E i n 1 e i t u n g. Vor einer Charakterisierung der einzelnen ur- und frühgeschichlichen Perioden und ihrer wichtigsten Fundstätten seien die beiden Epochen der Menschheitsgeschichte und auch der niederösterreichische Raum nördlich der Donau kurz umriissen:

Unter menschlicher Urzeit ist der unendlich lange Zeitraum vom ersten Auftreten des Menschen bis zum zeitlich und räumlich unterschiedlichen Beginn schriftlicher Nachrichten zu verstehen. Im afrikanisch-asiatischen Raum wurden die frühesten Menschenformen bereits vor 3 bis 5 Millionen Jahren nachgewiesen. Die ältesten Hinterlassenschaften des Menschen in Österreich stammen aus dem sogen. Moustérien (200.000 - 40.000 v. Chr.), dessen Träger der Neandertaler war. Die ältere Kulturgeschichte der Gudenushöhle bei Hartenstein im Kremstal kann möglicherweise noch dem Ende dieses Zeitabschnittes zugeordnet werden.

Die einzigen Quellen dieses Abschnitts der Menschheitsgeschichte ergeben sich demnach aus den bei Ausgrabungen gewonnenen Funden bzw. Fundbeobachtungen. Nach den Hauptwerkstoffen der Urzeit - Stein, Bronze und Eisen -, die in dieser zeitlichen Abfolge ausschließlich oder zumindest schwerpunktmäßig für die Werkzeug-, Waffen- und auch Schmuckprodukt:ion herangezogen wurden, ist es üblich geworden, von einer Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit zu sprechen. Diese Epochen können dann noch nach zeitlichen und geographischen Gesichtspunkten weiter untergliedert werden. Durch die Feststellung gemeinsamer Siedlungs-, Bestattungs-, Wirtschafts- und Gesellschaftsformen sowie geistiger Vorstellungen in einem geographischen Raum während einer bestimmten Zeitspanne kommt man zum urgeschichtlichen "Kulturbegriff", wobei Kulturen sowohl nach Fundorten, Fundgattungen als auch nach ihren Trägern (Völkern) bezeichnet werden.

Der Beginn schriftlicher Nachrichten, also die Grenze zwischen Ur- und Frühgeschichte, ist räumlich gesehen unterschiedlich anzusetzen: in Mesopotamien und in Ägypten mit 3000 v. Chr., in Griechenland um 800 v. Chr. und in Italien mit 500 v. Chr. Bei ihrem Eindringen in den Alpenraum 15 vor Christi Geburt brachten die Römer dann auch die Kenntnis der Schrift in unseren Raum.

Wenngleich der Bereich Niederösterreich nördlich der Donau nie dem Imperium Romanum einverleibt werden konnte und die Errichtung einer Provinz Markomannia Illusion blieb, so sind über diesen Raum genügend historische Quellen vorhanden, so dass auch hier der Zeitraum ab Christi Geburt bereits zur Frühgeschichte gezählt werden muss. Zur Rekonstruktion eines befriedigenden Geschichtsbildes reichen die Schriftzeugnisse jedoch nicht aus, so dass auch in der Frühgeschichte auf zusätzliche archäologische Befunde und Funde nicht verzichtet werden kann: Die so genannte Frühgeschichte umfasst demnach den Übergang zwischen der schriftlosen Urzeit und der sogen. literalen Geschichte, also dem jüngsten Zeitabschnitt mit ausreichenden schriftlichen Nachrichten. Sie umfasst die Römische Kaiserzeit (südlich der Donau) bzw. die Germanenzeit (nördlich der Donau; 1. - 4. Jh. n. Chr.) und das Frühmittelalter (5. Jh. n. Chr. bis 976/996). Abschließend sei jedoch erwähnt, dass archäologische Quellen auch noch im Hoch- und Spätmitteialter (Mittelalterarchäologie) und auch in der Neuzeit (z. B. Industriearchäologie) wertvolle Erkenntnisse bringen können.

Niederösterreich nördlich der Donau wird traditionell in das Viertel ober und unter dem Manhartsberg, das Wald- und Weinviertel, geteilt. Das Waldviertel war in der Ur- und Frühgeschichte bis zur Slawenzeit bzw. deutschen Kolonisation nur an seinem Ost- und Südrand dichter besiedelt. Reizpunkte waren die Abdachungen des Manhartsberges, das untere Kamptal, das Horner Becken, das Gebiet um Drosendorf, die Wachau und der Raum um Krems an der Donau; schwach dagegen wurde die Hochfläche des inneren Waldviertels aufgesucht. Gründe dafür können ungünstigere klimatische Verhältnisse und die dichte Bewaldung dargestellt haben. Während im Waldviertel Lößböden nur in der Wachau, im Kremser Raum und im Bereich des Manhartsberges vorkommen, ist das Weinviertel durch eine weitgehende Lößüberdeckung charakterisiert. Ausnahmen sind das Marchfeld, der Streifen zwischen Wagram und Donau und der Hügelzug, der sich vom Donauknie bei Korneuburg über die Kalkklippen der Leiserberge und Falkensteins hinzieht. Der in den Kaltphasen der Würmeiszeit vornehmlich von Westwinden abgelagerte Staub aus Moränen und Flussgeschieben ist seit jeher von den Ackerbau betreibenden Menschen bevorzugt worden.