Die Bauernkriege im Wald- und Mühlviertel

Auszüge aus der Artikelreihe von Dr. Heinrich Rauscher - erschienen im "Der Waldviertler Pionier" - Jahrgang 1932 und 1933

Anmerkung: Es sind nur die Teile, die für das Waldviertel wesentlich sind, angeführt.


Einleitung

Eines der traurigsten Kapitel in der langen und schicksalsreichen Geschichte unseres Vaterlandes sind die Bauernkriege des 16. und 17. Jahrhundert. Wenn schon Kriege mit fremden Gegner über ein Land unsäglich viel Not, Blut und Tränen bringen, so bringt ein Bürgerkrieg doppeltes Elend. Die Bauernkriege waren solche verderbliche Kriege, denn es erhoben sich die Untertanen gegen ihre adeligen und geistlichen Grundherren, um sich aus ihrer bedrückten Lage zu befreien. Solche Bauernaufstände ereigneten sich in unseren Gebieten dreimal, nämlich in den Jahren  1525, 1595 bis 1597 und 1626.

Wir können uns bei unserer Darstellung nicht darauf beschränken, einfach den Verlauf der drei Aufstände darzustellen, sondern wir müssen auch darlegen, warum es dazu gekommen ist. Daher ergibt sich die Notwendigkeit, weiter zurückzugreifen und den Ereignissen eine kurze Entwicklung des Bauern- und Herrenstandes und ihres gegenseitigen Verhältnisses vorauszuschicken.

Die Besiedlung des Mühl- und Waldviertels

Vor rund tausend Jahren kam unser Gebiet unter die deutsche Herrschaft. Die deutschen Kaiser übergaben große Gebiete  an Bischöfe, Klöster und Adelige. Diese wieder gaben kleine Gebiete ihren Eigenleuten oder zugewanderten freien Bauern und solchen, die man bei Besitznahme des Landes vorfand, zur Urbarmachung  und Bebauung. Zunächst bevorzugte man ebene Lagen, aber um 1050 begann man auch in die Waldgebiete nördlich der Donau einzudringen. Bis ins 13. Jahrhundert hinein hatte man mit Axt, Beil und Feuer den Nordwald des Waldviertels in Kulturland verwandelt. Von dieser Rodungstätigkeiten geben noch die Ortsnamen, welche mit -schlag, -reith, -brand und -gschwendt endigen, Zeugnis. Bedeutende Geschlechter, die sich um die Urbarmachung des Waldviertels verdient machten, war unter anderen die Babenberger und Kuenringer, von den Klöstern besonders Zwettl.

Bischöfe, Klöster und Adel gaben, wie gesagt, leihweise kleinere Grundausmaße ab, wofür die Beteilten in ein Abhängigkeitsverhältnis gerieten; sie mussten ihrem Grundherrn Zins zahlen, Naturalien abliefern und für ihn auf dem Grund, den er sich zur eigenen Bewirtschaftung zurückbehalten hatte, Arbeiten verrichten.

Die Bauern von damals waren durchaus kein einheitlicher Stand. Es gab drei rechtlich ganz verschiedene Gruppen:

  1. Freie Bauern, die jährlich nur einen kleinen Geldzins zahlten, im übrigen aber vollständig frei waren; ihre Zahl war nie gar groß. Sie hießen auch "Liberi" oder "Censuales".
  2. Die sogenannten "Coloni" (Kolonen) hatte vom Grundherrn ein Hube oder ein Lehen (etwa  30 Joch groß) auf Lebensdauer oder in Erbpacht erhalten und mussten dafür Geld, Naturalien und Robot leisten. Sie waren zwar persönlich frei, waren aber an  Grund und Boden gebunden. Ging  ein Grund im den Besitz eines anderen Herrn über, so wurden die Coloni auch zugleich verkauf.
  3. Die Unfreien, Eigenleute oder Hörigen waren von Geburt an unfrei. Sie mussten Zins, Fronden und Abgaben leisten. Sie galten als Zubehör zum Boden wie irgend eine Sache, könnten zu ungemessener Robot verpflichtet, verkauft, verschenkt oder vererbt werden und könnten kein eigenes Vermögen erwerben. Es gab überdies noch Unfreie ohne Grund und Boden, die am Herrenhof zu jeder Dienstleistung verwendet werden konnten. Diese dritte Gruppe, die also völlig unter der Gewalt der Herren stand und eigentlich ein Sklavenstand war, war zahlenmäßig am stärksten

Allmählich aber verschmolzen der erste und dritte Gruppe immer mehr mit der zweiten. Die freien Bauern begaben sich freiwillig in die Schutzherrschaft eines Mächtigeren, um den kostspieligen Herrbann zu entgehen und in unruhigen Zeiten mehr Schutzen zu genießen; sie opferten ihre Freiheit, indem sie ihrem Grund einem Adeligen oder Kloster übergaben und ihn dann wieder gegen bestimmte Abgaben als Lehen erhielten. 1237 war der freien Bauern schon ganz verschwunden. Anderseits stiegen die Unfreien zur Belohnung ihrer Dienste immer mehr zu Kolonen empor. Die drei Gruppen bildeten mit der Zeit den Stand der Holen, Bauern oder Untertanen, die ihr Gut in Erbpacht gegen Zins- und Robotpflicht bebauten und der herrschaftliche Rechtssprechung unterstanden.

Die oft weit auseinanderliegenden Besitze eines Grundherrn machten die Anlage von Meierhöfen unter der Leitung eines Meiers oder Schaffers nötig. Dieser nahm von den Bauern die Abgaben in Empfang, beaufsichtigte die Robot und übte Gerichtsbarkeit aus. Die den einzelnen Meierhöfen zugewiesenen Untertanen bildeten grundherrliche Gemeinden, die gemeinsames Nutzungsrecht von Gemeindeweide, Wald, Wasser und Wegen hatten. Um dieser Meierhöfe bildeten sich ähnlich wie um die Burgen seit dem 12. Jahrhundert Dörfer.

Diese Untertänigkeit war der wirtschaftlichen Lage der Bauern nicht schädlich. Sie konnten vielmehr ihre Daseinsmöglichkeiten verbessern. Da nämlich noch Rodungsland zur Verfügung stand und auch die aufstrebenden Städte Leute an sich zogen, so brauchten bei zuwachsender Bevölkerung die Bauernwirtschaften nicht geteilt zu werden. Die Bodenerträgnisse steigerten sich um ein Vielfaches und fanden in den Städten guten Absatz. Die Abgaben aber blieben nach dem alten Gewohnheitsrecht gleich. Demnach erlebte der Bauernstand eine Blütezeit, die im 13. Jahrhundert ihre Höhe erreichte.


Das Leben der Bauern dieser Zeit

Hier ergibt sich auch die Gelegenheit, einiges über das Leben der Bauern dieser Zeit mitzuteilen. Die Bauern lebten in Holzhäusern, die mit Stroh gedeckt waren. Die Kleidung bestand nach dem Landrecht aus einem langen, grauen Lodenrock, der in der Mitte mit einem Gürtel zusammengehalten war, aus blauer Loden- oder Leinwandhose, aus einen Leinwandhemd, weiters aus Schuhen von ungegerbten Rindsleder, die mit zwei Riemen an die Füße gebunden wurden, und aus einem Filz- oder Strohhut. Im Winter kamen dazu noch grobe Fäustlinge. An Sonntagen hatten sie dunkelblaue Kleider aus härenem Gewebe oder aus Tuch.

Die Bauern mussten kurzes Haar haben (daher stammt das Schimpfwort "Die G'scherten") und dürften keine Waffen tragen. Nach dem Landrecht bestand die Speise der Bauern aus Fleisch, Kraut, Gerstenbrei, Hanf, Linsen und Bohnen.

Infolge der erhöhten Einnahmen konnten sich die Bauern eine höhere Lebenshaltung leisten, die sich in Kleidung, Nahrung und Sitte äußerste. Sie begannen, die Edelleute nachzuahmen; weil sie dies aber wegen ihrer damaligen Unbildung in plumper Weise taten, wurden sie viel verspottet, wie wir aus den Geschichten des Dichters Neidhart von Reuental wissen. Sie begannen, sich in feine Tuche zu kleiden, üppige Mahlzeiten zu halten, die Rittertracht nachzuahmen, langes Haar zu tragen und in ihre Sprache allerlei fremde Wörter zu mischen. Sie kleideten sich in feinen Hemden, für die das Gewebe aus dem Ausland bezogen wurde, mit pelzgefütterten Wämsern, die mit Silberknöpfen gesetzt waren, mit faltigen Röcken, Schnallenschuhen mit Sporen und trugen Schwerter. Die Bauernsöhne waren mit ihrem Berufe nicht mehr zufrieden; sie ließen sich gegen Bezahlung zu Rittern machen und die eitlen Mütter angelten für ihre Töchter Ritter, auch wenn diese arm waren. So gewöhnte sich der Bauer an die Wohlleben, die Sittlichkeit schwand, das Familienleben lockerte sich, kurz, es ging mit der gediegenen Bauernkultur bergab. Der Bauer brachte seine Habe durch und verlernte die Arbeit. Als sich seine Lebensbedingungen von 1350 an zu verschlechtern begannen, fiel im die Rückkehr zu einfachen Verhältnissen sehr schwer.

In unserer Heimat, also im größten Teil des Wald- und Mühlviertels, waren freilich die Zustände der Bauern nie so glänzend, da dies der magere Boden, das raue Klima und die Höhenlage, zumeist zwischen 500 und 900 Meter, nicht zuließ.

Während sich aber die Lage des Bauern von Jahrzehnt zu Jahrzehnt besserte, verschlechterte sich die des Adels zusehends. Der Adel hatte seit den Kreuzzügen seinen Besitz beständig zersplittert, er gab seinen Grund an den emporstrebenden Ritterstand und an die Zinsbauern ab und wollte untern den Einfluss des vordringenden Geldwirtschaft von der Bodenrente leben (die Bauern konnten ihre Leistungen auch mit Geld ablösen). Da aber wegen der stets gleichbleibenden Einkünfte sein Vermögen nicht zunahm und er sein standesgemäßes Leben nicht aufgeben konnte, verarmte er. Durch die Kapitalwirtschaft also, durch die starke Erbteilung, durch die veränderte Kriegsführung mit Söldnerheeren, durch Trunksucht und Luxus war der Adel, besonders aber der Ritterstand, herabgekommen. Um dennoch ihr gewohntes Leben weiterführen zu können, mussten sie eine Heirat mit einer reichen Bauernstocher schließen, war ihnen in ihrem Standesdünkel nicht leicht fiel. Sie lebten als Raubritter und von der Fehde, das heißt, sie überfielen reisende Kaufleute und Geistliche, um sie zu berauben, und griffen Schlösser und Dörfer an, um zu plündern. Weiters besserten sie ihre Einkünfte durch erhöhte Anforderungen an ihre Untertanen, wo sie nur konnten.


Niedergang des Bauernstandes

Nach 1350 begann der Wohlstand der Bauern langsam zu schwinden, was sich aus verschiedenen Gründen erklären lässt. Für die zunehmende Bevölkerung war kein Rodungsland mehr vorhanden, die Städte sperrten sich gegen den Zuzug vom Lande ab. Die Folge davon war, dass die Lehen halbiert oder in noch kleinere Teile zerlegt werden mussten, wovon nur ein kümmerliches Leben möglich war. Als an eine weitere Teilung der Wirtschaften nicht mehr zu denken war, mussten sich die Bauernsöhne als Kleinhäusler oder Hofstätter ansiedeln. Sie hatten nur einen Garten und etwas Wiesengrund, wovon sie eine Kuh oder einige Ziegen erhalten konnten. Im übrigen mussten sie vom Tagwerk und von Hausindustrie leben. Die Ausübung eines Handwerkes machten ihnen die Städte streitig. Diese Kleinhäusler mussten der Herrschaft Kopfzins und Fronden leisten, obwohl sie keine Bauern waren. Es bildete sich so eine neue Art Leibeigenschaft, die sich nicht an Grund und Boden knüpfte. Es entstand ein Dorfproletariat, das nicht zur Realgemeinde gerechnet wurde, unter der man die alten Hofbesitzer und Teilhaber des Gemeindegrundes verstand. In den Bauernkriegen zählten diese Häusler zu den Radikalen.

Die fortschreitende Münzverschlechterung schädigte auch den Bauernstand. 1435 hatte der Silberpfennig noch 0,25 Gramm  Feingehalt, 1460 nur mehr 0,012 Gramm. Hier soll zum Verständnis der folgenden Geldbeträge gesagt werden, dass 30 Pfennig einen Schilling und 240 Pfennig ein Pfund ausmachten.

Im 15. Jahrhundert gab es besonders viele Kriege, Fehden und Räubereien, durch die der ungeschützte Bauer am härtesten hergenommen wurde. Es soll nur auf die verderblichen Hussiteneinfälle und auf die Besetzung unseres Landes durch die Ungarn unter Corvinus verwiesen werden. Die Kriegshorden plünderten Haus, Stall und Scheuer, brannten das Anwesen nieder, erschlugen oft die Leute und verwüsteten die Felder. In dieser drangvollen Zeit entstanden wohl die meisten unterirdischen Gänge oder Erdställe unter den Bauernhäusern, damit die Menschen sich und ihrem Besitz schützen könnten.

Jetzt waren die Bauern oft genötigt, bei Juden Geld um Wucherzinsen aufzunehmen oder bei den wohlhabenden Bürgern der Städte Schulden zu machen. In den Städten war das meiste Geld aufgehäuft, das mit Vorliebe in Grund und Boden angelegt wurde. Übel erging es dem Bauern, wenn er in Abhängigkeit des Bürgers geriet, denn dieser presste aus ihm heraus, war nur möglich war.

Eine Hauptquelle der bäuerlichen Not war ist das römische Recht, das 1495 zum gemeinen Recht des deutschen Reiches erklärt wurde. Dadurch wurde die herkömmliche Rechtspflege nach dem ererbten deutschen Recht verdrängt und von gelehrten Richtern, die in Bologna oder Padua studiert hatten, wurde das Recht gesprochen. Das römische Recht diente auch zur Begründung all der Ungerechtigkeiten und Bedrückungen, die sich die Grundherren erlaubten. Es schuf im Volke starke Gegensätze, förderte den wirtschaftliche Egoismus und Kapitalismus. Es lehrte den heidnischen Eigentumsbegriff, der in den römischen Latifundienwirtschaft galt. Mit dieser Hilfe ließ es sich nachweisen, dass der Grundherr absoluter Besitzer des Bodens und der Bauer Sklave sei, dass der Herr den Pachtzins nach Belieben steigern oder auch den Bauer vom Boden verdrängen könne. Weide, Wald und Wasser, Güter, die bisher zur freien Nutzung dienten, gebührten nur dem Herrn. Am Ende des 15. Jahrhunderts unterschied sich der Bauer kaum mehr von einem Vollleibeigenen. Das war auch nach dem Urteil der in römischen Recht ausgebildeten Juristen ganz in Ordnung, denn sie sagten so: "Durch das Christentum wurde die Liebeigenschaft der Kriegsgefangenen abgeschafft; da aber ein Staat ohne Sklaven nicht bestehen kann, so muss diese Aufgabe der Bauer erfüllen."

Im 14. Jahrhundert errang sich der Adel erhöhte Geltung, es bildeten sich die Stände aus. Sie genossen Steuerfreiheit, hatten das Recht der Steuerbewilligung und die Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen. Mit begreiflichem Unmut haben die Bauern, dass die Adeligen alle einträglichen Ämter inne hatte, sich das alleinige Recht zu jagen und zu fischen angeeignet hatten und ein prunkvolles Leben führten.  Bitter empfanden sie den immer steigenden Druck der Herren bei Forderungen von Zehent und Robot und die Einführung bisher unbekannter Lasten. Die herrschaftliche Verwalter nutzten ihr Stellung zur Bereicherung. All das musste besonders in den ärmeren Gegenden hart empfunden werden.

Nun sollen die Bedrückungen im besonderen dargestellte werden, die sich im ersten Bauernkrieg 1525 entluden. Die Grundherren begannen durch Abstiftungen von Bauerngütern und durch Enteignung des alten Gemeindegrundes ihren Besitz zu vergrößern. Im 15. Jahrhundert wird den Bauern von Straßing gnädig gestattet, dass jeder, der Ross und Wagen hat, gegen Entrichtung von 30 Pfennig eine Fuhre Windfall und dürres Holz aus dem Herrschaftswald holen dürfe. Als die Herrschaften neue Schäfereien anlegten, entzogen sie den Bauern Wiesen und Weiden.

Auch die Rechtspflege, die immer mehr in die Hände der Grundherrn kam, wurde sehr zum Nachteil der Untertanen ausgeübt. Es hab damals drei Arten von Gerichten, das Dorfgericht, das Hofgericht und das Landgericht.

Das Dorfgericht wurde vor der versammelten Dorfgemeinde unter dem Vorsitz eines herrschaftlichen Abgesandten abgehalten. Dem Gericht saßen vier Geschworenen aus der Gemeinde bei. Nach überlieferten Gewohnheitsrecht, das im Weistum zusammengefasst war, wurde jährliche einige Male im Teiting Recht gesprochen. Dabei wurden Klagen über Streitigkeiten bezüglich Wald, Feld, Weise, Flurgrenzen, Marksteinverrückungen, entschieden. Mängel in der Reinhaltung des Dorfweges, Dorfbaches oder Dorfbrunnens, Nichtbefolgung marktpolizeilicher Vorschriften, Raufhändel, Ehrenbeleidigungen, Verstöße gegen die öffentliche Sittlichkeit, abgeurteilt und endlich Maße und Gewichte nach ihrer Richtigkeit geprüft.

Das Hofgericht des Grundherrn hatte die Rechtshändel der Untertanen um liegendes Gut, Hausfriedensbruch, leichtere Kriminalfälle und Polizeifälle zu behandeln.

Das Landgericht hatte den Blutbann, das heißt, es konnte zum Tode verurteilen. Es waren ihm Fälle wie Mord, Raub, größere Diebstähle, Notzucht und andere todeswürdige Verbrechen zugewiesen.

Die Rechtssprechung hatte große Mängel. Es lag in den Händen der Grundherrn und diese, sowie ihre Pfleger walteten vielfach nicht im Dienste der Gerechtigkeit ihre Amtes, sondern um sich zu bereichern. Die Untertanen fanden sehr oft kein Recht, denn Klagen wurde sehr spät oder auch gar nicht erledigt. Beschwerden unterließ der Bauer in den meisten Fällen, da er die Rache seines Herrn fürchtete und den weiten Weg, den Zeitverlust und die Geldauslagen scheute, die eine Beschwerde erfordert hätte.


Steigerung der Abgaben und Arbeitsleistungen

Auch die Abgaben und Arbeitsleistungen wurden immer mehr gesteigert. Die Abgaben teilten sich in drei Arten, in den großen Zehent, den kleinen oder Krautzehent und in den Fleisch- oder Blutzehent

Nach dem großen Zehent bestand die Abgabe in der zehnten Garbe und dem Mandel von jeder Frucht, die Halm oder Stängel treib. Hierher gehörten Weizen, Getreide, Hafer, Mohn und Flachs. Der kleines Zehent musste von alle Gemüsearten, besonders vom Kraut, gereicht werden. Der Küchendienst schrieb die Abgaben von Tieren und tierischen Erzeugnissen vor, wie von Schafen, Gänsen, Hühnern, Eiern, Käse, Schmalz und Honig.

Später mussten die Bauern auch bearbeitete Produkte abliefern, wie Leinwand, Häute, Pelze, Loden, Strümpfe, Bettfedern, Flachs, Bier, Most Wein, Fassreifen, Bretter, Brückendielen und anderes.

Die Abgaben mussten an bestimmten Tagen (zum Beispiel zu Georgi und Martini) gereicht werden. Wer sie am bestimmten Tage "bei scheinender Sonne" nicht ablieferte, musste 72 Pfennig Strafe zahlen: für je weitere 14 Tage Verzug verdoppelte sich die Strafe jedes Mal. Wenn er binnen Jahresfrist seiner Verpflichtung nicht nachkam, war sein Gut der Herrschaft verfallen; so wird aus 1495 für Lichtenfels berichtet.

Oft herrschte auch der Missbrauch, dass der Untertan seine Ernte nicht früher einführen durfte, bis der Grundherr auf dem Felde den Zehent in Empfang genommen hatte. Dabei verdarb viel Frucht auf dem Acker. Der Bauer suchte sich auch zu schützen, indem er die Zehentgarben oder -mandeln kleiner machte und schlechte Naturalien ablieferte.

Am schwersten ertrugen die Untertanen die stets größer werdenden Robotforderungen auf den Äckern und Wiesen, in den Weingärten und Wäldern, im Krautkarten und in der Scheuer des Grundherrn. Beim Bau von Schlössern und Meierhöfen, Klöstern und Kirchen, bei der Herstellung von Brücken und Wegen mussten die Bauern Holz, Steine, Ziegel und Kalk mit ihren Fuhrwerken herbeischaffen.  Weiters mussten sie weite Wein- und Salzfuhren, die Zufuhr von Holzstämmen in die herrschaftliche Säge und den Abtransport von Pfosten, Läden, Latten und Fasstauben zu den Donaustapelplätzen, sowie Mühlfuhren besorgen. Alle diese Leistungen fasste man unter dem Namen Zugrobot zusammen.

Weiters musste Handrobot geleistet werden, wie Dreschen, Spinnen, Schindelmachen, Dachausbesserungen, Krauteinmachen, Hacken von Bau- und Brennholz, Herstellung von Wegen und Zäunen, Bereithalten von Zillen zur Überfuhr und zum Transport, Ausladen von Schiffen, Besorgung von Botengängen, Beförderung von Briefen, Fütterung von Kälbern und Schweinen, Aufziehen und Wartung von Jagdhunden, Leistung von Treiberdiensten bei den Jagden, Schafscheren und Bewachung des herrschaftlichen Besitzes in gefährlichen Zeiten.

Der Robot wurde vom Amtmann angesagt oder von der Kanzel verkündet; wer nicht kam, wurde streng bestraft. Jährlich betrug die Arbeitsforderung im ganzen drei bis vier Wochen. Wenn man bedenkt, dass damals noch viel mehr Feiertage waren, so begreift man, dass der Bauer für die Bearbeitung seiner Felder wenig Zeit zur Verfügung hatte. Manche Herren waren bei ihren Robotforderungen sehr rücksichtslos; oft musste der Bauer zur Anbau- oder Erntezeit seine Arbeit liegen lassen und für die Herrschaft weite Fuhren machen. Dass dadurch der Anbau wenig sorgfältig durchgeführt werden konnte und viel Frucht auf dem Feld verdarb, ist leicht begreiflich.

Den Robotern gab man die Verpflegung, die aber gewöhnlich nur in Brot bestand; nur zur Schnittzeit war es mit der Kost besser. Es war auch möglich, Hand- und Zugrobot mit Geld abzulösen.

Zur steigenden Robotleistung kam es dadurch, dass die Grundherrn ihren Besitz vermehrten und keine eigenen Dienstboten auf ihren Wirtschaftshöfen hielten. Die Bauern suchten sich möglichst von diesen als unrecht empfundenen Lasten zu schrauben. Sie arbeiteten nur lässig und für das Auge oder schickten schwache Leute zur Arbeit.

Himmelschreiend war der Waisendienst. Die Herren nahmen die Waisengelder in ihre Obhut; wenn die Kinder arbeitsfähig geworden waren, wurden sie zum Dienst in den herrschaftlichen Höfen gezwungen, wobei sie sehr übel behandelt und schlecht verköstigt wurden. Entliefen sie nun, so eignete sich der Herr die Waisengelder an.

Das Fürkauf- und Anfeilrecht schmälerte die Einkünfte der Bauern sehr empfindlich. Nach dem Fürkaufrecht war der Bauer verpflichtet, seine Erzeugnisse auf die Märkte der Städte zum Verkauf zu bringen. Dabei versäumte er Zeit, verbrauchte Geld und erzielte niedere Preise. Das Anfeilrecht bestand darin, dass die Untertanen ihre Erzeugnisse zuerst dem Grundherrn zur Deckung seines Bedarfes anbieten musste; dabei zahlte er oft nur die Hälfte des geltenden Markpreises. Von Lichtenfels wird aus 1495 berichtet: Wird dienstbares Gut ohne Wissen und Willen der Herrschaft versetzt oder verkauft, so wird der Verkäufer bestraft und muss sich die Beschlagnahme des verkauften Gutes gefallen lassen. Über den Verkauf von Grund soll aus Willendorf (15. Jahrhundert) folgende Nachricht angeführt werden: Will einer von den Holden des Gotteshauses Weingärten oder anderen Grund verkaufen, so soll er sie zuerst dem Grundherrn anbieten. Will dieser nicht kaufen, so muss das Angebot dem Amtmann und den anderen Holden gemacht werden. Erst wenn niemand von diesen kauflustig war, durfte er anderwärts verkaufen.

Damit kommen wird zum Freigeld, das bei jeder Besitzänderung wie Kauf und Vererbung gegeben werden musste. Der Verkäufer hatte 10 Prozent, der Käufer 5 Prozent des erzielten Preises an die Herrschaft zu zahlen. Bei Übergabe vom Vater auf den Sohn oder bei Übernahme der Witwe nach dem Tode des Bauern wurde das Freigeld mit der Herrschaft abgehandelt. Beim Freigeld herrschte, wie überhaupt bei allen Leistungen, bei den einzelnen Herrschaften große Verschiedenheit. Manche forderten das Freigeld nach Abzug der Schulden nur vom unbeweglichen Gut, andere wieder ließen es sich auch von der fahrenden Habe zahlen.

Falls der Hausherr starb, musste von den Hinterbliebenen das Todfallgeld oder Besthaupt gegeben werden, das heißt, eine Geldsumme oder das beste oder zweitbeste Stück Vieh aus dem Stalle dem Grundherrn gereicht werden. Für Eitental galt 1512 folgende Vorschrift: Stirbt einer, der den St. Georgsdienst leistet, so zahlen die Hinterbliebenen ein Pfund Todlait , damit sie im Besitze des Hofes bleiben können. Wird von einem derartigen Gut etwas verkauft, so zahlt man dem Herrn zur Anleit 60 Pfennige und zur Ableit ein halbes Pfund Pfennig (Anleit und Ableit sind die Gebühren, die der Käufer und der Verkäufer zu zahlen hatten).

Der Tavernenzwang bot den Herrschaften eine weitere Möglichkeit, aus den Untertanen Geld herauszupressen. Taufmähler, Hochzeitsessen und Totenzehrungen, Tanzunterhaltungen und die amtlichen Abhandlungen mussten im herrschaftlichen Gasthaus abgehalten werden. Dabei mussten sie höhere Preise als anderswo zahlen und wurden noch dazu schlechter bedient.

Das Jagdwesen bot stets mehr Anlass zur Klage. Die Jagd war ausschließlich auf die Herrschaften übergegangen. Schwarz- und Rotwild (Wildschweine und Hirschen) wurden stark überhegt. In manchen Gegenden durften die Bauern die Felder nicht einmal einzäunen, das Wild nicht vom Acker jagen und keine Hunde halten, dass das Wild ganz ungestört sei. Obwohl es später allgemein erlaubt war, die Felder mit Zäunen einzufrieden, half das nicht viel, denn die Wildschweine durchbrachen alle Zäune und verursachten furchtbaren Schaden. Auch bei den Jagden wurde von den Jägern viel Schaden angerichtet.
Selbsthilfe der Bauern wurde aufs grausamste bestraft, denn Jagdfrevler wurden entmannt, es wurden ihnen die Augen ausgestochen oder die Hände abgeschlagen. Für die Herrschaften mussten von den Bauern Treiber gestellt und Jagdhunde aufgezogen und gefüttert werden. Wie schwer gerade das Jagdwesen die Leute drückte, beweisen uns noch manche Sagen vom unmenschlichen wilden Jäger.

Wie das Gerichtswesen, so bot auch das Aufkommen verschiedener Taxen den Herrn und besonders den Verwaltern Gelegenheit, den Untertanen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aus Oberösterreich ist bekannt, dass bei Abfassung von Dokumenten für Käufe, Verkäufe, Übergaben und Heiraten 1 Pfund Pfennig Siegelgeld zu zahlen war, bei weniger wichtigen Urkunden wie Quittungen und Schuldscheinen 2 Pfennig. Dazu kamen noch für den ersten Fall 2 Schilling und für den zweiten 1 Schilling 2 Pfennig Schreibgebühr.

Endlich wollen wir noch auf den beschwerlichen Wachdienst hinweisen. In Kriegs- und Fehdezeiten musste der Bauern sein am meisten gefährdetes Haus im Stich lassen und im Schloss oder Kloster den Wachdienst besorgen.

Diese angeführten Gründe verursachten einen beständigen stillen Krieg zwischen Bauern und Grundherrn. Diese betrachteten sich als die alleinigen Herrn des Bodens und hielten sich zur Steigerung berechtigt, jene wieder fühlten sich bedrückt und durch Entzug von Land geschädigt. Dass es bei diesen gespannten Beziehungen einmal zu einem Kampf kommen werden, war vorauszusehen.


Die Unzufriedenheit wächst - Einfluss der Religion

Zu der Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage kamen noch neue Bewegungen, die den einfachen Mann seelisch aus dem Gleichgewichte brachten und für Verhetzungen geneigt machten.

Am Ende des Mittelalters wurde das ganze Leben und Denken umgewandelt. Während des ganzen Mittelalters war das Leben von religiösen Formen umhegt und von religiösen Denken und Empfinden beseelt. Die Kirche hatte eine bestimmten Einfluss auf die Gemüter und infolge ihrer Tätigkeit im Dienste der materiellen Kultur, hatte sie auch in wirtschaftlichen Dingen eine gewaltige Geltung. Nun kamen neue Gedanken auf, die den kirchlichen Einfluss zurückdrängten.

Der Tscheche Jan Hus hatte aus England den neuen Eigentumsbegriff John Wyclifs herübergebracht. Demnach könne der Mensch im Zustand der Sünde nicht Herr eines Gutes sein. Diese Lehre wendete man zuerst bei kirchlichem Besitz an; die Entscheidung in diesem Falle sollten die Gläubigen fällen. Auf den kirchlichen Besitz sahen ja Adel und Bauernstand mit neidischen Auge. Denn die kirchlichen Grundbesitze allein waren von einer Erbteilung nicht geschwächt worden, hatten also ihre alte wirtschaftliche Stärke am besten bewahrt.

Verschieden Missstände unter der Geistlichkeit ließen den Vorwurf, die Kirche sei mehr Besitzerin als Heilsvermittlerin, berechtigt erscheinen. Die Geistlichkeit war teils in den freien Ansichten des Humanismus herangebildet worden, teils war sie roh und umwissend. Sehr häufig waren die Klagen über Geldgier, Genusssucht, rohe Sitten und Fehlen seelsorgerlichen Eifers. Die einträglichen Stellen befanden sich meist in den Händen des Adels. Pfarren wurden oft an Vikare versteigert; da diese auch auf ihre Rechnung kommen wollten, steigerten sie die Stolagebühren. Sie hielten Schenken, trugen Waffen, rechten, rauften und absolvierten die Sünder gegen Geld. Die niederen, oft recht armen Geistlichen beneideten wie Adel und Bauern und Klöster und Inhaber guter Pfründen.

So standen die Verhältnisse, als Martin Luther auftrat. Seine Lehre fand beim Adel, bei den Bauern und bei der niederen Geistlichkeit einen guten Boden, denn sie sahen in der kirchlich Revolution eine Möglichkeit zur Änderung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage.

Mit einer unglaublichen Schnelligkeit breitete sich die lutherische Lehre aus. Der Adel hoffte mit ihrer Hilfe in den Besitz von geistlichen Gütern zu gelangen, die Bauern meinten, zufolge der evangelischen Freiheit eine Erleichterung oder gar Abschaffung ihrer Lasten zu gewinnen, und ein Großteil des niederen Klerus erwartete eine Besserung seiner wirtschaftlichen Lagen und eine Befreiung vom Zwange, den ihnen ihr Beruf auferlegte. Viele Geistliche versahen ihre Pfarren weiter, andere entliefen den Klöstern, heirateten und wirkten als Prädikanten in leidenschaftlicher Weise für das Luthertum. Sie hetzten das Volk auf und verbreiteten überall Unruhe, Unzufriedenheit und Verwirrung. Die Gewalttaten gegen den katholisch gebliebenen Klerus und die Schürung der Bauernaufstände war größtenteils ihr Werk. Sie predigten den Bauern die Freiheit und das Recht. Die Unterdrückung der Bauern sei gegen Gottes Willen, daher seien ihre Forderungen gerecht. Habgier und Lüge hätten den klaren Sinn der heiligen Schrift verdunkelt, daher seien die Unterdrücker der Bauern, worunter sie aber nur die kirchlichen Herrn verstanden, Feinde Gottes und des Evangeliums. In Wort und Flugschriften wurden die Bauern aufgefordert, Zehent und Robot zu verweigern, denn bei Gott seien alle gleich. Bald hörte man in jedem Dorf aufwieglerische Reden; religiöser Zwiespalt und Unfriede vergiftete das Zusammenleben der Bauern. Diese ganze Tätigkeit der lutherischen Prediger war nur von ihrem persönlichen Nutzen geleitet.

Hier wollen wir auch Luthers Einstellung zu den Bauern und seine Stellungnahme zum ersten Bauernkrieg darlegen. Obwohl Luther selbst aus einer niederen Volksschicht hervorgegangen war, verachtete er die Bauern, als ob sie Tiere wären. Denn in seinen "Tischreden" heißt es: "Mein Vater ist in seinen jungen Jahren ein armer Häuer gewesen; die Mutter hat all ihr Holz auf dem Rück eingetragen. Also haben sie uns erzogen." und weiter schreibt er: "Ein Kindlein ist ein großer Segen Gottes, des die groben Bauern und störrischen Köpfe nicht wert sind, sie sollten nur Säue haben."

Luther hatte das Wort von der Freiheit in das Volk geworfen. Die Bauern legten es sich, wie gesagt, so aus, als ob sie zur Beseitigung der Herrschaften, Abschaffung der Steuern und dergleichen berechtigt seien. Auf Kirchtagen, Jahrmärkten und und Wirtshäusern wurde diese Freiheit von Agitatoren und durch Flugschriften verbreitet. Bald erscholl der Ruf, dass Wald, Weide, Jagd und Fischerei allen gehöre, dass der Bauern bei Gesetzgebung und Steuerverteilung auch mitzureden habe.

Diese Berufung der Bauern auf die Bibel, wie aber Luther schroff zurück, da er die Freiheit nur im geistigen Sinne gemeint habe. Obwohl die Bauern 1525 in ihren 12 Artikeln nur gemäßigte Forderungen gestellt hatten, forderte Luther die Unterdrückung des Aufstandes durch die Fürsten. In seinem Schreiben "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern" vom 6. Mai 1525 mahnte er die Fürsten, noch einmal gütlichen Vergleich mit den Aufrührern zu versuchen; bleibe er aber erfolglos, so sollten sie mit der blutigen Niederwerfung beginnen, denn dann sei der Bauer eine Landesgefahr, derer man sich erwehren müsse, wie eines eindringenden Wolfes oder Räubers. Dann solle durch das Land der Feldruf schallen: "Steche, schlage, würge hier, wer da kann! Bleibst du darunter tot, wohl dir, seligern Tod kannst du nimmermehr überkommen, denn du stirbst in Gehorsam göttlichen Wortes und im Dienste der Liebe, den Nächsten zu retten!"

Was Luther nach dem Bauernkrieg 1529 den Bauer zuruft, klingt wie Hohn: "Ihr ohnmächtigen groben Bauern und Esel, wollt ihr's nicht vernehmen? Dass euch der Donner erschlage! Ihr habt das Beste, nämlich Nutz, Brauch, Saft aus den Weintrauben und lasset den Fürsten die Hülsen und Körner. Das Mark habt ihr und sollt noch so undankbar sein und nicht beten für die Fürsten und ihnen nur Nichts geben wollen." Luther meinte weiter, am besten sei es, Gesinde und Untertanen wieder einer Leibeigenschaft zur unterwerfen, wie sie bei den Juden gewesen sei. Er hält es mit den römischen Juristen für recht und billig, dass die Untertanen "leibeigene Güter" seien "wie anderes Vieh".

Auch Luthers Reformationsgenosse Melanchthon befürwortete die Berechtigung der  Grundherrn zu ihren Forderungen, denn jeder Bauer ist "schuldig zu geben, was eine weltliche Obrigkeit einsetzt." Das begründete er mit der Bibel also: Josef von Ägypten, der doch den heiligen Geist gehabt, habe gar die Abgabe des fünften Teiles angeordnet: es sei ein Frevel gegen das Evangelium, dass die Bauern nicht leibeigen sein sollten, denn die Obrigkeit sei von Gott eingesetzt. Wenn sich die Bauern gegen sie empörten, lehnten sie sich gegen Gott auf. Das mutwillige und blutgierige Volk der Deutschen solle man noch viel härter halten. "Einem Esel gehört Futter, Geißel und Bürde, also einem Knecht Nahrung, Strafen und Arbeit." 


Der erste Bauernkrieg (1525)

Zuerst sollen noch einige Anmerkungen über die agrarischen Verhältnisse gegeben werden. Die Bauerngüter, besonders in den hochgelegenen Teilen gegen Böhmen war klein und armselig, in niederen Gegenden waren sie ansehnlicher. Die besseren Gebiete trugen pro Joch 5 bis 6 Metzen Weizen, in den übrigen Strichen schwankte der Ertrag zwischen 2 und 4 Metzen. In den armen Gegenden aß man gewöhnlich Habermus, in Missjahren genoss man Brot, welches aus gemahlenem Stroh, Baumrinden, Eicheln, Harpollen, Heublumen und Obsttrebern gebacken war. Verbessert wurden die Einkünfte durch Ausübung von Hausindustrie; so erzeugte man Leinwand, Zwirn, Holzwaren wie Schüsseln, Teller, Flaschen und Becher; auch die Mästung von Waldochsen und die Verfrachtung von Salz und Holz bot Erwerb.

Nun wenden wir uns dem ersten Bauernkrieg selbst zu. Schon Jahre vorher kündigte er sich  deutlich an. Schon 1517 hatten sich die Untertanen des Stiftes Zwettl wegen der Robot, der Hausdienste und des Forstgeldes erhoben. Die Rebellen vertrieben die Stiftsbeamten und stürmten vergeblich gegen das Kloster.

Das Jahr 1525 brachte den großen deutschen Bauernkrieg, dessen letzte Wellen auch in österreichische Länder wie Tirol, Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und sogar in Niederösterreich zu spüren waren.

In Niederösterreich waren es 1525 wieder Zwettler Stiftsuntertanen in den Dörfern Rudmanns, Oberhof, Haslau, Gerotten, Strahlbach, Hermanns, Pötzles und andere, die sich erhoben. Sie plünderten Wirtschaftshöfe und Scheunen des Stiftes und drohten den Stiftsgeistlichen mit Galgen und Schwert. In 12 Beschwerdeartikeln klagten sie, dass die Ernte von Korn, Weizen und Hafer auf den Stiftsäckern besorgen mussten, ohne eine Verpflegung zu erhalten, dass sie ohne Entlohnung die Frucht in die Klosterscheune fahren müssten, dass vom Dienstkäse jetzt ein bestimmtes Gewicht verlangt werde, dass sie jetzt die Eier (Kückenzehent) nicht mehr mit Geld ablösen dürften, sondern Eier und noch dazu Geld reichen müssten, ferner dass sie jetzt Weinfuhren, die sie früher mit Geld ablösen konnten, nach Zissersdorf und Rußdorf bei Wien machen müssten, dass sie im Gegensatz zu früher jetzt die herrschaftlichen Äcker bearbeiten und düngen müssten und endlich, dass sie in den Klosterwäldern Bäume fällen und die Stämme in die herrschaftliche Säge schaffen und für das Kloster Holz hacken müssten.

Da der Abt Erasmus von Leisser auf ihre Beschwerden nicht einging, verjagten sie die Klosterbeamten, plünderten die Meierhöfe und drohten, das Kloster zu zertrümmern. Der Abt nahm 32 Söldner in seinen Dienst, die mit den Dienstleuten Tag und Nacht das Stift bewachen mussten. Das Kloster verfügte auch über Waffen, nämlich über zwei Falkonett und 12 Doppelhacken, die 1516 infolge der Erhebung der Untertanen in Perndorf angeschafft worden waren. Es wird berichtet, dass die Rebellen nachts im Teufelsgraben ihre Versammlungen abgehalten haben.

Aus Maßregeln der niederösterreichischen Regierung geht hervor, dass der Aufstand damals ein großes Gebiet ergriffen haben musste. Wenn wir auch keine genaue Kunde davon haben, so sind doch vereinzelt Nachrichten aus weit auseinander liegenden Ortschaften des Waldviertels erhalten die dies bestätigen. Die Holden Georgs von Puchheim in Kottes benahmen sind sich widerspenstig, die Untertanen des Kloster Garsten in Garsten (Anmerkung: Gastern) und Münichreith waren unruhig und die Bauern der Pfarre Sallapulka in Dallein verweigerten die Robot.

Kaiser Ferdinand der Erste ließ unter Dietrich von Hartitsch ein Söldnerheer ins Waldviertel eindrücken, welches die Ruhe wieder herstellte. Die Rädelsführer um das Stift Zwettl wurden vom Stadtgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Am 5. Jänner 1526 berieten die landesfürstlichen Kommissäre und Abt Erasmus im Stift Zwettl über die Höhe der Geldstrafen, die den Aufrührern zur Gutmachung des durch Feuer und Plünderung verursachten Schadens und zur Strafe für die Erhebung verhängt werden sollten. Hartitsch ging mit so großen Strafen vor, dass der Abt dagegen beim Landesfürsten Beschwerde erhob. Im Zuge dieser Strafen erhielt jedes Haus eine Brandsteuer vorgeschrieben, die dauernd blieb und später den Namen "Hausgulden" erhielt.

Anfangs 1527 kam es noch zu einer Exekution. Der Abt von Zwettl erhielt den Befehl, 9 von seine Holden, welche flüchtig gewesen waren, einzuziehen und in Eisen und Banden dem Zwettler Stadtrichter zur Bestrafung auszuliefern. Sechs davon wurden an einem Baum zwischen Stadt und Stift Zwettl gehenkt.

Der Aufstand im Waldviertel und im Mühlviertel wurde blutig niedergeschlagen. Die Bauern hatten nichts durchgesetzt, denn alle Lasten blieben weiter bestehen. Der einzige bescheidene Gewinn war, dass eine erzherzogliche Kommission von Herrschaft zu Herrschaft zog, die Streitpunkte verhandelte und dort und da allzu überspannte Herrschaftsforderungen auf die alten Urbare und Erbbriefe zurückschraubte. Doch die Herrschaften ließen sich nicht hindern, die Untertanen zu drücken und ihre Lasten immer mehr zu steigern.


Der zweite Bauernkrieg (1594 - 1597)

Nachdem die Empörung 1525 niedergeschlagen war, mühten sich die Fürsten für die Bauern. Doch der Widerstand der Stände, die religiösen Wirren und die Türkenkriege gestatteten ihnen keine durchgreifenden Reformen; im Gegenteil, sie mussten den Grundherrn manche Zugeständnisse machen. Daher wurde die Lage der Bauern immer schlechter, sodass Sebastian Frank 1534 schreiben konnte, der Bauer sei "jedermanns Fußhader und mit Frohnen, Scharwerken, Zinsen, Steuern, Zöllen hart beschwert und überladen."

Gleich nach dem Aufstandes strafte man auf gleiche Weise Schuldige und Unschuldige mit ratenweisen Geldstrafen auf Jahre hinaus. Dann wurden allenthalben die Forderungen verschärft.

Das Freigeld, das schon 1525 eine Hauptursache des Aufstandes war, was, wie die Bauern sagten, erst seit Menschengedenken aufgekommen. Anfangs wurde es nur einem vom liegenden Gut im Ausmaße von 10 Prozent gefordert, später öfter und auch vom fahrenden Gut (zum Beispiel beim Tod des Mannes und bei Übernahme des Besitzes durch die Witwe); dabei wurden die Schulden gar nicht abgerechnet. So nahm oft die Obrigkeit den dritten Teil des Vermögens. Wenngleich das Freigeld im Erbbrief nicht enthalten war, wurde es doch gefordert und nach einer Reihe von Jahren als durch Verjährung für gerechtfertigt erklärt. Starb der Bauer, so mussten 30 bis 40 fl. entrichtet werden; war kein Geld vorhanden, so nahm sich der Herr das schönste Paar Vieh aus dem Stall. Das Sterbegeld machte in Oberösterreich 10 Prozent und in Niederösterreich 5 Prozent vom Wert des Bauerngutes aus. Beim Freigeld gab es aber sehr große Verschiedenheiten. Bei einem Hausverkauf hatte man für ein Ganzlehen 3 Tal Ablait und 5 Tal Anlait zu zahlen, von einem halben Leben 12 Schilling, beziehungsweise 20 Schilling und von einer Hofstatt 1 Tal, beziehungsweise 13 Schilling 10 Pfennig (Seifrieds 1563). Bei Hauskäufen und Erbschaften musste man auch je einem Gulden einen Kreuzer Zählgeld geben, was früher nicht war; dazu sagten die Bauern "das wird doch selber können, wenn wir nur viel zu zählen hätten".

Kanzleigebühren, die nicht festgesetzt waren, wurden besonders von den Amtsleuten zur Bereicherung erhöht. Manche Amtsleute habe sich binnen zwei Jahren bare 2000 fl. erwirtschaftet, womit sie die besten Häuser, Mühlen, Herrschaften und Schlösser kauften. Die alten Erbriefe wurden abgefordert und dafür neue mit erhöhten Forderungen ausgestellt, wofür noch hohe Taxen zu zahlen waren. Schuldbriefe mussten alle drei Jahre um eine Schreibgebühr von 3 bis 5 fl. erneuert werden. Es wurden immer neue Taxen bei Heiraten, Inventuren, Käufer, Verträgen und Rechnungen ersonnen. Die Entrichtung  von 10 fl. Einschreibgebühr bei einem Hauskauf wurde neu eingeführt. In der Herrschaft Roregg kostete ein Heiratsbrief 1 fl. 54 Kreutzer.

Nach dem Tavernenzwang mussten die Bauern ihre Gastmähler bei Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen, die Inventuren und Verträge im herrschaftlichen Gasthaus machen, wobei sie teuer zahlen mussten und schlechter bedient wurden. Die Herrschaft suchte dafür eine moralische Begründung zu geben, denn sie sagte, wenn bei solchen Anlässen der Amtsmann nicht in der Nähe sei, so treiben Schändung, Unzucht, Gotteslästerung und Raufereien.

1563 ertrotzen sich die Grundherrn den sehr drückenden Zwangsgesindedienst. Demnach mussten die Bauern ihre Kinder, die sie im Alter ernähren könnten, oft bis 5 Jahre zur Arbeit überlassen und selbst fremde Arbeitskräfte aufnehmen. Sie wurden schlecht behandelt, erhielten nicht genügend Kost und wenig ober gar keine Lohn. Entliefen sie, so mussten die Eltern sie wieder herbeischaffen, wenn sie nicht an Leib und Gut bestraft werden wollten. Der Waisendienst, eine ähnliche Einrichtung, wurde schon früher berührt. Die Waisengelder wurden beim Todesfall und später noch einmal um je 10 Prozent vermindert.

Beim Heiratsgut war der Bauer auch Beschränkungen unterworfen. Man forderte davon 10 Prozent und erlaubte im Machland den Bauern nur 30 fl. Heiratsgut zu geben. Hier gab es noch andere Vorschriften: Ein Knecht sollte nur 5 fl., eine Magd nur 3 fl. Jahreslohn erhalten; der Bauer solle keine Tuch tragen, von dem die Elle mehr als 12 Kreuzer kostet, dann könne er die Herrenforderung schon erfüllen.

Die Klagen über Grundenteignung verstummen nicht. Bei geringen Anlässen zogen die Grundherrn Bauernhöfe ein und ließen den Boden durch Roboter bebauen oder errichteten darauf Schäfereien. Bei der Herrschaft Roregg wurden den Untertanen die Weide entzogen, seitdem die Herrschaft einen Schäferhof unterhielt. Abstiftungen waren früher nur möglich, wenn ein Untertan drei Jahre lang keinen Zins leistete; seit dem 14. Jahrhundert geschah es schon bei einem Verzug von sechs Wochen.

Die Robotleistungen bildeten stets einen Hauptbeschwerdepunkte. "Gott weiß, dass der neuen Auflagen und Roboten von den Herr zu viel auferlegt, dass doch unmöglich uns solches zu erschwingen und gar nicht erdulden mögen ..was für neue Auflag sein aufkummen, welche vor 50 oder 50 Jahren nicht beschehen oder gewest sein." So klagten die Bauern. Nach mehreren vergeblichen Erleichterungsversuchen musste Kaiser Ferdinand der Erste den Ständen die ungemessene Robot bewilligen (1563). Obwohl die Untertanen bei unerträglicher Robot das Klagerecht beim Kaiser hatten, waren die Grundherrn "ohne Maß und Ordnung" und sagten wie zum Hohn, ihre Forderungen seien "nur leidlich und duldsam". Bei der ungemessenen Robot konnte der Herr so oft zur Arbeit fordern, als er es für nötig hielt.

Harte Grundherrn beanspruchten ihre Untertanen so sehr, dass ihre eigenen Wirtschaft herabkam und ihre Frucht auf dem Felde verdarb. Bei der Robot erhielt der Bauer früher, besonders zur Erntezeit, Speise und Trank und auch etwas Lohn. Jetzt wurde es anders. In Höflein machte man aus einem Metzen Getreide nicht mehr 40, sonder 80 Laibe Brot. Auch andernorts reichte man ihnen weniger und dazu verschimmeltes Brot oder man gab ihnen gar nichts.

In Oberösterreich betrug die Robot 20, 30 und mehr Tage, und zwar zumeist zu einer Zeit, wo der Bauer selbst viel Arbeit hatte. Weite Fuhren, wobei der Bauer sein Essen und Futter für die Zugtiere selbst beistellen musste, waren zu solchen Zeiten besonders lästig. Aus Niederösterreich sei folgendes angeführt: Die Schwarzenauer Untertanen von Ruprechts mussten ohne Entlohnung das Getreide der Herrschaft auf den Markt nach Krems führen. In Groß Pertholz war die Robotablöse für sechs Tage im Betrag von 12 Kreuzer auf 12 Schilling erhöhte worden, bei der Herrschaft Karlstein wurde die Robot verdoppelt, Groß Taxen hatte 19 Tage Robot und Groß Göpfritz und Raabs 18 Tage und dazu noch 3 fl. Robotgeld. Bei der Herrschaft Roregg in Yspertal beschwerten sich die Bauern,  dass sie Robotgeld zahlen und überdies fast täglich 2 bis 3 Personen in die Robot schicken mussten; die Roboter würden von den Pfleger mit harten Worten und Schlägen traktiert, sodass niemand roboten gehen wollte; 10 Personen erhielten nur 5 Pfund Brot und das sei verschimmelt.

In Niederösterreich musste den Grundherrn jedes Haus jährlich 1 fl. Schnittergeld geben; in die Sägemühle müssten sie über 300 Bloch Holz führen und von dort das Schnittholz zur Donau schaffen, für eigenen Bedarf aber erhielten sie keinen Stamm. Aus Seifrieds erfahren wir 1563 über die Botengänge: Bedarf die Herrschaft eines Boten, so geht die Reihe von Haus zu Haus herum; wer nicht selbst gehen oder reiten kann, soll einen anderen Boten dingen. Zur Robot, die von Sonnenaufgang bis -untergang dauerte, musste vollwertige Arbeitskräfte gestellt werden.

Die Oberösterreich durfte nach der neuen Zehentordnung der Bauer ohne sein Wissen und Erlaubnis des Herrn nicht schneiden und fechsen.  Die Frucht musste so lange liegen bleiben, bis der Herr den Zehent weggeschafft hatte. Dabei verdarf viel Frucht. 1545 befahl das Zehent-Generale den Herrschaften, die Zehentabgaben rechtzeitig auszustecken und einzuführen, dass die Untertanen bei der Ernte nicht aufgehalten würden und ihr Getreide nicht verderbe. Wenn der Zehent von Körnerfrucht in gebrochenem Zustandes gefordert wurde, musste der Untertan nach einem größeren Maß liefern; bedurfte er Saatgut, so musste er ein kleineres Maß so zahlen wie das große. Besonders stark wurden die Bauern gedrückt, wenn der Zehent verpachtet war, den der Pächter wollte möglichst viel herausschinden. Über Abgaben soll noch einiges aus Niederösterreich angeführt werden. 1531 mussten die rund 500 Untertanen der Herrschaft Rappottenstein Faschingshühner, Herbsthähne, 944 Dienstkäse, Eier, Schmalz, Unschlitt (Anmerkung: veraltend für Talg), Flachs, Korn, Hafer, Mohnen und Forsthafer geben. An Eiern gab gewöhnlich ein Lehen 30 Stück, ein Halblehen 15 Stück und ein Hofstätter 10 Stück. Die Untertanen der Herrschaft Roregg klagen: Manche müssen 15 bis 20 Metzen Korn und Hafer geben, was manche nicht einmal fechsen; dabei ist der neuen Metzen größer als der alte; weiters muss jedes Haus geben: 15 bis 20 Kreuzer Kälbergeld, 6 bis 12 Kreuzer Schmalzgeld, 8 bis 24 Kreuzer Hühnergeld, 2 bis 4 Kreuzer Käsegeld und 6 bis 30 Eier oder für jedes einen Pfennig.

Kam der Grundherr oder sein Vertreter zum Taiding oder in einer anderen dienstlichen Angelegenheit, so musste unter gewissen Bedingungen für die Verköstigung aufgekommen werden. Wenn der gnädige Herr nach Eitental kam, so musste die Gemeinde zur Zehrung besteuern, falls er mehr als sechs Personen bei sich hatte. Für die Herrschaft Roregg hieß es: Wenn der Regent oder Pfleger fort- und zureist, muss jedes Haus 6 Kreuzer zahlen.

Der Mangel an einer geordneten und gerechten Rechtspflege lastete schwer auf den Untertanen. Der Herr oder Amtsmann urteilte zum Vorteil seine Säckels; was früher mit 1 bis 2 fl. geahndet wurde, das strafte man jetzt mit 30 bis 40 fl. Der gemeine Mann durfte sich nicht verantworten, seine Beschwerden wurden oft gar nicht erledigt. Die alte Dorgerichtsbarkeit beim Taiding verfiel, da sich der Grundherr die Gerichtsbarkeit als sein alleiniges Recht anmaßte.

Allgemein wurde über die hohe Rüststeuer und die Aushebung des 5. Mannes, die durch die Türkenkriege notwendig geworden waren, Beschwerde geführt. Diese großen Opfer an Gut und Blut musste vor allem der Untertan tragen, da sie auf seine Schultern abgewälzt wurden. In Oberösterreich waren, wie die Bauern sagten, 4 Schilling vorgeschrieben; die Beamten aber hätte von jedem Haus 3 bis 6 fl. und von den Bauern 30 Kreuzer gefordert, wovon vielleicht nur ein Drittel an die Kriegskasse abgeführt worden sei. Deshalb weigerte sie sich, die neuen Steuern zu leisten. Aus Gars gingen 1530 von der Kirche 15 fl. und von den Zünften und Bruderschaften 35 fl. Türkensteuer ab, 1567 mussten Herrschaft und Markt 4 gerüstete Pferde stellen und 1570 wurde für Raab Bau-, Rüst- und Wartgelt gefordert. 1597 erhoben sich die Untertanen von Immenschlag bei Gastern, weil man die Beisteuer für Raab, das sind 3 fl. nun jährlich von ihnen fordere.

Mit dem 5. Mann hatte es folgendes Bewandtnis: Von je 30 Untertanen wurde durch das Los einer ausgeschieden, der 30. Mann; von den übrigen 29 wurden zwei und von den übrigen 27 fünf ausgelost. Diese acht Ausgehobenen mussten von den 22 Zurückbleibenden ausgerüstet und erhalten werden, sie mussten auf ihrem Musterungsplatz erscheinen, wo ihre Ausrüstung, wie Hellebarde, Schwert und Muskete überprüft wurde. Die Hauptbeschwerde erhob sich wegen des 5. Mannes; die Bauern sagten, wenn der Türke komme, würden sie alle gegen ihn ziehen, doch müssten auch der Herren mitmarschieren.

Bei den vielen Truppendurchmärschen und Einquartierungen, besonders seit 1590, wurde das Land sehr hergenommen. Die Söldner musste das Monatsgeld, Service, Essen und Trinken erhalten und schädigten dazu noch die Bauern durch Plünderungen, und sie schlugen se.

Andere Klagen betrafen das Jagdwesen, das Anfeilrecht, die Steuern, wie Landsteuer, Leibpfennig, Hausgulden, Rauchfangsteuer, Ungeld und Zölle, die im 16. Jahrhundert oft bedeutend erhöht wurden, und andere Belastungen, zum Beispiel für einen Fruchtbaum waren früher 4, jetzt 18 Kreutzer zu leisten, dem Wächter, der die Stunden ausrief, musste man 6 Kreuzer reichen u. a. Für Oberösterreich kommt noch dazu die Hauptbeschwerden, das Verbot, das protestantische Bekenntnis auszuüben oder auszuwandern, die hohe Stolagebühr und die Verweigerung des Begräbnisses in der heiligen Friedhofserde. Doch auch in Niederösterreich scheint die Religion eine gewissen Veranlassung gewesen zu sein. Denn auch hier gab es Gewalttaten gegen katholische Geistliche. 1580 sagte der Propst von Eisgarn: "Ich weiß nicht, ob ich unter meinen abgefallenen Schäflein und Böcklein meines Lebens sicher bin oder nicht, welches mir zu höchsten beschwerlich ist und lieber ein Sauhirt, denn ein Seelsorger sein wollte". 1588 erhoben sich seine Untertanen von Ranzern, machten in Eisgarn Tumulte und bewarfen den Propsthof mit Steinen. 

Der Bauernkrieg von 1596 - 1597 im Waldviertel

Im Waldviertel kam es nach der geforderten Stellung des fünften Mannes und der Erhöhung des Rüstgeldes zur Erhebung. Das war gegen Ende des Jahres 1596. Der niederösterreichische Aufstand war im Gegensatz zum oberösterreichischen rein wirtschaftlicher und sozialer Natur. In Niederösterreich waren die Schlösser, in Oberösterreich die Pfarrhöfe das Ziel der Angriffe.

Die Bauern hatten sich zusammengerottet, um die großen Neuerungen der letzten 30 Jahre abzubringen. Klar gibt die "Bauernklage" 1598 über die Ursache zum Aufstand Aufschluss: "Wenn man fragen will, wem die mehrste Schuld an all dem Unglück, Krieg, Jammer und Verderben, so in Österreich ausgebrochen, unzählige heimgesucht, arm gemacht, viel Tausende Witwen und Waisen gemacht, zur Last fällt, kann man nicht anders sagen denn so: Die vielen Herrn und Oberen, so auf ihre Bauern gleichwie auf untertänige Knechte, schier Lastvieh unerträgliche Lasten und Bürden aufhäufen, tragen diese mehrste Schuld. Wer könnte wohl all die Bürden aufzählen, womit diese armen, geschundenen Leute mehrenteils gedrückt sind ohne Recht und Barmherzigkeit."

Der Aufstand erhob sich unter den Untertanen des Freiherrn Ferdinand Albrecht Hoyos in Persenbeug, Roregg, Ysper, Emmersdorf und Raxendorf. Dieser Grundherr drückte tatsächlich seine Untertanen und unerhörter Weise. Aus der großen Reihe von Beschwerdepunkten soll nur einer hier angeführt werden: Wenn einer Bauernhochzeit bevorstand, musste angegeben werden, wie viel Kälber, Hühner, Eier, Schmalz benötigt werden. Dann ließ Hoyos durch seinen Richter diese Lebensmittel nach dem Fürkaufrecht bei den Bauern um den halben Marktpreis einkaufen (für ein Kalb gab er nur 1 fl.) und nötigte sie dem Bräutigam um den dreifachen Wert auf. Auch sonst nützte er den Fürkauf ganz schamlos aus. Ochsen, die 15 Taler wert waren, musste ihm um 6 Taler überlassen werden. Doch er gab nicht das bare Geld, sondern eine Schuldverschreibung. Auf diese Weise machte er sich durch Abpressen von 300 Ochsen ein Vermögen.

Ähnliche Klagen hörte man auch gegen den Herrn Wilhelm von Roggendorf in Pöggstall. Er zog das Erbe der verstorbenen Bauern ein und gab der Witwe bei einer Wiederverehelichung, was ihm beliebte. Dieser Herr stellte auch schönen Bauerntöchtern nach.

Die Untertanen des Hoyos versammelten sich am 27. November 1596 bei Persenbeug auf freiem Felde, stellten die Beschwerden zusammen und beschlossen kurzerhand, 40 Ausschüsse nach Prag zu schicken und bei Kaiser Rudolf dem Zweiten Klage zu führen.

Schon in den ersten Tage des Dezember 1596 hatte sich der Aufstand über ein großes Gebiet des Waldviertels ausgebreitet. Dabei spielte auch der Terror eine Rolle. Die Untertanen des Herrn von Trautmannsdorf in Loiwein, die des Herrn Eindorfer in Allentgschwendt und die des Herrn Richard Strein im Tal der Wachau hatten keine Klagen und dennoch wurden sie unter Androhung des Kopfabschlagens zum Aufstand gezwungen. Die Schmiede und Schlosser wurden zur Herstellung von Waffen genötigt. 

Am 10. Dezember 1596 hielt Kaiser Rudolf der Zweite den Aufständischen mit strengen Worten ihr sträfliches Beginnen vor und warnte sie, andere durch Gewalt zum Mittun zu zwingen. Diese kaiserliche Warnung las der kaiserliche Herold Peter Fleischmann in Krems, Stein, Langenlois, Gmünd und Zwettl vor. Zum Schluss wurden die Bauern unter Androhung der strengsten Strafe zum Auseinandergehen aufgefordert und es wurde versprochen, dass ihre gerechten Forderungen erfüllt werden sollen. Am 14. Dezember befahl der Kaiser der niederösterreichischen Regierung eine Kommission einzusetzen, die den Aufstand gütlich beilege und den Druck der Herrschaften mildern sollte.

Mitte Dezember 1596 hatte der Aufstand schon aber Gemeinden bis Arbesbach, Weitra, Gmünd, Waidhofen und Horn mehr oder weniger ergriffen. Unter den Aufrührern befanden sich auch abgedankte Soldaten, Bürger und Handwerker, die ihre Raublust zu befriedigen und ihre wirtschaftliche Lage zu bessern hofften. 

Die Städte ergriffen aus freien Stücken oder auf Aufforderung von oben Sicherheitsmaßnahmen, damit sie von den Bauern nicht überrumpelt würden. Horn erhielt am 20. Dezember 1596 den Auftrag, sich mit Waffen zu versehen, Bereitschaft zu halten, die Zugbrücke und Geschütze in gutem Stand zu halten und die Tore frühzeitig zu schließen. Am 1. Jänner 1597 verfügte die Stand, dass der Gottesdienst von nun an nicht mehr in der außerhalb der Mauern liegenden Kirche, sonder in der Stadtkirche abgehalten werden solle, damit nicht etwa die Stadt von den Bauer überfallen und besetzt werden, während die Bürger beim Gottesdienst seien.

Bei der Verbreitung der Erhebung taten sich manche Männer besonders hervor. Die Seele des Aufstandes waren der Schneider Georg Prunner aus Emmersdorf, der Bauer Andreas Schrembser aus Dobersberg, der Schuster Adam Pierchheimer aus Pöggstall, der Bauer Georg Goeth aus Arbesbach, der Bauer Jakob Heinrichsmann aus Vitis und Georg Winter und Leonhard Gassner aus Weitra.

Der 55 Jahre alte Prunner, der früher Gerichtsdiener, dann Hundeschlager gewesen war, war General Obrist im Bauernheer. Er war kühn, ehrgeizig, verwegen, verschlagen und sehr rührig. Weder vor Raub, Plünderung und Gewalt noch Lüge, Heuchelei und Drohungen schreckte er zurück. Mit guten Worte oder Androhung des Kopfabschlagens und Hausanzündens hielt er in den wichtigsten Orten des Waldviertels Versammlungen ab. Überall ließ er die Bauer im "Ring" aufstellen und versprach ihnen die Abschaffung des Rüstgeldes, die Wiederherstellung der alten Rechte und verbot die Leistung von Abgaben, der Robot und des Gehorsams gegenüber den Herrschaften. Dann ließ er gleich an Ort und Stelle durch den Schulmeister von Thaya, der Feldschreiber war, die Beschwerden aufschreiben, nahm den Versammelten den Eid ab, ließ sie zur Deckung der Aufstandskosten den Eidkreuzer  zahlen und befahl, gerüstet auf dem festgesetzten Sammelplatz zu erscheinen, wenn die allgemeine Ansag oder der Glockenstreich ergehe. Nachdem die so aufgebotenen Bauern fünf bis sechs Tagen mit dem Haufen von Ort zu Ort gezogen waren, durften sie wieder nach Hause gehen, aber sie mussten stets für den Alarm gerüstet sein. Bei der Eidleistung streckten sie zwei Finger empor und schwuren im Namen der hl. Dreifaltigkeit, für die gemeinsame Sache Leib, Gut, Blut und Ehre einzusetzen, dann knieten sie nieder und beteten ein Vaterunser.

Schrembser war 75. Jahre alt. Nach den Waidhofner Ratsprotokollen war er ein Weber aus Rappolz. Er war während des Aufstandes ungeheuer reich geworden. Es wird ein Vermögen von 17.000 fl angegeben, das er sich wohl hauptsächlich durch Plünderung von Klöstern und Kirchen erworben haben dürfte. Doch war er sicherlich von Haus aus vermögend, wie ein im Waidhofner Museum aufbewahrter, um 1590 aufgestellter Schuldschein beweist. Im Bauernheer hatte er den Titel Oberst.

Andere, stärker hervortretenden Männer waren noch der Sohn Brunners, der Bürger Michael Maurer (32 Jahre alt, Leutnant) und Hans Schaufler (40 Jahre alt, Wachtmeister) aus Emmersdorf, Peter Brandstetter, ein Untertan von Hoyos (30 Jahre alt, Fourier), der Schmied Mert von Kamp, der Schmied Kilian von Schwarzenau und der Bürger Paul Haupt aus Ottenschlag.

Ein Teil dieser Führer waren sicher sittlich und wirtschaftlich herabgekommene Leute, die sich zu bereichern suchten, die nur auf den Raub ausgingen und eine vollständige Freiheit anstrebten.

Das Evangelium Prunners fand in den armen Gebieten des Waldviertels untern den Bauern und Taglöhnern einen guten Boden. Bei Zwettl versammelten sich bei 3000 Untertanen und gelobten eidlich die Verweigerung der Dienste und Abgaben. Am 18. Dezember 1596 zog der Haufen nach Rapottenstein um mit dem Pfarrer abzurechnen, weil er gegen den Aufstand gepredigt hatte, und dem Schlossherrn von Landau einen "Besuch" zu machen. Da sich der Pfarrer in das feste Schloss geflüchtet hatte, mussten sie sich mit der Plünderung des Pfarrhauses und der Niederbrennung des Maierhofes genügen.

Als sich der Bauernhaufen weiter verstärkt hatte, zog er am 21. Dezember nach Weitra und belagerte die Stadt vom 23. bis 26. Dezember. Die Bauern hätten den wegen seiner Strenge verhassten Herrschaftsverwalter  Georg von Schwarzmann in ihre Gewalt bekommen wollen. Der Weitraer Schlossherr hatte erst durch dieses Vorkommnis Kenntnis von den Eigenmächtigkeiten seines Verwalters erhalten. Sofort stellte er die Ungehörigkeiten ab, worauf sich die Bauer zufrieden haben. Dann zog man nach Gmünd weiter. Hier weilte eben ein kaiserlicher Herold, der für den Frieden wirken sollte. Nach Vorlesung des kaiserlichen Generale verpflichten sich Prunner und seine Unterführer in einem Revers zur Ruhe. Zum Schutz vor ihren Herrschaften erhielten sie Schutzbriefe. Am folgenden Tage verpflichtete der Herold in Zwettl gegen 3000 Bauern auf die gleiche Weise.

Auch vier kaiserliche Kommissäre, Wilhelm Herrn von Losenstein, Jakob Herr von Starhemberg, Abt Kaspar von Melk und Richard von Strein, bemühten sich um die Beruhigung der Bauern und die Anbahnung einer Verständigung. Sie luden von Ybbs aus die Aufständischen für den 17. Jänner 1597 nach Persenbeug ein, wo über ihre Beschwerden verhandelt werden sollte.

Der Generalobrist Prunner konnte eine friedliche Lösung nicht brauchen. Trotz des Gmünder Reverses nahm er Markt von Schloss Pöggstall ein und setzte seinen Genossen Gassner und dann den früheren Soldaten Pirschheimer zum Verwalter ein. Dann ging er nach Emmersdorf. Er bewirkte, dass am 17. Jänner kein Bauer vor der Kommission in Persenbeug erschien. Am 25. Jänner wurde das Schloss Persenbeug besetzt und zum Stützpunkt für die weitere Tätigkeit Prunners gemacht. Persenbeug ermöglichte ihnen die Beherrschung der Donau und sicherte die Verbindung mit den Aufständischen auf dem anderen Ufer. Am 7. Februar wurde tatsächlich die Donau bei Pöchlarn mit einer Kette abgesperrt. Zum Verwalter diese Schlosses, wo man viel Korn und 1400 Eimer Wein vorgefunden hatte, wurde Brunners treuester Anhänger, Georg  Goeth aus Arbesbach, eingesetzt. Goeth war übrigens sehr abergläubisch, denn stets trug er ein Zauberbüchlein und das Glied einer Kette, mit der einer gehenkt worden war, bei sich, dass ihm nichts Böses zustoße. Am 26. Jänner wurde Spitz besetzt und die Bürgerschaft zum Anschluß gezwungen.

Indessen hatte der niederösterreichische Landtag am 21. Jänner 1597 den Antrag gestellt, mit aller Strenge gegen die vorzugehen, die Pöggstall besetzt hielten, die den Pfarrhof Rappottenstein geplündert, Weitra und Ottenschlag belagert, in letzterer Ortschaft den Meierhof geplündert, die Ansag von Weitra bis Haugsdorf getragen und ruhige Untertanen mit Mitziehen gezwungen hatten. Als nun die Kunde von der Besetzung Persenbeugs nach Wien kam, billigte der Erzherzog die Abschickung des Führers Kollonitsch mit 700 Reitern ins Waldvierte.

Dessen ungeachtet wurden die Bemühungen um eine friedliche Beilegung fortgesetzt. Der kaiserliche Herold waltete in Kirchberg am Walde, Ottenschlag und Pöggstall weiter seines Amtes. Die kaiserlichen Kommissäre wollten für den 5. Februar in Krems eine neue Aussprache zustande bringen, aber Prunner  wusste auch diese zu vereiteln. Am 5. Februar forderte Erzherzog Matthias auch die Städte auf, ihm bei der Beruhigung der Bauern zu helfen. Aus Krems und Stein arbeiteten die Ratsbürger Christian Winkler, Stefan Mayer und der Stadtschreiber Heinrich Müllner in diesem Sinne. Dem Ernst der Zeit entsprechend und um größere Menschenansammlungen zu verhindern, wurden für den Fasching 1597 alle Maskeraden, Musik, Tanz und andere Lustbarkeiten verboten. Besonders die Arbeit der städtischen Abgesandten schien eine Erfolg zu versprechen, da sie den Bauern bekannt waren und ihr Vertrauen genossen.

Kaum hatten die städtische Kommissäre zu verhandeln begonnen, änderte sich wieder die Lage. Die Vorrückung der kaiserlichen Soldaten unter Moratschky und die Gerüchte, dass von Deutschland Truppen in Anmarsch seien, wurde von Prunner zur Beunruhigung der Bauern schlau ausgenützt. Schrembser, Angerer und der Schmied von Kamp wiegelten jetzt das ganze Waldviertel auf; es schlossen sich ihnen untern anderen Orten auf Gföhl, Gars, Grafenberg, Kottes, Schrems, Vitis, Allentsteig, Neupölla, Dobersberg, Thaya, Litschau und Kirchberg am Walde an. Ja der Schneider Heinrich Weiß aus Marbach trug die Erhebung über die böhmische und mährische Grenze. Als Sammelplätze wurden hauptsächlich Ottenschlag, Zwettl, Vitis, Dobersberg, Karlstein und noch andere Orte bestimmt.

Damals wurde im oberen Waldviertel die Erregung dadurch gesteigert, dass der Herr von Puchheim auf Raabs den Bauernhauptmann von Allentsteig in seinem Schlosse gefangen hielt. Von der steigenden Unruhe zeugt auch ein Schreiben des Herrn Dietrich von Welzer aus Siegharts vom 17. Februar an Georg von Puchheim. Demnach hatten ihm drei Untertanen aus Nieder Edlitz gemeldet, dass die Bauern von Karlstein, Dobersberg und Zlabings den Befehl zur Bereitschaft erhalten hatten und dass noch an diesem Tage einige Hundert nach Nieder Edlitz kommen werden. Ähnlich war den Bauern von Waldreichs befohlen worden, nach Vitis zu kommen. Am 20 Februar standen schon viele Bauern von der mährischen Grenze bei Rappottenstein. Untern den Bauern befanden sich auch abgedankte Landsknechte und fahnenflüchtige Soldaten. Untern denen, die die Bauern in militärische Aufstellung, in Glieder von drei und drei Mann brachten, wurden der frühere kaiserliche Profos Sebastian Schönfeld, nun Bauernleutnant genannt.

Wiederum machten die städtischen Abgesandten Versuche zu einem gütlichen Vergleich. Sie hatten aber nur in den Pfarren Pöggstall und Emmersdorf Erfolg. Als sie mit den Bauern um Grafenschlag (es sollen 30.000 dort gestand sein) verhandeln wollten, erklärte Schrembser und Angerer, sie hätten zu den Versprechungen kein Vertrauen mehr, da die Worte des Herolds nicht eingehalten worden seien; ferner würden sie zu Hause von der Herrschaften tribuliert und endlich seien Truppen in Anmarsch.

Zu dieser Zeit hatte auch der Kaiser eine Manifest ins Waldviertel geschickt, worin die Herrschaften aufgefordert wurden, von ihrer Strenge abzulassen und die eingekerkerten Bauern frei zu lassen. Beschwerden gegen  Bedrückungen durch die Herr oder Soldaten sollen bei den kaiserlichen Kommissären oder beim Generalobersten Moratschky vorgebracht werden.

Das kaiserliche Manifest stand mit den Bereitwilligung der meisten Bauern zur Heimkehr in Zusammenhang; wenn den Herrschaften die Bestratung oder Belästigung der Untertanen verboten werde, bis eine Kommission, die in Zwettl tagen sollte, über die Beschwerden der Bauern entschieden habe, wollten sie  auseinander gehen. Für diese Kommission erbaten sie sich die Langenloiser Ratsfreunde Paul Auer und Silip, die Bürger Hutstock und Greber aus Krems, die Bürger Elias Felber und Daniel Zipf aus Weißenkirchen und die Bürger Fuchs und Landsteiner aus Waidhofen. Als sie beruhigenden Zusicherungen hatten, gingen der größte Teil nach Hause; ein Teil unter Schrembser, Angerer und dem Schmid von Kamp blieb aber beisammen.

Gerüchte, dass Moratschky gegen das Waldviertel vorrückte und dass sich seine Soldaten viel Gewalttaten erlaubten, bot den Führern Schrembser und Angerer die willkommene Gelegenheit, wieder die Bauern mit dem Sammelplatz Neupölla aufzubieten. Nach einem anderen Bericht ist Grafenschlag als Sammelplatz festgesetzt worden. Die Bauern zogen dann über Stift Altenburg, das überfallen wurde, nach Gars, wo schon einige tausend Bauern beisammen waren. Über diese Zug nach Gars berichtet des Landesgerichtsverwalter Georg Rischi von Kirchberg am Walde: Es waren in ein Glied 40 Personen; es ist ein Hase dreimal durch das Glied gelaufen und hat nicht erschlagen werden können. Er sagte, er habe von Feldschreiber Moust selbst gehört, dass in Gars 90.000 und in Langenlois 11.000 Bauern gewesen seien. Doch diese Zahlen sind um ein Vielfaches übertrieben, wie es in so unruhigen Zeiten leicht verständlich ist.

In Gars hielten die Führer sehr ausreizende Reden. Dann beschloss man, die in und um Langenlois und Hadersdorf einquartierten Kürassiere des Grafen Kollonitsch zu überfallen. Im Morgen des 27. Februar schlich ein starker Bauernhaufen durch ein Hohlweg und griff unter Führung des Schmiedes von Kamp die in Straß liegenden 100 Reiter, die eben mit der Abfütterung ihrer Pferde beschäftigt waren, an. Es wurden 15 Reiter erschlagen und 40 Pferde, Waffen und Rüstungen erbeutet. Durch den Kampflärm aufmerksam geworden, kamen die in den umliegenden Dörfern einquartierten Reiter herbei, hieben über 200 Bauern nieder und versprengten die anderen in die Weinberge. Die erbitterten Soldaten, die der Meinung waren, dass die Strasser mit den Bauern im Einvernehmen gestanden seien, plünderten den Ort, wobei sie 100.000 fl. bar und für 24.000 fl Wertsachen erbeuteten, zündeten die Ortschaft an und hieben viele Leute nieder. Es sollen 400 Einwohner, darunter auch Weiber und Kinder, getötet worden sein. Auch auf ihrem Vormarsch verbrannten die Soldaten noch einige Dörfer. Die Bauern, welche in ihre Hände fielen, wurden erstochen oder mit Prügeln erschlagen. Die gelinderte Strafe bestand im Abschneiden der Nase und Ohren. Glücklich waren, die, welche ihr Leben mit Geld erkaufen konnten.

Um diese Zeit hatten die städtischen Kommissäre mit der Befriedung von Loiwein und Allentgschwend Erfolg. Am 28. Februar unterschrieben die Persenbeuger Untertanen zu Marbach, Münichreith, Windberg, Klein-Pöchlarn und im Yspertal den verlangten Revers unnd am 2. März wurde das Schloss Persenbeug herausgegeben.

Auf die Kunde von den Vorgängen in Straß und von der Grausamkeit der Soldaten wurden die Bauern neuerlich aufgeboten. Bei Horn und Langenlois hatte sich 30.000 Bauern versammelt, die in der ersten Märzwoche von den Soldaten auseinander gesprengt wurden. Dabei nahmen sie einen Hauptmann, der 7000 Taler bei sich hatte, seinen Feldschreiber und vier andere Rädelsführer gefangen. Auch jetzt gingen die Soldaten mit den gefangenen Bauern sehr barbarisch um, was wieder die Quelle neuen Widerstandes wurde, so vor allem um Ottenschlag und Pöggstall.

Nachdem sich am 10. März 1957 über 40 Dörfer um Langenlois unterworden hatten, begann Moratschky seine Exekutionszug durch das Waldviertel. In allen Orten, die am Aufstande hervorragend beteiligt waren, wurde zum abschreckenden Beispiel für die Zukunft nach einfachem Gerichtsverfahren eine Reihe von Rebellen hingerichtet. Zur Kommission gehörten noch drei Mitglieder vom Herrenstande, der Schultheiß (Anmerkung: früher für Gemeindevorsteher) und mehrere Geschworene. Die öffentliche Anklage vertrag der Regimentprofos Christoph Diem von Schweinfurt. Die Hinrichtung der Verurteilten geschah stets am nächsten Tage.

Bei Horn beginnend, zog Generaloberst Wenzl von Moratschky, Herr von Litschau, mit sieben Fähnlein (Anmerkung: Truppeneinheit im 16./17.)Jh. (durchschnittlich 300 Mann stark) Reitern unter Obrist Seyfried von Kollonitsch und drei Fähnlein Fußsoldaten untern Hauptmann Erasmus von Eytzing, richtend von Stadt zu Stadt. Wie diese Exekution auf die Bauern wirkte, erzählt ein Edelmann mit folgenden Worten: "Die Bauern bücken sich schier auf die Knie und ziehen die Hüte, so weit sie einen schier sehen können; aber man sieht ihrer gleichwohl viele, die Birnen an den Bäumen hüten." - das heißt, gehenkt wurden.

In Horn wurden der entwichene Kriegsknecht Hans Wurschenhofer aus Steyr nach gültigen und peinliche Verhör und ein Müller, der am Überfall bei Straß beteiligt war und noch andere Verbrechen auf dem Kerbholz hatten, auf freiem Felde gehenkt.

Am 12. März versammelte sich die Gerichtskommission in Waidhofen. Am 14. März um 3 Uhr früh ritten die sieben Fähnlein Kürassiere nach Dobersberg und nahmen Andreas Schrembser und seinen Feldschreiber, der ein Lederer war, gefangen. Um 11 Uhr vormittags waren sie bereits wieder in Waidhofen und übergaben die Gefangenen dem Profosen. Am 16. März , ein Uhr mittags, zog die ganze Truppe nach Weikertschlag, da man dort versammelte Bauern vermutete. Doch man fand keine Rebellen. Nachdem der Ort geplündert und mehreren Bauern Nasen und Ohren abgeschnitten worden waren, kehrten die Soldaten wieder nach Waidhofen zurück. Hier folgte auf das Verhör am 18. März die Hinrichtung. Am 19. März wurde der aus Koblenz gebürtige, entwichene Soldat Sebastian Schönfeld, gewesener Leutnant Prunners, außerhalb des Schultores bei des Paul Stößl Gärtlein an einem Kirschbaum aufgeknüpft und am 21. März begraben. Auf dem Stadtplatz vor dem Rathaus wurden drei Bauern die Ohren abgeschnitten.

Am 24. März zog Moratschky nach Zwettl weiter, wo am 27. März von fünf Gefangenen vier zum Strange verurteilt wurden. Am 28. März wurden drei der Verurteilten, welche aus Rudmanns waren, auf derselben Eiche zwischen Stadt und Stift Zwettl, die schon 1525 "gleiche Früchte getragen" hatte, aufgehängt; der vierte Todeskandidat, Sebastian Schertl, war entkommen. Dem fünften Angeklagten schnitt der Henker das rechte Ohr ab.

Die Empörung über die Grausamkeiten der Soldaten führte vom 20. März an zu einen Erhebungen der Bauern um Arbesbach, Gerungs, Martinsberg, Kirchschlag, Ysper, Münichreith, Altenmarkt, Pöggstall, Allentgschwend und anderen Orten. Auch um Rappottenstein erhoben sie sich, da es hieß, die Reiter hätten schon einen Metzen abgeschnittener Ohren und Nasen beisammen. Doch das Aufgebot hatte keinen rechten Erfolg mehr, da die meisten Bauern für die Unterzeichnung des Reverses waren. Der Aufgebotsbefehl von der "ganzen Compagnia der Bauernschaft" an den Bauernhauptmann Gruntpichler in Arbesbach lautete: "Unsern Gruß zuvor. Lieber Hauptmann Gruntpichler. Es ist der ganzen Compagnia der Bauernschaft ernstlicher Befehl, daß ihr alsbalb der Verlierung von Leib, Hab und Gut den halben Teil eures Volkes aufbietet, damit sie auf den nächsten Sonntag gewiß auf das allerfrüheste zu Ottenschlag seien wohlgerüstet; da alsdann einer oder der andere ausbleiben würde, würde ihm wieder erinnert werden, was ihm begegnen wird. Dies Aufbotzettl laßt alsbald auf Arbesbach und anderen umliegenden Hauptleuten zukommen, darnach weiß sich ein jeder zu richten und vor Schaden zu hüten. Dieser Zettel soll von Arbesbach auf Langenschlag, Germbs, Rappottenstein und allen andern Flecken, keiner ausgenommen, zukommen. Datum Allentgschwend, den 20. Martii an 97. R. Die ganze Kompagnia der Bauernschaft."

Der Mittelpunkt der Märzerhebungen war Pöggstall. Hier plünderte man die Rüstkammer des Herr von Roggendorf und stellte zum Schutze gegen die Reiter die Geschütze auf den Anhöhen auf.

Als Erzherzog Matthias von dieser neuen Erhebung erfuhr, gab es am 23. März Moratschky den Befehl, streng vorzugehen, die Ablieferung der Waffen binnen sechs Tagen zu fordern, die Aufrührer eidlich zum Gehorsam zu verpflichten, die Entlassung der Führer und von jeder Ortschaft die Stellung von zwei Geiseln zu verlangen. Die Orte, welche sich nicht fügen, sollen mit Feuer und Schwert angegriffen und deren Weiber und Kinder  gefangen gesetzt werden. Um die Drohung mehr Nachdruck zu geben, soll Moratschky mit drei oder vier der unruhigsten Dörfer den Anfang machen. Außer dem Abschneiden von Nase und Ohren wird ihm auch empfohlen, manchen auch die Finger oder gar die rechte Hand abzuschlagen; das werde die Bauer mehr schrecken, weil sie dann zu keiner rechten Arbeit mehr tauglich seien. Dieser Befehl wurde von den Soldaten sehr genau und freudig ausgeführt, wobei sie zwischen Schuldigen und Unschuldigen keine Unterschied machten.

Der Strafzug Moratschkys ging weiter. Am 31. März kam er über Groß Göpfritz und Grafenschlag nach Ottenschlag. Hier erfuhr er, dass zu Neukirchen bei Pöggstall Bauernscharen versammelt seien. Er schickte gegen sie den Grafen Thurn mit einem Fähnlein Reiter und Fußsoldaten. Anfangs wollten die Bauern Widerstand leisten, als es aber zum Ernst kam, flohen sie in die Wälder. In Neukirchen erbeuteten die Soldaten die aus dem Pöggstaller Schloss geraubten Kriegsgeräte, nämlich 3 Geschütze, 30 Doppeljacken und Falkaunen.

Von Ottenschlag kam der Generoberst am 2. April nach Pöggstall. Hier übernahm sein Profos den Hauptführer Georg Prunner, seinen Fourier und Fähnrich und auch Prunners Sohn, der Trommelschläger gewesen war und oft auch seines Vaters Stelle vertreten hatte, und endlich den Wachmeister Schauffer, die der Persenbeuger Pfleger Auftinger ergriffen hatte. Der Fähnrich, ein Welfcher, entkam und konnte nicht mehr ergriffen werden.

Am 4. April wurde in Emmersdorf Gericht gehalten. Es wurden sieben Aufrührer zum Tod verurteilt. Unter den Hingerichteten war Prunners Sohn, Hans, gleichfalls  ein Schneider, der Trommelschläger gewesen war, oft die Stelle seines Vaters vertreten, die Wachen auf- und abgeführt und in den böhmische Dörfern den Aufstand geschürt hatte., der abergläubische Maurer Georg Goeth aus Arbesbach und der Schneider Heinrich Weiß aus Marbach, der den Aufstand über die böhmische und mährische Grenze getragen hatte.

Überall hatte Moratschky die Ergebenheitsreverse im Empfang genommen. Das Waldviertel war beruhigt, seit die Führer gefangen waren. Schon am 5. April lobte Erzherzog Matthias den Generalobersten für sein rasches Vorgehen; aber er sprach auch einen Tadel aus, weil seine Soldaten so unmenschlich und zuchtlos waren.

Von Emmersdorf rückte die Strafexpedition auf das rechte Donauufer. Es wurden viel Rebellen aus den Waldviertel mitgeführt, die in verschiedenen Orten hingerichtet wurde. In Kilb wurde Mich Kibhofer, ein Untertan des Herrn Adam von Puchheim, gehenkt. Interessant ist die Aussage, die Wolf Kierbeck, gleichfalls ein Untertan Puchheims machte. Er sagte, dass der bei seiner Heirat in der Ortschaft Streit in der Herrschaftstaverne für eine bescheidene Anzahl von Gästen 14 fl. für Speisen und Getränke zahlen musste; weiters wurden ihm 10 fl. Abfahrts- und Schreibgebühren vorgeschrieben. So waren von 25 fl. Heiratsgut seiner Braut nur 12 Schilling übrig geblieben.

In Seitenstetten wurde am 24. April die drei Bauern Thomas Freund aus Ottenschlag, Andreas Schmutzer aus Langenschlag und Christoph Pechhofer aus Schönau mit dem Strange hingerichtet. Ein Weib wurde wegen der Teilnahme am Aufstand um Ottenschlag und wegen Zauberei in einen Sack gebunden und in der Url ertränkt. In Amstetten wurde am 29. April zwei Heidenreichsteiner Untertanen gerichtet. In zwei Monaten hatte Moratschky diese "schöne Exekution" in zwei Vierteln vollendet, wobei 46 Todesurteile vollstreckt wurden. Ferner hatte er noch gegen 400 Gefangene nach Wien zur Aburteilung eingeliefert.

Nun harrten die im Wiener Amtshause auf der Laimgrube eingesperrten Haupträdelsführer noch der Aburteilung. Prunner wurde auf dem Hof in Wien, nachdem er zur katholischen Kirche zurückgekehrt war, geköpft und dann gevierteilt. Die anderen Führer sollten zum abschreckenden Beispiel dort hingerichtet werden, woher sie stammte oder wo sie eine besondere Tätigkeit entwickelt hatte.

Andreas Schrembser wurde am 26. November 1597 von Wien nach Waidhofen gebracht und dem Stadtgericht übergeben. Das Urteil, das aus Wien am 2. Dezember einlangte, lautete: "Andreas Schrembser, gebürtig von Reinolz bei Dobersberg, seines Handwerks ein Leinweber, 75 Jahres alt, Untertan der Frau Florentine von Puchheim, der Witwe des selig verstorbenen Freiherrn Siegmund von Puchheim, hat in seiner gütigen und peinlichen (das heißt unter Folter) Aussage bekannt, dass er als Hauptmann bei dem Bauernstande gegen die  Befehle seiner kaiserlichen Majestät gehandelt habe, wodurch dem Lande und vielen Tausenden armen Leuten merklicher Schaden und Nachteil entstanden ist. Darum soll er auf hohem Wagen zur Richtstätte geführt und daselbst bei lebendigem Leibe gevierteilt werden. Die Viertel sollen an den gebräuchlichen Orten um die Stadt aufgehängt werden. Seine Grundherrschaft soll zum abschreckenden Beispiel sein Haus von Grund aus niederreißen und an dessen Stelle ein Hochgericht (Galgen) erbauen lassen und seine ganze Verlassenschaft als konfisziert zu erklären."

Das Urteil an Schrembser wurde auf einer hohen Bühne in der Stadt vollzogen. Die Freimann von Krems erhielt für seine Arbeit und das Vierteilen und Aufhängen der einzelnen Viertel 36 fl. rheinisch, freie Zehrung und frei Fahrt.

Der Bauernführer Johann Auberger, stiftlicher Dorfrichter zu Gschwend, wurde im August 1597 auf der Jungfernwiese neben der Straße zwischen Stadt und Stift Zwettl mit dem Schwert enthauptet. Drei andere Aufrührer wurden auf einem nahen Fichtenbaum aufgeknüpft. Bei der Hinrichtung mussten mehrere Tausend Bauern mit ihren Söhnen zum abschreckenden Beispiel zuschauen. Die Dorfgemeinde Rudmanns wurde von der Regierung verurteilt, jährlich an einem dem Abte genehmen Tage einen Metzgerblock ins Kloster bringen, denselben mit einer darauf liegenden Fleischerhacke durch die Dorfjugend in Reihen herumführten, einen Fastnachtsnarren zum Fuhrmann zu wählen und alsdann dem Stifte Abbitte zu leisten. Das war in der Absicht befohlen worden, die Gegenwärtigen daran zu erinnern, dass ihre Vorfahren das Henkerbeil verdient und sich wie Narren betragen haben.

In Weitra wurden während des Sommers einige aufrührerische Bauern aus der Zwettler Gegend hingerichtet. Dem Feldschreiber Georg Köbel wurde in Langenlois zuerst die rechte Hand und dann der Kopf abgeschlagen. Sein Leichnam wurde aufs Rad geflochten. Der Stadt Krems wurden auch zwei Waldviertler Hauptleute zur Hinrichtung ausgeliefert. Die Häuser der Verurteilten wurden dem Erdboden gleich gemacht und durften nie wieder aufgebaut werden, ihre Güter wurden eingezogen und ihre Familien aus dem Lande gewiesen. Damit war das Blutgericht beendet.

Damit war das Gericht aber noch nicht zu Ende. Denn am 29. April 1597 hatte Erzherzog Matthias den Herrschaften gestattet, den anderen gefangenen Untertanen den Prozess selbst machen zu dürfen, nur musste das Urteil der Regierung zur Bestätigung vorgelegt werden. Gütereinziehungen durften die Grundherrn aus begreiflichen Gründen nicht vornehmen, wohl aber konnten sie solche beim Kaiser beantragen. Zur Deckung des Schadens, den der Kaiser, das land und die Grundherrn durch den Aufstand erlitten hatten, sollten die Grundherrn mit den Gefangenen ein genaues Inventar der beweglichen und unbeweglichen Habe aufnehmen und der Regierung einsenden. Der Erzherzog Matthias hielt es für notwendig, die Grundherrn vor Rache, Eigennutz und Feindschaft beim Prozess zu warnen und sie zu mahnen, ihren Pflegern und Verwaltern nicht als Angeberei zu glauben. Daher wurden nur mäßige Geldstrafen und kurze Gefängnisstrafen verhängt. Überdies wurde ein Treueid und ein Revers verlangt.

Ein solcher Revers, den die Bauern der Herrschaft ausstellen mussten, lautete ungefähr so: "Wir bekenn, dass wir wider Gott, seine göttliche Ordnung, den Kaiser, den Landesfürsten und den Grundherrn befehlt haben, dass wir durch Anreiz des Teufels und Verführung böser Leute ohne Fug, Rechtmäßigkeit und Ursache nur zu unserem Nutzen und aus Mutwillen behandelt haben, unsere eidliche Pflicht verletzt und damit auch Gott beleidigt haben. Wir erkennen an, dass unsere Strafe gerecht ist. Wir versprechen, für uns und unsere Nachkommen, für alle Zeiten, Dienste, Steuern, Robot, Freigeld und Auffahrtgeld zu leisten, nie mehr aufzustehen, noch andere dazu zu verleiten. Das bekräftigen wir mit 'aufrechten Händen' (eidlich) bei Gottes Strafe." Die Persenbeuger Untertanen mussten dabei ausdrücklich ihr Bedauern aussprechen, dass durch ihre Schuld Herr Hoyos ohne Grund im weiten Land "im Maul herumgetragen und verschimpfiert" werden.

Die Eidesformel für die Bauern lautete. "Wir, N. und einen ganze Gemein in N. schwören hiemit zu Gott im Himmel einen aufrechten Eid, daß wir nun und zu ewigen Zeit den falsch geschworenen Eid, so wir der Bauernschaft getan, aufheben und aus der unchristliche Bündnis gehen, auch die Rädelsführer und andere dieser Aufrührer, Aufreizer namhaft machen, derselben keinen verhalten, sonder dämpfen helfen, entgegen auch unserer von Gott fürgesetzten ordentlichen Obrigkeit von Grund unseres Herzens um Verzeihung und Gnad bitten und ncihts wider unser mündliche und schriftliches Zusagen und Angeben gedenken, rede, tun und handeln wollen, so wahr uns Gott und sein liebes Evangelium hier zeitlich und dort in Ewigkeit helfen. Amen."

Aus diesen Erklärung sehen wir die bedingungslose Unterwerfung der Bauern. Sie hatten fast nichts erreicht, aber viel Blut, Gut und Ehre eingebüßt. Außer einigen Erleichterungen in der Robot und beim Freigeld blieb es beim alten. Die Bauern waren weiterhin den Grundherrn preisgegeben. Bei den Verhandlungen gaben die Herrn die Erhöhung der Abgaben zu, aber sie nannten sie gerecht, weil ja die Preise zwei- bis dreimal höher seien als früher. Beschwerungen über Gebühr seien nur bei wenigen Herrn vorgekommen. Die Herrn stritten den Bauern nun auch das Recht ab, sich gegen ihre Herrn zu beklagen, weil sie durch den Aufstand Ehre, Leib, Leben, Hab und Gut verwirkt hätten.

Wie es den Bauern nach dem Aufstand ging, sagt ein bewegliches Flugblatt aus 1598: "Da ist kein Kaiser mehr, der sich des armen, elenden Bauersmannes in dieser Zeit, die voll Unruhe, Zweitracht, Unfriede und Haß entbrennt, annimmt gegen die Harpyen, Placker und Schinder. Er kann es nicht, wenn er auch wollte. Was wird auf dem Reichstag verhandelt? Alles Erdenkliche, aber nichts was zum Nutzen, Heil und Beschützung des armen Mannes vom Land dienen könnte und dazu da wäre, seinen Unterdrückern, Tyrannen und Schindern ein Gebiß einzulegen." Und weiter heißt es da, der Bauer habe nirgends mehr sein altes Recht, seine Nutzung am gemeinen Feld, Wiesen und Wäldern, keine gemessenen Fronden und Schwarwerke und kein eigenes Gericht. Wer von den alten Rechten noch spreche, der sei ein Herrenfeind und Aufrührer, der es verdiene, an Gut, Leib und Leben gestraft zu werden. Man ziehe sogar angesehene Theologen heran, die ein scharfes Regiment gegen die Bauern empfählen, damit sie nicht üppig würden und sich gegen ihre Obrigkeit auflehnten.

Und in der "Bauernklage" lesen wird: Die Vermehrung der Amtsleute und Schreiber fällt den Bauern sehr beschwerlich, da sie auf Kosten der Bauern prassen und prunken wollen. Sie sind Blutsauger und ersinnen immer neue Lasten und Gebühren und arbeiten nicht nur für den Gutsherrn, sondern auch für ihre Tasche.

Der oberösterreichische Aufstand von 1626

Die Grundherrn waren weiterhin die gleichen selbstherrlichen und selbstsüchtigen Leute geblieben. Das mag wohl auch ein Grund gewesen sein, dass es nach einem Menschenalter in Oberösterreich wieder zur Erhebung kam. Die Hauptursachen waren aber die Gegenreformation und die Pfandbesetzung durch Bayern.

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