Andreas Schrembser

aus Dobersberg, ein Hauptmann im Waldviertler Bauernkrieg 1597

Einer der Hauptführer beim unheilvollen Bauernaufstand von 1597 war der 75-jährige Bauer Andreas Schrembser aus Dobersberg. Nicht so sehr religiöse Differenzen wie in Oberösterreich, sondern soziale Missstände, waren die Ursache dieser gewaltigen Erhebung im Waldviertel: Überbürdung mit oft unerschwinglichen Lasten, übermäßigen Zehent- und Robotforderungen gewissenloser Herrschaften, immer neue Forderungen von Abgaben für das Kriegslager nach Ungarn wegen der Türkengefahr und zu all dem noch einige Missjahre. Die Kenntnis dieser Umstände lässt uns den Geist der Rebellen wohl verstehen.

Eine Schar solch Unzufriedener sammelte hier der Bauer Schrembser. Am 17. Februar 1597 berichtet Dietrich von Melzer aus Siegharts an Georg von Puchheim nach Raabs: "Soeben melden mir drei meiner Untertanen von Nieder Edlitz, sie hätten von den Bauern aus Karlstein, Dobersberg und Zlabings Befehl zur Bereitschaft mit der Nachricht erhalten, dass noch heute mittags etliche hundert Bauern nach Edlitz kommen werden." Schrembser zog mit seiner wachsenden Schar über Schwarzenau, wo sich der Schmied, "ein großer Wortführer", mit seinen 2 Söhnen und der spätere Hauptmann Jakob Heinrichmann, ein Bauer aus Vitis (60 Jahre alt), mit ihren Leuten anschlossen, weiter an den Kamp. Eine Abteilung unter Martin Angerer plünderten das Stift Altenburg. Bald waren bei Horn gegen 20.000 Bauern versammelt und auch bei Langenlois standen ihrer 10.000 aus der Gegend von Tulln herauf. Beide Haufen verlangten von den Bewohnern des Marktes Langenlois Zusage zum Anschluss. Als aber diese sie verweigerten, ging alsbald bei einem gewissen Sillip Feuer auf, welches 17 Häuser in Asche legte. Rasch eilte jetzt das kaiserliche Kriegsvolks unter dem Oberst Wenzel Moratzky, Freiherr auf Litschau, herbei und trieb die Bauern auseinander. Ein Hauptmann samt seinem Feldschreiber und 4 Rädelsführer wurden hierbei gefangen genommen; der Hauptmann hatte an die 7.000 Taler in barem Geld bei sich. Unter den Gefangenen war auch Schrembsers Genossen Georg Kölbl aus Dobersberg, der im Dezember darauf in Langenlois hingerichtet wurde. Anderen schnitt man die Nase und Ohren ab, die Rädelsführer wurden öffentlich gehenkt. Die entkommen waren, flohen in den Gföhlerwald.

Da die Moratzkyschen Reiter so grausam mit den Bauern verfuhren, hatten auch die "städtischen Kommissäre von Krems und Stein", die Bürger Peter Carl und Hans Hirscher, welche die Bauern zur Ruhe und Umkehr in ihre Heimat bewegen sollten, eine schwere Arbeit. Die Bewohner von Langenlois und Allentsgschwendt konnten sie zwar zur Ruhe und Einsicht bringen. Außerhalb des Marktes Grafenschlag waren aber gegen 30.000 Bauern versammelt. Die Kommissäre besprachen sich mit den Hauptleuten derselben, mit Andreas Schrembser aus Dobersberg und Merth Schmid von Ritterskamp bei Rapottenstein, und überreichten ihnen den erzherzoglichen Befehl. Diese beredeten sich mit den Bauern und verkündeten dann in deren Namen: "Die Versammelten legen die Waffen nicht nieder, gehen auch nicht auseinander, da ihnen keine Abhilfe ihrer Beschwerden zuteil werden würde; zudem hätten die Obrigkeiten, ungeachtet des verkündeten Generalpardons, Häuser ihrer Untertanen niedergebrannt, Weiber und Kinder ermordet oder ins Gefängnis geworfen." Das war am Abend des 21. Februar.

Am folgenden Tage endlich gelang es den beiden Stadtbürgern, von den Bauern die Erklärung zu erhalten, sie wollen in Frieden abziehen, wenn ein "kaiserlicher General" den Obrigkeiten die Einstellung jedes weiteren feindseligen Benehmens gebiete. Schrembser scheint nach Dobersberg heimgekehrt zu sein.

Allein nur ganz kurze Zeit hatte diese friedliche Situation Bestand. Nach dem Berichte des Kommissärs Richard Stein zu Schwarzenau war Pöggstall der Mittelpunkt des neuen Aufstandes. Daselbst stürmten die Bauern die herrschaftliche Rüstkammern und besetzten die Höhe mit großem und kleinen Geschütz, um gegen die Reiter erfolgreich kämpfen zu können. Doch schon am 31. März war Oberst Moratzky in der Lage, an Erzherzog Matthias über die glückliche Unterdrückung dieser neuen Bauernerhebung zu berichten. Schrembser war, bevor er zu den Aufständischen nach Pöggstall eilen konnten, am 14. März in aller Frühe von 7 Fahnen-Reitern zu Dobersberg mit seinem Feldschreiber, der ein Lederer aus Dobersberg war, gefangen und um 11 Uhr nach Waidhofen ins Gefängnis überführt worden. Erzherzog Matthias antwortete dem Oberst Moratzky: "Die Tyrannei der Soldaten, die Gehorsame und Ungehorsame gleich misshandeln, auch alles Geld nehmen, müsse er sogleich abstellen. Sonst habe er ja gut getan, dass er die bei Münichreith, Neukirchen und Pöggstall Versammelten zerstreut haben. Die Rädelsführer, namentlich den Andreas Schrembser solle er gleich hinrichten, den Prunner von Emmersdorf jedoch (er war ein Schneider aus Emmersdorf, 55 Jahre alt und hatte mit den Aufständischen die Feste Persenbeug eingenommen), der sich seit dem Reverse ruhig verhalte, zu Wasser nach Wien herab schicken." Der Hinrichtungsbefehl wurden an Schrembser doch nicht sofort vollzogen, sondern am 24. April 1597 wurde "Obrist Andreas Schrembser", der über 1.700 fl. bei sich hatte, mit Georg Prunner und 18 anderen Hauptleuten in das kaiserliche Amtshaus nach Wien abgeführt. Der Erzherzog wollte nun ein abschreckendes Beispiel statuieren und befahl daher, dass wie in Wien auch in Landstädten Exekutionen vollzogen werden sollten. Diesem Befehle gemäß wurde Schrembser, da er das Aufgebot in der oberen Thayagegend geführt hatte, im Mai zu Waidhofen vor dem Tore lebendig gevierteilt. So endete der für Bauern und Land gleich unheilvolle Aufstand.

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