D i e   L a n g o b a r d e n   (489-568)

489 wanderten aus dem mitteldeutschen Raum kommend elbgermanische Langobarden in das westliche Weinviertel ein. Entsprechende kleinere Friedhöfe finden sich zuerst im Hollabrunner Gebiet (in Hollabrunn und Aspersdorf, dann auch im Umland von Krems an der Donau (so in Straß im Straßertal, Stratzing und Unterrohrendorf). 505 wurde die Donau überschritten und das Untere Traisental und das Tullnerfeld (von ihnen selbst "feld" bezeichnet) besiedelt. Sehr bald kam es jedoch mit den im östlichen Weinviertel lebenden Erulern zu Kämpfen. Dieser Gemeinschaft, die sich wohl erst im Laufe der Zeit aus verschiedenen gentes entwickelt hat, sind derzeit zwei Königsgrabhügel zuzuweisen: der 1949 ausgegrabene "Žuraň" nördlich von Brünn und der 1984 - 1986 vom BDA ergrabene "Schmalzberg" bei Laa an der Thaya. Die Grabkammern beider Großgrabhügel waren jedoch bereits in alter Zeit fast völlig ausgeraubt bzw. systematisch geleert.

Gegen die um ihre Vorherrschaft besorgten Eruler kam es 508 wohl im Weinviertel zu einer entscheidenden Schlacht, aus der die Langobarden als Sieger hervorgingen. Das langobardische Siedlungsgebiet umfasste nunmehr auch Südmähren und das östliche Weinviertel.

Wenngleich Siedlungsplätze bislang noch nicht nachgewiesen werden konnten, so stammen jedoch einige Friedhöfe des nordöstlichen Weinviertels (Neuruppersdorf, Poysdorf, Hauskirchen und Hohenau) und des Unteren Marchgebietes (Baumgarten an der March) aus diesem Zeitabschnitt. Herausragend ist v. a. das Grab eines Bunt- und Edelmetallschmiedes aus Poysdorf und das einer Angehörigen einer führenden langobardischen Familie aus Hauskirchen.

Nach dem Tode des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen konnten die Langobarden ab 526 in Pannonien Fuß fassen; 546 wurden nach einem Bündnis mit dem oströmischen Kaiser Justinian auch innere und südliche Teile Pannoniens besiedelt. Mit dieser Landnahme scheint das Abreißen der Belegung nordniederösterreichischer Friedhöfe in der Mitte des 6. Jhs. n. Chr. zusammenzuhängen. - Ab 547 kam es zu Kampfhandlungen mit den Gepiden, wobei die Langobarden vorerst mit byzantinischer Hilfe siegreich blieben. Nach dem Überfall auf Sirmium im Jahre 565 unterstützte Ostrom nun die Gepiden, worauf der Langobardenkönig Alboin mit dem Awarenführer Bajan ein Waffenhilfeabkominen schloss. Wohl aus inzwischen aufgekommener Furcht vor den eigenen Bundesgenossen verließen die Langobarden nach dein Osterfest 568 den mittleren Donauraum und zogen nach Italien ab. In der Folge kam es zum Nachdrängen der Awaren, wobei die Landnahme auch niederösterreichische Gebiete erfasste. Für die Ausplünderung der reichen langobardischen Gräber können demnach neben Zeitgenossen (Langobarden, Eruler, Rugier) die nun einrückenden Awaren und auch frühe Slawen verantwortlich gemacht werden.