S l a w e n - ,   K a r o l i n g e r -   u n d   M a g y a r e n z e i t   (9.Jh.-976/996)

Zu Ende des 8. Jhs. wurden im niederösterreichischen Donauraum Friedhöfe angelegt, die einer neu aus Nordosten und Norden eingedrungenen slawischen Bevölkerung zuzurechnen sind. Halbeingetiefte Wohnbauten aus Poigen und Bisamberg sind hierherzustehen. Im 9. Jh. werden im Wald- und im angrenzenden Mühlviertel Gruppen von kleineren, mit Steinen umstellten Grabhügeln angelegt, die heute jedoch nur mehr von sehr geringer Höhe sind: Reichenbach bei Litschau, Irnfritz, Messern, Staningersdorf, Heidenstatt bei Limberg, Thunau-Schanze und Schiltern. Die Toten werden in in den Fels eingearbeiteten Schächten beigesetzt. Genauere Befunde in dieser Richtung ergab jüngst die Untersuchung von 54 der 56 Grabhügel von Wimm bei Maria Taferl. Im Weinviertel sind dagegen Dorffriedhöfe bekannt geworden, die in unregelmäßigen Reihen angelegt sind, wie in Bernhardsthal, Rabensburg, Hohenau, Klein-Schweinbarth, Laa an der Thaya, Herrenbaumgarten, Altenmarkt im Thale, Zistersdorf, Zellerndorf und Baumgarten an der March. Aus dem Gräberfeld von Bernhardsthal stammt ein Bleikreuz, weiches als Taufgeschenk der bairischen (vorcyrillo-methodianischen) Mission angesehen werden kann. Gußidente Stücke wurden auf der Schanze von Thunau, in Dolni-Vestonice und in Mikulcice (letztere beide in Mähren) gefunden. Als weiterer Beleg für diese frühe bairische Missionstätigkeit ist auch der Grundriss der 1986 auf der Schanze von Thunau ausgegrabenen karolingischen Kirche (Rechteckbau mit halbkreisförmiger Apsis) zu sehen.

Zu Beginn des 9. Jhs. entstand mit dem Zentralort Mikulcice das "regnum Moravorum" (= das sogen. "Großmährische Reich"), das gegen Ende des Jahrhunderts seine größte Ausdehnung erreichte, wobei dann auch ein Großteil des Weinviertels hinzugehörte. Ein kleinerer eigenständiger Herrschaftsbezirk existierte am Ostrand des großen Nordwalds mit einer Burganlage auf einem Höhenrücken der "Holzwiese und Schanze" von Gars-Thunau als Zentrum. Eine erste unbefestigte Dorfsiedlung wurde hier in der 1. Hälfte des 9. Jhs. mit einer Holz-Erde-Mauer umgeben, die in der 2. Hälfte des Jahrhunderts erneuert und vergrößert wurde. Die neue Mauer, die außen mit Granulitplatten verblendet war, hatte eine Länge von gut 2000 m und besaß zumindest zwei Tore mit Türmen (Südtor heute rekonstruiert). Das kleine eigenständige Fürstentum im Kamptal überlebte den Zusammenbruch des Mährerreiches in den ersten Jahren des 10. Jhs. und wurde erst zur Mitte des 11. Jhs. von den Babenbergern vernichtet.

Im Laufe der 2. Hälfte des 9. Jhs. wurden die alten heidnischen Dorfriedhöfe nicht mehr weiter belegt. Als Folge der Christianisierung und Schaffung einer Pfarrorganisation kommt es von Westen nach Osten fortschreitend zur Anlage neuer Begräbnisstätten um Kirchen. Im Donauraum wurde diese Entwicklung durch die Ungarneinfälle ab 900 unterbrochen (Vordringen der Magyaren über Enns bis Bayern). Nach der Vernichtung eines bayrischen Heerbannes bei Preßburg 907 musste die fränkische Reichsgrenze bis zur Enns zurückgenommen werden. In der 1. Hälfte des 10. Jhs. entstand auf dem Oberleiserberg eine erste Kirche, um die sich zahlreiche noch schmuckführende Gräber (besonders Schläfenringe) fanden. Vereinzelt deuten einige Objekte, so z. B. kleine eiserne Pfeilspitzen, eine Anwesenheit ungarischer Krieger auch in norddanubischen Gebieten Niederösterreichs an (Fundorte z. B. Thunau-Schanze und Oberleiserberg).

955 gelang es Otto I., die Ungarn am Lechfeld bei Augsburg entscheidend zu schlagen; hernach begann die Rückgewinnung der Ostlande. 976 wird der Babenberger Luitpold I. mit der neugeschaffenen Ostmark belohnt. Doch erst der Sieg des Bayernherzogs Heinrich im Jahre 991 hat auch die Angliederung des Gebietes bis zur Thaya und March zur Folge. Zwischen 1 000 und 1060 erfolgte die Neukolonisierung des Wald- und Weinviertels, wobei prähistorische Wallburgen als Stützpunkte adoptiert wurden (so z. B. Stillfried an der March).

996 wird erstmals der Name Ostarrichi für Bereiche der Ostmark verwendet. Die neuen Landesherren richteten in der Folge im 11. und insbesondere im 12. Jh. systematisch Burgbezirke ein, die von Ministerialen verwaltet wurden. Als Sitze dieser kleinadeligen Dienstleute fungierten die sogen. Hausberge, die im Wein- und Waldviertel auch heute noch in großer Zahl erhalten sind, z. B. Kühnring, Stronegg und Gaiselberg. Bei den Hausbergen handelt es sich um künstlich aufgeworfene oder aus dem Gelände geschnittene Erdunterbauten in Kegelstumpfform für die sogen. Festen Häuser (das sind Türme oder Kleinburgen aus Holz oder Stein). Die Kernwerke sind zumeist von Wällen, Gräben und Palisadenzäunen sowie von Vorwerken geschützt.