Bistum Passau
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1756
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Passau
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II. BISTUM

Schon Herzog Theodo von Bayern verhandelte vor dem Hintergrund der Lösung Bayerns aus fränkischem Einfluss mit Papst Gregor VII. (715-731) in Rom über die Schaffung einer bayerischen Landeskirche. Ausgeführt wurde die kirchliche Neuordnung jedoch erst zur Zeit des Bonifatius, 1. Bischof von Passau wurde der von Papst Gregor III. geweihte Vivilo (739-746/47). Nach dem Passauer Bischofslisten soll Vivilo das Bistum von Lorch nach Passau verlegt haben; gemäß dieser Legende soll Lorch in der Antike Metropolitansitz gewesen und dieser wegen der Avarengefahr unter Verlust der erzbischöflichen Würde nach Passau verlagert worden sein. Die Lorcher Tradition bildete unter Bischof Pilgrim das Kernstück der Argumentation, die Passau zum Erzbistum erhöhen wollte. Ein weiteres Mal wurde diese Fabel im 13. Jh. durch den Passauer Domherrn und Archidiakon von Lorch, Albert Behaim (+ 1260), aufgegriffen und ausgeschmückt. Sie wurde bis weit in die Neuzeit von der Passauer Historiographie rezipiert. Die Ansätze Passaus zur Mission des Donauraumes, in Mähren, Ungarn und Pannonien machten die Ungarnstürme zunichte. Sie konnten im 10. Jh. nicht wiederbelebt werden. Seit dem ausgehenden 10. Jh. wurde unter den Bischöfen Pilgrim und Christian die kirchliche Organisation des Bistums, dessen Gebiet sich nun von der Mündung der Isar in die Donau bis zur ungarischen Grenze erstreckte, konsequent ausgebaut.
Der Investiturstreit, in dessen Verlauf die Bischöfe Passaus eine herausragende Rolle spielten, führte zu einer Spaltung des Bistums. Während die Stadt zu einem starken Bollwerk der Anhänger HEINRICHS IV. wurde, der dort als Gegenbischöfe Hermann (1085-1087) und Thiemo (1087-ca. 1105) einsetzte, konnten sich die Bischöfe Altmann (1065-1091), Legat Papst Gregors VII., und Ulrich (1092-1121), durch Papst Paschalis II. mit dem päpstlichen Vikariat ausgestattet, nur in der östlichen Hälfte des Bistums behaupten und dort im Sinne der Kirchenreform tätig werden. Noch vor Ausbruch des Streites hatte Bischof Altmann das vor den Toren der Stadt Passau gelegenen Kanonikerstift St. Nikola gegründet und zum Zentrum seiner Reformbemühungen gemacht, die sich auf St. Florian, Kremsmünster sowie die Neugründung Göttweig erstreckten. Bischof Ulrich gelang es, den von Altmann  geförderten Ausbau der Diözesanorganisation sowohl durch Reform als auch durch Neugründungen von Klöstern fortzusetzen und die bischöfliche Herrschaft zu sichern.
In der 2. Hälfte des 12. Jh. nahm das Bistum einen wichtigen Platz in der Reichspolitik ein als Stützpunkt der staufischen Politik, auch wenn im alexandrinischen Schisma die Bischöfe nicht immer eindeutig auf der Seite des Kaisers standen. Seit dem 13. Jh. geriet Passau unter den zunehmenden Einfluss der territorialen Interessen der HABSBURGER, in deren Herrschaftsbereich sich der größte Teil der Diözese erstreckte. Die Bischöfe Otto von Lonsdorf (1254-1265) und Peter (1265-1280) versuchten, die Unabhängigkeit der Passauer Kirche zu wahren, doch führte die Konsolidierung der habsburgischen Macht im Herzogtum Österreich seit dem ausgehenden 13. Jh. zu einer Dominanz über die Passauer Bischöfe, der Passauer Bischofsstuhl wurde mit pro-habsburgisch gesonnenen Kandidaten besetzt. Versuchten bereits die BABENBERGER um 1200 unter Bischof Manegold erste, allerdings vergebliche Schritte zur Errichtung eines eigenen Landesbistums Wien, so waren die HABSBURGER 1469 mit der Gründung des zunächst auf die Stadt Wien begrenzten Bistums erfolgreich.

III. HOCHSTIFT

Die Grundlagen zur Entwicklung des bischöflichen Territoriums gehen zurück auf die kanonische Errichtung des Bistums. Schenkungen von Herzogsgut und das königliche Privileg von 852, aus Zweckmäßigkeitsgründen Besitz tauschen zu dürfen, dienten dem Erwerb geschlossener Grundherrschaftenskomplexe. Die Verleihung der Immunität sowie von Markt, Münze, Zoll und öffentlicher Gewalt in der Stadt waren wichtige Schritte zum Ausbau der bischöflichen Grundherrschaft, doch erst mit dem 1161 erfolgten Erwerb des Klosters Niedernburg mit dessen Grundherrschaft, dem sogenannten Land der Abtei, das sich im Norden Passaus bis an die böhmische Grenze erstreckte, und den 1217 errungenen Grafschaftsrechten im Ilzgau konnte der Bischof sein Territorium arrondieren. Passauer "Exklaven" auf österreichischem Gebiet konnten in St. Pölten und Mattsee entstehen, wurden aber nicht gehalten. So blieb der Bischof bis zum Ende des alten Reiches beschränkt auf das Gebiet nördlich der Stadt Passau, das er bereits im 12. Jh. und 13. Jh. errungen hatte.


Trillmich Werner: Seite 100
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Noch unbedeutender als Regensburg war das unterhalb der Isarmündung im Donautale gelegene Bistum Passau, das die KAROLINGER mit der Slawenbekehrung in Großmähren betraut hatten. Stellte schon die Erhebung des Methodius zum Erzbischof von Sirmium diese Aufgabe in Frage, so machte ihr der Magyareneinbruch vollends ein Ende, obgleich dem Domstift auch unter heidnischer Herrschaft ein Teil seiner weit entfernten Besitzungen erhalten blieb. Kein Wunder, dass nach dem Wiedererstarken des Deutschen Reiches Bischof Pilgrim (970-991) aus dem Hause der SIGEHARDINGER durch missionarische und diplomatische Aktivität das Verlorene zurückzugewinnen suchte. Die Domschule erlebte unter ihm eine hohe Blüte. Er machte die geschichtliche und literarische Tradition seinen Zielen dienstbar, soll doch an seinem Hofe Meister Konrad eine lateinische Nibelungias verfaßt haben, um uralte Beziehungen zu Ungarn aufzuzeigen. Nach der Taufe des ARPADEN-Fürsten und der Errichtung des Erzbistums Gran mussten sich Passau auf Kolonisation und Verwaltungsaufbau in der Donaumark beschränken. Die Bischöfe Christian (991-1013) und Berengar (1013-1045), fromme, mönchischen Reformen zugetane Männer, spielten politisch keine Rolle. Dem Bistum gehörten Markt, Zoll und Gericht am Bischofssitz, die Klöster Kremsmünster, Mattsee, St. Florian, St. Pölten, ferner Ennsburg, Mautern, Traismauer und Zehntrechte zwischen Enns und Wienerwald.
 
 
 
Vivilo  vor 739- 744/45 
Beatus  um 745- um 753 
Sidonius  um 753- um 756 
Anthelm   
Wisurich  um 770- 777 
Waldrich  14.08.774-22.08.804 
Urolf   804-14.09.806 
Hatto   806-11.12.817 
Reginhar   818-28.08.838 
Hartwig   840-13.04.866 
Ermanrich   866-02.01.874 
Engelmar   875-31.12. 897 
Wiching  09.09.898-02.03.899 
Richar   899-16.09.903 
Burkhard   903- 915/16 
Gumpold   915/16-16.10.931
Gerhard   932-02.01.946 
Adalbert   946-15.06.970 
Pilgrim   971-20.05.991 
Christian   991-20.09.1013 
Berengar  1013-14.07.1045 
Engelbert  1045-23.05.1065 
Altmann  1065-08.08.1091 
Ulrich I.  1092-07.08.1121 
Reginmar  1121-30.09.1138 
Reginbert  1138-10.11.1148 
Konrad I. von Babenberg  1149-29.06.1164 
Rupert I.  1164-05.11.1165 
Albo  1165-1169 
Heinrich I. von Berg  1169-1172 
Diepold von Berg  1172-03.11.1190 
Wolfger von Erla  1191-1204 
Poppo  1204-26.12.1205
Mangold von Berg  1206-10.06.1215
Ulrich II.  1215-31.10.1221 
Gebhard I. von Pleyen  1222-10.10.1232 
Rudiger von Radeck  1233-20.03.1250 
Konrad II. von Schlesien    1228/31-6.8.1273/74  1250 
Berthold von Peiting  1250-10.04.1254 
Otto von Lonsdorf  1254-10.04.1265 
Ladislaus von Schlesien  1265 
Petrus  1265-01.05.1280 
Wichard von Pohlheim  1280-23.11.1282
Gottfried I.  1283-26.04.1285 
Bernhard von Prambach  1285-27.07.1313 
Albert I. von Habsburg     12.12.1298-20. 7.1358  1313 
Gebhard II.  1313-1315 
Heinrich von Vienne  1317-1319 
Albert II.; Enkel RUDOLFS I.  1320-19.05.1342 
Gottfried II. von Weißeneck  1342-16.09.1362 
Albert III. von Winkel  1362-1380 
Johann von Scharffenberg  1381-03.02.1387 
Hermann Digni  1387-1388 
Rupert II. von Berg  1388-1390 
Georg I. von Hohenlohe  1390-08.08.1423 
Leonhard von Laiming  1423-24.06.1451 
Ulrich III. von Nußdorf  1451-02.09.1479 
Georg II. Hesler  1480-21.09.1482 
Friedrich I. von Mauerkirchen  1482-22.11.1485 
Friedrich II. von Oettingen  1485-03.03.1490 
Christoph von Schachner  1490-03.01.1500 
Wiguläus Fröschl von Marzoll  1500-06.11.1517 
Ernst von Bayern  1517-10.10.1540 
Wolfgang I. von Salm                       1541-05.12.1555 
Wolfgang II. von Closen  1555-07.08.1561 
Urban von Trennbach  1561-09.08.1598 
Leopold I. von Österreich  1598-1625 
Leopold II. von Österreich  1626-27.11.1662 
Karl Joseph I. von Österreich  1662-27.01.1664 
Wenzeslaus von Thun  1664-06.01.1673 
Sebastian von Pötting  1673-16.03.1689 
Johann Philipp von Lamberg  1689-12.10.1712 
Raymund Ferdinand von Rabatta  1713-25.10.1722 
Joseph I. Dominikus von Lamberg  1723-30.08.1761 
Joseph II. Maria von Thun und Hohenstein  1761-15.04.1763 
Leopold III. Ernst von Firmian  1763-13.03.1783 
Joseph III. Franz Anton von Auersperg  1783-21.08.1795 
Thomas Johann Kaspar von Thun und Hohenstein  1795-06.10.1796 
Leopold IV. Leonhard von Thun  1796-22.02.1830 
Karl Joseph II. von Riccabona auf Reichsfels  1830-1839 
Heinrich II. Hofstätter  1839-1875 
Joseph IV. Franz Weckert  1887-1889 
Antonius I. Thoma                    1889 
Michael Rampf  1889-1901 
Antonius II. Henle  1901-1906 
Sigismund Felix von Ow-Felldorf  1906-1936 
Simon Konrad Landersdorfer  1936-1968
Antonius III. Hofmann  1968-1984 
Franz Eder  1984- 

 
 
Von der Homepage Passau - Online

Vivilo

Vivilo, 1. Bischof von Passau. Er wurde bei der kirchlichen Organisation der Kirche in Bayern 739 durch den päpstlichen Legaten ~ Bonifatius als einziger bayerischer Bischof in seinem Amt bestätigt. Vermutlich hat ihn Papst Gregor III. (731 bis 741) persönlich geweiht. Über seine Tätigkeit in Passau gibt es keine zuverlässigen Nachrichten. Die Überlieferung, dass er vorher Bischof in Lorch war u. seinen Bischofssitz nach Passau verlegt hatte, ist nicht belegbar, wird aber neuerdings auch nicht mehr völlig abgelehnt (~ Lorcher Tradition).