Namen

Mit seinem Namen träger jeder von uns einen wertvollen Teil uralter Geschichte und Überlieferung mit sich. In diesem Wort, das uns durch das ganze Leben begleitet und uns gleichsam seinen Stempel aufdrückt, besitzen wir ein ehrwürdiges, geistiges Erbgut unserer Vorfahren.

Die ältesten Namenform ist der Ruf-Namen. Als sich die Menschen dann vermehrten und zu Dorfverbänden zusammenschlossen, setzte man zur Unterscheidung dem Rufnamen auch den des Vaters zu, wie dies heute noch beim Landvolke üblich ist. Auch in Gastern gibt es einen "Dangl-Nazn-Hans" oder unter anderer Bezeichnung die "Köcker-Dangl", "Kirchen-Dangl", "Bäcker-Seppl-Ludwig". Da die Bevölkerung immer mehr zunahm, fügte man dem Vornamen noch eine nähere Bezeichnung des Trägers bei, seinen Stand oder seinen Beruf. Später wurde dann bei dem Namen Jakob der Müllner des Geschlechtswort einfach weggelassen und so entstand Jakob Müller.

Adelige trugen den Namen des Erbgutes, der sich später zum Familienname festigte. Erst im 15. und 16. Jahrhundert hatte der Bauer, der ja leibeigen und unselbstständig war, seinen eigenen Namen.

Untersucht man die Taufnamen, die in den hiesigen Matriken vorkommen, so bemerkt man, dass die Namen Maria und Anna Maria am häufigsten zu finden sind. Dann folgen Michael, Johann, Vitus, Juliana, Josefa, Anna, Mathias, Elisabeth, Adam, Katharina, Georg, Sophie, Sabine, usw.

Zeitweise rücken die männliche Vornamen Andreas, Simon und Leopold an die Spitze. Modenamen gab es immer schon, um nur Maria Theresia, Josef oder Karl zu ernennen.

Uneheliche Kinder erhielten, um schon von vornherein aufzufallen, absonderliche Namen. Die Namensbestimmung wurde gar nicht der Mutter überlassen, sondern die nahm der Pfarrer selbst vor. Meistens bekam das Kind den Namen, der gerade an seinem Geburtstag im Kalender stand. Wenn dieser Name nun "normal" erschien, suchte man krampfhaft nach einem "ausgefallenen": Kleophas, Ursula, Liborius, Brigitta, Dominik, Veronika, Apollonia, Alexander, Remigius, Davinus, Wenzeslaus, u. s. w. Bei dieser Gelegenheit wäre zu erwähnen, dass von 1670 - 1722  865 Kinder getauft wurden, wovon nur 9 unehelich waren, dass sind etwa 1 %. Um das Jahr 1850 findet man aber auf jeder zweiten Seite des Taufbuches eine außereheliche Geburt.

Beim Durchblättern der vergilbten Kirchenbücher kommen uns Familiennamen unter, die heute in unserer Gegend ausgestorben sind. In Gastern lebten die Witzmann, Huscher, Kainzinger, Winkler, Hofbeck, Gutschütz, Moldaschl, Haidl; in Ruders und Weißenbach die Schreckenschlag und Fröhlich; die Engelmann in Garolden und die Meinharter in Klein Zwettl.

Die heutigen Familiennamen sind zum allergrößten Teil alte, bodenständige Namen, die schon auf den ersten Seiten der ersten Taufmatrik zu finden sind. Sehr viele von ihnen lassen sich von christlichen Vornamen ableiten:

Hitz und Hieß von Mathias,
Gratzl von Pankraz,
Kainz von Konrad,
Polt von Leopold und
Bartl von Bartholomäuse.

Andere Namen lassen den Beruf und Stand der Ahnen erkennen:

Weber, Bauer, Bräuer, Müllner, Bäck, Wagner, Wirtl, Zimmermann, Hirschmann (Jäger), Pechhacker und endlich der überall bekannte, aus dem Lateinischen major stammende Meier, was soviel wie Aufseher bedeutet und heute noch als "Major" einen Offiziersrang darstellt.

Dangl mag vielleicht von "dengeln" kommen. Bei dem Namen Weißenböck gäbe es zwei Möglichkeiten: entweder handelt es sich um eine Bäcker, der weißes Gebäck buk, oder um einen "Weißenbacher" (Weißenbach gibt es mehrere). Litschauer, Gastinger, Schwertberger, Österreicher und Böhm (der aber durchaus kein Tscheche zu sein brauchte) verraten sofort, woher ihre Ahnen herkamen, oder unter welcher Herrschaft sie standen. Der Steiner ist bestimmt ein echter Waldviertler. Die Bruckner wohnten an einer Brücke, Kreutzer an einer Weg- oder Straßenkreuzung. Deutschmann dürfte aus Deutschland eingewandert sein. Eggenhofer, Eggenberger, Winkelbauer und Winkelhofer wohnten vermutlich abseits einer geschlossenen Siedlung. Schlosser dürfte kein Berufsname sein, den früher war der einzige Eisenbearbeiter der faber ferrarius, der Schmied. Manche Namen lassen sich von Tiernamen ableiten, wie Kranner (Krähe) und Hahnl. Die Miksch, Fida, Pany und Strasky scheinen slawischen Ursprungs zu sein. Der zuletzt angeführte Name kam nachweislich im vorigen Jahrhundert aus Böhmen (Platz) hierher, klingt aber mehr polnisch als tschechisch. Aussehen und persönliche Eigenheit der Träger spiegelt sich in manchen Familiennamen wider: Hager, Redl (der sich ehedem Rödl schrieb), Faast und Grausam. Auch auf germanische Wortstämme lassen sich sehr viele Namen zurückführen, so die Hermann oder Hörmann (die der Volksmund aber "Hiermann" spricht!) von Herr, Kriegsheer; ferner Toifl, Doifl oder Dietrich von Diet-Volk. Übrigens gab es in Gastern einmal einen Pfarrer, Friedrich Euthelius Dieth (aus Essen, Deutschland) und einen Friedrich Neunteufel (der neu hergekommene Teufel) aus Mähren. Ein im ganzen Waldviertel verbreiteter Namen ist Schandl. Er soll angeblich aus dem französischen "chandele", die Kerze, stammen. Der Träger dieses Namens hatte die Kerzen für die Kirchen zu liefern. Möglicherweise hieß er auch einmal Schandlmeier. Der Name Mödlagl lässt sich vielleicht aus Met und Lagl (= kleines Holzfässchen) zusammensetzen. Die Habisohn, Haubeson oder Hobersun erscheinen ab 1721 in Eggern, stammend aus Hirschenschlag. Dieser Name scheint ein lebendes Überbleibsel aus der Schwedenzeit zu sein. Zuletzt sei noch erwähnt, dass bei Findelkindern häufig für die Namensgebung Ort und Zeit maßgebend waren. Ein solcher Name, wie der hier weitverbreitete Fasching, ist aber noch lange kein überzeugender Beweis, dass es sich um einen Findelnamen handelt.

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