R ö m i s c h  K a i s e r z e i t

(G e r m a n e n z e i t: 15 v. Chr . - 4. Jh. n. Chr.)

Um 15 v. Chr. wurde Niederösterreich südlich der Donau dem römischen Weitreich einverleibt und in der Folge auf die Provinzen Noricum und Pannonien aufgeteilt. Für den norddanubischen Bereich war die Einwanderung zweier germanischer Stammesgruppen von Bedeutung: die suebischen Quaden in Nordniederösterreich und in der Südwestslowakei und die Markomannen in den nordwestlich anschließenden Räumen. Die im Wein- und Waldviertel lebenden Kelten dürften im 1. Jh. n. Chr. eine Zeitlang ihre Eigenständigkeit bewahrt haben, bis sie von den Germanen auf friedliche Weise assimiliert worden sind.

Die ältesten Spuren von Elbgermanen stammen von der rechten Seite der unteren March und dem östlichen Weinviertel. Das bislang bedeutendste frühgermanische Gräberfeld lag in der Flur Galgengrund in Mistelbach; es wurde ab der 2. Hälfte des 1. Jhs. belegt. Von den ursprünglich 100 Bestattungen konnten jedoch nur 13 Inventare gerettet werden (Terrinen aus Ton mit Rädchenverzierung, römisches Bronzegeschirr usw.). Bemerkenswert ist auch eine reichere Frauenbestattung von Baumgarten an der March. Eine mit einer Bronzekanne, weiterem römischen Bronzegeschirr und zwei Glasrippenschalen ausgestattete männliche Körperbestattung der 1. Hälfte des 2. Jhs. kam 1975 zufällig in Neuruppersdorf zutage. Dem 2. Jh. gehören auch drei jüngst bei den Grabungen des BDA am Schmalzberg bei Rothensee unter einem Grabhügel der Völkerwanderungszeit entdeckte Brandbeisetzungen an. In Grab 1 lag der Leichenbrand eines Kriegers in einer rädchenverzierten Urne, daneben die feuerdeformierten Ausrüstungsgegenstände (Schwert, Lanzenspitzen, Schildbuckel, Sporen, Messer usw.) und kapuanische Bronzegefäße.. Gerade die letztere Fundgruppe belegt eindrucksvoll die Kontakte zu den römischen Handelspartnern.

An der Wende zum 2. Jh. müssen Teile der Markomannen aus Böhmen in das westliche Wein- und östliche Waldviertel eingewandert sein. Neben Grabfunden sind nun auch zahlreiche Siedlungen belegt: sie lagen vornehmlich an den großen Flüssen (March, Thaya, Kamp), aber auch entlang kleinerer Gerinne ("Sumpfgermanen"). An einigen Wohnplätzen wurden in letzter Zeit systematische Untersuchungen angestellt, so in Zaingrub (Nachweis von Rennfeuerofen = Schmelzofen r Raseneisenerz) und in einer Thayaschlinge bei Bernhardsthal. Am Anfang des 2. Jhs. bestand hier eine zwei Hektar umfassende Gehöftgruppe, die um die Mitte des 3. Jhs. aufgegeben wurde. Wegen der zunehmenden Klimaverschlechterung (Steigen des Grundwassers und Zunehmen der Überschwemmungen) wurde zu Ende des 2. Jhs. um die Siedlungsfläche ein Hochwasserschutzdamm angelegt. Den Südteil des Areals überschneidend wurde zusätzlich eine Spitzgrabenanlage der 2. Hälfte des 2. Jhs. festgestellt; hiebei handelte es sich um ein römisches Marschlager, das im Zuge der Markomannenkriege (166-180) erichtet worden war. Während unter der Regierungszeit von Kaiser Antoninus Pius germanische Könige von Roms Gnaden eingesetzt wurden (Münze mit Umschrift: rex Quadis datus), kam es unter Marc Aurel zu Einbrüchen von Germanen in römisches Reichsgebiet. Die folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen samt den Strafexpeditionen ins Germanenland dauerten bis 180 n. Chr. Reste letzterer stellen die oben genannten Marschlager dar, die z. T. durch Luftbildarchäologie, z. T. auch durch Grabungen in der letzten Zeit erschlossen werden konnten (Plank am Kamp, Kollnbrunn, Poysdorf, Bernhardsthal usw.).

In diesem Zusammenhang muss noch auf eine Reihe von Steinbauten z. T. Aufanhöhen am Rande einfacherer germanischer Siedlungsreste hingewiesen werden. Diese Anlagen z. B. am Oberleiserberg oder in Stillfried wurden früher oft als römische Stationen im Germanenland gedeutet. Neuere Forschungen in der CSSR (Müsov, Stupava, Cifer Pac usw.) und in Österreich (Oberleiserberg und Stillfried) ergaben, dass es sich um Landhäuser und sonstige Repräsentativanlagen handelt, die von römischen Bauleuten als Art Entwicklungshilfe für germanische Klientelfürsten errichtet worden waren.

In der letzten Phase der kaiserzeitlichen Besiedlung (3. und 4. Jh.) kam es zu einem Rückgang derselben. Die Siedlungen in den Niederungen und an den Flüssen mussten im Zuge der Klimaverschlechterung weitgehend aufgegeben werden; die neuen Wohnplätze (ihre Zahl ging auf ein Sechstel zurück) lagen auf Anhöhen (z. B. Oberleiserberg, Heidenstatt von Limberg, Holzwiese bei Thunau). In der Spätzeit wurde wiederum die Körperbestattung allgemein üblich (Wulzeshofen, Drösing und Mistelbach). Einen prächtigen Streufund stellt das Pferdezaumzeug aus Bronze und Eisen mit Silberbeschlag aus Mödring dar.