S p ä t e   B r o n z e z e i t

(U r n e n f e l d e r k u l t u r : 1300/1250 - 800/750 v. Chr.)

Die späte Bronzezeit wird auch als "Urnenfelderkultur" bezeichnet, weil man ab dem 13. vorchristlichen Jahrhundert in Mitteleuropa fast ausnahmslos zur Brandbestattung überging. Die Toten wurden am Scheiterhaufen verbrannt und die übriggebliebenen Knochenstücke (= sogen. Leichenbrand) zumeist in Tonurnen beigesetzt. So entstanden im Laufe der Zeit "Urnenfelder"; neben der Urnenbestattung sind jedoch auch Brandschüttungs-, Brandgruben- und Bustumgräber üblich. Anhand der Grabfunde kann die Urnenfelderkultur in eine ältere und eine jüngere Stufe geteilt werden, wobei auf der einen Seite das Gräberfeld von Baierdorf (Stufe Baierdorf-Velatice; weitere Friedhöfe: Maiersch, Horn, Gaiselberg und Stillfried-Haspelwald), auf der anderen das von Stillfried an der March, Flur "In der Gans" (Stufe Podol-Stillfried, auch charakteristische Stillfrieder Bronzetasse; weitere Gräberfelder: Thunau-Schanze, Hadersdorf am Kamp, Langenlois, Eggenburg, Burgschleinitz, Straining, Fels am Wagram, Niederrußbach, Großenzersdorf und Baumgarten an der March) namengebend geworden ist.

Während die Erforschung der einfachen bäuerlichen Flachlandsiedlungen nachhinkt (z. B. Burgschleinitz), so wurden in jüngster Zeit mehrere Höhensiedlungen und Wallburgen systematisch ergraben. In der jüngeren Stufe häufen sich die großen Befestigungen, wie z. B. Stillfried an der March, die mit 23 Hektar Innenfläche die größte ihrer Art ist, die Holzwiese von Thunau und eine Wall- und Grabenanlage am Oberleiserberg. Das Innere diente nicht nur zur Aufnahme von Wohnbauten, sondern auch für die Errichtung von Werkstätten, Magazinen und Ställen. Wurden die Burgen früher immer mit kriegerischen Wirren und Bedrohungen in Verbindung gebracht, so sieht man in ihnen heute allgemein "geschützte Konzentrationsorte, an denen das politisch-soziale, wirtschaftliche und religiöse Leben der jeweiligen örtlichen Gemeinschaft bzw. des Siedlungsverbandes seinen sicheren Mittelpunkt fand". Interessant in diesem Zusammenhang sind die Deponierungen menschlicher Schädel (14jähriges Mädchen mit tödlichen Hiebverletzungen) und Skelettreste in Siedlungsgruben im Inneren und zwei Massenkörperbestattungen unter dem Wall der Stillfrieder Burg.

Charakteristisch für die Urnenfelderkultur sind auch Verwahrfunde, so das Keramikdepot aus einer Siedlungsgrube von Groß-Meiseldorf und die Metallhorte von Stillfried an der March (u. a. Pferdegeschirrbestandteile) und Herrnbaumgarten (Tüllenbeile, Sicheln, Rasiermesser, Armreifen, Ringe usw.). Der Aufschwung des Bronzehandwerks spiegelt sich im Aufblühen der Torentik (Bronzegefäße von Stillfried und Absberg, Beinschiene vom Teiritzberg usw.) und in der Produktion von Waffen (z. B. Schwertern usw.; werden ebenfalls mit Unruhezeiten in Verbindung gebracht) wider. Ein Töpferofen ist in Ravelsbach nachgewiesen worden.

Einen bedeutenden Hinweis auf die geistige Vorstellungswelt zur Zeit der älteren Stufe der Urnenfelderkultur stellt die sogen. "Frauenkröte" von Maissau dar. Diese Kröten-Kleinplastik aus Ton mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen kann mit Gedanken über Vorgänge der Fortpflanzung in Verbindung gebracht werden.