Einige sonderbare Eintragungen

Die Pfarrchronik berichtet uns, dass der Vikar Urban Velikaina die Pfarre am 26. Jänner 1704 zurücklegte. Den Grund dafür finden wir, wenn auch nicht hierher gehörend, im ersten Taufbuch verzeichnet. Inmitten der Geburtseintragungen wird Beschwerde darüber geführt, dass Zwietracht hinsichtlich des Vertrages über die Giebigkeiten bestände, besonders mit der Gemeinde Klein Zwettl, "welche dem Pfarrer weder Holz gaben, noch Geld bezahlen wollten, weswegen der Pfarrer vom verehrten Konsistorium zurückberufen wurde, und die Pfarre vom 26. Jänner bis 24. August unbesetzt blieb."

Der auch an anderer Stelle erwähnte Pfarrer Neunteufel trug mit Leidenschaft Dinge in die Matrik ein, die in eine Pfarrchronik gehörten. Nur bedaure ich für die Nachwelt, dass er keine eigene Chronik geführt hat. Es soll ihm diese auch gewiss kein Vorwurf sein. Nicht alle Neunteufel'schen Aufzeichnungen sind von Bedeutung, wohl aber muss man ein leichtes Lächeln verhalten, so man sie liest.

Gleich zu Beginn seiner Seelsorgertätigkeit (1715 - 1729) in Gastern schrieb Neunteufel: "Bei meiner Ankunft brachte ich aus Eisgarn, wo ich 6 Jahre lang verbrachte, ein ganzes Fass Wein mit. Wegen Sorglosigkeit und Nachlässigkeit ist der Trämel abgebrochen, und es ist ihnen (?) das ganze Fass zerfallen und der Wein in das Kellerl geflossen. Es kostete 5 ... Neundeufl." Alle unvorschriftsmäßigen Eintragungen dieses Pfarrers sind in "Küchenlatein", vermengt mit deutschen Nebensätzen, aufgeschrieben; außerdem sind sie vom nachfolgenden Pfarrer durch wüste Streichungen unleserlich gemacht worden. Sie konnten nur mittels einer Quarzlampe entziffert werden.

Der Wein scheint bei Neunteufel eine besondere Rolle gespielt zu haben; 1716 schrieb er: "Es brauchte und fuhr mir jemand meiner Pfarre, dessen Namen ich verschweige, ein ganzes Fass Wein heran, der binnen kurzem so sauer war, sodass ich davon durch 32 Tage (?) nichts verwenden konnte." Neunteufels Nachfolger rechtfertigt die Streichungen folgendermaßen: "Dieser Mensch setzte, entsprechend seinem Namen, dieser heiligen Speise höchst unwürdig Teuflisches hinzu. Dies alles streiche ich durch."

Etwa um dieselbe Zeit schreib Neunteufel: "Vor Jahren hat die Herrschaft Weißenbach dem Herrn Pfarrer allhier in molina subsidium jährlich ein Fass Wein und halben Muth id est 15 Metzen Korn gegeben, welches mit Zeitverlauf alles vergangen ist. Ist alles vor meiner Ankunft geschehen, was mir sehr leid tut". (Ein Metzen = 61.5 Liter)

"Im Jahre 1721, welches Gott sei dank sehr fruchtbar war, konnte der Wein wegen des fortwährenden feindlichen Regens nicht gut ausreifen und so war der alte teuer zu bezahlen."

Mit Entrüstung berichtet Neunteufel am 22. September des gleichen Jahres ein Missgeschick, es gehört ganz bestimmt nicht in eine Matrik; wozu man heute nur sagen kann: Es gibt nichts Neues unter der Sonne! "Des nachts zu regnerischer Zeit, wo man nicht immer im Garten bleiben und wachen konnte, was ich sonst immer getan, und die Früchte und Äpfel behütet hatte, haben mir nächtliche Räuber sehr viel von den Früchten weggetragen."

Das Jahr 1727 wird in der Pfarrgeschichte als ein Jahr der Teuerung genannt, weil der Metzen Korn auf 2 fl. und darüber stieg. Pfarrer Neunteufel belehrt uns in der Matrik darüber, dass die Ursache der Teuerung die schlechte Witterung war: "Am 12. Juni des Jahr 1727 hatten wir den ganzen Tag einen sehr heftigen Regen, sodass ich den Gottesdienst am Fest des heiligsten Leichnam Christi (Fronleichnam) in Weißenbach nicht halten konnte". Ferner berichtet er: "Im Jahre 1727 war über der ganzen Gegend ein Hagel, sodass ich das Getreide um 2 fl. und darüber kaufen musste, weil die Bauern sehr wenig und gleichsam reines Unkraut ernteten." Des Pfarrers Getreidevorrat war auch gering, denn darüber meldet er: "Anno 1727 den 8. Juni hab ich von Zwetlen das Quartal Chorn und Trayd 4 Metzen und 1 Viertel leider schlechtes michtendes empfangen. Franz Ignatz Neunteufel."

Am 18. Juli 1726 wurde der Kirchturm "ganz neu gedeckt und rot angestrichen". 1727 hatte sich lt. bischöflichen Dekretes von Passau alle Hebammen einer Prüfung zu unterziehen, dass sie im Falle der Notwendigkeit auch Taufen erteilen können.

Das Neunteufel Schwierigkeiten hatte, wenn er in finanzieller Hinsicht bei der Pfarrgemeinde etwas durchsetzen wollte, ja, dass man ihm vermutlich misstraute, zeigt uns die folgende Notiz: "Einmal rief ich von meinem Vikariat alle Richter und zwei Geschworene zu dem Zwecke in das Pfarrhaus, damit etwas für die standesgemäße Unterkunft des Pfarrers gebaut würde, und ich suchte überaus höflichst und mit überaus höflich vorgebrachten Bitten, dass von jenen unmöglichen Bauern zu erreichen. Ich wollte einen Ofen und Fenster besorgen ...".

Unwillkürlich denkt man hier an die Zeit, bevor die neue Schule in Gastern gebaut wurde, als der damalige Oberlehrer Fürnsinn nach Frühwärts übersiedelte, da er hier keine entsprechende Wohnung finden konnte.

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