Gastern, sein Meierhof und das Geschlecht der "Dangl"

Der Name Gastern stammt von dem jetzt aufgehobenen Benediktinerstift Garsten bei Steyr in Oberösterreich. Er scheint 1177 zum ersten Mal als "ad Garstenses" und heißt "bei den Garstnern". Um 1170 hatte der Edle Konrad II. von Raabs (Ratgoz) dem Stifte Garsten einen Wald und eine Ort, der 30 Wohnungen und einen Meierhof umfasste, geschenkt. Auf dem Waldgrunde legte das Stift den Ort Münichreith bei Karlstein an. Während der damals verhältnismäßig  große Ort den Namen Gastern erhielt. 1179 wurden diese Besitzungen dem Kloster von Papst Alexander bestätigt.

Der Wirtschaftshof, der heute in die Häuser Nr. 8 - 11 aufgelöst ist, verpachtete das Kloster an ein adeliges Geschlecht, das sich "von Gastern" nannte. Um 1375 war Gastern von der Grafschaft Raabs an Litschau übergegangen. Im Jahr 1722 verkaufte Abt Ambros von Garsten das Gut Gastern, das dem Stifte zu weit entlegen war und eher Schaden als Nutzen brachte, um einen Preis von 2.000 Gulden und Bezahlung der rückständigen Steuern an den Reichsgrafen von Lamberg-Sprinzenstein. Dieser edle Herr vereinigte das Gut mit der Herrschaft Waidhofen. Übrigens gehörte damals die Mühle bei Alt-Pölla am Kamp dazu. Zu welchem Zeitpunkt der Meierhof in Gastern auflöst wurde, ist nicht bekannt. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, dass die Teilung des Hofes nach 1772 als Folge des Robotpatentes geschah. Ähnlich entstanden auch die "Mottenhöf" (Klein Motten). Schloss Weißenbach wurde ebenso in zwei Bauernhäuser aufgelöst und die Gründe zur Bestiftung von12 Bauernhöfen verwendet.

Noch heute lässt sich an den Häusern Nr. 8 bis 11 und deren Gründen eine gewisse Einheit feststellen. Die Gründe sind die besten, liegen alle beisammen und erreichen die größte Ausdehnung. Die Häuser selbst bestanden bestimmt einmal aus einem oder zwei zusammenhängenden Gebäudekomplexen. Auf Nr. 8 stand der Schafstall, noch als Ruine sichtbar und bot etwa 40 Schafen Unterkunft. Der Rinderstall fasst bis zu 25 Tiere.

Der Besitzer des Hofes Nr. 8 erscheint in den Matriken unter der Bezeichnung "Hofbauer". Der letzte Besitzer, der diese Bezeichnung auch im Volksmunde trug, war der "Hofbauer-Poidl", Leopold Dangl, dessen richtigen Namen nur wenige kannten.

Die Ahnenreihe dieser Dangl-Hofbauern zu folgen ist ungemein schwer, da sich sehr viele Namensgleichheiten vorfinden. Zu dem sind die Eintragungen häufig unzulänglich. Ein Beispiel sei hier angeführt.

Etwa vor und nach dem Jahre 1740 gab es in Gastern drei vollkommen gleichnamige Dangl-Familien:

Johann Tangl und Maria (geb. Kanz)
Johann Tangl und Maria (geb. Tadler)
Johann Tangl und Maria (geb. Pradinger)

Dazu gesellte sich noch ein vierter Johann Dangl, dessen Frau aber Juliana, geb. Huschin, hieß. Nebenbei sei erwähnt, dass alle vier Paare im Jahr 1732 heirateten.

Um sie doch leichter registrieren zu können, bezeichnete man einen der Dangl, als den, "der oberhalb des Josef Woidi wohnt und den Ortsteich besitzt" (wahrscheinlich Haus Nr. 20), den anderen "bei der Quelle und Brücke" und den dritten "ad prata" (bei der Wiese):

Dass aber die "Dangl" schon mindestens seit der zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts auf dem gleichen Hofes saßen, beweist uns die Ahnenreihe dieses uralten, erbeingesessenen Bauerngeschlechtes, das neben anderen genau so stolz auf seine Geschlechterreihe zurückblicken kann wie ein Gutsbesitzer, dessen Geschlecht eine von einem Kaiser, König oder Fürsten geadelt worden war:

Im Jahr 1672 tauften Mathias und Maria Dänckl ihr Tochter Eva, 1675 aber schon den Sohn Mathias.

Dieser Mathias Tangl (so wurde sein Name nun geschrieben) ist als Weber eingetragen worden, als er 1703 Maria Litschauer aus Gastern heiratete. Aus dieser Ehe stammte 9 Kinder. Der Vater Mathias starb 1732.

Der älteste Sohn Simon (geb. 1704) heiratete 1742 Katharina Meinharter und kam, aber nicht durch Einheirat, auf das Haus Nr. 3. Ein weiterer Sohn namens Michael (gest. 1789) machte 1743 eine "gute Partie", in dem er Anna-Maria Brunner zur Frau nahm und somit in das Haus Nr. 24 einheiratete. Michael Tangl war übrigens der Vater des Simon Dangl, der im Jahre 1783 ein Stück seines Hausgartens an den Pfarrhof abtrat.

Georg Tangl, ebenfalls ein Sohn des Mathias und der Maria Tangl, blieb auf Nr. 8 und heiratete 1743 Katharina Leffler. Nach dem Ableben seiner Gattin nahm er 1746 Maria Meyhart aus Klein Zwettl zur zweiten Frau. Der zweiten Ehe entsprossen 8 Kinder.

Der 1746 geborene Andreas Dangl wird uns bereits als Weber und Hofbauer vorgestellt. Er war mit Maria-Anna Dimmel von Giebishöfen (Kübitz-Hof bei Ober Edlitz) verheiratet. Das Paar war mit 7 Kindern gesegnet.

Leopold Dangl, geb. 1780, wurde 1808 mit Anna Maria Strohmeyer vom Litschauer Reinberg kopuliert. Von den 8 Kindern übernahm der 1817 geborene Ignaz Dangl den Hof und heiratete 1854 die Franziska Dangl aus Gastern (Nr. 20, eine Schwester des Martin Dangl). Sie brachte die 1850 unehelich geborene Ursula mit in die Ehe. 1855 wurde Leopold und 1862 Ignaz geboren. Ignaz baute, um sich angeblich der Wehrpflicht zu entziehen, Nr. 42 in Gastern.

Leopold Dangl nahm 1900 Genoveva Nigischer aus Stegersbach zur Frau. Bemerkenswert ist, dass diese Ehe in Wien geschlossen wurde. Dieser Leopold war der eingangs erwähnte "Hofbauer-Poidl". Er war lange Zeit Bürgermeister von Gastern. Seine erste Tochter Marie (1901) heiratete nach Weißenbach, die zweite Leopoldine 1903, heiratete Franz Jony, nach dessen Tode Leopold Ergott und nach dessen Ableben, in dritter Ehe also, Johann Wirtl.

Abschließend sei noch erwähnt, dass unter Leopold Dangl infolge eines Blitzschlages am 26. Juni 1905 ein fürchterlicher Brand wütete, der auf Haus Nr. 11 (Eggenhofer Johann) begann und sich auf die Nummern 10 (Litschauer), 9 (Anibas) und 8 (Dangl - Hofbauer) ausbreitete. Durch die tatkräftige Löscharbeit konnten das Wohngebäude bei Anibas und ein Schuppen bei Dangl, beide mit Stroh gedeckt, vor den Flammen gerettet werden (beide Gebäude waren früher Schüttboden des Meierhofes). Übrigens bekam die Feuerwehr damals 50 Kronen als Anerkennungsbelohnung. 

Als das alte vom Feuer verschonte Wohngebäude bei Anibas - heute ist es im Besitze der Familie  Redl - abgetragen wurde, um ein neues zu bauen, musste man schwer mit Meißeln arbeiten, weil der Bau wahrscheinlich mit heißem Kalb ausgeführt worden war.

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