1712 wird berichtet, daß die große Glocke zersprungen sei und durch eine neue ersetzt werden mußte.

1896 mußte wieder eine Glocke umgegossen werden, weil sie zersprungen war. Diese Arbeit besorgte die Glockengießerei Georg Gößner aus Simmering. Die Glocke hatte nach dem Umguß ein Gewicht von 320 kg. Im gleichen Jahr spendete Leopold Pany die zweitgrößte Glocke. Sie wog 155 kg. Beide Glocken erhielten am 25. März 1896 durch den Propst von Eisgarn Josef Wiesinger die kirchliche Weihe. Die größere Glocke wurde dem Hl. Martin geweiht, die kleinere dem Hl. Leopold.

Neben diesen beiden Glocken hingen damals noch zwei kleinere Glocken auf dem Kirchturm: eine aus dem Jahre 1719 mit einem Gewicht von 35 kg, die andere war 46 kg schwer und trug die Aufschrift "Anno 1763 goß mich Johann Georg Scheichel von Znaim". Sie sollte den Gasternern bis 1978 treu bleiben.

Mit dem Neubau des Turmes kam auch ein eiserner Glockenstuhl 1905 auf den Turm.

Die drei größeren Glocken fielen 1917 dem Krieg zum Opfer, die kleinere aus dem Jahre 1763 blieb auf dem Turm. Sie erhielt erst 1920 wieder Gesellschaft, als bei der Firma Samasser in Wiener Neustadt eine Glocke mit 99 kg angekauft wurde, die Pfarrer Spiegl am 25. April dieses Jahres weihte. Das Geläute war 1924 wieder vollständig. Damals lieferte die Gießerei Krupp aus Berndorf eine Glocke mit einem Gewicht von 311 kg und eine zweite, die 175 kg wog.

Doch dieses Geläute überlebte keine zwanzig Jahre. Schon am 6. Februar 1942 verloren die Glocken ihre Aufgabe: Statt zum Gebet zu rufen, wanderten sie in die Rüstungsindustrie. Und wieder blieb die kleine Glocke aus 1763.

Nicht einmal zwei Jahre nach Kriegsende konnte Dechant Rudolf Winglhofer, der von 1919 bis 1922 Kooperator in Gastern war, am 21. Dezember 1947 wieder drei neue Glocken weihen. Die Gießerei Pfundner aus Wien stellte diese Glocken zum Preis von S 13.000,- aus Munitionsrestbeständen her. Darüber hinaus mußte die Pfarre noch
Holz und Lebensmittel an die Firma liefern.

Pfarrer Josef Keil, der 1974 die Pfarre Gastern übernommen hatte, regte an, das bestehende Geläute um eine große Glocke zu erweitern. Es wurde daher 1977 bei der Firma Graßmayr in Innsbruck eine Glocke bestellt, die dort am 9. Februar 1978 gegossen wurde. Sie hat ein Gewicht von 420 kg, einen Durchmesser von 90 cm und klingt im Ton a/1. Die Glocke trägt auf der einen Seite ein Relief des Hl. Josef mit der Aufschrift: "Hl. Josef, bitte für uns." - "Gewidmet von Pfarrer und Pfarrgemeinde Gastern 1978" ist auf der anderen Seite zu lesen. Diese Aufschrift weist darauf hin, daß sich die Kosten von S 100.000,- für die Anschaffung der Glocke Pfarrer und Pfarrgemeinde teilten.

Abt Ferdinand Gießauf vom Stift Zwettl weihte die Glocke am Palmsonntag, den 19. März 1978. Am Ostermontag konnten die Pfarrangehörigen die Glocken auf dem Kirchturm besichtigen.

Außer der großen Glocke, die eben beschrieben wurde, bilden noch folgende Glocken das Geläute von Gastern. Sie tragen alle die Aufschrift: Josef Pfundner, Wien, 1947.

Martinsglocke: Gewicht: 217 kg, Durchmesser: 80 cm, Ton: h/l. Aufschrift: Hl. Martin, bitte für uns. Darunter ein Relief des Hl. Martin auf dem Pferd.

Marienglocke: Gewicht: 159 kg, Durchmesser: 68 cm, Ton: d/2, Aufschrift: Ave Maria und ein Bild von Mariä Verkündigung.

Kriegerglocke: Gewicht: 87 kg, Durchmesser: 54 cm, Ton: fis, Aufschrift: Den toten Helden von Gastern und das Bild eines gebeugten Soldaten.

Die große Glocke verdrängte die kleinste Glocke aus dem Jahre 1763 vom Turm, wo sie als einzige Glocke die beiden Weltkriege über- dauerte. Sie kam als Leihgabe in das Museum von Waidhofen.

Glocke.jpg (94761 Byte)
Glocke - 1763


Turmuhr

Gastern besaß lange Zeit keine Turmuhr. Im Jahre 1807 wird ausdrücklich berichtet, daß sich zu dieser Zeit noch keine Uhr auf dem Kirchturm in Gastern befunden habe. Erst 1859 wurde eine Turmuhr angeschafft, die Christian Böck aus Neupölla zum Preis von 450 Gulden anfertigte. Die Pfarrbevölkerung brachte diesen Betrag durch Spenden auf.

Mit dem Abbruch der alten Kirche mußte auch die Turmuhr abmontiert werden. Sie wurde vorübergehend auf einem Schuppenboden gelagert. Nach einer gründlichen Überholung, die 334 Kronen kostete, nahm man sie 1908 auf dem neuen Kirchturm wieder in Betrieb. Sie leistete bis 1960 treue Dienste. Dann löste sie eine elektrische Uhr ab, die die Firma Schauer aus Wien lieferte. Die Anschaffung dieser Uhr wurde aus freien Spenden und Zuschüssen der Gemeinde Gastern in der Höhe von S 29.000,-, der Gemeinde Klein Motten in der Höhe von S 6.000,- und der Gemeinde Frühwärts in der Höhe von S 3.000,- finanziert. Doch auch die alte Uhr ließ man auf dem Turm stehen. Die Firma Reininger zerlegte sie erst 1978 und entfernte sie vom Turm.


Mesner - Kirchenväter

Bei den Kirchen in Gastern, Weißenbach, Klein Zwettl war es seit je üblich, daß jeder, der eine Bauernwirtschaft übernahm, durch zwei Jahre den Kirchenvater - bzw. Mesnerdienst - unentgeltlich an Sonn- und Feiertagen leisten mußte.

Bis zum Jahre l877 gaben die Leute dem Seelsorger zum Unterhalt Naturalien. 1877 kam es zur Ablösung der Naturalien in eine einmalige Geldzahlung. In Gastern gab es damals eine Gruppe von Bauern, die überhaupt jede Zahlung verweigerten. Nun wollten auch die Männer, die eine Bauernwirtschaft übernahmen, keine Mesnerdienste mehr leisten. Es waren dies Johann Müller und Johann Hummel. Es mußte also nun ein Mesner mit Gehalt angestellt werden. Die Bezirkshauptmannschaft Waidhofen ordnete an, daß dem Mesner jährlich 50 fl. zu zahlen seien. Dazu sollte er noch die Stolgebühren bekommen (Anteile an Messen, Begräbnissen und Hochzeiten). Es sollte aber auch in Zukunft zwei Kirchenväter geben, die das Kirchenvermögen zu verwalten und die Kirchenrechnung zu erstellen hatten. Im Jahre 1881 erklärte sich Christian Schandl, Gastern, bereit, den Mesnerdienst zu übernehmen. Er verzichtete auf die vorgeschriebenen 50 fl. und begnügte sich mit den Stolgebühren.

Laut Gemeinderatsbeschluß aus dem Jahre 1907 zahlte die Gemeinde Gastern an den Organisten 100 Kronen und an den Mesner 40 Kronen. 1955 wird neuerlich von der Gemeinde Gastern beschlossen, dem Organisten und dem Mesner jährlich einen bestimmten Betrag zu geben. Dies geschieht auch heute noch.

Im Jahre 1950 kam es zum Umbau der Pfarrhofscheune in eine Mesnerwohnung. In diesem Hause wohnt nun Herr Friedrich Wenisch. Er hat nach Franz Schandl den Mesnerdienst übernommen, schon vor 1950. In der Chronik steht, daß Herr Wenisch zum Bau der Wohnung beigetragen habe. Daher brauchte er in den ersten fünf Jahren keinen Zins zu leisten. Heute gilt die freie Wohnung als Beitrag zum Gehalt des Mesners.

Kirchenväter: In Gastern sind in Kirchenrechnungen seit 1760 die Namen der einzelnen Kirchenväter bis zum Jahre 1880 zu finden, jeweils gab es zwei Kirchenväter. Erster namentlich bekannter Kirchenvater ist Adam Hofmann 1760, als letzte Kirchenväter werden genannt: Mödlagl Herbert und Braith Josef.

In Klein Zwettl kann auch aus den Kirchenrechnungen eine Liste von Kirchenvätern erstellt werden. 1716 finden wir die Namen Georg Köck und Kaspar Winkelbauer. Derzeit unterschreiben die Kirchenrechnung der Filialkirche Klein Zwettl die Herren Engelbert Schandl und Erich Hahnl "als Kirchenväter".

Seit 1939 haben an Stelle der Kirchenväter die Pfarrkirchenräte die Verwaltung des Kirchenvermögens inne. Siehe Pfarrkirchenrat!

1864 und 1869 wird in der Pfarrchronik erwähnt, daß der Lehrer auch das Amt des Mesners ausüben muß.


Pfarrkirchenräte

Im Jahre 1939 kam es zur Errichtung von Pfarrkirchenräten, denen die kirchliche 'Vermögensverwaltung obliegt, die bisher die Kirchenväter innehatten. Damals gehörte es zur besonderen Aufgabe des Pfarrkirchenrates die neu eingeführten Kirchenbeiträge einzukassieren. In Gastern gab es 1979 Katholiken davon waren rund 500 beitragspflichtig.

Zu den Mitgliedern des neuen Pfarrkirchenrates gehörten: Sam Johann, Klein Zwettl; Dimmel Rudolf, Gastern; Rausch Franz, Frühwärts; Schandl Rupert, Weißenbach; Litschauer Johann, Wiesmaden, Ersatzmänner: Pabisch Johann, Klein Motten; Eggenhofer Leopold, Garolden; Wagner Franz, Ruders; Köck Johann, Immenschlag.

Im Jahre 1955 kam es zur Erneuerung des Pfarrkirchenrates: Folgende Herren gehörten ihm an: Köck Leopold, Gastern; Gruber Franz, Ruders; Hörmann Ottokar, Weißenbach; Kainz Ferdinand, Klein Zwettl; Löffler Johann, Immenschlag; Österreicher Alexander, Klein Motten; Dietrich Karl, Wiesmaden; Kasess Johann, Ruders; Kreutzer Franz, Garolden; Pascher Johann, Frühwärts.

Seit 1978 gehören dem Pfarrkirchenrat an: Schandl Engelbert, Klein Zwettl; Löffler Johann, Immenschlag; Kreutzer Franz, Garolden; Litschauer Rupert, Weißenbach; Dietrich Karl, Wiesmaden; Jony Franz, Gastern; Gruber Ernst, Ruders; Hahnl Alfred, Frühwärts; Strohmer Alois, Grünau, Österreicher Johann, Klein Motten.

Heutige Aufgabe des Pfarrkirchenrates ist die Erstellung der Haushaltspläne und der Kirchenrechnungen am Ende des Jahres. Die Einhebung der Kirchenbeiträge hat die Finanzkammer St. Pölten übernommen, die dazu in jedem Dekanat eigene Kirchenbeitragsbeamte bestellt.


Pfarrgemeinderat (Seelsorgerat)

Im Jahre 1969 kam es auch in Gastern zur Errichtung eines Pfarrseelsorgerates. Diese Institution wurde geschaffen zur Unterstützung des Pfarrers in der Leitung der Pfarrgemeinde und besonders auch in der Seelsorge.

Dem ersten Pfarrgemeinderat gehörten an: Träxler Johann, Pfarrer; Stellvertreter: Datler Erich, Gastern und Hermann Juliana, Frühwärts. Offizielle Mitglieder: Waser Gottfried, Kaplan; Bremm Franz, Gastern (Männer); Dietl Maria, Weißenbach (Frauen); Kases Johann, Ruders und Konrad Maria, Frühwärts (Jugend); Wenisch Frieda, Gastern (Organist); Wenisch Friedrich, Gastern (Mesner); Dietrich Karl, Wiesmaden (Pfarrkirchenrat). Gewählte Mitglieder: Konrad Augustin, Frühwärts; Kreutzer Franz, Garolden; Kasess Johann sen. Ruders; Bremm Helga, Gastern; Datler Gerhard, Klein Zwettl; ferner die schon oben erwähnten 2 Vorstandsmitglieder.

Berufene Mitglieder: Österreicher Alexander, Klein Motten; Mayer Karl, Klein Zwettl; Winkelbauer Franz, Weißenbach; Altmann Maria, Ruders; Marischka Karl, Immenschlag.

1973 war eine Neuwahl des Pfarrgemeinderates. 7 Mitglieder sind ausgeschieden, 9 neue Mitglieder kamen dazu. 1978 sind 9 Mitglieder ausgeschieden und 7 neue kamen dazu.

Zusammensetzung des Pfarrgemeinderates seit 1978: Josef Keil, Pfarrer. Zum Vorstand gehören: Datler Erich, Gastern; Hermann Juliana, Frühwärts; Weinberger Franz, Immenschlag. Offizielle Mitglieder: Wenisch Friedrich, Gastern (Mesner); Mödlagl Christine, Gastern und Mair Karl, Weißenbach (Organisten).

Gewählte Mitglieder: Datler Johann, Gastern; Datler Anneliese, Gastern; Lehninger Johann, Gastern; Steiner Rudolf, Gastern; Weinberger Franz, Immenschlag; Kreutzer Franz, Garolden; Mayer Karl, Klein Zwettl; Altmann Maria, Ruders; Kases Johann, Ruders (für Grünau); Litschauer Rupert, Weißenbach; Hahnl Alfred, Frühwärts.

Berufene Mitglieder: Altmann Franz, Wiesmaden; Gruber Maria, Klein Motten; Kainz Hannelore, Frühwärts; Österreicher Annemarie, Frühwärts.

Referate: Bildungswerk - Datler Erich; Familie - Datler Anneliese; Sozialfrage - Altmann Maria; Liturgie - Lehninger Johann; Jugend - Steiner Rudolf.


Stiftungen

1743 spendet Nikolaus Hartmann, Herr von Heidenreichstein, 200 fl. für den Pfarrhof Gastern und erhält dafür einen "Jahrtag" mit einer Meß in der Oktav von Johann Nepomuk.

Stiftsbrief vom 18. 4. 1858. Josef Mödlagl, Bauer zu Gastern, vermacht der Pfarrkirche zu Gastern 40 fl. Von den Zinsen soll jährlich am 10. Juli eine stille Hl. Messe für seine Eltern gehalten werden.


Stiftsbrief vom 5. 3.1873. Josef Dangl, lediger Hausbesitzer zu Gastern (verst. 16. 7. 1872), vermacht der Kirche Gastern 100 fl. Von den Zinsen sollen jährlich 3 Messen persolviert werden und zwar für Josef Dangl, für seine Eltern, für seine Geschwister.

Armenstiftung des Ludwig Donin vom 21. 8. 1876. Für Kautzen vermacht er 20 Bankaktien, für Gastern und Petersdorf je 10 Bankaktien. 2 Bankaktien sind für St. Stefan (Wien) zur Unterstützung der Konvertiten während ihres Unterrichtes bestimmt.
In Gastern sollen jährlich 100 fl. arme Schulkinder erhalten, 100 fl. sind für zwei arme Mädchen zum Kochen- und Nähen-Lernen, 200 fl. für hilflose Kranke, 100 fl. für zwei Priesterstudenten bestimmt.

Stiftsbrief vom 5. 5. 1882. Anna Litschauer, Ausnehmerin in Klein Zwettl 9 (heute Sam), macht eine Messenstiftung von 100 fl. Von den Zinsen soll jährlich eine Messe an ihrem Sterbetag (verst. 29. 8. 1881) gehalten werden.

Stiftsbrief vom 5. 5. 1882. Johann Trappl, Gastern 20 (heute Dangl Julia, Bachstraße 13), vermacht 100 fl. für Messen. Von den Zinsen soll für ihn und seine Verwandten jährlich am 13. Jänner eine Messe gefeiert werden. Er starb am 13. 1. 1881.

1892 starb in Obergrünbach die Haushälterin des Pfarrers Pius Schönbauer, Ludwina Quereser, Tochter des hiesigen Lehrers Johann Quereser (1832 - 1869). Sie vermachte 100 fl. für zwei Messen jährlich in Gastern, für sich und ihre Eltern.

Stiftung des Leopold Prock vom 14. 3. 1893. (verst. 23. 1. 1892). Er hat seinem Bruder als Erbe 100 fl. vermacht. Von den Zinsen sollen jährlich durch 40 Jahre Messen gehalten werden. Dann sollte das Kapital dem Bruder zur freien Verfügung stehen. Tatsächlich wurden für Leopold Prock bis 1920 Messen gehalten. Dann war infolge der Inflation das Geld verfallen.

Stiftung vom 20. 4. 1909. Andreas Datler, pensionierter Pfarrer von Haunoldstein, derzeit am Marienspital in Baden, vermacht der Kirche in Gastern 200 fl. Jährlich soll für seine Eltern Michael und Anna Maria Datler am 18. Mai eine Messe gefeiert werden.

Stiftsbrief vom 15. 2. 1910. Andreas Datler vermacht der Kirche in Gastern 100 fl. Die Zinsen sollen zur Erhaltung des Elterngrabes verwendet werden.
Andreas Datler vermacht auch 800 fl. für Volksmissionen in Gastern. Von den Zinsen soll alle 10 - 12 Jahre eine Mission gehalten werden.

Stiftsbrief vom 24. 6. 1912. Martin Fasching (verst. 14. 2. 1912) vermacht 600 Kronen der Kirche von Gastern für Messen. Von den Zinsen sollen jährlich drei Messen gehalten werden und zwar am 14. 2., am 11. 11. und zu Weihnachten.

Stiftsbrief vom 14. 6. 1916. Johann Bauer, Dechant und Pfarrer zu Neulengbach (verst. 30. 10. 1915), vermacht für hl. Messen in Gastern und Neulengbach je 500 Kr., und zwar an seinem Sterbetag für sich und seine Mutter.

Im Jahre 1921 wurden alle Stiftungen wegen der Geldentwertung reduziert. Später sind überhaupt alle Verpflichtungen aus Stiftungen an Geld hinfällig geworden.


GOTTESDIENSTE

Im Jahre 1325 hatte der Vikar von Thaya zweimal wöchentlich in Klein Zwettl eine Messe zu halten.

Bei der Pfarrerrichtung 1642 wurde bestimmt, daß der Sonntagsgottesdienst in den Filialkirchen Gastern, Klein Zwettl und Weißenbach abwechselnd gehalten werden soll. In Klein Motten und Eggern sollt an den Patrozinien der Gottesdienst gefeiert werden, in Eggern zu Ägidius und in Motten zu Pankratius. Mit Eggern kam es 1762 zu einem Vergleich mit Pfarrer L. Mayr: Die Kinder sollen in Gastern getauft werden, die Trauungen können an Sonntagen in Eggern stattfinden, wenn dort die Messe gefeiert wird, sonst aber sind sie in Gastern zu halten. Die Begräbnisse sollen in Anwesenheit des Pfarrers am Friedhof in Eggern stattfinden.

Gottesdienste in Eggern am: Osterdienstag, Sonntag vor Christi Himmelfahrt, Pfingstdienstag - dabei Umgang in die Felder, am Ägidiustag, am Sonntag nach Ägidi. Für jeden Gottesdienst erhält der Pfarrer 30 kr.

Prozessionen und Feiern zu Klein Zwettl: Mariä Verkündigung, am Gründonnerstag Prozession mit dem Allerheiligsten von Klein Zwettl nach Gastern, am Ostersonntag Prozession von Gastern nach Klein Zwettl, Fest des Hl. Jakob, am Himmelfahrtstag Prozession mit den vier Evangelisten, Fest der Unbefleckten Empfängnis und am Tag des Evangelisten Johannes.
Fronleichnamsprozessionen werden erwähnt in den Kirchenrechnungen: zu Weißenbach am 11. Juni 1716 und 1751 zu Klein Zwettl. 1813 ersucht Pfarrer Mechtler um die Abschaffung des Sonntagsgottesdienst-Wechsel, ebenso um die Auflösung des Friedhofes von Klein Zwettl: sein Ansuchen wird abgelehnt.

Pfarrer Johann Kreuz ersucht neuerlich 1825 den Sonntagsgottesdienst ständig in Gastern halten zu dürfen, er erhält als Antwort: dies wäre nur möglich, wenn alle Gemeinden der Pfarre zustimmen.

Aus dem Verkündbuch 1842: Dort wird berichtet, daß am 17. Sonntag nach Pfingsten das Erntedankfest begangen wurde. Die einzelnen Orte kamen in Prozessionen zur Kirche in Gastern. Damals nannte man den Dienstag Eritag und den Donnerstag Pfingstag. Der Streit um den Sonntag-Wechselgottesdienst geht weiter. Aus den teils noch vorhandenen Verkündbüchern kann geschlossen werden.

Mit der Anstellung eines Kooperators 1858 waren nun an Sonntagen 2 Messen möglich. Es wurde daher ab dieser Zeit abwechselnd in Gastern, Weißenbach und Klein Zwettl der Spätgottesdienst gehalten. Bei schlechtem Wetter und in der Fastenzeit waren aber beide Messen in Gastern. Ab 1894, vielleicht schon einige Jahre früher, sind dann regelmäßig beide Sonntagsmessen in Gastern. Ein Ansuchen von Weißenbach 1894 um eine eigene Sonntagsmesse wurde abgelehnt. Allerdings gibt es auch heute noch einen Sonntagspätgottesdienst zu den Patrozinien in Klein Zwettl und Weißenbach (25. 7. - Jakobus und 24. 8. - Bartholomäus)!

Einige Hinweise zu den Gottesdiensten im Jahre 1981:
Seit der Einführung der Sommerzeit in Österreich sind die Sonntagsmessen um 8 Uhr und 10 Uhr. An Wochentagen gibt es zwei Frühmessen (Dienstag und Freitag), jeweils um 7 Uhr, zwei Messen nachmittags um 3 Uhr (Mittwoch und Samstag) und zwei Abendmessen (Montag und Donnerstag) im Winter um 1/2 6 Uhr und im Sommer um 8 Uhr. Andachten an Sonntagen finden im Winter uni 1/2 3 Uhr nachmittags und im Sommer um 8 Uhr abends statt.

Kerzenweihe und Aschenweihe sind um 3 Uhr nachmittags am besten besucht.

Die Bittprozessionen finden an 3 Montagen abends im Mai statt.

Zum Erntefest ist der Wortgottesdienst am Hauptplatz, dann die Prozession zur Kirche, wo sich die Eucharistiefeier anschließt.

Am Palmsonntag findet die Palmenweihe am Hauptplatz statt.

Am Karsamstag ist nach der Auferstehungsfeier in der Kirche eine Lichterprozession zum Friedhof.

Am Fronleichnamstag findet eine Feldmesse am Hauptplatz statt, dann ist Prozession durch den Ort zur Kirche.

Zu Allerheiligen ist um 1/2 3 Uhr nachmittags ein Wortgottesdienst, dann Friedhofsgang.

nach oben