Niederösterreich-Karte 1801 von Nikolaus Kellermann

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  • Wien 1801 -1804. - Kolorierte Manuskriptkarte

In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts fassten die Stände Niederösterreichs den Entschluss, eine astronomische Karte sowie eine Topographie des Erzherzogtums Österreich unter der Enns anfertigen zu lassen. Unter der Oberaufsicht von Franz Freiherr von Prandau (1751 - 1811 Wien) arbeiteten verschiedene Astronomen und Landvermesser wie Anton Pilgram (1730 Wien - 1793 Wien), Joseph Liesganig, Franz Triesnecker oder Georg Ignaz von Metzburg.

Als nach zehnjähriger Tätigkeit noch immer kein Ergebnis vorlag - ausgenommen das trigonometrische Grundnetz (Kat. Nr. 78) -‚ machte 1799 der Mitarbeiter Triesneckers Nikolaus von Kellermann den Vorschlag, in vier Jahren eine Karte von Niederösterreich zu erstellen.

Kellermann war verbürgtermaßen Sachverständiger auf diesem Gebiet. 1786 befand er sich als Landesingenieur in Siebenbürgen, 1796 unterstützte er Metzburg bei der Triangulation Westgaliziens. Die Stände nahmen nach einer überaus günstigen Stellungnahme Triesneckers den Vorschlag an. Das erste Resultat seiner Arbeiten legte Kellermann bereits 1801 vor: das ausgestellte Blatt 1 seiner Niederösterreich-Karte. Nach einer Beurteilung Triesneckers hatte Kellermann in der kurzen Zeit Bewunderungswürdiges geleistet. Es handelt sich dabei fast durchwegs um eine gebirgige Gegend. wobei für die Gebirgsdarstellung Schraffen verwendet wurden. Wir sehen hier bereits den Umschwung in der Gebirgsdarstellung, nämlich den Übergang von der Seiten- zur Vertikalansicht mit Hilfe der Schraffen, allerdings nicht nach einem einheitlichen Grundsatz. Von Frankreich her übernommen, sollte diese Darstellungsmethode die Gebirgskartographie im deutschen Sprachraum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich prägen. Hier am Anfang zeigen die Schraffen aber noch starke Unterschiede, sie schwanken zwischen dem tatsächlichen Gebirgscharakter und willkürlichem Fantasiegebilde. Obwohl Kellermann seinen Zeitplan einhielt und im April 1804 das letzte Kartenblatt vorlegte, war an eine Herausgabe der Karte nicht zu denken, wenngleich Triesnecker sein Aufgabe als erfüllt betrachtete. Der Grund dafür lag vor allem im Fehlen vieler Orte und in der "barbarischen" Nomenklatur. Außerdem waren mehrere Objekte unbezeichnet geblieben, einzelne Grenzstationen falsch eingezeichnet, Post- und Handelsstraßen nicht genügend unterschieden, und die Benennung der Landesviertel fehlte ganz.

Landkarte - 1801

Originalaufnahme mit einer Digitalkamera