J ü n g e r e   E i s e n z e i t

( L a t è n e k u l t u r : 450/400 - 15v.Chr.)

Die jüngere Stufe der Eisenzeit wird als Latènekultur (nach Lane am Neuenburger See, Schweiz) bezeichnet. Träger dieser Kultur waren die Kelten, die bereits in der 1. Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. in einer Zone zwischen Ostfrankreich, Süddeutschland, Westösterreich und Böhmen nachweisbar sind. Die Ausbreitung des Keltentums nach Süden und Osten erfolgte sowohl durch die historisch überlieferten Wanderungen, wie auch durch die unkriegerische Weitergabe ihrer eigentümlichen Kultur, Kunst und Religion vornehmlich im Zuge von weitreichenden Handelsbeziehungen. Während in den süddanubischen Bereichen Niederösterreichs (insbesondere im Unteren Traisental, im Wiener Becken und im Raume von Mannersdorf am Leithagebirge) frühlatènezeitliche (Grab-)Funde häufig nachgewiesen sind, so sind diese im Weinviertel nur sporadisch zu finden (etwa durch eine Vogelkopffibel am Falkensteiner Burgberg). Die übrigen Grabfunde von Bernhardsthal, Laa an der Thaya, Schrattenberg, Ottenthal, Rothensee und Waltersdorf an der March gehören bereits der Mittellatènestufe an. Für die Spätphase sind zahlreiche Siedlungsplätze bekannt geworden, so u. a. jüngst einer auf dem Schmalzberg bei Rothensee im Raume von Laa an der Thaya. Das Waldviertel wurde überhaupt erst am Ende der Frühstufe von ersten Latèneelementen erfasst; hier lebten in der Zwischenzeit späthallstättische Traditionen weiter (Siedlungen von Poigen, Karnegg und Limberg/Maissau - sogen. "Limberger Topf"). Der Mittelphase gehören die Siedlung von Maiersch und Oberthürnau bzw. die Gräbergruppe von Kleinreinprechtsdorf und die Brandbestattung von Horn an. Der Spätphase, die vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr. reicht, sind Siedlungsfunde von Mühlbach am Manhartsberg, Roggendorf bei Eggenburg (eingetieftes Rechteckhaus) und Krems (Töpferverwahrfund) zuzurechnen. Einen spätlatènezeitlichen Töpferofen fand J. Höbarth in Baiersdorf (heute im Höbarthmuseum in Horn); ein ähnlicher Befund kam auch in Burgschleinitz zutage.

Ab dem 3. Jh. v. Chr. entstand im Alpenraum zwischen Inn und Plattensee das "regnum Noricum" (= Stammesgebiet der Noriker und Bereiche verbündeter oder gefolgschaftsleistender keltischer Stämme). Im böhmischen Raum lebten die keitischen Boier. Der griechische Geograph Ptolemaios überliefert uns für das Waldviertel die Stämme der Adrabai- und Parmai-Kampoi (= obere und untere Kamptalbewohner) und für das Weinviertel die im Marchgebiet ansässigen Rakater und Asali. 60 v. Chr. wurden von nachrückenden Germanen die Boier von Böhmen nach Ostniederösterreich, ins Burgenland, in die Slowakei und nach Westungarn verdrängt, wo es zu Auseinandersetzungen mit dem Dakerkönig Burebista kam. Charakteristisch für die Spätzeit sind neben einer Reihe von Gehöften z. T. befestigte Höhensiedlungen, wie der Umlaufberg bei Altenburg am Kamp, der Braunsberg bei Hainburg und der Oberleiserberg; auf letzterem befand sich auch eine Prägestätte für keltische Münzen.