Fassionen

aus "Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels" von Karl Lechner
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Immer mehr setzten sich fiskalische Gründe durch. Die Steuergesetzgebung der Maria Theresianischen Zeit macht auch die Neubeschreibung des adeligen Besitzes notwendig. Damals entstehen die sogenannten Fassionen. Sie gliedern sich in die Dominikalfassion, d. h. das Bekenntnis über die Einkünfte aus dem von der Herrschaft in Eigenregie verwalteten Land mit allen der Herrschaft zustehenden Gerechtigkeiten; als Äcker, Wiesen, Gärten, Waldungen, Auen, Teiche, Geld- und Naturalbestände (Pacht), Hausdienst, Überlanddienst, verzickter Dienst (infolge Verzug, Versäumung, rückständig), Bergrecht in Geld und Natura, Vogtgeld, Zehente (Körner-, Blut- und Sackzehent), Bräuhausnutzen (in Eigenverlag oder Pacht), Maut und Urfahr, Standgelder (beim Kirtag), Fischwasser, Weid- und Blumensuch-Nutzen, Bannschank-(Tafern-)Nutzen, Wirthaus-Bestand, Mühlen (auf beständigem und unbeständigen Wasser), Stampen, Sägen und Walchen, Grundbuchs- und Abhandlungserträgnis, Robottgeld, Naturalrobott (Zug- und Hand-), Ungeld, Extra-Dominicalgaben, Ziegel- und Kalkofen-Nutzen. Dabei waren auch die Abgaben von den Vogtholden inbegriffen. Ferner die Rustikalfassion mit den Angaben der einzelnen Untertanen und ihrem Hausdienst, mit Äckern, Wiesen, Weingarten, Waldungen, Auen, Mühlen, Sägen, Walzen, Stampfen, auch dem Hausgewerbe, mit der Schätzung der jährlichen Erträgnisse und der daraus folgenden Schätzung des gesamten Untertanenbesitzes. Danach wurde dann die Steuern bemessen.
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Daß im 18. Jahrhundert noch weitgehende Verschiebungen in den herrschaftlichen Grundbesitz- und Obrigkeits-Verhältnissen eingetreten sind, zeigen uns die Gülteinlagen und Fassionen, zeigt uns vor allem die zweite "Herrschafts"-(Ortsobrigkeits-)Karte von Frau Dr. Stephanie Brunner aus dem Jahre 1821 (s. Beilagen). Übrigen können wir auch im Stand der Untertanen große Veränderungen feststellen, wenn wir etwa die Theresian. Fassionen (1751), die sogenannten Josefinischen Fassionen (1786/87 nach Steuergemeinden angelegt!) und die Franzeiszeischen Parzellenprotokolle (nach Katastralgemeinden zusammen mit den Mappen 1819 - 1824 angelegt) für die einzelnen Orte vergleichen. Der Wechsel der Besitzernamen ist ein großer. Es wird eine Aufgabe in Zukunft zu sein, diese Verschiebungen bevölkerungsgeschichtlich zu erfassen!
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