Kriegsereignisse

Irgendwelche Kriegsereignisse besonderer Art lassen sich aus den Kirchenbüchern nicht herausfinden. Man kann aus einigen Daten höchstens auf Truppeneinquartierung oder -durchzug schließen.

In den Jahren 1672 - 1674 lag in der Gegend von Gastern eine Reitertruppe unter dem Kommando ihres Anführers Heister. Der Pfarrer des Ortes hatte die Ehre, von diesen tapferen Reiters 6 uneheliche Kinder zu taufen. Leider ist nicht feststellbar, ob die zarten Bande der wackeren Recken zu ihren Trossweibern oder zu den damaligen Dorfschönen, denen es die "Zauber der Montur" angetan hatte, gingen.

Einer aus den Reihen dieser "Besatzungsmacht" stach besonders hervor. Andreas Guett hatte während der Zeit der Einquartierung von seinen Konkubinen Maria und Juliana je eine Tochter und mit Anna einen Sohn. Hier ist nur noch interessant, dass im Jahre 1705 die tugendsame Jungfrau Maria Guithin aus Gastern, eheliche Tochter des Andreas Guith aus Gastern und seiner Gattin Maria den Witwer Paulus ... aus Garolden geheiratet hat. Anscheinend ist aus dem Söldner Guett ein biederer und sesshafter Mitbewohner geworden.

Im Jahre 1702 scheinen im Bereiche der Pfarre ebenfalls Truppen gelegen oder durchgezogen zu sein. Am 2. August 1702 wurde hier ein Sohn des Soldaten Paul Urban (ein hier vollkommen fremder Name) und seiner Gattin Ursula  getauft.

Im Jahre 1727 (Dezember) zogen durch das Pfarrgebiet Truppen, da ein Thomas (Zuname unleserlich) aus Prag, ein durchziehender Soldat, seine eheliche Tochter Sabine hier taufen ließ. Eine fürwahr beschwerliche Reise für einen Säugling.

In der napoleonischen Zeit war das hiesige Gebiet äußerst schwer bedrückt. Nach der unglücklichen Schlacht bei Deutsch-Wagram mussten  sich die österreichischen Truppen nach Mähren zurückziehen, und Erzherzog Karl schloss mit den Franzosen einen Waffenstillstand. Marschall Marmont bezog mit seinem Armeekorps (30.000 Mann) in der Nähe von Krems ein Lager. Diese 30.000 Mann musste aus dem Waldviertel verpflegt und neu ausgerüstet werden. Auch Gastern hatte französische Besatzung. Vom 8. August bis 19. August 1809 lag hier eine Kompagnie Chasseur (Jäger) des 26. Regimentes, vom 21. August bis 24. August. Chasseur des 10. Regimentes. Dass im Anschlusse daran französische Soldaten unter dem Kapitän (Hauptmann) Kamil Barziga hier einrückten und bis 8. September blieben, lehrt uns auch die Taufmatrik. Am 28. August 1809 wurden nämlich in Gastern auf Haus Nr. 22 ein kleiner "Ausländer" getauft: Napolion Petrus Lavista, Sohn des Karl Mathias Lavista, Sattlermeister des 26. Jägerregimentes der französischen Armee und seiner Gattin Maria Katharina, geborene Robioll von Riva, nicht weit entfernt von Pinnerol in Piemont (Es dürfte also nicht Riva am Gardasee sein!). Als Paten sind Petrus Franz Havard, Fourier (Verpflegungs-Unteroffizier der 8. Komp. Regiment Nr. 26) und Juliana Danglin, Tochter des Bauer Andreas Dangl in Gastern, angeführt. Havards Unterschrift ist übrigens die erste eigenhändige Unterschrift eines Taufpaten in den Matriken.

Während eines Soldatendurchzuges wurde am 3. November 1812 ein Knabe geboren: Martin Allisch, der aber sogleich verstarb. Sein Vater war Martin Allisch, ein gemeiner Soldat von der Kompanie Körn, Regiment Truschmeister von Trusch, Wittingau in Böhmen, Kreis Budweis. Nach den Personalien der Mutter steht: " ....st im Durchmarsch nach allhier Mutter geworden."

Beide Fälle zeigen uns, dass in den Heeren der napoleonischen Zeit bisweilen die Frauen mit den Soldaten zogen.

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