Die Glasindustrie in Pengers und Nikolaus Hartmann

An drei Stellen der ersten Matrik findet man einen Namen, der für die Glasindustrie der damaligen Zeit in unserer engeren Heimat von größter Bedeutung ist. Sowohl am 11. Oktober 1698 und am 1. Oktober 1700 im Taufbuch als Pate, als auch am 29. August 1711 als Trauzeuge erscheint Georg Voith "nitroru magister ex Pengers", also Glasmeister aus Pengers. Bisher ist bekannt, dass Pengershof, 1705 gegründet, bis 1750 in Betrieb stand und nach diesem Jahre in einen Meierhof umgewandelt wurde. Die eben erwähnten Eintragungen beweisen uns aber, dass schon mindestens 1698 in Pengers von der Herrschaft Heidenreichstein eine Glashütte betrieben wurde. Die Lage der Hütte, sowie die Ergiebigkeit des Bodens bedingten die verhältnismäßig kurze Lebensdauer der damaligen Industrien. Zur Glaserzeugung benötigt man Kies, worunter im Waldviertel Quarz zu verstehen ist, ferner Holzasche und Salz (nitrum = Laugensalz, Natron, Soda).

Das Holz war naturgemäß bald aufgezehrt, da der Holzverbrauch in einer Glashütte sehr groß war. Nach 50 - 60 Jahren wurde die Glashütte meist aufgelassen und oft auch einfach niedergebrannt. Aus den abgeholzten Waldboden, aus Verwaltungs- und Wohnhäusern machte man einen Wirtschaftshof.

Als die Glashütte zu Pengers schon ihre Lebensdauer voraus sah, wurde in Nagelberg, ebenfalls auf Heidenreichsteiner Herrschaftsboden, die gleiche Industrie um 1740 von Nikolaus Hartmann begründet; die Glashütte wurde auch nach ihm anfangs "Niklas-Hütte" (Nikolaus ist im Volksmunde "Niklas") bei Heidenreichstein genannt.

Wer war  Nikolaus Hartmann? Gleich auf der ersten Seite des Trauungsregisters der zweiten Matricula triplex erfahren wir:

"In der Kirche zu Weißenbach sind am 7. Februar 1712 getraut worden der edle Herr Nikolaus Hartmann, des edlen Herrn Leopold Hartmann Zwillingsbruder in Vitis, und die tugendsame Jungfer Maria Magdalena Leehrbäumin, eheliche Tochter des Herrn Christophorus Leerbaum aus Vitis und seiner Gattin Eva.
Zeugen: Herr Jakob Berestanski, Richter der Stadt Waidhofen und
Herr Georg Barth, Verwalter in Meures (?)"

Vermutlich hieß der Vater (oder Großvater) des Nikolaus Hartmann  Leopold Hartmann, Unter-Kommissär der nieder-österreichischen Landschaft, 30 Jahre im Staatsdienst, gestorben am 10. Juni 1675. An der Außenseite der Kirche in Vitis ist sein Grabstein.

Der eifrige Förderer der Glasindustrie in Nagelberg Nikolaus Hartmann, Verwalter in Heidenreichstein, wurde 1726 und 1735 als Wohltäter der Kirche und des Pfarrhofes von Pfaffenschlag, 1743 aber als "Bestandinhaber von Heidenreichstein" als Wohltäter des Pfarrhofes Gastern erwähnt. Was war ein Bestandinhaber? Bestandinhaber war etwas mehr als Verwalter, mehr Pächter. Er war Verwalter der Herrschaft, und in gleicher Eigenschaft Inhaber des sogenannten Zapfenmaßes, d. i. eine Getränkesteuer. Diese Arbeit und auch das Erträgnis konnte einer als Pächter nebenbei haben.

Die erwähnte Braut des Nikolaus Hartmann, die Maria Magdalena Lehrbaum, ist eine Verwandte des Dechant von Waidhofen, Johann Adam Lehrbaum (1741 - 1770), der ebenfalls aus Vitis stammte und 1761 eine Studentenstiftung machte, bei deren Nutznießung Knaben aus Lehrbaum- und Hartmann-Verwandtschaft den Vorzug haben sollten.

Im Mittelschiff der Kirche zu Waidhofen a. d. Thaya ist der Grabstein Nikolaus Hartmanns. "Hier ruht der gestrenge Herr Niclas Josef Hartmann, gewester Hochgräflicher .... er bei ihre Exzellenz Herrn Grafen Palfy auf Heidenreichstein, +1747." Leider ist die Inschrift dieses Grabsteines zum Teil abgetreten.

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