F r ü h e / m i t t l e r e   B r o n z e z e i t

(e i g e n t 1 i c h e   B r o n z e z e i t: 2300/2200 - 1300/1250 v. Chr.)

Die neue Epoche ist nicht von natürlichen Umweltveränderungen bedingt worden, sondern hängt von Umwälzungen auf technologisch-wirtschaftlicher Ebene ab: Schmuck, Waffen und Geräte werden nun ausBronze, einerLegierung von etwa 90 % Kupfer und 10 % Zinn, hergestellt. Die vorangehende Kupferzeit nimmt eine Übergangsstellung ein. Hinter den nun erstmalig auftretenden Fundgattungen steht ein tiefgreifender Umbau in wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereichen. Die frühe und mittlere Bronzezeit bilden trotz ihrer Unterschiede (so stehen die frühbronzezeitlichen flachen Erdgräber mit Hockerbestattungen den mittelbronzezeitlichen Hügelgräbern mit birituellen Beisetzungen gegenüber) als "eigentliche Bronzczeit" eine Einheit, von der die späte Bronzezeit, die Urnenfelderkultur, mit den ersten Eisennachweisen abgesetzt werden kann.

Die frühe Bronzezeit wird vorn Aufkommen und der Entwicklung der Metallurgie charakterisiert, einer Erscheinung, die im österreichischen Donauraum einigermaßen parallel vor sich geht, wobei jedoch durch verschiedene Naturräume, unterschiedliche Zugänge zu den Lagerstätten, weitreichende Verkehrswege und Anregungen von außen eine kulturelle Vielfalt entsteht. Das norddanubische Niederösterreich gehört zum Kernbercich der in Mitteleuropa weit verbreiteten Aunjetitzkultur, genauer zur mährisch-nordniederösterreichischen Gruppe der Aunjetitzkultur (benannt nach Unětice bei Prag). Sie entwickelt sich aus der Ragelsdorf-Oggau-Gruppe der Glockenbecherkultur und mündet am Übergang zur Mittelbronzezeit in der sogen. Větěrov-Kultur. Während das östliche Waldviertel und das Weinviertel zum kompakten Siedlungsgebiet der Aunjetitzkultur gehören, greift in der Wachau, im Kamptal (Burgstall von Schiltern) und im Raume Fels am Wagram die süddanubische Unterwölblinger Kulturgruppe vereinzelt über die Donau über.

Dass die frühbronzezeitlichen Bauern in kleineren dörflichen Ansiedlungen oder Gehöften lebten, steht außer Zweifel, doch die oberirdisch von Ständerbauten überdeckten oft mehrteiligen "Wohngruben" sind Fehlinterpretationen eingetiefter Wirtschaftobjekte oder Speichergruben (in Großrnugl, Schleinbach, Pulkau oder Jetzelsdorf). Wie neuere süddanubische Befunde gezeigt haben, wird auch im Bereich der Aunjetitzkultur mit geräumigen Wohnhäusern zu rechnen sein. Hinweise in dieser Richtung liefern auch kultisch genutzte Megaronhäuser mit Bestattungen unter dem Hauptraum in Fels am Wagram und Friebritz. Neuere Siedlungsgrabungen fanden in Großweikersdorf (zwei Stellen), Pulkau, Fels am Wagram, Schleinbach, Guttenbrunn und Poysbrunn statt. Ansiedlungen in der Niederung stehen solchen in Höhenlage gegenüber. Diese können außer einer natürlich günstigen Lage auch künstliche Bewehrungen aufweisen. Als unbefestigte Höhensiedlungen gelten im Bereich der Aunjetitzkultur Oberschoderlee und der Haslerberg bei Eichenbrunn  sowiie der Buhuberg bei Waidendorf und Großweikersdorf-Hausberg für die Větěrov-Kultur. Untersuchungen des Nö. Landesmuseums ergaben 1981/82 auf dem Michelsberg nordöstlich von Stockerau den Nachweis einer mit einem Doppelwall befestigten Höhenburg der Aunjetitzkultur. Auch im Zuge der Grabungen der Universität Wien ab 1976 am Oberleiserberg wurden Palisadenbewehrungen ab der Frühbronzezeit festgestellt.

Die Hauptkenntnis der Aunjetitzkultur stammt aus Grabfunden; außerhalb der Siedlungen wurden größere Friedhöfe angelegt: z. B. Roggendorf bei Eggendorf (zwei Gräberfelder), Zellerndorf, Straß im Straßertal, Schleinbach, Zwingendorf und Bernhardsthal. Die Aunjetitzkultur bevorzugt Körpergräber mit N-S-Orientierung; Männer und Frauen werden in rechter Hocklage mt dem Kopf nach Süden beigesetzt. Es wurden auch Holzsärge und Steinpackungen beobachtet. Dislozierungen von Skelettresten rühren von antikem Grabraub her. Einzelbestattung ist die gewöhnliche Beisetzungsart; in Schleinbach konnte eine Doppel- und eine Mehrfachbestattung beobachtet werden. Bei Kindern kommen auch Gefäßbeisetzungen (Pithosbestattungen, z. B. Hohenau an der March) vor. Angehörige von minder gestellten Gruppen können auch in Abfallgruben mit nur geringen Beigaben deponiert werden. Schädeltrepanationen wurden in Roggendorf-Kirchenbergheide und in Poysdorf nachgewiesen. Im ganzen Bereich der Aunjetitzkultur kamen Hortfunde zutage; diese können nur aus Barrenringen bestehen, aber auch andere Fundgruppen enthalten, wie Zierscheiben, Nadeln, Armspiralen und verzierte Blechmanschetten. An wichtigen Fundorten wären Neudorf bei Staatz, Patzmannsdorf, Ebersdorf an der Zaya, Bullendorf, Peigarten, Neuruppersdorf, Schrick (Neufund mit Armmanschetten), Wartberg, Pfaffstetten bei Ravelsbach und Königsberg bei Roggendorf zu nennen. Die Zeit an der Wende von der frühen zur mittleren Bronzezeit ist von einer eindrucksvollen wirtschaftlichen Konjunktur geprägt: qualitätvolle Keramiken und Bronzen sind Zeichen der Větěrov-Kultur.

Der Beginn der Mittelbronzezeit mit der sogen. Hügelgräberkultur stellt keinen Bruch, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung dar. Neben der Sitte, über einen Teil der Gräber Hügel aufzuhäufen (z. B. in Maiersch, Theras und Wimm), treten allmählich Brandbestattungen auf (birituelle Friedhöfe). Im Raum Niederösterreich ist die mitteldanubische Hügelgräberkultur vertreten, die in drei Zeithorizonte untergliedert werden kann: Stufe Mistelbach-Regelsbrunn (Astelbach: "Rollerfund" - Keramikdepotfund, weiters Wetzleinsdorf und Hohenau mit Gräbern), Stufe Pitten-Sieding und Maisbirbaum- Zohor-Kronstorf (Maisbirbaum: Keramikdepotfund; weitere in Schrattenberg und Großmugl). Der Raum nördlich der Donau wird durch ein starkes Nachleben der Větěrov-Kultur und intensive slowakische Einflüsse gekennzeichnet.