Die Holzmühle

Eingang zur Holzmühle
Eingang zur Holzmühle - Foto um 1950

Einsame Mühlen haben immer einen gewissen Reiz und entbehren auch nicht eines dünnen romantischen Hauches. Das Klappern des Mühlrades und die monotonen Geräusche im Mahl- oder Sägeraum wirkten schon immer befruchtend auf den schöpferischen Geist unserer Dichter und Musiker. Man könnte eine stattliche Reihe von Märchen, Sagen, lyrischen und musikalischen Werken anführen, in denen die Mühle eine große Rolle spielt: In einem kühlen Grunde. Der Wanderer in der Sägemühle. Das Wandern ist des Müllers Lust. Rumpelstilzchen. Tischlein, deck dich. Die schöne Müllerin. Es klappert die Mühle am rauschenden Bach usw.

Von den beiden Mühlen, die im Bereiche des Ortes Gastern stehen, verdient die Holzmühle wohl die größte Beachtung. Die Tatsache, dass ein Sohn aus der Holzmühle, der später nach Amerika ausgewandert ist, bei Bauarbeiten im Keller der Mühle eine Münze aus dem 13. oder 14. Jahrhundert fand, lässt die Vermutung zu, dass die Holzmühle schon seit der Besiedlung unserer Heimat besteht.

In den Pfarrbüchern erscheint als erster Holzmüller im Jahr 1701 Johannes Winkler, mit seiner Gattin Maria Magdalena auf.

1708 taufte bereits ein anderer Müller, Thomas Proxi (Prochsi, Proschi oder auch Protschi), seinen Sohn Anton. Die Frau des Müllers hieß Eva. 1714 wurde die Tochter Justina getauft.

Kurze Zeit später findet sich schon wieder ein neuer Holzmüller. Er stammte aus einer Müllerfamilie in Klein Eberharts, hießt Johann Litschauer, und heiratete 1719 die Holzmüllertochter Anna Maria Prokschy.

Im Jahre 1737 vollzog sich ein Besitzwechsel. Thomas Waltpaur, der Müllersohn aus Peigarten, wurde nun Holzmüller; er wurde in diesem Jahre mit Elisabeth Kanzin aus Klein Motten kopuliert.

Dieser Ehe waren 8 Kinder beschieden: Anna Maria 1739 (+ 1790), Anton 1741, Brigitta 1743 (+ 1751), Maria Anna 1744 (+ 1751), Maria Theresia  1746, Johann Nepomuk 1748, Katharina 1750 (+ 1757), Mathias 1753. Der Vater Thomas Waldbauer starb 1766, die Mutter Elisabeth 1779. Theresia heiratete den Mathias Bauer aus Schirnes.

Anton Waldbauer hatte mit seiner Frau Anna Maria, geborene Pedowitz aus Ober Edlitz, 9 Kinder:

Anna Maria 1788, gestorben im gleichen Jahr an Fraisen (Anmerkung: Krämpfe - bei kleinen Kindern); Paul 1788, gestorben an Blattern; Mathias 1789 (+ 1795); Anna Maria 1791; Franz de Paula 1794, (Mathias und Paul starben am 1.6. bzw. 4.6.1795 während einer Blatternepidemie); Jakob 1796 (am 25. März 1801, 4 Jahre alt, "ertrunken in der Holzmühle. Anmerkung: Ist landgerichtlich beschaut und untersucht und ohne einer äußerlichen Verletzung gefunden worden."); Josef 1799, Magdalena 1801 (heiratete 1826 den Johann Habersohn aus Rohrbach); Anton 1808. - Der alte Waldbauer starb 1829, seine Gemahlin 1853, beide an Altersschwäche.

Nach dem nun etwa 17 Jahre lang die "Waldbauer" auf der Holzmühle waren, kam 1807 ein neuer Name dorthin. Anton Eschelmüller, Müllermeister aus Gobbrechts bei Brand, heiratete in diesem Jahre die 1791 geborene, also erst 17 Jahre alte Anna Maria Waldbäuerin. Dieser Ehe entstammten 6 Kinder:

Josef 1809 (erstickt im Schlafe!!!); Theresia 1810, heiratete 1830 Georg Prager vom Heidenreichsteiner Reinberg; Karl 1812; Anton Eremita 1816; Elisabeth 1818; Franz de Paula 1821.

Am 7.12.1821 starb Anton Eschelmüller an Lungen- und Wassersucht, 38 Jahre alt.

Schon 1 1/2 Jahre später heiratete die Witwe Anna Maria Eschelmüller, geb. Waldbauer, den 31-jährigen Müllermeister Josef Neumüller aus St. Andrä an der Traisen. Der Herkunftsort des Bräutigams ist für die damaligen Verhältnisse sehr weit. Über die Möglichkeit, wie diese beiden einander kennen lernten, könnte man verschiedene Vermutungen anstellen. Der Ehe entsprossen noch 5 Kinder: Anna 1824; die Zwillinge Anna Maria und Thekla 1826, die aber im gleichen Jahre starben; Katharina 1828, Johann 1833 (+ 1833). Die zuletzt angeführte Geburt ist in Gastern Nr. 29 eingetragen. Neumüller hatte also die Mühle aufgegeben und war Bauer geworden.

Es war um diese Zeit, als Matthäus Schlosser von der Peigartenmühle (die heute nicht mehr existiert) die Holzmühle kaufte. Sein Sohn Franz, der den Besitz übernommen hatte, verunglückte 1890 tödlich im Mahlhaus. Die Fama (Anmerkung: die; <lat.> Ruf; Gerücht) behauptet aber auch, dass ihn sein Schwager mit Absicht über die Stiegen des Mahlhauses hinuntergestoßen habe.

Unser Franz Schlosser ist die Holzmühle vollständig abgebrannt. Dies hat sich folgendermaßen zugetragen: Von den zwei Mühlknechten sollte der eine zum Ackern einspannen. Er hätte aber lieber die Arbeit es anderen getan, der beim Eindecken des Daches das Stroh zureichen musste. Die Erbitterung des Ackerknechtes über diese Zurücksetzung war unverständlicherweise so groß, dass er aus Rache Feuer legte.

Die Mühle brannte vollständig nieder. Zunächst war man sich über die Ursache des Brandes im unklaren. Der Müller Franz Schlosser überschüttete seine Frau mit Vorwürfen, dass sie die Schuld an diesem Unglück trüge, weil sie beim Schmalzauslassen nicht genügend achtsam gewesen sei. Nach jahrelangen Gewissensbissen trieb es den üblen Knecht endlich zu einem Geständnis. Er soll dafür etwa 8 Jahre im Gefängnis zugebracht haben.

Die Witwe nach dem verunglückten Franz Schlosser heiratete 1891 einen gewissen Franz Schnell aus der Mühle Klein Eberharts. Nach 6 Jahren zog Schnell aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen weg und verkaufte die Mühle 1897 an Josef Schlosser, Sohn des Matthäus Schlosser, also einem Bruder des Franz Schlosser. Josef Schlosser war in Gastern Wagner und wohnte auf dem Hauses Nr. 38 und 51, welche damals zusammen gehörten. Aus dem Hauses (38), das um 1818 der "neuangekaufte Bauer" Philipp Kaseß aus Klein Zwettl baute, nahm Josef Schlosser 1879 seine Frau Antonia Kaseß. Ihre Kinder Josef (heute noch Kaufmann in Neu Bistritz), Franz (in Amerika), Johann, Friedrich, Walpurga (in Amerika) und Georg (in Amerika).

Friedrich Schlosser hatte mit Marie Wirtl aus Frühwärts 5 Kinder: Maria 1912, Friedrich 1915, Rudolf 1922, Erich 1923, Hedwig 1928. Friedrich Schlosser ist der jetzige Besitzer des Anwesens "in der Holzmühle".

Mühlenrad
Mühlenrad - Foto um 1950

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