"Hehmann"-Geschichten aus dem Internet

Von Tiscover Moorbach Harbach - Märchenhotel Waldpension Nebelstein
Der Riese Hemann vom Nebelstein

Vor vielen, vielen Jahren hauste auf dem Nebelstein der Riese Hemann mit seinen Hemännchen. Hemann war ein gutmütiger Riese, der den Armen gerne eine gute Tat erwies, die hartherzigen Reichen aber nicht ausstehen konnte.

Am Abhang des Nebelsteines, wo heute ein Hochmoor ist, stand einst die Stadt Kienau. Die reichen Bürger und Ratsherren dieser Stadt lebten in Saus und Braus, gegen die Arbeiter und kleinen Bauern waren diese Bürger recht hartherzig und knausrig. Lange ließen sich die armen Leute von Kienau dies gefallen, aber eines Tages war es ihnen doch zu viel. Sie setzten sich zusammen und beschlossen, eine Abordnung von drei Männern zum Riesen Hemann am Gipfel des Nebelstein zu schicken.Vor den Felsen, die man heute noch die "Drei Riesen" nennt, riefen sie dreimal: "Hemann!"

Plötzlich stand der bärtige Riese vor ihnen und fragte mit tiefer Stimme: "Was wollt ihr von mir?" Sie erzählten ihm, wie es in der Stadt Kienau zugehe u. baten ihn, den armen Leuten dieser Stadt doch zu helfen. Der Riese sprach: "Ja, das habe ich schon lange gesehen, geht heim u. sagt den Ratsherrn, daß ich von ihnen verlange, daß sie euch ebenso behandeln wie eure reichen Mitbürger. Wenn sie aber nicht auf euch hören u. weiterhin grausam bleiben, so packt nach 3 Tagen eure Sachen zusammen u. zieht aus der Stadt hinaus in den Wald. Dann werde ich die Geizhälse bestrafen."

Die 3 alten Männer gingen am Morgen des nächsten Tages ins Rathaus und verlangten, was ihnen Hemann aufgetragen hatte. Die Ratsherrn lachten darüber, beschimpften die armen Leute, ja sie drohten noch strenger zu sein.

Da blieb den armen Bürgern nichts anderes übrig, als am 3 Tag mit ihren Habseligkeiten die Stadt zu verlassen.

Kaum war der Letzte weit genug von der Stadt entfernt, kam ein arges Gewitter. Schwarze Wolken verfinsterten fast den ganzen Himmel. Es blitzte u. donnerte unaufhörlich und der Berg erbebte. Die einst reiche Stadt versank tief im Berg. Moor und Sumpf überdeckten alles. Die Gesteinstrümmer rollten weit über die Hänge ins Tal, wo sie heute noch in den Wäldern rund um den Nebelstein liegen.

An der gleichen Stelle, wo die herrliche Stadt Kienau stand, befindet sich nun das heilkräftige Hochmoor. Tief darunter soll die sagenhafte Stadt Kienau mit all den Schätzen ruhen und in mondhellen Nächten kann manches Sonntagskind die Kirchturmspitze sehen und die Glocken läuten hören.


Des alten Mukel-Jägers lustiges Erlebnis
Der Jäger Mukel, alt und krumm,
schluckt morgens früh von seinem Rum,
nimmt Stock und Stutzen, geht ins Revier,
doch wie wunderlich ist´s hier:

Am Fuß schon dieses Bergesriesen,
alswo die schönen Blümlein sprießen,
tanzen froh im Dämmerschein
Blumenelf und Wichtelein.

Er steigt den halben Berg hinan,
da ruft wer mit „He, he ! ihn an.
Ein Hemännchen ruft neklich zu!
Ihn stört es nicht in seiner Ruh`

Und oben, auf dem Bergesrücken,
setzt er sich hin um frühzustücken.
Da hört er: „Jäger Muckel,
he, kratz mir meinen Buckel !“

Des Bergries´Stimme ! Unverwandt
erhebt er sich und nimmt zur Hand
den Bergstock und mit Kraft und Lust
zerkratzt er nun der Erde Krust.

Und als die Kräfte Ihn erlahmen
schluckt er vom Rum in Gottes Namen,
bekreuzigt sich und legt sich hin
und schläft - bis hoch die Sonne schien.

Nun läuft bergab er in sein Haus,
der wunderliche Tag ist aus. -
Wo mag dies wohl geschehen sein?
Im Waldviertel am Nebelstein.

 
Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 1, S. 1
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Anja Christina Hautzinger, April 2005.
Der Hehmann

Wohl die schreckbarste Erscheinung sind die Hehmänner. Das sind riesenhafte Männer mit übergroßen, runden Köpfen, aus denen zwei wilde Augen feurig schauen. Sie trugen in der Gegend Döblings meist die gewöhnliche Hauerkleidung, oft auch einen breiten Hut. Sie vermögen sich pfeilschnell in einem Augenblick viele Meilen weit zu bewegen. Das muß ein grausamer Schreck gewesen sein, als ein übermütiger Bursch spottend in die Au: "He, He", hineinrief. Da kam einer der Hehmänner durch die Luft, hockte sich mit ganzer Schwere auf den Rücken des Spötters und war bis zum Morgengrauen nicht herunterzukriegen. Das war aber noch eine leichte Strafe. Sonst kommen gleich mehrere mit Windeseile und reißen den Rufer in Stücke. Vermag sich dieser noch in das Haus zu retten, und die Tür zu schließen, so halten sie ihm ein Stück blutiges Menschenfleisch vor mit dem Bedeuten, in solche Stücke hätten sie auch ihn zerfetzt, wenn er nicht rechtzeitig Schutz gefunden hätte.

 
Gew.: Hermann Auer, Oetz. Aufz.: Schulleitung der Volksschule Niederanna. 1952.
DER HEHMANN VOM LINDBERG

Einst ging ein Mann, namens Mohr, von Ötzbach nach Unterranna heim. Da hörte er, wie jemand auf dem Lindberg immer „He! He! He!“ schrie. Mohr schritt weiter, bis er zum Haus des Hochreiter kam. Diesen fragte er, wer denn da oben immer „He! He! He!“ rufe. Hochreiter sagte: „Das ist der Hehmann! Erwidere ja nicht seinem Ruf, sonst gehörst du ihm!“ Der nun etwas ängstlich gewordene Mann ging seines Weges weiter und kam zu der Stelle, wo jetzt das Hörhagerhaus steht. Da packte ihn aber der Übermut, sodaß er laut zu rufen begann. Er schrie: „He! He! He!“, als erneut der Ruf des Hehmannes an sein Ohr drang. Als er jedoch zu der Abzweigung nach Unterranna kam, wartete schon eine Gestalt auf ihn, die kopflos am Wege stand. Es war der Hehmann. Als er näher kam, schrie ihn dieser an: „He! He! He!“ Mohr aber bekam es wieder mit der Angst zu tun und antwortete nicht. Da fluchte der Hehmann ganz schrecklich und rief Mohr nach: „Hättest du noch einmal, He' gerufen, dann wärst du mein gewesen!“

 
Aus C. Callianos „Niederösterreichischer Sagenschatz“, 1. Bdch. S. 240.
DER HEHMANN AN DER KREMS

An der Krems zeigte sich der Hehmann als ein Hausgeist. Man erzählte von ihm, daß er gern in Stall und Küche arbeitete. Einmal kam ein Geistlicher ins Haus, um ihn zu erlösen, weil er durch sein Necken und Spotten den Leuten verleidet war. Der Hehmann sagte aber zum Pfarrer: „Du hast deiner Mutter einmal ein Ei gestohlen, du Dieb!“ Seit jener Zeit hauste der Hehmann als Quälgeist immer ärger, insbesondere im nahen Walde, wo er die Leute irreführte. Seitdem er aber das Haus des Bauern verlassen hatte, hatte dieser kein Glück mehr.

 
Gew.: Brigitte Pauser, Unterloiben Nr. 16. Aufz.: Dr. Plöckinger. Krems. 1925.
Gew.: Riesenhuber Gottfried, Dürnstein. Aufz.: Riedel Rudolf, Dürnstein. 1926.
DER HEHMANN ALS SCHWARZER MANN

Zu Unterloiben waren bei der Familie Riesenhuber Zwillinge eingekehrt. Des Hausvaters Schwester fand sich daher zur Wartung der Mutter und der beiden Zwillinge im Hause ihres Bruders ein. Sie mußte jedoch des Nachts heimwärtsgehen. Ihr Weg führte sie über Feld, entlang eines Raines. Da sah sie einmal nachts um 11 Uhr am Feldrain einen schwarzen Mann von riesenhafter Größe stehen. Er war trotz des Mondlichtes nicht mit Deutlichkeit auszunehmen. Er hatte jedoch einen schwarzen Anzug an und einen großen, schwarzen Hut auf dem Haupte. Da sich die Schwester Riesenhubers fürchtete, trachtete sie so schnell als möglich heimwärts zu kommen. In ihrem Enteilen glaubte sie die kichernde Stimme des Mannes zu hören, die vom Raine herschallte. Sie vernahm: „Hi, Hi, Hi!“

 
Gew.: Geschwister Aschauer und Marg. Pulker, Dörr Franz. Aufz.: Walter Landertshammer (1952).
DER HEHMANN VOM KIRCHSTEIG

Vor vielen Jahren ging ein Bauer vom Wirtshause in Rastbach heimwärts nach Moritzreith. Es war schon sehr spät und der Mond stand am Himmel. Als der späte Gast am düsteren Schloßwald vorüber den Kirchsteig talwärts wankte, drang mit einem Male von ferne der Ruf „He! He!“, der gefürchtete Schrei des Hehmannes, an sein Ohr. Und wieder, aber schon viel näher, ertönte das durchdringende „He, He!“. Zu anderer Zeit und bei klarem Kopf hätte sich der Bauer wohl im Schatten einer Fichte verborgen. Aber der Trunk hatte seinen Mut gestärkt und nun wollte er den Spuk erproben. Ein spöttisches Grinsen spielte um seine Züge und dann schrie auch er mit heiserer Stimme: „He, He!“ Die Bäume rauschten, ein Sausen und Brausen erfüllte die Luft. Der Bauer erstarrte vor Schreck, denn schon sah er den Ruchlosen mit geisterhafter Behendigkeit, den fahl glänzenden Grenzstein auf dem krummen Rücken, über Stock und Stein auf sich zuhasten. Entsetzt wandte sich der Mann zur Flucht. Aber es war zu spät. Mit einem gewaltigen Sprunge setzte sich ihm der Verdammte auf das Genick. Mehr als der Hehmann drückte die Last des Grenzsteines den übermütigen Bauer. Die Schwere war so gewaltig, daß der Bauer zu Boden sank. Der Gefallene rang verzweifelt um sein Leben. Ungehört verhallten seine Hilferufe. Immer mehr schwanden seine Kräfte und zuletzt auch seine Sinne. Und als der Geist seine Krallen würgend um des Bauern Hals legte, sank der Mann röchelnd in sich zusammen. Am nächsten Morgen fand man den Landmann tot am Wege auf. Sein Gesicht war zerkratzt und zerschunden. Die Anzeichen eines heftigen und verzweifelten Kampfes hatten sich in seinen Zügen eingeprägt, denn ersterbend hatte er erkannt, daß der Hehmann der Stärkere war. Die Spuren verrieten auch den Leuten, die ihn fanden, wer der Mörder war: Der Hehmann.

 
Aus Mailly, nö. Sagen; Nr. 83.
DER HEHMANN IM KREMSTAL

Ein übermütiger Bursche rief einmal spottend in die Au: „He, He, He!“ Da kam der Hehmann durch die Luft geflogen, hockte sich mit seiner ganzen Schwere auf den Rücken des Burschen und war bis zum Morgengrauen nicht herabzubekommen. Oft kommen auch mehrere Hehmänner durch die Luft und reißen den Spötter in Stücke. Vermag sich dieser aber noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, indem er ein Haus erreicht und die Türe zu schließen vermag, so halten sie ihm ein blutiges Stück Menschenfleisch vor die Nase mit dem Bedeuten, daß sie ihn in solche Stücke zerrissen hätten, wenn er nicht rechtzeitig unter die Traufe des Daches gekommen wäre.

 
Gew.: Johann Scharnagel aus Laaben. Aufz.: Erich Schöner, Spitz. 1938.
DER HEHMANN VOM JAUERLING

Früh am Morgen gingen Jauerlinger Bergmäher zur Arbeit. Da der Weg zur Arbeitsstätte weit war, hatten sie daher knapp nach Mitternacht in der ersten Morgenstunde, der Geisterstunde, sich auf den Weg gemacht. Da begegnete ihnen ein Mann, der einen Grenzstein auf Her Achsel trug. Schwer keuchte er unter der Last und in hastigem Tone bat er einen der Mäher um Auskunft, wohin er den Stein legen sollte. Da antwortete der Mann: „Leg ihn nur hin, wo du ihn hergenommen hast!“ Da sagte der Hehmann: „Dank dir Gott, daß du mich erlöst hast.“ Dann verschwand er.

 
Projekt: "Federnschleiß'ln" der Hauptschule Kautzen
Das Hehmandl

Die Dorfleute mussten Zehent und Robot leisten: Handrobot am Montag, Mittwoch und Freitag, Zugrobot am Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Da ging eines Tages ein alter Mann durch den Holzgrabenweg zur Arbeit zum Gutshof (Neuhof). Als er mitten im Walde war, sah er ein kleines weißes Lamm vor sich. Er wollte es fangen, aber wenn er glaubte, er könnte es greifen, war es entwichen.

Das ging so einige Zeit dahin. Als er wieder einmal ganz nahe bei ihm war, fing das Lamm zu lachen an. Es sprach: "Das Hehmandl kannst du nicht fangen" , und entschwand.

Der alte Mann kehrte um und ging nie wieder durch den Holzgrabenweg.

Die Hehmannluke

Der Hehmann hatte sich im Schwarzwald bei seiner Hehmannluke immer wieder herumgetrieben.

Wenn ihm irgend jemand zu nahe kam, hüpfte er ihm auf den Rücken und ließ sich bis zu dem Wassergraben tragen. Wenn man beim Wassergraben hinüber hüpfte, sprang er herunter und rannte in seine Luke zurück.

Seit ein gewisser Papst dann alle Geister verbannte, gibt es keinen Hehmann mehr, aber die Luke gibt es noch immer.

 
50. Der Hehmann

Zu den mythischen Personifikazionen gehört auch der in Österreich hie und da vorkommende Hehmann (vergl. Panzer, bair. Sag. 2, 81: Helmann, Hetzmann). An der Krems gleicht er einem Hausgeiste, indem man von ihm erzählt, daß er gern in Stall und Küche arbeite. Einmal kam ein Geistlicher, um ihn zu erlösen, weil er durch sein necken und spotten den Leuten verleidet war. Der Hehmann sagte aber zum Pfarrer: Du hast deiner Mutter einmal ein Ei gestolen, du Dieb! Seit jener Zeit hauste der Hehmann als Quälgeist immer ärger, insbesondere im nahen Walde, wo er die Leute irre führte. Seitdem aber dieser Hehmann das Haus des Bauern verlassen, hatte dieser kein Glück mehr.

In Policzka (Böhmen) wird ein Waldgeist von seinem Rufe he, he! so genannt. Wer ihn verspottet, dem huckelt er auf. und er muß die schwere Last tragen. Man schildert ihn als großen Mann mit schwarzem Mantel.

In der Umgebung von Semlovitz (im Pilsner Kreise) ist ein Wald, in welchem „Hehmänner“ sein sollen. Diese verwunschenen Menschen schreien, wenn jemand in ihre Nähe kommt: Heh, wo geb' ich's hin? Eines Tages gieng ein Mann durch diesen Wald. Da hörte er den Hehmann rufen. Er glaubte es mache sich jemand einen Spaß, und rief: gib's nur dorthin, wo du es genommen hast. Dadurch ward der Hehmann erlöst; aber von dieser Stunde an hörte und sah man nichts mehr von dem Manne, und die Leute sagten, er müsse nun statt des erlösten Hehmannes schreien.

Quelle: Mythen und Bräuche des Volkes in Österreich. Theodor Vernaleken, Wien 1859. S. 241f
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Claudia Hackl, April 2005.