O s t g e r m a n e n   u n d   R e i t e r n o m a d e n   ( 5 . J h . )

375 überschritten die Hunnen und Alanen den Don und lösten damit machtpolitische Verschiebungen an der unteren und mittleren Donau aus. Am 9. August 378 verlor Kaiser Valens sein Leben in der Schlacht bei Adrianopel an der heutigen türkisch-bulgarischen Grenze gegen ein Heer von West- und Ostgoten, Alanen und Hunnen. In der Folge mussten germanische und reiternomadische Bevölkerungselemente als Föderaten innerhalb der Reichsgrenzen angesiedelt werden. Ein markomansischer Klientelkönig hatte als "tribunus gentis Marcomannorum"' möglicherweise seinen Wohnsitz auf dem Oberleiserberg. 395 wurde das römische Reich in eine Ost- und Westhälfte geteilt.

Das Vordringen ostgermanischer und reiternomadischer Volksgruppen nach Westen hat in der ersten Hälfte des 5. Jhs. nördlich der Donau in Form reich ausgestatteter Gräber "goldene Spuren" hinterlassen. 1910 wurden in Untersiebenbrunn die Bestattungen einer adeligen ostgermanischen oder alanischen Familie angeschnitten, die zahlreiche Schmuckbeigaben aus Edelmetall, aber auch Reste einer Waffenausrüstung und Zaumzeuge aufwiesen. Gut ausgestattete Gräber kamen auch in Laa an der Thaya und am Teititzberg bei Stetten zutage. Beisetzungen von Kriegern, zum Teil mit Kampfverletzungen, wurden in Wien-Leopoldau und in Horn ergraben. Manche Frauen- und Männerschädel werden nach einem zeitgenössischen Schönheitsideal der Reiternomaden im Kindesalter turmartig deformiert; Nachweise stammen aus Laa an der Thaya, Kollnbrunn und Schiltern. Insbesondere neuere Grabungen haben auch an mehreren Stellen des Wein- und östlichen Waldviertels Siedlungsspuren des 5. Jhs. ergeben,

Nach dem Tode des Hunnenkönigs Attila 453 brachen unter seinen Söhnen Streitigkeiten aus, die nicht nur zu einem Auseinanderbrechen des Reiches, sondern auch zu einer vernichtenden Schlacht führten. Am Fluss Nedao (im Bereich der Provinz Pannonia II ?) besiegte eine germanische Koalition die Hunnen. In der Folge ließen sich am östlichen Rand des Waldviertels und im westlichen Weinviertel ostgermanische Rugier und in Südmähren und im östlichen Weinviertel Eruler nieder. In die 2. Hälfte des 5. Jhs. fällt auch das Wirken des hl. Severin für die Romanen Ufernorikums, die den norddanubischen Nachbarn, den Rugiern, tributpflichtig geworden waren. Siedlungsfunde, die den Rugiern zugeschrieben werden können, stammen vom Burgstall von Schiltern, von der Heidenstatt bei Limberg und von Thunau am Kamp. Einige Münzprägungen und wohl auch das kleine Gräberfeld bei Grafenwörth sind ebenfalls rugisch. 487/88 zerschlug dann König Odoaker das Rugierreich; gleichzeitig wurde von ihm ein Großteil der süddanubischen Romanen nach Italien abgesiedelt.