A l t s t e i n z e i t

(P a 1 ä o 1 i t h i k u m, mittlere und jüngere Stufe: 200.000 - 8000 v. Chr.)

Die jüngste geologische Formation, das Quartär, wird in das Pleistozän, das Eiszeitalter, und das Holozän, die etwa ab 10.000 v. Chr. beginnende geologische Gegenwart, geteilt. Der Mensch der Altsteinzeit lebte im Pleistozän; lediglich die Übergangsphase der Mittelsteinzeit (Mesolithikum, 8000 - 6000/5000 v. Chr.) stand am Anfang des Holozäns. Während des Eiszeitalters sanken die Jahresmittel der Temperaturen phasenweise ab; wesentlich in diesem Zusammenhang ist, dass es zu mehrfachem Wechsel von Kalt- und Warmphasen kam (sicher vier Glaziale: Günz, Mindel, Riß und Würm; wahrscheinlich noch mehr; dazwischen Interglaziale). Während der Kaltzeiten war der Alpenraum bis weit ins Vorland hinein vergletschert; Überreste der jeweiligen Zu- und Abnahmen der Gletscherbildungen sind Moränen und Flussterassen. Das Wald- und Weinviertel blieb dagegen weitgehend eisfrei. In den nicht vereisten Zonen, die mit baumloser Kältesteppe bedeckt waren, wurde vom Wind freier Sand als Löß abgelagert. Überreste der Warmzeiten sind die sogen. Verlehmungszonen, rötlich-braune Bänder, in den mächtigen Lößablagerungen (z. B. Paudorfer, Göttweiger und Kremser Verlehmungszonen).

In der Altsteinzeit verwendete der noch unstet als Wildbeuter und Sammler lebende Mensch vorerst Gerölle, später hauptsächlich Feuersteine zur Herstellung seiner Gerätschaften. Die Feuersteinknollen wurden anfänglich selbst zum Werkzeug zugerichtet (Kerntechnik) oder sie wurden gezielt in Teile gespalten (Spalttechnik), wobei in der Folge die Abschläge zu differenzierten Geräten weiterverarbeitet wurden. Das Ende dieser Entwicklung stellen relativ kleine, z. T. geometrische Steingeräte, sogen. Mikrolithen, dar. Als Jäger bevorzugte der Mensch das in den entsprechenden Phasen lebende Großwild. Der im letzten Interglazial lebende Neandertaler jagte die entsprechenden Warmtiere, aber auch den Höh- lenbären. Während der Yaltzeiten des letzten Glazials, des Würm, treten dann kälteliebende Tiere, insbesondere das Mammut, als Jagdbeute in den Vordergrund. Entsprechende Mammutknochen- und -zahnfunde auch innerhalb der Jagdstationen belegen dies eindrucksvoll. Als früheste Spuren der Anwesenheit des Menschen (Neandertalers) in (Nord-)Niederösterreich werden traditionell Objekte angesehen, die einer untersten Kulturschichte der Gudenushöhle unterhalb der Burg Hartenstein im Kremstal zugeordnet werden. Breite Abschlagklingen mit ein- und zweiseitiger Zurichtung hätten demnach noch mittelpaläolithischen mustéroiden Charakter. Ähnlich frühe Belege könnten auch aus der neugegrabenen nahegelegenen Teufelsrast-Höhle oder aus der Teufels- oder Fuchsenlucke am NW-Hang des Königsberges bei Roggendorf vorliegen.

Die wesentlichen jungpaläolithischen (Schmal-)Klingenkulturen (40.000-8000, Träger nun Homo sapiens fossilis) werden ebenfalls nach französischen Fundorten benannt: Aurignacien, Gravettien und Magdalénien. Die mit der Jagd aus engste in Verbindung stehenden Freilandstationen finden sich in der Wachau, im Raume Krems, im Kamptal und auch im Weinviertel; aber auch Höhlen (z. B. die Gudenushöhle) und Abris (= Halbhöhlen, z. B. Spitz-Mießlingtal, hier 1896 verloren gegangener Skelettfund) werden weiter aufgesucht. - Dem Aurignacien gehören die Stationen von Krems-Hundsteig (beim Bau der Donau-Uferbahn Ende 19. Jh. zerstört), die unteren Schichten von Willendorf II, von Senftenberg, von Großweikersdorf und neuerdings auch jene ausgedehnte von Stratzing an. Auf das mitteleuropäische Aurignacien folgte dann in Niederösterreich das Gravettien, das durch seine an einer Längseite abgestumpften Spitzen und Klingen charakterisiert wird. Zahlreich sind hier die Nachweise wie Aggsbach, Willendorf II (Schichten 5-9), Spitz-Mießlingtal und Spitz-Singerriedl, Krems-Wachtberg, Gruebgraben-Kammern, Langenlois, Kamegg und Stillfried (hier jüngst ein Steinschlägeratelier nachgewiesen). Der 9. Kulturschicht von Willendorf (etwa 26.000 v. Chr.) wird das bekannteste altsteinzeitliche Kunstwerk Österreichs, die Venus von Willendorf, zugeordnet. Sie kam bei Grabungen im Zuge des Baues der Wachaubahn am 7. August 1908 zum Vorschein. Die 11 cm große Kalksteinstatuette mit telresten stellt eine fettleibige Frau dar. Die obere Kulturschicht der Gudenushöhte wird zuletzt bereits dem Magdanien zugezählt. Unter den charakteristischen Stein- und Knochenwerkzeugen ragt eine Adlerulna hervor, die eine Ritzzeichnung eines Rentieres aufweist.

Zwischen Alt- und Jungsteinzeit kann eine Übergangsphase ausgegliedert werden, die mit der Wende Pleistozän-Holozän beginnt und mit dem Einsetzen bäuerlicher Lebensweise endet. Es handelt sich hiebei um die sogen. Mittelsteinzeit ("Mesolithikum", 8000 - 6000/ 5000 v. Chr.). Nach einem Tempaturanstieg und dem Rückzug der Gletscher starben die eiszeitlichen Großsäuger aus, und der Wald breitete sich aus. Dies bewirkte Bevölkerungsverschiebungen und Veränderungen der Lebensgrundlagen der Menschen. Langsam ging man zur Nahrungsmittelerzeugung über. Neben großen Beilformen zur Holzbearbeitung sind dafür besonders Miniaturgeräte aus Feuerstein ("Mikrolithen") charakteristisch. An Fundorten wären der Galgenberg bei Horn, Kamegg, der Mühlberg bei Limberg, Burgschleinitz, der Bisamberg und Ebendorf bei Mistelbach hervorzuheben. Die zeitliche Einordnung des sogen. "Plateaulehmpaläolithikums" im Raum Drosendorf ist dagegen bis heute ungeklärt.