Über Schloss Weißenbach, die Familie Truckenmüller und die Verwalter

Schon frühzeitig, etwa 1142, scheint das Gut Weißenbach im Besitze eines Rittergeschlechtes gewesen zu sein. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel kam das Gut durch Kauf während des 30-jährigen Krieges in die Hände des Bestandinhabers, der Brückenmaut von Stein, Alexander Truckenmüller von Mühlburg. Seinem Sohn Sigmund, der 1635 - 1653 das Gut Weißenbach besaß, ist es zu verdanken, dass das Vikariat Gastern im Verband der Pfarre Thaya errichtet wurde (1642). Die Witwe des Sigmund Truckenmüller, Dorothea, verkaufte das Gut im Jahre 1667 an den ältesten Sohn Dominik Rudolf.

Dominik Rudolf Truckenmüller war mit Anna Franziska Theresia Gräfin von Maradas verheiratet. Dieser Ehe entstammten 4 Kindern:

Rebekka Theresia, geb. etwa 1687, gest. am 13. Oktober 1705
Johann Adam, geb. am 8. Jänner 1690,
Adam Konstantin, über den folgende Eintragungen zu lesen ist: Adam Konstantinus Gottlieb, des gnädigen Herrn Dominik Rudolf Truckenmüller von Mühlburg auf Weißenbach und der gnädigen Frau Anna Franziska Theresia, geborene Gräfin de Maradas eheleiblicher Sohn ist am 22. Febris 1701 von mir Urbano Velikaina Pfarrherrn zu Gästern im Gschloß zu Weißenbach getauft worden. Zum Gvattern sind beruffen worden und aufgenomben worden Herrn Adam Anton Grundemann Landts Untermarschalk, zurgvatter aber sein Sohn Ernst Konstantin Grundmann von Halbenberg. Die Stöll deren haben vertretten Herr Johann Adam Antoni und Johann Georg Adam Truckenmüller, und die zwey Fräulein Rebekka Theresia Elionora und Maria Anna Josepha Antonia.
Von der jüngsten Tochter berichtet das Taufbuch: Franziska Josepha Antonia Charlotta, dem gnädigen Herrn Rudolf Truckenmüller von Mühlburg, Herrn zu Weißenbach und Schandachen: Und der gnädigen Frau Anna Franziska Theresia, geborene Gräfin de Maradas Eheleibliche Fräule ist den 13. Marty 1703 von mir Urbano Velikaina Pfarrer zu Gästern in dem Gschloß in Weißenbach getauft worden. Zum Gvattern sind beruffen und erkürn worden Herr Antoni Grundemann von Halbenberg, niederösterreichischer Landt Untermarschall und Ihre Exzellenz die verwittibte Frau Anna Franziska Graffin von Kür?stein.

Im Jahr 1706 starb der Herr von Weißenbach und Schandachen: Er starb im Herr am 12. Juni 1706, ungefähr um die vierte Abendstunde, versehen mit den heiligen Sakramenten, der edle und wohlwollende Herr Dominik Rudolf Truckenmüller, von Mühlburg, Herr in Weißenbach und Schandachen. Er wurde in Weißenbach am 14. ds. begraben. Seine Seele lebe in Gott. Alter 74 Jahre.

Die Matrik berichtet uns auch einige bescheidene Einzelheiten über das Personal des Gutsherrn. Philipp Staner war Diener (famulus) seines Herrn Truckenmüller. Zwei der Töchter des edlen Schlossherrn standen Pate bei der Taufe einer Tochter Staners, war auf eine gutes Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienerschaft schließen lässt. Die "ehrsambe" Maria Lörban von Schandachen war "Wäschmensch" auf dem Schloss in Weißenbach und Andreas Starck Schafmeister (magister obium).

Nach dem Tode Truckenmüllers verkaufte der Vormund seiner Kinder das Gut an Philipp Jakob Ritter von Unkrechtsberg. Die Witwe des verstorbenen Truckenmüller bewohnte aber noch etwa zwei Jahre Schloss Weißenbach und heiratete noch einmal. Das Trauungsprotokoll lautet wörtlich in seiner Übersetzung:

14. Februar 1708: In der Filialkirche zu Weißenbach wurden getraut: Der edle und gnädige Herr Franz Ferdinand Freiherr von Gastenfels, Herr zu Horgheim und Nordheim, und die erlauchte und gnädige Frau Elisabeth Franziska Theresia, Gräfin von Maradas, des edlen und gnädigen Herrn Rudolf Truckenmüllers von Mühlburg aus Weißenbach seligen Andenkens hinterlassene Witwe.
Zeugen: Thomas Franziskus von Mikos, Dechant in Bistritz,
Johann Karl Weidi von Hibowitz in Taxen,
Johann Karl Sedlitz von Neukirchen,
Maximilian Ludwig von Grünberg.

Im Jahre 1740 wurde das Gut Weißenbach samt Untertanen an den Gutsherrn von Heidenreichstein Nikolaus Graf Palffy von Erdöd verkauft. (Graf Palffy wurde 1774 in den Fürstenstand erhoben.)

Leopold Hartmann dürfte als Verwalter von Weißenbach schon unter Philipp Jakob Ritter von Unkrechtsberg gedient haben. Er wird im Jahre 1713 im Zusammenhange mit den Pestfällen in Ruders genannt, wobei er den Befehl erteilte, zwei Pestleichen sofort außerhalb des Ortes zu begraben.

Als Verwalter (praefectus) des Unkrechtsberg'schen Herrschaftsbesitzes in Weißenbach erscheint in den Jahren 1736, 1737 und 1739 der "edle Herr" Johann Franz Jöch. Bei den Taufen standen Mitglieder der Adelsfamilie Goldenstein aus Taxen Pate.

Im Jahre 1740 kam Weißenbach unter eine neue Herrschaft. Bereits 1743 finden wir im Taufbuch (III) den Nachfolger Jöchs. Der neue Verwalter hieß Johann Liechtenstein und seine Gattin Johanna; die Tochter der beiden, Anna Maria, wurde von Nikolaus und Maria Hartmann aus der Taufe gehoben.

Die heutige Mühle ist der letzte kümmerliche Rest des ehemaligen Schlosses. Im Jahre 1787 wurde Schloss Weissenbach, wie so viele andere, aufgelassen. Um ihm den Charakter eines "Wohnhauses" zu nehmen, ließ der Besitzer das Schlossdach abdecken. Er ersparte sich durch diese Maßnahme die Steuer, die damals für die Adelsschlösser eingeführt worden war. Die  Folge davon war, das Schloss Weißenbach immer mehr verfiel und endlich zur Ruine wurde.

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