D i e   A w a r e n   u n d   d i e   f r ü h e n   S l a w e n   (7. und 8. Jh.)

Die aus Innerasien stammenden zopftragenden Awaren, ursprünglich Nomaden und Reiterkrieger, begannen 567/68 mit der Einwanderung ins Karpatenbecken. Sehr bald drangen sie weiter nach Westen vor, und die Landnahme erfasste um 600 auch das Burgenland, Wien und Teile Niederösterreichs. Im 7. Jh. existierten im österreichischen Donauraum zwei Siedlungsbereiche: im Westen bis zur Enns das Herzogtum Bayern und im Osten bis zum Waldviertel das awarische Reich. Während die Zone zwischen Wienerwald und Enns weitgehend siedlungsfrei blieb, ließen sich Awaren im 8. Jh. vereinzelt nördlich der Donau nieder: vereinzelte Streufunde bis in den Horner Raum und das Gräberfeld im Bereich des heutigen Mistelbacher Krankenhauses sind Belege dafur. Die Awaren, die von den Franken als ständige östliche Bedrohung angesehen wurden, wurden in mehreren Kriegszügen zwischen 791 und 803 unter Karl dem Großen niedergeworfen und ihre Reste in ein Reservat zwischen Carnuntum und Savaria (Steinamanger) zurückgedrängt. Der gesamte österreichische Donauraum geriet damit unter karolingische Oberhoheit; fränkische und bajuwarische Siedlungstätigkeit setzte nunmehr ein, obwohl eine slawische Bevölkerung vorherrschte.

Woher kamen die im 9. Jahrhundert in Niederösterreich lebenden Siawen? Für die systematische Ausplünderung langobardischer Gräberfelder v. a. in Nordniederösterreich werden bereits erste slawische Siedler verantwortlich gemacht, mit deren Anwesenheit demnach bereits ab der Mitte des 6. Jhs. gerechnet werden muss. Die realen Belege für diese Annahme sind zur Zeit jedoch noch äußerst spärlich gesät: so eine Urnenbeisetzung in einem Beraubungsschacht eines Grabes im langobardischen Friedhof von Rohrendorf bei Krems und vereinzelte weitere frühslawische Brandgräber mit Urnen vom sogen. Prager Typus in Stein an der Donau, Poysdorf und Hohenau an der March. Entsprechende zeitgleiche Siedlungsreste sind aus dem angrenzenden Mähren bekannt; es handelt sich um kleine rechteckige eingetiefte Hütten.

Fränkische Quellen berichten in der Folge, dass es 623/24 einem gewissen Samo, einem als Kaufmann getarnten Franken, gelungen sei, verschiedene slawische Stammesgruppen, die unter awarischer Oberhoheit standen, gegen ihre Unterdrücker zu einen und aufzubringen. Dieses Reich des Samo existierte bis zu seinem Tode 658. Sein Mittelpunkt lag wohl im Raum des mährischen Mikulcice; Teile von Nordostniederösterreich dürften hinzugehört haben. Nach dem Tode Samos verlor das Gefüge jedoch sehr rasch an Bedeutung.