Die Tuberkulose

Für die heutige Generation sind die mörderischen Seuchen früherer Zeiten wie Cholera, Pest, Blattern, Diphtherie und Kindbettfieber ein längst überwundenes Schreckgespenst, die als Massengefahr der Geschichte angehören. Derzeit gibt es nur eine seuchenartig auftretende wütende Krankheit, eine Drachensaat, die Tuberkulose oder Schwindsucht.

Diese teuflische Krankheit ist so alt wie die Menschheit selbst. Aus der ersten geschichtliche Zeit sind Beweise des Bestehens der Tuberkulose vorhanden. Man ahnte früher das Fortwirken der Seuche von Generation zu Generation und die Übertragbarkeit von Lebewesen zu Lebewesen, führte aber den Kampf dagegen vergebens. Erst Robert Koch konnte 1882 den Erreger der Tuberkulose entdecken und beweisen, dass die Krankheit nur durch Infektion mit dem Tuberkelbazillus hervorgerufen werden kann. Die Infektionsquelle ist meist der bazillenaushustende tuberkulosekranke Mensch. Auch durch Milch tuberkulöser Rinder kann er übertragen werden. Eine große Gefahr ist auch der am Boden im Staub befindliche getrocknete Auswurf, in dem sich massenweise Bazillen vorfinden, mit denen sich vor allem Kinder beim Spiel sehr leicht infizieren können. Die Eintrittspforten in den Organismus sind die Atem- und Nahrungswege. Lungenspitzenkatarrh, Schwindsucht und Auszehrung sind volkstümliche Namen für die tuberkulöse Lungenerkrankung. Es sind aber auch sämtliche andere Organe des Körpers anfällig.

Jeder Mensch wird einmal in seinem Leben mit Tuberkelbazillen infiziert. Nur besitzt der eine einen gutfunktionierenden Abwehrmechanismus, beim anderen aber schreitet auch die geringste Infektion unaufhaltsam weiter bis zum Tode.

Die Tuberkulosemortalität zeigt in den letzten Jahrzehnten in allen europäischen Ländern einen, zwar verschieden raschen, aber konstanten Rückgang. Dieser Rückgang wurde durch ärztliche und fürsorgliche Maßnahmen erreicht, d. s. Verbesserung der Ernährung, Wohn- und Arbeitsverhältnisse, Isolierung Erkrankter, Verbesserung der Tuberkulosetherapie und schließlich auch durch hygienische Erziehung.

Die hier beigefügte Zusammenstellung soll erläutern, wie sich die Tuberkulose in der Pfarre Gastern in den letzten 4 Jahrzehnten ausgewirkt hat. Besonders im Waldviertel mit seinen ungünstigen klimatischen und teilweise noch unzureichenden Wohnverhältnissen ist es Aufgabe des Lehrers, die Kinder und darüber hinaus die Bevölkerung über diese Volksseuche zu orientieren, und auch die Tuberkuloseschutzimpfung populär zu machen. Leider gibt es noch genug Eltern, die sich noch energisch gegen die so harmlose Impfung zur Wehr setzen. Immerhin haben sich im Jahre 1949 etwa 45 % der Schulkinder zur Tbc-Schutzimpfung angemeldet.

Der Grad der Wirksamkeit der Impfung mit BCG (bacille Calmette-Guérin) lässt sich schwer in Ziffern ausdrücken. Man kann aber mit Sicherheit feststellen, dass sehr selten nach einer ordnungsgemäß durchgeführten Impfung das Bild einer Tuberkulose auftritt. Die Impfung mit BCG schließt also nicht unbedingt eine Tuberkuloseerkrankung im späteren Leben aus. Dennoch bezweifelt man in Skandinavischen Ländern nicht den Wert der BCG-Impfung und wendet sie ausgiebig an. In Dänemark werden beispielsweise jährlich 40.000 Impfung durchgeführt.

Übersicht

Jahr Todesfälle Tuberkulose
1949 30 1
1948 30 1
1947 22 2
1946 26 2
1945 32 0
1944 30 1
1943 29 1
1942 16 0
1941 30 1
1940 26 1
1939 25 3
1938 19 1
1937 19 0
1936 26 3
1935 22 0
1934 28 1
1933 19 4
1932 22 2
1931 21 0
1930 26 0
1929 21 0
1928 27 0
1927 34 0
1926 31 2
1925 37 1
1924 30 0
1923 49 0
1922 43 2
1921 23 0
1920 40 2
1919 22 2
1918 56 5
1917 38 4
1916 32 5
1915 49 1
1914 62 3
1913 36 3
1912 60 5
1911 61 5
1910 42 6

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