Der Pfarrhof Gastern

1743 wird von einem schon lang ersehnten Neubau des Pfarrhofes gesprochen. Eine Messenstiftung ist geplant. Nikolaus Hartmann aus Heidenreichstein gibt "aus purem mitleid" für den Pfarrhof 200 fl. und erhält dafür "einen Jahrtag mit einer Meß in der Oktav von Johann Nepomuk".

1757 lehnen die Orte Gastern, Klein Zwettl und Immenschlag einen Beitrag zur Pfarrhofrenovierung ab, ebenso 1762 die Orte Eggern und Reinberg-Litschau.

1783 trat Simon Dangl ein Stück seines Hausgartens an den Pfarrhof ab. 1788 wurde das Patronat der Pfarre Gastern vom Landesfürsten übernommen, nachdem sich die Pfarre Thaya außerstande erklärt hat, die Kosten eines Neubaues von Schule und Pfarrhof in Gastern zu tragen. Bisher hatte die Pfarre Thaya das Patronat über Gastern inne. Im Jahre 1794 wurde an Stelle des baufälligen Pfarrhofes auf Kosten des Religionsfondes ein neues, nettes, einstöckiges Pfarrhaus erbaut.

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Pfarrhof - 1794

Aus dem Inventar 1861:

Im Jahre 1861 wurde der Pfarrhof mit Ziegeln gedeckt, bisher hatte er ein Schindeldach. Türen und Fenster wurden gestrichen, im Vorhaus ein Steinpflaster gemacht. Vom Eingang von der Straße kommt man in das Vorhaus, dann rechts in das Gesindezimmer, Küche und Speis. Links geht man in das Zimmer der Haushälterin und durch dieses in eine kleine Kammer. Vom Vorhaus kommt man über eine Stiege in den Keller und in den Stock. Hier geht man links in das Schlafzimmer des Pfarrers und durch dieses in des Pfarrers Wohnzimmer, rechts in das Gastzimmer und Kaplanzimmer.

Wirtschaftsgebäude: Rechts im Hof ist ein kleiner Schuppen, daneben der Kuh- und Pferdestall. Vor dem Pfarrhof ist ein kleiner Garten mit neuem Brunnen. Vom Hof gelangt man in den Obstgarten mit Pumpbrunnen. Der Hof ist gegen den Obstgarten mit einer niedrigen Steinmauer abgegrenzt.

Weil der Pfarrer in seinem Holzschuppen 20 - 30 Klafter Holz aufgestapelt hatte, beschwerte sich die Gemeinde wegen Feuersgefahr, da die umliegenden Häuser mit Stroh gedeckt waren. Der Pfarrer ließ daher außerhalb des Dorfes auf Pfarrgrund 1861 einen Holzschuppen bauen, später war es ein Stadel, heute Mesnerhaus. (heute Fam. Wenisch - Hauptstraße 5).

Im Jahre 1897 wurde der Pfarrhof gründlich renoviert, Aborte wurden außen angebaut. Die Kosten von 1514 fl. trug der Religionsfond. 1920 erhielt der Pfarrhof eine elektrische Beleuchtung.

1961 kam es wegen der bevorstehenden Visitation zu einer Generalrenovierung des Pfarrhofes. Der Verputz wurde abgeschlagen; es kam ein neuer Verputz, ein neues Dach, neue Außenfenster; 4 Zimmer erhielten einen Parkettboden, ein Bad wurde eingerichtet, eine Kläranlage gemacht; im Vorhaus zu ebener Erde kam ein Terrazopflaster, alles wurde neu ausgemalt und gestrichen. Die Gesamtkosten von 150.000 Schilling trug die Finanzkammer.

Im Jahre 1974 wurde im Pfarrhof eine elektrische Nachtspeicherheizung von der Firma Morscher, Waidhofen an der Thaya, installiert. Bei dieser Gelegenheit sind alle Räume des Pfarrhofes ausgemalt worden. Die Kosten übernahm wieder die Finanzkammer, fast 250.000 Schilling.

1976 hat die Pfarre für die Straßenerweiterung einen Grund abgetreten. Dafür mußte die Gemeinde einen Zaun nördlich und im Osten des Pfarrhofes errichten.

GRUNDBESITZ DER KIRCHE UND PFARRE GASTERN

1688 gibt der Vikar Claudius Werter dein Offizium bekannt, daß "er keine Furche zum Anbauen und keinen Zehent habe".

1781 berichtet Pfarrer Lorenz Göschl, die Kirche in Gastern besitze eine Wiese im Wert von 22 fl. und die Kirche in Klein Zwettl einen Wald im Wert von 50 fl. Im Jahre 1783 tritt Simon Dangl (heute Hirschmann) ein Stück seines Hausgartens an den Pfarrhof ab.

1794 wurden die Kirchengründe von Klein Zwettl verkauft und auf Wertpapiere angelegt: 444 fl. 30 kr.

Im Jahre 1807 berichtet Pfarrer Johann Georg Mechtler, daß die Kirche ein halbes Achtel Joch Acker und ein halbes Tagwerk Wiese "in der Hütterin" besitze.

In der Kirchenrechnung 1820 wird als Grundbesitz des Pfarrhofes (damals Nr. 25) angegeben: Pfarrgarten 242 Klafter, Holzmühlfeld 84 Klafter; als Grundbesitz der Kirche: Holzmühlfeld 643 Klafter und 84 Klafter; Summe: 272 Klafter.

1845 wird als Grundbesitz in der Steuergemeinde Klein Göpfritz (in Frühwärts, das damals zur Gemeinde Klein Göpfritz gehörte) angegeben: Pfarrhof Gastern: 13 Parzellen: 4 Acker = 1014 Klafter, 3 Wiesen = 148 Klafter, Gärten = 274 Klafter, Hutweiden = 273 Klafter, Öden = 259 Klafter, Wohngebiet = 247 Klafter.
Insgesamt: 2215 Klafter.
Aus den Angaben über Wohngebiet und Garten ist zu schließen, daß
hier nicht bloß der Grundbesitz in Frühwärts gemeint ist, sondern der Gesamtbesitz der Pfarre, vielleicht auch die Kirche inbegriffen.

Im Jahre 1864 sind die Kirchengründe: Parzelle 2429 - Wiese, Parzelle 2435 - Wiese und Parzelle 1108 - Acker dem Pfarrer zur Benützung überlassen.

1904 wird beim bischöflichen Ordinariat um Bewilligung zum Grundverkauf in Frühwärts angesucht. Mehrere kleine Grundstücke der Kirche und der Pfarre konnten an Franz und Franziska Kainz in Frühwärts Nr. 40 verkauft werden. Vom ErIös wurden von Florian Dangl (heute Hirschmann) 3938 Quadratmeter zum Garten dazu gekauft, weil durch den Kirchenbau Gartengrund der Pfarre verloren ging.

Im Jahre 1933 werden mit Leopold und Leopoldine Ergott, Gastern 8 (heute Jony, Hauptstraße 24), Grund im Ausmaß von 45 Quadratmeter getauscht und zwar die Parzellen 548/1 und 549/1, das ist beim Mesnerhaus.

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