Besiedlung - Stand um 1220

Besiedlungsgang - Stand um 1220

Im letzten Besiedlungsvorstoß, der von den Kuenringern von ihrem Stammsitz Weitra aus durchgeführt wurde, wurden das obere Lainsitztal sowie die Gebiete westlich von Weitra bis zur heutigen Staatsgrenze kolonisiert.
Bei dieser Besiedlung wurde nur mehr das Hufensystem angewandt. Siedlungsformen sind, wie wir gesehen haben, Entwicklungsformen, auch Zeiterscheinungen. Im 13. Jahrhundert wurde nur mehr nach dem "neuesten" Siedlungs- und Flursystem - dem Hufensystem - kolonisiert. Die Weiterentwicklung vom Zeilendorf zur Reihensiedlung erfolgte in erster Linie durch eine Verbreiterung der Besitzstreifen, durch die Übernahme des Waldhufensystems. Nach diesem Flurmodell hat jede Hofstelle im Normalfall nur einen hofanschließenden Besitzstreifen und nicht drei Anteile oder Besitzstreifen nach dem System der Gewannflur, einem genossenschaftlichen System mit Flurzwang und Anteil der Allmende. Ein individualistisches System hat das genossenschaftliche System abgelöst. Im Hufensystem stehen die Gehöfte linear gereiht am Beginn der Besitzstreifen in einer Muldenlage, auch eine Mittellage innerhalb der Streifen ist möglich (besonders im Mühlviertel ist diese Form verbreitet).
Die Hufenstreifen im Stadium der Hochform weisen eine Normalbreite, die zwischen 80 und 139 m liegt, und eine Länge von 1068 bis 2407 m auf. Durch die Anlage einer zweiten Gehöftenreihe in der Sachmulde ergibt sich die Ausbildung einer Doppelreihensiedlung oder Waldhufensiedlung.

 

Damit ist die Besiedlung des Waldviertels im Mittelalter abgeschlossen. Noch im Mittelalter erfolgte eine Binnenkolonisation in den einzelnen "Freiheiten" oder Gemarkungen. Dadurch wurde das Ackerland der Ursiedlung durch Rodungen der Allmende erweitert. Auch durch die Ansiedlung von adeligen Grundherren und die Errichtung von herrschaftlichen Gütern erfuhren die bäuerlichen Flurstrukturen und die Siedlungen größere Veränderungen.

In dieser Zeit kam es zur Ausbildung einer bäuerlichen Sozialstruktur mit Ganzlehnern, Dreiviertellehnern, Halblehnern, Viertellehnern, Inwohnern, Häuslern und Kleinhäuslern, die im wesentlichen bis zur Aufhebung der Grundherrschaft im Jahre 1848 bestand.

Die x-förmig umrandeten Gebiete am Plan (Stand um 1220) bleiben bis in die Neuzeit Waldgebiete. Es sind dies fünf Landschaften: der Horner Wald; westlich von Zwettl um Rosenau; der Brudendorfer Wald bei Langschlag; dann der Wald bei Reinberg-Litschau und der Weinsberger Wald. Die ersten vier Waldgebiete wurden im 17. Jahrhundert in der Form einer kleinfeldrigen Einödblockflur gerodet. Das Streusiedlungsgebiet des Horner Waldes ist in der Form von "Ämtern" aufgeteilt. Insgesamt gibt es 13 Ämter (Gföhler Amt, Eisenberger Amt, Wolfshofer Amt u. a.). Das zweite Verbreitungsgebiet liegt 10 km westlich von Zwettl im Herrschaftsbereich des Schlosses Rosenau. Die Bauernhöfe der fünf Gemarkungen in diesem Raum werden "Waldhäuser" genannt ("Neustifter Waldhäuser"), jene im Brudendorfer Wald werden "Brudendorfer Waldhäuser", "Langschlager Waldhäuser" u. a. genannt. Die Gemarkungen im Raume Litschau tragen die Namen "Litschauer Reinberg" oder "Heidenreichsteiner Reinberg". Diese kleinbäuerlichen Landwirtschaften wurden durchwegs als Nebenerwerbsbetriebe gestiftet. Im Haupterwerb dienten deren Bewohner den Herrschaften als Holzarbeiter, als Arbeiter in der Glaserzeugung, oder sie erzeugten landwirtschaftliche Holzgeräte. 

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