Ä l t e r e   E i s e n z e i t

( H a l l s t a t t k u l t u r : 800/750 - 450/400v.Chr.)

Der ältere Abschnitt der Eisenzeit wird nach dem weltbekannten prähistorischen Salzbergwerkort Hallstatt in Oberösterreich Hallstattkultur benannt, wobei der Bereich östlich des namengebenden Fundortes zum Osthallstattkreis gerechnet wird, der traditionell mit den Illyrern in Verbindung gebracht wird. Für die östlicheren Teile Niederösterreichs, das Burgenland, die Westslowakei und Westungarn wurde seinerzeit der Begriff der hallstättischen "Kalenderbergkultur" (nach der befestigten Höhensiedlung auf dem Kalenderberg bei Mödling) geprägt. Dagegen teilte R. Pittioni die Hallstattkultur in Niederösterreich in zwei Zonen ein: im östlichen Weinviertel sah er seinen Typus "Bernhardsthal" und im restlichen Bundesland seinen Typus "Statzendorf-Gemeinlebarn". Er charakterisierte seine Regionalformen also nach Grabfunden (Hügelgräber von Bernhardsthal und Gemeinlebarn und Flachgräberfeld von Statzendorf). Die jüngere Forschung akzeptiert jedoch in verstärktem Ausmaße wieder die "Kalenderbergkultur".

In der Kalenderbergkultur ist also ein Nebeneinander von Hügelgräbern (= Tumuli) und Flachgräbern feststellbar. Allerdings wird man auch bei den "Flachgräbern" ursprünglich niedere Erdaufrfe annehmen dürfen, die sich jedoch im Laufe der Zeit völlig verflacht haben. Hinweise in dieser Richtung ergab die 1971-1978 vom BDA ergrabene bäuerliche Nekropole von Hohenau an der March, wo von mehreren hundert Beisetzungen vor einer drohenden Verbauung immerhin 220 Bestattungen gerettet werden konnten. Inmitten des Friedhofes kamen des weiteren insgesamt fünf von Kreisgräben umgebene Friedhofsheiligtümer zum Vorschein. Weitere erwähnenswerte Bestattungsplätze fanden sich bei Maiersch, Maissau, Roggendorf, Röschitz, Retz, Ravelsbach, Grafenwörth, Winkl bei Neustift, Rabensburg und Sierndorf an der March. Beim Vorherrschen der Brandbeisetzung nimmt im Laufe der Hallstattkultur der Prozentsatz der unverbrannt Begrabenen laufend zu. Bei Personen, die der Spitze des sozialen Gefüges angehörten, wurden über Grabkammem aus Holz oder Stein z. T. gewaltige Hügel aufgeschüttet. Der Tumulus von Großmugl (Hügel = Mugl, im Ortsnamen enthalten!) mit seiner noch heute erhaltenen Höhe von 16 m stellt den größten seiner Art in Österreich dar. Weitere Großgrabhügel befinden sich bei Großweikersdorf, Gaisruck, Niederfellabrunn, Niederhollabrunn, Pillichsdorf, Bullendorf, Rabensburg und Bernhardsthal.

Bei einer bäuerlichen Grundorientierung der Bevölkerung, die sich in einfachen dörflichen Siedlungsformen widerspiegelt (neben Wohnbauten auch eingetiefte Wirtschaftsobjekte und Speichergruben), sind verschiedene Konzentrationen feststehbar. Ballungsräume ergaben sich in der Horner Bucht, um Eggenburg, am Wagram zwischen Korneuburg und Krems und im Schmida-, Zaya- und Marchtal. Stellvertretend seien die Siedlungen von Roggendorf, Großweikersdorf, Asparn an der Zaya und das neuergrabene Unterparschenbrunn angeführt. Daneben sind künstlich adoptierte oder befestigte Höhensiedlungen feststellbar, etwa auf dem Praunsberg bei Niederfellabrunn, dem Steinberg bei Ernstbrunn und dem Saurüssel zwischen Erdberg und Bullendorf; auch ältere Wallburgen werden gerne weiterbenützt, wie jene von Stillfried an der March.

Abschließend sei noch auf einheimische Erzeugnisse des Kunsthandwerks verwiesen, die z. T. auch kultischen Charakter gehabt haben können, wie prunkvoll ausgestattete tönerne Feuerböcke ("Mondidole", größtes Objekt mit 73 cm Länge und 52 cm Höhe aus Großmugl), Großgeße mit figuralen Darstellungen (Frauenfiguren aus Maiersch oder Wagenfahrer aus Rabensburg) und zoomorphe Keramiken (herausragend das Stiergefäß von Rabensburg).

 

Weitere Seiten:
Hallstattkultur