Bereitungsbuch von 1590/91

Das Bereitungsbuch verdankt seine Entstehung einem wichtigen steuergeschichtlichen Ereignis in Niederösterreich, nämlich der Einführung des Hausguldens.

Da das Steueraufkommen der Landschaft aufgrund des bestehenden Gültsystems nicht mehr ausreichte, wurde nach Fehlschlag einiger Projekte - z. B. der Einführung einer Leibsteuer - auf dem Herbstlandtag 1583 beschlossen, für jedes aufrechte Untertanenhaus pro Jahr 1 fl einzuheben.

Die neue Steuer erfüllte nicht die in sie gesetzten Erwartungen, da zur Einhebung keine brauchbaren Unterlagen zur Verfügung standen, und das System der Selbsteinschätzung sich als wenig zielführend erwies.

Auf dem Landtag von 1590 wurde daher der Entschluss gefasst, eine Bereitung - d. h. eine Häuserzahlung - des gesamten Landes Niederösterreich durchzuführen.

Der Bereiter: Hans Zölcher
Mit der Durchführung der Bereitung der beiden Landesvierteln nördlich der Donau wurde der aus Dürnkrut stammende Hans Zölcher betraut. Zölcher war "Steuerhandtler" - zu seinen Aufgaben zählte die Erhebung und Einhebung von Steuern - und besaß in Dürnkrut eine Landwirtschaft. Von den Ständen erhielt er eine Instruktion, die ihn über seine Aufgaben informierte, und ein "General"-Schreiben, die ihn als Beauftragten der Ständen auswies.

Aufzeichnungen aus dem Bereitungsbuch:

Immenschlag
Kloster Perneckh dorffobrigkeith ... 14 Hauß  - Bild

Zwettlern
Kloster Zwettl obrigkeith ... 31 Hauß - Bild

Gaistan
Kloster Gaistern obrigkeith ... 31 Hauß - Bild

Garolden
H: Sigmund von Puechaimb zu Dobersberg sambt einer mühl obrigkeith ... 6 Hauß - Bild

Motten
Hector von Sonnedorffer gen Ilmau dorffobrigkeith ... 17 Hauß - Bild

Weissenbach
Jeremias Pueger daselbst obrigkeith ... 14 Haus - Bild

Ruderß
Jeremiaß Pueger gen Weissenbach dorffobrigkeith ... 11 Hauß - Bild
Mer ein ödts.



Die folgenden näheren Hinweise stammen aus

"Das Viertel ober dem Manhartsberg im Spiegel des Bereitungsbuches von 1590/91" 

Dissertation von Anton Eggendorfer (Wien, 1974).



Kloster Pernegg - Bild

Prämonstratenser-Chorherrn, Prälatenstand.
In Pernegg wurde 1155 ein Prämonstratenser-Frauenkloster errichtet (gestiftet um 1155 von Ulrich II. von Pernegg). Der Nonnenkonvent starb 1585 aus; das Kloster wurde von den Chorherrn aus Geras neu besiedelt und blieb bis 1644 eine von Geras abhängige Propstei. Das Kloster wurde von Kaiser Josef II. am 7.9.1793 aufgehoben.
Lage des Klosters: in der leichtbefestigten Marktsiedlung Pernegg; Kirche, Karner, Pfarrhof und Klostergebäude bildeten eine von Wall und Graben umgebene Anlage. Pernegg galt nicht als Zufluchtsort und war "gen Drosendorf verordnet".

Ortsobrigkeit
:

Lehndorf
Etzelsreith
Nödersdorf
Raisdorf
Ludweishofen
Nondorf a. d. Wild
Ziernreith
Immenschlag

Untertänige Häuser:

Lehndorf - 13 Häuser
Etzelsreith - 11 Häuser
Nödersdorf - 20 Häuser
Raisdorf - 28 Häuser
Zissersdorf - 3 Häuser
Schirmannsreith - 2 Häuser
Sieghartsreith - 5 Häuser
Harth - 5 Häuser
Ludweishofen - 9 Häuser
Trabenreith - 1 Haus
Nondorf a. d. Wild - 17 Häuser
Kleinulrichschlag - 2 Häuser
Japons - 11 Häuser
Schweinburg - 1 Haus
Ziernreith - 12 Häuser
Diemschlag - 2 Häuser
Immenschlag - 14   Häuser

Gesamtbesitz der Klosterherrschaft Pernegg im Viertel ober dem Manhartsberg: 156 Häuser in 17 Orten, Ortsobrigkeit in 8 Siedlungen.

Am 23.3.1692 kaufte Josef von Lamberg vom Kloster Pernegg das Dorf Immenschlag.

Stift Zwettl - Bild

Zisterzienser, Prälatenstand. Vogtherr war der Landesfürst.
Begründet 1138 von Hadmar I. von Kuenring.
Lage des Stiftes: an einer Kampschleife unweit der befestigten Stadt Zwettl. Seit 1471 war das Stift mit Mauern, Türmen und Gräben versehen. Ende des 16. Jhd. verstärkte Abt Ulrich Hackl durch eine Zinnenmauer und eine Bastion diese Befestigungen.
Gesamtbesitz des Stiftes Zwettl im Waldviertel: 1.185 Häuser in 97 Orten, Ortsobrigkeit in 44 Siedlungen. Auch in Klein Zwettl hatte das Stift die Ortsobrigkeit und 31 untertänige Häuser.

Herrschaft Dobersberg - Bild

Besitzer: Geschlecht der Puchheim; Herrenstand.
Die Puchheimer besaßen Dobersberg von 1358 bis Ende 16. Jhd. Die Herrschaft ging wegen der Verschuldung Siegmunds von Puchheim durch Exekution verloren und kam an die Fernberger.
Lage von Schloss Dobersberg: am Rande der unbefestigten gleichnamigen Marktsiedlung. Um ca. 1570 errichtete Siegmund von Puchheim das Schloss.

Ortsobrigkeit:

Merkengersch
Schellingshof
Riegers
Schuppertholz
Lexnitz
Hohenau
Dobersberg
Großharmanns
Kleinharmanns
Garolden
Triglas
Pleßberg
Reibers

Untertänige Häuser:

Merkengersch - 26 Häuser
Schellingshof - 2 Häuser und 1 Hof der Herrschaft (Dominikalbesitz), errichtet auf den Gründen von 12 abgestifteten Holden
Riegers - 21 Häuser und 2 Brandstätten
Schuppertholz - 17 Häuser und 1 Mühle
Lexnitz - 17 Häuser
Hohenau - 26 Häuser
Dobersberg - 32 Häuser und 1 Mühle
Großharmanns - 10 Häuser
Kleinharmanns - 4 Häuser
Garolden - 5 Häuser und 1 Mühle
Triglas - 7 Häuser
Pleßberg - 22 Häuser
Tiefenbach - 1 Haus
Reibers - 25 Häuser;
insgesamt 215 Häuser, 3 Mühlen, 2 Brandstätten und 1 Hof


Besitz von Siegmund von Puchheim im Waldviertel: 221 Häuser in 14 Ort, Ortsobrigkeit in 13 Siedlungen.

 

Weißenbach - Bild

Besitzer: Familie Peuger zu Reitzenschlag; Ritterstand.

1494 wurde Hans Peuger von Kaiser Maximilian I. neben Reitzenschlag, Waldreichs und Rudolf auch mit Weißenbach belehnt. Über hundert Jahre besaßen die Peuger das kleine Gut. 1624 scheint aber bereist Hans Frh. von Montrichier als Besitzer von Weißenbach auf.
Lage des Schlosses: innerhalb des gleichnamigen Ortes. 1556 wurde Weißenbach zum Fluchtort bestimmt.

1577 kaufte Wenzel Peuger das kleine Gut Schandachen von Josef Gröbl v. Gröben und vereinigte es mit Weißenbach. Das Bereitungsbuch nennt als Besitzer der beiden Güter Jeremias Peuger. Am 11.9.1609 wurde Hans Wenzel Peuger mit Weißenbach und am 19.6.1914 mit Schandachen an die Gült geschrieben. 1622 veräußerte er seine Besitz an Johann Ernst von Montrichier, der diesem 1628 an Alexander Druckmüller weiterverkaufte. Nach dessen Tod folgte Siegmund (Simon) Druckmüller, der 1639 von Kaiser Ferdinand III. mit den beiden Gütern belehnt wurde. 1658 erhielt Dominikus Rudolf Druckmüller für sich und seine Brüder Ferdinand Georg und Maximilian Tobias den Lehensbrief von Kaiser Leopold I. Ab 1667 war Dominik Rudolf Alleinbesitzer von Schandachen und Weißenbach. 1706 gingen die beiden Güter an Philipp Jakob von Unkhrechtsberg über.
Gut Weißenbach: Ortsobrigkeit in Weißenbach, Ruders und Schandachen

Ortsobrigkeit:

Weißenbach
Ruders
Schandachen

Untertänige Häuser:

Triglas - 1 Haus
Weißenbach - 14 Häuser und 8 Öden
Ruders - 11 Häuser und 1 Öde
Schandachen - 15 Häuser

Besitz der Peuger im Waldviertel: 41 Häuser und 9 Öden in 4 Orten, Ortsobrigkeit in 3 Siedlungen


Hektor von Sonderndorf - Bild

Das bei Siebmacher angegebene Todesdatum Hektors (21.3.1606) kann nicht richtig sein, da noch eine urkundliche Nennung existiert. Am 22.8.1607 ersuchte der Verwalter der Herrschaft Weitra, Georg Schwarzmann, Hektor und Paris von Sonderndorf, bei der Einantwortung der Herrschaft Weitra an den Grafen Friedrich von Fürstenberg anwesend zu sein.
1586 erwarben die Sonderndorf von Pilgram von Puchheim die Herrschaft Illmau.
Gesamtbesitz der Sonderndorf im Waldviertel: 766 Häuser und 1 Vogtholde in 51 Orten, Ortsobrigkeit in 30 Siedlungen.

Herrschaft Illmau

Ortsobrigkeit:

Klein Gerharts
Illmau
Kautzen
Engelbrechts
Klein Motten
Vysne (Weißenbach - 1920 an die Tschechoslowakei abgetreten)
Nakolice (Naglitz - 1920 an die Tschechoslowakei abgetreten)

Untertänige Häuser:

Klein Gerharts - 13 Häuser
Tiefenbach - 1 Haus
Illmau - 42 Häuser und 3 "neugebaute heusl"
Kautzen - 20 Häuser
Engelbrechts - 33 Häuser
Klein Motten - 17 Häuser
Wurmbrand - 2 Häuser
Lembach - 12 Häuser
Reinpolz - 1 Haus
Vysne - 30 Häuser
Nakolice - 24 Häuser
insgesamt 195 Häuser und 3 Neubauten, Ortsobrigkeit in 7 Siedlungen


Stift Garsten
  - Bild

Benediktinerabtei in OÖ

Ortsobrigkeit:

Gastern

Untertänige Häuser:

Altpölla - 1 Haus ("Kloster Steuer Gaistn in Gaistnhof Crembß")
Gastern - 31 Häuser
Nondorf - 1 Haus

Besitz des Stiftes Garsten im Waldviertel: 33 Häuser in 3 Orten, Ortsobrigkeit in 1 Siedlung


Pfarre Thaya

Lehenspfarre des Domkapitels in Passau.

Pfarrer Leopold Altschäffel (katholisch): Altschäffel betreute die Pfarre von 1571 - 1593. Er war auch Mitglied der Marienbruderschaft in Weitra. Die Visitatoren stellten 1590 zwar fest, dass er Konkubinarier sei, lobten aber, dass er alles katholisch halte.

Untertänige Häuser:

Groß Gerharts - 1 Haus  ("Pfarherr gen Deya")

 

up.gif (223 Byte)